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Wilhelm Dietl

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Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Person

Wilhelm Dietl, Jahrgang 1955, ist ein deutscher Geheimagent, Journalist und Publizist.

[bearbeiten] Journalist

Als Journalist arbeitete Wilhelm Dietl unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, die QUICK, Spiegel, Stern und FOCUS. Ab 1986 gehörte er dem Bonner Institut Terrorismusforschung an, ab 2003 dem neu gegründeten Essener Terrorismusinstitut als stellvertretender Leiter (bis Sommer 2006).

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Zu seiner Ehrenrettung ist zu sagen, dass der FOCUS ihn im November 2004 mit zwei vorgeschobenen Vorwürfen rauswarf. FOCUS behauptete, Dietl habe unkeusche Kontakte zum Geheimdienst von Saddam Hussein unterhalten, und er habe dem Stern-Kollegen Georg Wedemeyer verbotenerweise am Handy verraten, was Bayerns Innenminister Günther Beckstein bei einer Veranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung quasi öffentlich erzählt hatte. Das habe Wedemeyer dann in einem Artikel zitiert. Der Verrat bestand aus zwei oder drei Sätzen. Dietl klagte gegen die Kündigung und gewann inzwischen zweimal gegen FOCUS. Markwort will es wissen und ging in Berufung. Kein Kenner der Juristerei gibt ihm eine echte Chance.


Inzwischen scheint klar zu sein, dass Wilhelm Dietl nicht nur nur in das Visier von FOCUS geraten ist. Auch der BND will es wissen. Nachdem Norbert Juretzko und Wilhelm Dietl ihr erstes gemeinsames Buch ("Bedingt dienstbereit") im Sommer 2004 veröffentlicht hatten, wurde die Observation des kritischen Journalisten durch das Horch-und-Guck-Kommando des BND, genannt QB30, verstärkt. Dietl bekam auch dreimal innerhalb von zwei Jahren Besuch durch Uwe Müller aus Leipzig, der für den BND gearbeitet haben soll. Er versuchte alles über die Kooperation Dietl-Juretzko herauszufinden. Das begann kurz vor Erscheinen von "Bedingt dienstbereit" und endete erst mit der BND-Affäre vom Mai 2006. Seine Auftraggeber beim Untersuchungsreferat 80B des BND (damals geleitet von Melanie Rengstorf, der Ehefrau eines hohen bayerischen Landesbeamten) drängten Uwe Müller, den Kontakt zu Wilhelm Dietl abzubrechen und zeigten kein Interesse an dem Angebot des Berliner Journalisten Andreas Förster, der das Manuskript Im Visier schon vor Erscheinen Müller angeboten haben soll.

[bearbeiten] Geheimagent

Der BND versuchte in besonders perfider Weise, Dietl in Mißkredit zu bringen. Er meldete seine Namen an den Bespitzelungs-Sonderermittler Gerhard Schäfer. So geriet Wilhelm Dietl in einen Sack mit seinem Verfolger Uwe Müller, und alle schlugen wütend drauf.

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Dietls eigentliches Geheimnis wurde im November 2005 durch eine erste Berichterstattungswelle bei Zapp, FOCUS und Spiegel in Ansätzen geliftet. Er hatte nämlich von 1982 bis 1992 offiziell und doch streng geheim für den BND gearbeitet, war in den ersten Wochen von 1993 ausgeschieden. Danach hatte er beim neuen Nachrichtenmagazin FOCUS angeheuert.

Dietls Tätigkeit für den BND betraf den Nahen und Mittleren Osten, Südasien, Zentralasien, Nordafrika. Er jagte Terroristen, Waffenhändler, Rauschgiftproduzenten und brachte hochbrisante politische wie wirtschaftliche Hintergründe, insgesamt beinahe 1000 Meldungen.


Für seine Gesamtleistungen im BND bekam er rund 650 000 Mark - Honorar, Prämien, Spesen. Zwei Drittel des Geldes war für Reisekosten bestimmt. Dies alles wurde vom BND aus Rache für Dietls Hilfestellung zugunsten des BND-Dissidenten Norbert Juretzko verraten. Dietl spricht in diesem Zusammenhang von Geheimnisverrat ohne Not und geht gegen den BND bereits juristisch vor.

Wilhelm Dietl zählt zu den Journalisten - waren es 20 ? -, die 1997 und 1998 regelmäßig mit dem BND-Sicherheitschef zusammentrafen und dabei aus dem Nähkörbchen plauderten. Er sagt in Interviews, bei diesem Mittagsgesprächen (im Münchner "Seehaus") habe er weniger verraten, als ein genaues Studium des Branchendienstes "Kress-Report" an Erkenntnissen bringen würde. Er habe Banalitäten erzählt, und dies zunehmend unwilliger, als er die eigentliche Stoßrichtung des Chefspions Foertsch erkannt habe. Diese Ausführungen werden vom Schäfer-Bericht bestätigt. Aus dem Report des Deutschen Bundestages geht auch hervor, dass Dietl sein ganzes Geld nur für Auslandsarbeit erhalten hat. Er selbst erzählt bei jeder Gelegenheit, dass er niemals einen Auftrag des BND angenommen habe, Kollegen zu bespitzeln. Dazu liegt auch nirgendwo ein schriftlicher Beweis vor. Die bestens vernetzten Dietl-Gegner hätten ihn längst veröffentlicht.

Derzeit streitet Dietl an mehreren Fronten um seine verlorene Ehre. Anwälte balgen sich mit den namhaftesten deutschen Medienorganen. Zwei Strafanzeigen richten sich gegen den ehemaligen Arbeitgeber BND. Ein Untersuchungsausschuß zur BND-Bespitzelungsaffäre scheint im Herbst dunkle Ecken ausleuchten zu wollen. Dietl (neuestes Buch "Spy Ladies"/ "Frauen im Geheimdienst") wird noch lange in den Schlagzeilen bleiben, die er in seinem früheren Leben so erfolgreich vermieden hat.

[bearbeiten] Publizist

Seit seinem Rauswurf beim Focus konzentriert sich Wilhelm Dietl darauf, gemeinsam mit Ex-Geheimdienstler Norbert Juretzko kritische Bücher aus Insidersicht über den BND zu veröffentlichen. Im August 2006 erschien sein neues, eigenes Buch über die Rolle von Frauen in den Geheimdiensten ("Spy Ladies"). Im Oktober 2006 veröffentlichte er zusammen mit den Terrorismusforschern Rolf Tophoven und Kai Hirschmann ein umfangreiches Lexikon des Terrorismus.

[bearbeiten] Literatur

Wilhelm Dietl 05/2007 im Eichborn Verlag: "Deckname Dali. Ein BND-Agent packt aus" - ISBN 382185670X

Norbert Juretzko und Wilhelm Dietl bei Ullstein 2006: Im Visier. Ein Ex-Agent enthüllt die Machenschaften des BND

Wilhelm Dietl bei Ullstein 2006: Spy Ladies. Frauen im Geheimdienst - ISBN 3550076231

Wilhelm Dietl, Rolf Tophoven und Kai Hirschmann bei Eichborn 2006: Lexikon des Terrorismus. Täter, Opfer, Hintergründe - ISBN 3821856424

Norbert Juretzko und Wilhelm Dietl bei Ullstein 2004: Bedingt dienstbereit. Im Herzen des BND - die Abrechnung eines Aussteigers

perlentaucher.de: Rezensionen zu Bedingt dienstbereit

[bearbeiten] Weblinks

Yossi Melman am 15.06.2007 in der Haaretz: Cover story (engl)

R-Archiv am 15.06.2007: »BND Journalistenaffäre« erreicht das Ausland

Mein Parteibuch am 19.06.2006: (Artikel zum) Weblog von Ferdinand von Schirach

Zapp am 17.05.2006: Miese Typen - Journalisten bespitzeln eigene Kollegen

Mein Parteibuch am 13.05.2006: Literaturtip zur BND Affäre: Im Visier. Ein Ex-Agent enthüllt die Machenschaften des BND

taz vom 20.11.2004: Bedingt lesebereit

Berliner Zeitung vom 10.09.2004: Verratene und Verräter - Details zu der "Rübezahl-Affäre"

Berliner Zeitung vom 13. Juli 2006: Ein idealer Geheimagent. Der Journalist Wilhelm Dietl will aber kein Verräter sein.

Profil vom 19. Juni 2006: Die verlorene Ehre des Wilhelm Dietl.

Von „http://www.mein-parteibuch.com/wiki/Wilhelm_Dietl

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