Zitierkartell
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Der Matthäus-Effekt ist wie das Thomas-Theorem eines der „Grundgesetze“ jeder handlungsbezogenen Soziologie. Die Bezeichnung spielt an auf einen Satz aus dem Matthäusevangelium aus dem Gleichnis von den anvertrauten Zentnern an (Ev. Mätthäi 13/12):
„Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, daß er Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen, was er hat.“
Umgangssprachlich wird dieses Phänomen auch mit den Sprichworten „Wer hat, dem wird gegeben“, „Es regnet immer dorthin, wo es schon nass ist“ oder auch „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen“ wiedergegeben.
Der US-Soziologe Robert K. Merton hat den Matthäus-Effekt als Matthew-effect im Rahmen seiner wissenschaftssoziologischen Überlegungen hauptsächlich auf die Zitierhäufigkeit von wissenschaftlichen Veröffentlichungen als empirisch beobachtetes Phänomen, das dem Grundsatz der positiven Rückkopplung folgen soll, operationalisiert. Das heißt, dass bekannte Autoren häufiger zitiert werden als unbekannte und dadurch noch bekannter werden (success breeds success). Trotz des Matthäus-Effektes nimmt die Anzahl der Zitierungen einer Publikation nach einem kurzen Anstieg auch bei bekannten Autoren mit einer relativ konstanten Halbwertszeit ab. Oft ist es sogar so, dass die momentan am häufigsten zitierten Artikel eine schnellere Abnahme der Zitierungen aufweisen. Dies kann unter anderem damit erklärt werden, dass allgemein bekannte Informationen nicht mehr zitiert werden, sondern nur noch mit dem Namen des Autors oder als bloße Tatsache in einem Text erscheinen. Dieses Phänomen wurde von Eugene Garfield als eine Form des Uncitedness behandelt. Selbst Klassiker und Standardwerke werden in der Regel nicht ewig zitiert, weil sie irgendwann neu aufgelegt werden und auf die neueste Auflage verwiesen wird. Es deutet auch darauf hin, dass der Matthäus-Effekt eher bei Autoren als bei einzelnen Artikeln auftritt. Wenn der Matthäus-Effekt durch gegenseitige Gefälligkeitszitate mehrerer Autoren herbeigeführt oder verstärkt wird, spricht man von einem Zitierkartell.