Mediokratie
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[bearbeiten] Begriff
Der Begriff Mediokratie ist Bestandteil einer Medientheorie, die davon ausgeht, dass politische Entscheidungen und Diskussionen sowie die politische Kommunikation in modernen Demokratien nicht mehr primär von den politischen Parteien, sondern zunehmend von den Interessen der Medien geprägt werden. Es gibt inhaltliche Überschneidungen mit der These von der Mediendemokratie und der Theorie der Medien als Vierte Gewalt im Staat. Die These der Mediokratie wird vor allem von dem Medienwissenschaftler Thomas Meyer vertreten. Der Begriff ist umstritten und wird von verschiedenen Autoren mit unterschiedlicher Bedeutung verwendet.
[bearbeiten] Begriffsverwendung
Mediokratie bedeutet nach Meyer über den Begriff der Mediendemokratie hinaus nicht nur didaktisch den Wegfall des Demos und damit vor allem die Entmachtung des eigentlichen Souveräns, des Staatsbürgers. Dieser beobachte nur noch die politische Debatte in den Medien, ohne selbst aktiv einzugreifen, zum Beispiel bei Talk-Shows. So seien es die Medien, welche über Artikulation und Selektion ihrer Interessen entschieden.
Mit dem Bedeutungsverlust der Parteien schwinde die Bedeutung des Staatsbürgers. Die eigentliche Form der Beteiligungsdemokratie, so Meyer, werde somit zu einer angeblichen Zuschauerdemokratie.
Eine ähnliche Kritik an den Medien findet sich im Werk Giovanni Sartoris, einem Vertreter der Demokratietheorie. In Homo videns. La sociedad teledirigida kritisiert er vor allem die basisdemokartischen Vorstellungen (Partizipation, direkte Demokratie), die in den Möglichkeiten moderner Medien gesehen würden. Seiner Meinung nach unterliegen die Medien nicht dem Konkurrenzprinzip. Die Medien, besonders des Privatfernsehen gebe die Meinung der Geldgeber, also der Werbekunden wieder, nicht die der Zuschauer.
[bearbeiten] Geheimdienste
Die Bedeutung der Nachrichtendienste für die Mediensteuerung mag erahnen, wer sich vor Augen hält, dass in Deutschland sowohl der für Medien zuständige Kulturstaatsminister als auch der Auslandsnachrichtendienst BND beim Bundeskanzleramt angesiedelt sind. Bei der CIA ist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit der Operation Mockingbird eine der vielen Operationen[1] zur Mediensteuerung aufgeflogen. Der von den USA zum Chef gemachte Eigentümer von Bertelsmann Reinhard Mohn gilt als lanjähriger Freund von Ronald Reagans CIA-Chef Bill Casey.
[bearbeiten] dpa-Prozess
Aus einem Antrag im sogenannten dpa-Prozess[2]:
"Es sind zu laden
1.) der Chef des amerikanischen Geheimdienstes CIA, Turner
2.) der eheamlige CIA-'clandestine Officer', Philipp Agee
3.) der Chef des Bundeskriminalamtes Herold
...
10.) der ehemalige BND-Chef Gehlen
11.) der ehemalige BND-Agent Kurt Weiß
...
Aus den Aussagen dieser Zeugen wird sich ergeben daß
a) hunderte von ausländischen Journalisten in allen Teilen der Welt Mitarbeiter und Agenten des amerikanischen Geheimdienstes CIA sind
daß
die CIA vor allem selbstfabrizierte und desinformierende Meldungen und Kommentare in ausländischen Presseorgane gepflanzt hat und pflanzt,
daß
die CIA außerdem zahlreiche Zeitungen und Journalisten im Ausland finanziert,
daß
die CIA-Journaille in der BRD am stärksten vertreten ist und der Washingtoner Zentrale als Teil ihres geheimdienstlichen Beschaffungsapparates und als politisches Führungsinstrument dient in das von Fall zu Fall auch Staatsgeheimnisse gespeißt wurden, um ganze Regierungen im Sinne des US-Imperialismus zu erpressen,
...
daß
"jede CIA-Station einen oder mehrere Journalisten (bezahlt), die einen regelrechten Vertrag mit der CIA abschließen. Sie liefern dafür als authentische Meldungen getarnte CIA-Nachrichten an Agenturen und große Zeitungen. ... Ist die Nachricht erst einmal erschienen, wird sie dann wieder von anderen Propagandaagenturen aufgegriffen und mit Angabe der Zeitung als glaubhafte Quelle weltweit verbreitet" (Phil. Agee, ID 110, 31.1.1976)
b) daß
in so gut wie jeder bürgerlichen Zeitung Redakteure und Journalisten beschäftigt sind, die ständig oder punktuell bezahlt für den Bundesnachrichtendienst tätig waren und/oder sind.
"1972 kursierte in Bonn eine Liste mit Namen von etwa 60 politischen Journalisten, die vom BND Informanten-Honorar kassiert hatten. Keine der gut bürgerlichen Zeitungen wollte die Liste publizieren - so gut wie jede war mit mindestens einem Redakteur darauf vertreten... "(Hermann L. Gremlitza, Redakteur von "Konkret")
...
[bearbeiten] Literatur
- Gottlieb Guntern: Maskentanz der Mediokratie. Kreative Leadership versus Mittelmaß, Orell Füssli Verlag, Zürich 2000, ISBN 3-280-02648-2
- Thomas Meyer: Mediokratie, Suhrkamp, Frankfurt 2001, ISBN 3-518-12204-5
[bearbeiten] Weblinks
Thomas Meyer bei der bpb: Mediokratie - Auf dem Weg in eine andere Demokratie?
Farah Dustdar bei der bpb 2008: Demokratie und die Macht der Gefühle
Ulrich Alemann: Die politischen Parteien, die Medien und das Publikum
Carl Bernstein 1977 im Rolling Stone: The CIA and the media
[bearbeiten] Quellen
- ↑ Ashley Overbeck 1999: A Report on CIA Infiltration and Manipulation of the Mass Media
- ↑ RAF Dokumentation 1979: brochure, 2. Info zum DPA Prozess, April 1979, 47 Seiten pdf
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