Projekt Gemstone
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[bearbeiten] Wesen
Das Projekt Gemstone von 1972 war eine von Gordon Liddy geleitete illegale Geheimdienstoperation zur Sicherung der Wiederwahl von US-Präsident Richard Nixon, die dank Whistleblower Mark Felt als Watergate-Affäre weltbekannt geworden ist.
Nachfolgende kurze Darstellung des Projektes Gemstone ist der auf wesentliche Teile verdichteten Analyse der Webseite "Mafia, Geheimdienste und Politik der USA" entnommen und wurde mit einigen Verweisen angereichert.
[bearbeiten] Projektinitiierung
H. Robert Haldeman instruierte John Dean im Dezember 1971, ein Geheimdienst-Programm für die Sicherung von Nixons Wiederwahl zusammenzustellen, weil dessen Wahlkampagnen immer wieder sabotiert wurden. Richard Nixon wollte auch verhindern, dass Leute an seiner Wahlkampagne beteiligt sind, die auch für andere Republikaner arbeiten. Dean wählte Gordon Liddy, der das "Committee to Re-elect the President" aufbaute und einen Plan zur Elimination von J. Edgar Hoover entwickelte. Liddy arbeitete zusammen mit James McCord, der Sicherheitskoordinator der Committee to Re-elect the President - kurz CREEP oder CRP - wurde, und Fred LaRue, dessen Vater Ike mit Ölboss Clint Murchison und FBI-Chef J. Edgar Hoover befreundet war. Der Mitarbeiter von Haldeman und Stellvertreter Mitchells, Jeb Magruder, war anfangs Chef der CREEP, bis Justizminister John Mitchell im März 1972 zurücktrat und den Vorsitz übernahm.
[bearbeiten] Projektentwicklung
Inoffizieller Chef der Geheimdienstprogramme blieb Liddy, der voll Enthusiasmus das GEMSTONE-Projekt zur Sicherung von Nixons Wiederwahl entwickelte.
[bearbeiten] 1. Version des Gemstone-Planes
Der 1. Plan mit projektierten Kosten von $1 Mio. umfasste verschiedene Teilprojekte: RUBY und OPAL umfassten Spione und Wanzeneinsatz bei den demokratischen Politikern, COAL bedeutete die heimliche Finanzierung der schwarzen, demokratischen Abgeordneten Shirley Chisholm, um die Demokraten zu spalten. Nixon diskutierte bereits den Plan, einem schwarzen Präsidentschaftskandidaten $5 Mio. zu zahlen, wobei neben Chisholm Julien Bond oder Jesse Jackson in Erwägung gezogen wurden. TURQUOISE beinhaltete die Sabotage der Hallenklimaanlage am demokratischen Parteitag im Juli im Fontainebleau Hotel von Miami, TOPAZ Einbrüche zur Dokumentenbeschaffung. Die Operation EMERALD stellte ein Jagdflugzeug zur Funküberwachung des verwanzten Flugzeugs der Demokraten zur Verfügung, CRYSTAL ein Hausboot für Wanzenüberwachung und Sexfallen, SAPPHIRE eine Barke mit einem King-Size-Bett und Prostituierten. Liddy wollte mit GARNET auch "prodemokratische Hippies" anstellen, die als die Anhänger von Kandidat McGovern auf den Boden seiner Hotelsuite urinieren. Mit DIAMOND sollten potenziell bedrohliche Radikalenführer gekidnappt, unter Drogen gesetzt, nach Mexiko geschmuggelt und eingesperrt werden. Professionelle Killer des organisierten Verbrechens sollten auf 22 Feinde angesetzt werden. Selbst Frank Sturgis war der Meinung, Liddy habe einen "Killerkomplex", weil er immer von Mord spreche. Trotz dieser kriminellen Vorschläge, die Liddy am 27.1.72 im Büro des Justizministers präsentierte, wurde er nicht entlassen, sondern Dean, Magruder und Mitchell wiesen Liddy an, das Projekt wegen der hohen Kosten zu reduzieren.
Nixon und Mitchell diskutieren den Plan am folgenden Tag. Es kursieren Gerüchte, dass Nixon die Wahlen streichen wollte. Dazu sollten aufgebaute inszenierte Protestgruppen die Sicherheit bedrohen, sodass die Wahlen nicht durchgeführt werden konnten. Zur Operation DIAMOND gehört auch ein Plan zur Sabotage des eigenen Republikanischen Parteitages.
[bearbeiten] 2. Version des Gemstone-Planes
Am 4.2.72 legte Liddy ein auf $500'000 gekürztes Programm vor, das sich angeblich auf die Telefonabhörung, das heimliche Fotografieren von Dokumenten und die Überwachung des Büros und Hotelzimmer des DNC-Vorsitzenden Lawrence O'Brien konzentrierte.
[bearbeiten] 3. Version des Gemstone-Planes
Am 21.3. diskutieren John Dean und Richard Nixon über die Finanzierung des GEMSTONE-Projekts, wobei sie damit rechnen, dass die Mafia dafür in den nächsten zwei Jahren $1 Mio. bereitstellt, worauf Justizminister Mitchell das offenbar auf etwa $300'000 reduzierte Projekt bewilligt.
Der Plan von Gordon Liddy umfasste auch das Knacken von Hank Greenspuns Tresor in dessen Büro in Las Vegas. Robert Bennett erzählte E. Howard Hunt, dass Greenspun über Informationen verfüge, die "Muskie wegblasen" würden. Diese Informationen entpuppeen sich aber nur als eine Verurteilung Muskies wegen illegaler Entenjagd. Zudem sollte Greenspun, der mit Robert Maheu nach dessen Bruch mit Howard Hughes Kontakt hatte, ganze Jahrgänge von Hughes Memos in seinem Tresor gehabt haben. Im weiteren wurde vermutet, dass Greenspun Belege für eine Schmiergeldzahlung von $100'000 von Hughes über Charles "Bebe" Rebozo zu Nixon haben könnte. Anfang 1972 zahlte Hughes weitere $150'000 an Nixon. Schliesslich besaß Jack Anderson einen Anteil an der Las Vegas Sun und war mit Greenspun befreundet.
[bearbeiten] Ausführungsanweisung
Laut Magruder gab Nixon Mitchell am 30.3.72 den Befehl am Telefon "to go ahead" mit dem Plan, im Demokratischen Quartier im Hotel Watergate einzubrechen. Liddy gab James McCord $76'000, womit dieser für $58'000 Abhörgeräte und Kameras kaufte.
[bearbeiten] Einbrüche
Hughes-Repräsentant Robert Bennett, Hughes-Sicherheitsagent Ralph Winte und E. Howard Hunt planten den Einbruch, wonach ein Flugzeug von Hughes die Einbrecher nach Mexiko ausfliegen sollte. Der Plan wurde offenbar nicht ausgeführt, da Greenspun sich kooperativ zeigte und Nixon wegen dessen Pro-Israel-Politik unterstützte. Aber bei Greenspuns Anwalt Ralph Denton erfolgte ein Einbruch, und Frank Sturgis brach zweimal bei Muskies Berater Sol Linowitz ein. Vier Einbrüche gab es bei John Meyer, dem ehemaligen Mitarbeiter von Howard Hughes, und bei Benjamin Schemmer, der ein Buch über Hughes schrieb, wurden Interviewbänder gestohlen. Im April wurde im Haus vom CBS-Korrespondenten des Weissen Hauses, Dan Rather, und später im Büro seines Kollegen Marvin Kalb eingebrochen.
[bearbeiten] Finanzierung
[bearbeiten] Robert H. Allen
Robert H. Allen, Chef der Gulf Resources and Chemical Corporation von Houston, lässt der CREEP via Mexiko $100'000 zukommen. Gulf Resources übernahm Lithium Corporation of America, die führend ist bei der Produktion von Lithium, das für die Wasserstoffbombe benötigt wird. John Roger Menke sitzt in der Gulf Resources, der Lithium Corporation und der United Nuclear Corporation drin. Ku-Klux-Klan-Mitglied und CIA-Mitarbeiter George A. Butler sitzt im Verwaltungsrat der mit der Atomwaffenlobby verhängten Gulf Resources, von der H. L. Hunt 15% der Aktien besitzt. Zudem ist Butler Präsident der Texas Eastern Transmission von George Brown.
In Mexico schickt der Anwalt Manuel Ogarrio Daguerre, der die Geldwäsche für CREEP-Financier Maurice Stans erledigt, $89'000 in 4 Schecks und $11'000 in Cash an William Liedtke, Präsident der Pennzoil. Bushs Freund Liedtke hatte 1968 als regionaler Geldbeschaffer für Nixon gearbeitet und organisiert insgesamt $700'000 für dessen Wahlkampf von 1972. Er leitet das Geld weiter auf das Konto von Bernard Barker, dem Finanzkoordinator der Schweinebucht-Invasion.
[bearbeiten] Dwayne Andreas
Über den republikanischen Kassenwart Kenneth Dahlberg werden $25'000 von Dwayne Andreas, Chef der Archer-Daniels-Midland Company, einbezahlt. Einer deren Direktoren, Samuel H. Rogers, ist auch bei Gulf Resources und Lithium Corporation im Direktorium.
[bearbeiten] Manuel Artime und Francis L. Dale
Manuel Artime und ITT-Direktor Francis L. Dale organisieren ebenfalls Gelder.
[bearbeiten] Robert Vesco
Robert Vesco, der vom SEC als einen der grössten Betrüger bezeichnet wird, zahlt über Stans $200'000 "Kampagnen-Unterstützung". Wie schon 1968 ($25'000) schmierte er auf Verlangen von Murray Chotiner in Cash. Auf Initiative von Justizminister John Mitchell wurde Vesco, der mit CIA-Agent Mitch WerBell und Lucien Conein zusammenarbeitet, 1971 aus einem Schweizer Gefängnis entlassen, worauf er Donald Nixon Jr. einstellte. 1973 meldet der Informant der Drug Enforcement Agency, Frank Peroff, dass Vesco im Heroinhandel tätig sei. Nachdem Peroff einem Mordversuch entgeht, wird er verhaftet. Vesco wird auf Initiative von Nixon von der DEA geschützt, aber 1995 in Kuba wegen illegalem Devisenhandel verurteilt. Der ehemalige OSS-, AI- und CIA-Agent Lucien Conein, im Drogenhandel mit der Union Corse verwickelt und gleichzeitig Berater des Bureau of Narcotics and Dangerous Drugs, wird 1973 Leiter der Special Operations Group der DEA. Diese Abteilung mit Hauptsitz in Mexico ist für Entführungen und Ermordungen zuständig. Der mutmassliche Schütze beim JFK-Attentat Lucien Sarti wird in Mexico umgebracht.
[bearbeiten] Schmutzkampagnen
Haldeman ordnete ebenfalls die Anstellung von Donald Segretti als Leiter der republikanischen "Schmutzkampagnen" an, der über Nixons Privatanwalt Herb Kalmbach bezahlt wird. Kalmbach ist einer der politischen Drahtzieher und Geldauftreiber für Nixon und organisierte bei der Wahl von 1968 $1,668 Mio.
Auf Anweisung von Haldeman bezahlte Kalmbach $400'000 aus Geheimfonds für den Gegner von Gouverneur George Wallace bei den Primärwahlen 1968 in Alabama. Als Kandidat der American Independant Party erhielt Wallace 13% der Stimmen vom rechten bis rechtsextremen Spektrums, was Nixon beinahe den Wahlsieg kostete. Im März 1970 wurde ein Opponent in Alabama erneut mit $100'000 unterstützt und die Steuerbehörde auf Wallace und seinen Bruder Gerald angesetzt, worauf Gerüchte über dessen Korruption kursieren. John Mitchell bewilligt $10'000 zur Zahlung an registrierte Wähler zum Boykott des Gouverneurs, wobei die Hälfte des Geldes zur Nazipartei von Südkalifornien gelangt.
[bearbeiten] Attentat auf George Wallace
Arthur Bremer versucht den Gouverneur von Alabama, George C. Wallace, am 15.5.72 während einer Wahlveranstaltung in Laurel, Maryland, umzubringen. Bremer war bereits an der Ermordung des südvietnamesischen Diktators Ngo Dinh Diem beteiligt und ist über seinen Bruder William mit dem Anwalt Ellis Rubin und Donald Segretti verknüpft. Fünf Minuten nach den Schüssen, die Wallace für den Rest seines Lebens gelähmt bleiben lassen, haben Nixon und Charles Colson eine dringliche Sitzung und beschliessen, dass E. Howard Hunt die Wohnung Bremers säubern soll, damit es nicht nach einer politischen Verschwörung aussieht. Nixon hat Angst, dass Verbindungen zum CREEP auftauchen. Hunt fliegt nach Milwaukee, und Colson setzt sicherheitshalber das Gerücht in Umlauf, Bremer habe Verbindung zu Teddy Kennedy. Ein Sprecher des Weissen Hauses äussert an einer Pressekonferenz, der mutmassliche Linke Bremer könnte mit dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten George McGovern verhängt sein. Auf Initiative von Nixon soll bei Bremer linke Literatur hinterlegt werden, was aber dann nicht funktioniert, weil die Presse bereits in der Wohnung war, nachdem der Secret Service und das FBI abgezogen waren. Aber Bremers Tagebuch wird gefälscht. "Was in den nächsten 24 - 48 Stunden zählt", meint Nixon, "ist die Story", und fordert von Generalstaatsanwalt Kleindienst und FBI-Direktor Gray, sich bei den Ermittlungen auf Colson zu verlassen. Die Ausschaltung von Wallace entscheidet die Wahl. William Gilday, seit 1974 wegen Mord an einem Polizisten im Gefängnis, behauptet, Nixonleute hätten ihn und einen Verbündeten bereits 1970 angefragt, Edward Kennedy oder George Wallace zu beseitigen.
[bearbeiten] Ausschaltung von Teddy Kennedy
Hunt, Colson und Teamster-Präsident Frank Fitzsimmons arbeiten an einem Plot, um Teddy Kennedy mit Aussagen von Showgirls anzuschwärzen. Teamster-Schläger wurden bereits 1971 gegen Anti-Vietnamkriegsdemonstranten eingesetzt. Nixon fordert, dass Colson den Secret Service dazubringt, McGovern auszuspionieren, worauf ein Agent Informationen über den Senator sammelt und das Weisse Haus weitergibt. Haldeman wird vom Präsidenten angewiesen, McGovern, der eine Normalisierung mit Castro anstrebt, als Extremisten zu attackieren.
[bearbeiten] Ausschaltung von Edmund Muskie
Eine Umfrage 1971 zeigte, dass der demokratische Senator Edmund Muskie mit 47% gegenüber 39% der beabsichtigten Stimmen für Nixon Präsidentschaftsfavorit ist. Segretti heuert eine Frau an, die nackt vor dem Hotelzimmer des Senators herumläuft und schreit: "Ich liebe Ed Muskie". In dessen Wahlkampfquartieren, wo Spitzel wichtige Unterlagen klauen, und bei seinen Picnics werden Stinkbomben gezündet, bei einer Fundrising-Party in Washington werden 200 lausige Pizzas geliefert und Artikel mit Verleumdungen, auch über seine Frau Jane, erscheinen. In Florida erhalten Tausende einen gefälschten Briefe im Namen Muskies, in dem behauptet wird, sein innerparteilicher Konkurrent Humphrey sei betrunken und in Begleitung eines Callgirls verhaftet worden und Henry M. Jackson habe eine 17jährge geschwängert. Bei den ersten Primarwahlen in New Hampshire werden unter falschen Namen Stimmen für Kennedy gefälscht und gesammelt, dessen Name gar nicht auf der Wahlliste steht. Vermutlich stehen Liddy und Hunt hinter Berichten in Lokalblättern, Muskie verachte die französischen Kanadier und seine Frau Jane sei Alkoholikern. Nachdem Muskie auf einer Wahlveranstaltung in Weinkrämpfe ausbricht, zieht er schliesslich seine Kandidatur zurück. Es liegt nahe, dass Muskie LSD verabreicht wurde, um ihn in der Öffentlichkeit blosszustellen.
[bearbeiten] Ausschaltung von Hubert Humphrey
Segretti knöpft sich daraufhin Hubert Humphrey vor, gegen den er mit ähnlichen Methoden vorgeht. Privatdetektiv Michael McMinoway wird in das Wahlkampfteam Humphreys eingeschleust, wo er so viel Streit und Probleme verursacht wie möglich, ohne dass er auffliegt. Ein von Dwight Chapin gesteuerter Agent verteilt Tausende von Klebern "Humphrey: Er begann den Krieg. Gib ihm keine weitere Chance!" Als Liddy von den Aktionen Segrettis erfährt, ist er empört, weil er das als Eingriff in seinen Aufgabenbereich betrachtet. Liddy und Hunt interviewen Segretti in Florida und empfehlen dem Weissen Haus erfolglos, dass der stümpferhafte Segretti vom Wahlkampftteam ausgeschlossen werde. William L. Shirer meint: "Wir könnten das erste Land sein, das durch freie Wahlen faschistisch wird."
[bearbeiten] Benutzte Quellen
Quellen: Weberman (20): 61-68, (21): 15-55,62f, Schulz: 113,170, Bartholomew: 57, CIA-Info: 14, Best: 81ff, Summers (1993): 412ff, (2000): 74f,355-418,523ff, Lynns: 1, Tarpley/Chaitkin: 185-209, Brown/ Broske: 367, Groden/Livingstone:384,418f, Davis (1988): 361, Brussell (1983): 1.
[bearbeiten] Quelle
us-politik.ch: Mafia, Geheimdienste und Politik der USA - Teil 10