KSK
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[bearbeiten] Wesen
Das Kommando Spezialkräfte (KSK) ist eine im württembergischen Calw stationierte Spezialeinheit der Bundeswehr. Das Kommando Spezialkräfte bildet gemeinsam mit der Luftlandebrigade 26 und der Luftlandebrigade 31 die Division Spezielle Operationen (DSO), die wiederum Teil der Eingreifkräfte der deutschen Bundeswehr ist. Als Vorbilder gelten vorwiegend der britische Special Air Service (SAS), aber auch die US Special Operations Forces.
[bearbeiten] Fehlende demokratische Kontrolle
Das KSK ist der direkten Kontrolle durch das Parlament (= Bundestag) aufgrund seiner sensiblen Tätigkeitsfelder entzogen. Diese parlamentarische Kontrolle findet -indirekt- durch den Verteidigungsausschuss des Bundestages aber durchaus statt.
[bearbeiten] Stärke
Das KSK hat rund 400 Soldaten, davon ist der Großteil im Unterstützungs-, Stabs- oder Fernmeldebereich eingesetzt. Im KSK dienen auch gewöhnliche Wehrpflichtige, die im Unterstützungsbereich wichtige Arbeiten leisten. Die eigentlichen Einsatzkräfte im Kommandokernbereich bilden einen kleinen Teil, der nur mit Hilfe dieser Unterstützungskräfte operieren und funktionieren kann. Die genaue Anzahl der einsatzbereiten Kommandosoldaten (KdoOffz & KdoFw) ist als Verschlusssache (VS) eingestuft.
[bearbeiten] Führung
| Name | Beginn der Berufung | Ende der Berufung |
|---|---|---|
| BrigGen Rainer Hartbrod | 2005 | |
| BrigGen Carl-Hubertus von Butler | 2003 | 2005 |
| BrigGen Reinhard Günzel | 2000 | 2003 |
| BrigGen Hans-Heinrich Dieter | 1998 | 2000 |
| BrigGen Fred Schulz | 1996 | 1998 |
| BrigGen Ralf Schuster | 1995 | 1996 |
[bearbeiten] Entstehungsgeschichte
Die KSK wurden 1994 unter dem Dach der Bundeswehr gegründet, nachdem in Ruanda deutsche Staatsbürger mangels entsprechender deutschen Spezialeinheiten von belgischen Fallschirmjägern evakuiert werden mussten. Dies wurde der Öffentlichkeit als Notwendigkeit einer militärischen Eliteeinheit für Auslandseinsätze kommuniziert. Statt verständlicher Geiselbefreiungen werden die KSK für geheime Einsätze in Osteuropa und Afghanistan eingesetzt. Offiziell geht es um die "Jagd auf Kriegsverbrecher". Sie ergänzen amerikanische Mordkommandos, die in Afghanistan geostrategische Ziele durchsetzen.
Bereits vor dieser Zeit gab es nicht parlamentarisch kontrollierte Spezialeinheiten im Rahmen des Gladio-Netzwerks der NATO ("Schwert"), die in ihren letzten Jahren vom BND geführt, jedoch nur im Inland eingesetzt wurden. Vorbild für die Gladio-Einheiten waren die britischen Special Operative Executive (SOE)- bzw. Special Air Service (SAS)-Einheiten, die sich wiederum als Antwort auf die deutschen Eliteeinheiten der SS betrachteten und wie die KSK vor allem im Ausland bei verdeckten Operationen eingesetzt wurden. An Gladio/Schwert erinnert noch heute das Barettabzeichen der KSK.
[bearbeiten] Skandale
Wie sich das für eine Spezialeinheit gehört, die so geheim operiert, dass ihre Tätigkeit weitestgehend der demokratischen Kontrolle entzogen ist, ist das 1996 gegründete KSK bereits in zahlreiche Skandale verwickelt. Die Informationsstelle Militarisierung hat dazu zahlreiche Details publiziert.
[bearbeiten] Rechtsextremismus bei der Führung
Verteidigungsminister Peter Struck versetzte im Jahr 2003 den damaligen Kommandeur des KSK, Brigadegeneral Reinhard Günzel, in den vorzeitigen Ruhestand, weil er in einem auf Bundeswehr-Briefpapier erstellten Schreiben Martin Hohmanns antisemitische Rede zum Tag der Deutschen Einheit im Jahr 2003 gelobt hatte. Struck bezeichnete Günzels Brief, der auf dem offiziellen Briefpapier des KSK geschrieben war, als „wirre Äußerung eines verwirrten Mannes“.
[bearbeiten] Fall Murat Kurnaz
Nach der Entführung von Murat Kurnaz durch US-Armee und seiner Freilassung 2006 beschuldigte dieser wiederholt KSK-Soldaten, in Afghanistan Kontakt mit ihm gehabt zu haben. Es sei zu herabwürdigender Behandlung durch deutsche Soldaten gekommen. Die Bundesregierung gestand nach anfänglichen Dementis einen Kontakt mit KSK-Truppen ein, bestritt aber Misshandlungen. Wie sich dieser Kontakt gestaltete ist bisher noch unklar. Daher entschied der Bundestag am 19. Oktober 2006, dass der Verteidigungsausschuss des Bundestages als Untersuchungsausschuss im Fall Kurnaz eingesetzt. wird.[1]
[bearbeiten] Hassmail im Nazistil
Am 28.07.2007 schrieb KSK-Hauptmann Daniel Kaufhold[2] Hans-Jürgen Rose vom Darmstädter Signal eine Hassmail, in der es unter anderem hieß:
"Mit Befremden registriere ich die strukturelle Ausrichtung Ihrer Vorfeldorganisation und distanziere mich als deutscher Offizier entschieden von diesem linken Zeitgeistkonglomerat uniformierter Verpflegungsempfänger. Nicht die Kritik an kritikwürdigen Themenfeldern kritisiere ich, sondern die Intention und Diktion dahinter. Sie wissen was ich meine und sie wissen auch, dass sie nicht das Sprachrohr einer, unserer Armee sind. Ich beurteile sie als Feind im Inneren und werde mein Handeln daran ausrichten, diesen Feind im Schwerpunkt zu zerschlagen. Die Phase des 68er Marsches ist beendet, kehren Sie um in den Gulag der politischen Korrektheit oder in die Sümpfe des Steinzeitmarxismus, dem Sie entkrochen sind. Sie werden beobachtet, nein nicht von impotenten instrumentalisierten Diensten, sondern von Offizieren einer neuen Generation, die handeln werden, wenn es die Zeit erforderlich macht.
Somit verbleibe ich mit vorzüglicher Geringschätzung und trefflicher Erheiterung in der Betrachtung Ihrer weiteren operativen Unfähigkeit. "
Daniel Kaufhold wurde daraufhin nicht etwa gefeuert, sondern hat eine "völlig unzureichende" Disziplinarstrafe[3], "wahrscheinlich einfach einen Verweis bekommen"[4]. Anstelle des Täters wurde dann obendrein noch das Opfer für die öffentliche Beschwerde über diese Zustände bestraft: Jürgen Rose erhielt im Nachgang eine Disziplinarstrafe in Höhe von 3000 Euro wegen Verstosses gegen das Soldatengesetz.
[bearbeiten] Quellen
- ↑ Spiegel-Online vom 20. Oktober 2006; Reuters vom 18. Oktober 2006
- ↑ Politikforen: Gibt es bei der Bundeswehr "Offiziere einer neuen Generation, die handeln werden
- ↑ Bernd Dörries am 26.03.2008 in der SZ: KSK-Offizier droht kritischem Kameraden - Mobbing in der Bundeswehr
- ↑ Peter Mühlbauer am 27.03.2008 bei Telepolis: "Es lebe das heilige Deutschland!"
[bearbeiten] Weblinks
Tagesspiegel am 31.07.2008: Geheime Kommandosache (dazu passend: Verteidigungsexperten fordern Informationen über KSK-Einsätze)
ARD-Dokumentation "Keiner sieht sie kommen"
Michael Schulze von Glaßer am 13.11.2006 bei journalismus -nachrichten von heute: Kommando „Spezialkräfte“ – das „A-Team“ der Bundeswehr
Informationsstelle Militarisierung (IMI): Sonderseite zur Übersicht über Kritik am KSK