Siemens
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[bearbeiten] Unternehmen
Siemens, genauer die Siemens AG, ist ein deutsches weltweit aktives Unternehmen der Elektrobranche mit ca. 120 Standorten in Deutschland und Hauptsitz in München. Siemens beschäftigt nach eigenen Angaben rund 460.800 Mitarbeiter weltweit (2005), davon mehr als 165.200 (36%) in Deutschland. Im Geschäftsjahr 2005 betrug der Umsatz des Konzerns 75,445 Mrd. Euro, nach 70,237 Mrd. Euro im Jahr 2004. Der Gewinn nach Steuern ging dagegen allerdings zurück. Im Geschäftsjahr 2005 wurden nur 2,42 Mrd. Euro im Vergleich zu 3,66 Mrd. Euro im Vorjahr erwirtschaftet.
[bearbeiten] Management
Der Vorstand der Siemens AG besteht zur Zeit aus folgenden Personen (Stand: 1. Mai 2006):
Johannes Feldmayer, Thomas Ganswindt, Klaus Kleinfeld (Vorsitzender), Edward G. Krubasik, Rudi Lamprecht, Joe Kaeser, Eduardo Montes, Jürgen Radomski, Erich R. Reinhardt, Hermann Requardt, Uriel J. Sharef, Klaus Weyrich, Klaus Wucherer
Der Aufsichtsrat der Siemens AG hat 20 Mitglieder. Dies sind zur Zeit (Stand: 31. März 2006):
Josef Ackermann, Lothar Adler, Gerhard Bieletzki, John David Coombe, Hildegard Cornudet, Gerhard Cromme, Birgit Grube, Heinz Hawreliuk, Ralf Heckmann (Stellv. Vorsitzender), Berthold Huber, Walter Kröll, Wolfgang Müller, Georg Nassauer, Heinrich von Pierer (Vorsitzender), Thomas Rackow, Albrecht Schmidt, Henning Schulte-Noelle, Peter von Siemens, Jerry I. Speyer, Lord Iain Vallance of Tummel
[bearbeiten] Korruptionsbekämpfung pro Forma
Auf dem Papier gibt es bei Siemens Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung wie einen Whistleblower-Schutz. Tatsächlich handelt das Management jedoch offensichtlich nicht danach. Ein Whistleblower von Siemens in Norwegen wurde vom Management kaltgestellt. Vor Gericht bekam der Whistleblower in Norwegen jedoch recht und Siemens wurde später wegen ungesetzlicher Praktiken in Norwegen von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen.[1]
[bearbeiten] 30% Schmiergeld üblich gewesen
Die Financial Times Deutschland berichtete am 28.05.2008 von Rückenproblemen, die das Gewicht der üblichen 30% Schmiergeld verursachte: [2]:
Auf Druck der Zentrale hätten zwei Compliance-Beauftragte, die heute noch für Siemens tätig sind, die für die Abwicklung der Schmiergeldzahlungen zuständigen Com-Beschäftigten angesprochen und gefordert: "Lasst Euch etwas anderes einfallen", zitierte Keil von Jagemann. Gegen ihn wird ebenfalls ermittelt. Daraufhin seien die Anteile des Schmiergelds am Auftragswert reduziert worden: Anfangs seien noch bis zu 30 Prozent üblich gewesen, ab etwa 2001 hätten die internen Korruptionsbekämpfer fragwürdige Provisionen von fünf bis sechs Prozent als "sittlich gerechtfertigt" betrachtet. Zuvor habe Keil von Jagemann große Mengen von Bargeld und Überweisungsträgern in schweren Pilotenkoffern ins Nachbarland gebracht. "Ich hätte mir fast einmal einen Rückenschaden zugezogen."
[bearbeiten] Jüngste Entwicklungen
2001 erwarb Siemens eine Mehrheitsbeteiligung an der Atecs Mannesmann AG, deren Unternehmensaktivitäten Dematic, VDO und Demag in den Bereich Siemens Dematic (später Logistics and Assembly Systems (L&A) umgewandelt wurden. Dieser wurde am 1. Oktober 2005 wieder aufgelöst. Seine Teil-Geschäftsgebiete Postal Automation (PA) und Airport Logistics (AL) wurden in den Bereich Industrial Solutions and Services (I&S) integriert. Das Geschäftsgebiet Electronic Assembly Systems (EA) gehört nun Automation and Drives (A&D) an. Distribution and Industry (DI), Material Handling and Production (MHP) und Customer Services (CS) werden zur Dematic GmbH & Co. KG. Diese rechtlich eigenständige Gesellschaft ist vorerst eine 100%ige Tochter der Siemens AG und nahm am 1. Januar 2006 ihre Tätigkeit auf. Hauptgründe für diesen Umbau waren anhaltende operative Verluste, hauptsächlich der ausgegliederten Geschäftsgebiete. Im Juni 2006 gibt Siemens schließlich den Verkauf von Dematic an den europäischen Private-Equity-Investor Triton bekannt.
Zum 1. Oktober 2004 wurden die Siemens Bereiche ICM und ICN zum neuen Bereich Communications (Com) zusammengefasst. Daraus ergibt sich der größte Einzelbereich der Siemens AG. Zum 3. März 2005 übernahm die a&o Gruppe aus Neuss die SBS-Tochter Sinitec. Dieser Verkauf wird als Beginn einer Umstrukturierung innerhalb des Siemens-Konzerns angesehen.
Am 7. Juni 2005 gab das Unternehmen bekannt, dass die Handysparte mit Wirkung zum 1. Oktober 2005 an die taiwanesische Firma BenQ abgegeben wird, diese führt das Mobilfunkgeschäft mit einer Zentrale in München weiter.
Im Februar 2006 kommen Gerüchte auf, der Siemens-Vorstand erwäge den Verkauf bzw. Ausgliederung von Teilen des Com-Bereichs. Am 19. Juni 2006 gibt Siemens die Zusammenlegung seiner Sparten für das Geschäft mit Netzbetreibern mit dem finnischen Konkurrenten Nokia in einem neuen, rechtlich eigenständigen Unternehmen bekannt. Zum 1. Januar 2007 soll durch dieses Joint Venture ein global führender Infrastrukturanbieter für Fest- und Mobilnetze unter dem Namen Nokia Siemens Networks entstehen, an dem Nokia und Siemens je zur Hälfte beteiligt sind. Sitz der in den Niederlanden registrierten Gesellschaft soll in der Region Helsinki, Finnland sein. Simon Beresford-Wylie, derzeit Executive Vice President und General Manager von Nokia Networks, soll nach Abschluss der Zusammenlegung den Vorstandsvorsitz von Nokia Siemens Networks übernehmen. Das neue Unternehmen Nokia Siemens Networks würde ca. 60.000 Mitarbeiter beschäftigen. Angestrebt werden Synergieeffekte von rund 1,5 Mrd. EUR bis zum Jahr 2010 (etwa 10 Prozent des summierten Pro-Forma-Umsatzes der beiden Unternehmensteile im Jahr 2005), auch durch den Abbau von Personal.
Weiterhin hat der Vorstand von Siemens am 19. Juni 2006 bekanntgegeben, die Konsolidierung in der Enterprise-Networks-Industrie (Netzwerkgeschäft mit Firmenkunden) aktiv zu verfolgen. Siemens ist nach eigenen Angaben in Verhandlungen mit mehreren Interessenten zur Umsetzung dieser Strategie. Das Wireless-Modules-Geschäft (Geschäft mit drahtlosen Funkmodulen in der Maschine-zu-Maschine Kommunikation, z.B. in Verkaufsautomaten) soll zum 1. Oktober 2006 in den Siemens-Bereich Automation and Drives integriert werden.
Durch diese jüngsten Umstrukturierungen löst die Siemens AG den Communications (Com) Geschäftsbereich somit knapp zwei Jahre nach seiner Gründung wieder auf.
Die Zahl der Mitarbeiter des Siemens-Konzerns (incl. Joint-Ventures und Beteiligungen) beträgt heute weltweit rund 460.800 Mitarbeiter (2005). Dabei ist eine Entwicklung hin zum Offshoring zu erkennen. So waren 2001 über 41% der Siemens-Mitarbeiter in Deutschland tätig, 2005 waren es noch 36%. Gleichzeitig schaffte Siemens in Osteuropa und Asien neue Beschäftigung.
Immer wieder wird Siemens auch ein Interesse am Aufbau eines europäischen Wehrtechnik-Konzerns nachgesagt. Hierzu soll möglicherweise der 49% Anteil an KMW in ein Gemeinschaftsunternehmen mit EADS eingebracht werden. Es tauchten auch wiederholt Spekulationen auf, wonach Siemens das Aktienpaket, welches Daimler-Chrysler an EADS hält und abstoßen möchte, übernehmen könnte, wodurch langfristig auch eine Übernahme von EADS denkbar wäre.
Siemens ist seit Januar 2006 an der Entwicklung der europäischen Suchmaschine Quaero beteiligt.
[bearbeiten] Pressearbeit
In einem Artikel des Nachrichtenmagazins Der Spiegel wurde von einer PR-Aktion berichtet, bei der Siemens-Mitarbeiter diesen Wikipedia-Eintrag gezielt verändert haben, um den amtierenden Vorstandvorsitzenden des Konzerns Klaus Kleinfeld in ein besseres Licht zu stellen; auch wurde der Verkauf der Handysparte an BenQ beschönigt.
[bearbeiten] Gehälter
Am 17.09.2006 wurde bekannt, dass der Aufsichtsratsvorsitzende von Pierer die Vorstandsgehälter um durchschnittlich 30% erhöhen will. Da sich viele Siemens-Mitarbeiter hingegen auf Lohnkürzungen einstellen müssen sowie durch eine vermutete Zusammenlegung von Bereichen mit Nokia Tausende Arbeitsplätze wegfallen [1] , gab dies Kritik aus der Politik, Wirtschaft und sogar von Kirchen [2].
[bearbeiten] Quellen
- ↑ Whistleblower-Blog am 30.11.2006: Whistleblowerschutz bei Siemens: Theorie vs. Realität
- ↑ FTD am 28.05.2008: Ex-Siemens-Vorstand Ganswindt gesteht