Informationszeitalter
im Parteibuch Lexikon, dem parteiischen Wiki mit wertenden Informationen in deutlicher Sprache
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[bearbeiten] Vorwort
Dies sind meine ganz persönlichen, subjektiven und wahrscheinlich fehlerbehafteten und widersprüchlichen Gedanken zum Informationszeitalter. Ich möchte jeden Leser einladen, diese Gedanken mit mir zu diskutieren, zu vertiefen oder mich zu korrigieren. Ich bin übrigens selbst erstaunt, wie wenig über die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Folgen des Beginns des Informationszeitalters im Internet bisher zu finden ist. Wer interessante Quellen hat, mag sie gern im letzten Absatz #Links eintragen.
[bearbeiten] Grundlagen
Das Informationszeitalter stellt nach der Agrargesellschaft und dem Industriezeitalter ein neues Kapital der Menschheitsgeschichte dar. Das Informationszeitalter ist gekennzeichnet von der Möglichkeit des preiswerten und augenblicklichen globalen Informationsaustausches und der Möglichkeit, komplexe Informationen preiswert zu verarbeiten. Das impliziert bereis, dass das Informationszeitalter unter anderem geprägt ist durch zunehmende Automatisierung, Globalisierung und Marktkonzentration.
[bearbeiten] Automatisierung
Die verbesserten komplexen Steuerungsmöglichkeiten für Maschinen ermöglichen eine weitgehende Automatisierung vieler Produktionsprozesse. Ein Leitbild der totalen Automatisierung manifestiert sich im Konzept der menschenleeren Fabrik.
[bearbeiten] Globalisierung
Die in Bauplänen, Prozeßdokumentationen und Maschinensteuerungen niedergelgten Informationen der Produktionsprozesse nennen sich Know-How. Know-How ist im Informationszeitalter der alles entscheidende Rohstoff für den Produktionsprozeß von Gütern und Dienstleistungen. Know-How wird in Produktionsprozesse durch Lizenzen und ähnliche Modelle zur Nutzung immaterieller Güter eingebracht. Da die für den Produktionsprozeß notwendige Information global verfügbar ist, werden Produktionsprozesse dorthin verlagert, wo die Standortbedingungen die besten sind. Die Standortverlagerung der Produktion an den global günstigsten Standort findet sich in der Globalisierung wieder.
[bearbeiten] Marktkonzentration
Durch die weitgehende Automatisierung von Produktionsprozessen haben Produktionsprozesse zunehmend höhere Fixkosten und sinkende an die Stückzahl gebundene Kosten. Das Starten eines Produktionsprozesses ist zunehmend schwieriger und komplexer. Ist ein Produktionsprozeß erst einmal aufgesetzt, so sinken die Kosten für die Produktion eines zusätzlichen Stücks einer Ware in Richtung Null. Auf die Spitze getrieben ist dieser Effekt in der Produktion von digitalen Inhalten, also Information selbst. Das Erstellen des ersten Exemplares ist teuer, während das Erstellen von Kopien von Software, Musik und Filmen praktisch keinerlei zusätzliche Kosten mehr verursacht. Die unbegrenzte Kopierbarkeit von Gütern bewirken starke Kräfte zur Marktkonzentration hin zu einem Monopol.
[bearbeiten] Datensammlungen
Die Informationstechnik macht es möglich, umfangreiche Datensammlungen zu allen möglichen Dingen, aber insbesondere auch zu Personen, anzulegen. Es ist möglich, zu beinahe jedermann Informationen in privaten oder öffentlichen Datenbanken mit geschlossenen Nutzerkreis oder im Internet zu finden und diese Informationen zu einem detaillierten Persönlichkeitsprofil zusammenzustellen. Jedermann muß im Informationszeitalter damit rechnen, dass jede seiner Bewegungen für alle Zeit für jedermann jederzeit nachvollziehbar wird.
[bearbeiten] Folgen
Der Eintritt in das Informationszeitalter hat tiefgreifende gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Folgen. Obgleich einige der Folgen bereits heute sehr deutlich sichtbar sind, so werden bisher nicht als Folge des Überganges in das Informationszeitalter begriffen.
[bearbeiten] Überschuß an Arbeitskraft
Aus der zunehmenden Automatisierung folgt, dass zunehmend weniger Menschen in den Produktionsprozessen der Güterproduktion benötigt werden. Daraus ergibt sich, dass zunehmend mehr Menschen für den Dienstleistungssektor oder die Nichtbeschäftigung verfügbar werden. Sichtbarstes Zeichen dieses Freisetzungsprozesses ist die Arbeitslosigkeit.
[bearbeiten] Standortwettbewerb
Aus der Globalisierung folgt, dass Unternehmen Produktionsprozesse dorthin verlagern, wo die besten Standortbedingungen vorherrschen. Produktionsprozesse stellen Wertschöpfung dar, und Wertschöpfung trägt zum Wohlstand einer Region bei. Gute Standortbedingungen können zum Beispiel geschaffen werden durch die Verfügbarkeit gut ausgebildeter und motivierter Mitarbeiter, geringe Löhne, Zahlung von Subventionen, geringe Steuern, geringe Kosten durch Bürokratie und Auflagen, gute Transportmöglichkeiten und wenig arbeitskampfbedingte Produktionsausfälle. Tatsächlich jedoch scheint vor allem Korruption einen entscheidenden Einfluß für die Standortwahl auszuüben. Die für die Standortbedingungen zuständige Politik ist von den Besitzern der Produktionsprozesse abhängig und befindet sich permanent unter wettbewerblichem Druck, die besten Standortbedingungen zu schaffen. Diese wirtschaftliche Abhängigkeit schafft einen Nährboden für politische Korruption.
[bearbeiten] Monopolbildung
Aufgrund der hohen Gemeinkosten und der geringen variablen Kosten tendieren die Märkte zur Bildung von Monopolen. Da Monopole im Informationszeitalter durch starke Kräfte und internationale Szenarien wie Fusionen, Oligopolabsprachen oder Insolvenzen entstehen können, können die international begrenzt handlungsfähigen Kartellbehörden des Industriezeitalters die Entstehung von globalen Monopolen oder globalen friedlichen Oligopolen nicht verhindern. Sichtbares Zeichen dieser globalen Monopolisierung sind weltweit marktbeherrschend agierende Großkonzerne, die auffällig hohe Renditen erwirtschaften.
[bearbeiten] Transformationsbedingungen
Das System der gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen wurde entwickelt für das Industriezeitalter. Im Informationszeitalter entwickelt dieses Gesellschaftssystem aus dem Industriezeitalter autoritäre, totalitäre und rechtslose Merkmale einer Willkürherrschaft eines modernen Feudalismus, den sogenannten Meudalismus.
[bearbeiten] Gesellschaft
Grundlage aller derzeitigen gesellschaftlichen Systeme sind Religionen aus dem Zeitalter der Agrargesellschaft. Im Industriezeitalter haben sich die Religionen genötigt durch die Fortschritte der Wissenschaft und der Aufklärung weitgehend zurückgezogen und sich auf die Schaffung der Grundlage von menschlichem Zusammenleben durch die Vermittlung ethischer Leitlinien, die dem Industriezeitalter angemessen erschienen, konzentriert. Antworten auf die gesellschaftlichen Herausforderungen des Informationszeitalters haben die Religionen bisher nicht bieten können. Die ethischen Leitbilder der Religionen werden als widersprüchlich wahrgenommen und die sich daraus ergebenden Verhaltenskodizes nur rudimentär befolgt, obwohl die Gesellschaft die religiösen Leitbilder nicht durch ein besseres ethisches Wertesystem ersetzt hat. Die Gesellschaft des Informationszeitalters zeichnet sich bisher durch eine starke Dominanz von für das Gemeinwohl schädlichen Verhaltensweisen aus.
[bearbeiten] Ethik
Für Veröffentlichungen in den neuen Kommunikationsmedien gibt es unverbindliche Verhaltensregeln in einer Nettiquette, die jedoch eher formale Gesichtspunkte als eine Ethik im Sinne des Pressekodex sind. Weil sich im Informationszeitalter jedermann über jedermann und gegebenenfalls anonym äußern kann, die Informationen ständig verfügbar sind, durch Suchmaschinen schnell mit einer Schlagwortsuche gefunden werden und keinerlei ethische Maßstäbe eingehalten werden, kann sich im Informationszeitalter niemand einem nahezu regelfreien Informationskrieg entziehen.
[bearbeiten] Wirtschaft
Die Tendenz vieler Märkte, monopolartige Strukturen zu bilden, hat wirtschaftspolitisch zur Folge, dass die Voraussetzungen des freien Marktes wie in der Agrargesellschaft und die daraus entwickelte Abwandlung der sozialen Marktwirtschaft des Industriezeitalters im Informationszeitalter so nicht mehr vorhanden sind. Wirtschaftliche Teilhabe des allergrößten Teils der Gesellschaft, so wie es das System aus gewerkschaftlicher Organisation der Arbeitnehmerschaft und die Vertretung der Interessen von Bauern und Kleinunternehmern durch die Politik es im Industriezeitalter vermocht hat, ist durch die Abhängigkeit von marktbeherrschenden Unternehmen nicht mehr gegeben.
[bearbeiten] Rechtswesen
Die regional begrenzt gültigen Rechtssysteme halten bisher mit der Geschwindigkeit der globalisierten Welt des Informationszeitalters nicht Schritt. Nationale Rechtssysteme sind nicht in der Lage, die global agierenden und die Politik beherrschenden Konzerne zu ethisch vorbildlichem Handeln zu zwingen. Korruption wird kaum verfolgt und noch seltener geahndet. Die vom Geld der Konzerne abhängigen Politiker haben kein Interesse daran, dass Korruption intensiver verfolgt und effektiver bestraft wird. Das Rechtssystem dient oft Wohlhabenden als Waffe gegen weniger Wohlhabende. Der Rechtsweg dauert lang und verspricht wenig Gerechtigkeit. Wer mag sich Gedanken zur Anpassung des Rechtswesens an das Informationszeitalter machen?
[bearbeiten] Sprache
Sprachen adoptieren in immer größerer Geschwindigkeit Begriffe aus dem Englischen. So ist Englisch in der deutschen Umgangssprache schon üblich geworden. Wer kein Englisch kann, ist im Informationszeitalter benachteiligt.
[bearbeiten] Ansatzpunkte
Die sich durch die Informationsgesellschaft ergebenden neuen Rahmenbedingungen erfordern eine Neuorientierung der ethischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Es ist nicht vorstellbar, dass die gesellschaftlichen Probleme, die durch die Technologien des Informationszeitalters entstanden sind, ohne den Einsatz der Technologien des Informationszeitalters lösbar sind.
[bearbeiten] Ethik
Für die Gesellschaft des Informationszeitalters sind ethische Systeme zu entwickeln und einzuführen, die zu einer Dominanz von für das Gemeinwohl förderlichen Verhaltensweisen sorgen. Diese ethischen Systeme können aus einer Weiterentwicklung von Religionen entstehen, könnten aber auch als gottlose ethische Systeme durch andere philosophische Leitbilder geprägt sein.
[bearbeiten] Wirtschaftssystem
Das Wirtschaftssystem ist so zu gestalten, dass die gesellschaftlichen Ziele, die mit der sozialen Marktwirtschaft angestrebt wurden, auch unter den Bedingungen des Informationszeitalters erreicht werden. Politik soll es als Aufgabe begreifen, fairen Wettbewerb auf Märkten, anständige Unternehmensführung und gerechte Teilhabe des übergroßen Teiles der Gesellschaft an der wirtschaftlichen Produktion unter der Bedingung von Automatisierung, Globalisierung und Kräften zur Monopolisierung sicherzustellen. Alle Leser sind eingeladen, sich an der Entwicklung eines Leitbildes für ein globalisiertes Deutschland zu beteiligen.
[bearbeiten] Rechtswesen
Im Rechtswesen sollen die Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologien schnell adaptiert werden. Rechtliche Verfahren könnten so zu einem Bruchteil der Kosten und in einem Bruchteil der Zeit entschieden werden. Das Rechtswesen soll so weiterentwickelt werden, dass Gerechtigkeit und Anständigkeit besser zur Geltung kommen.
[bearbeiten] Links
Mein Parteibuch am 27.11.2005: Diskussion mit Al im Parteibuch, die mich motiviert hat, diese Gedanken mal aufzuschreiben
Eberhard Ortland am 16.06.2006 auf iRights.info: Das Marktordnungsrecht der postindustriellen Gesellschaft
Wikipedia Eintrag zum Informationszeitalter
Wikipedia Eintrag zum Industriezeitalter
Englischsprachiger Eintrag in der Wikipedia zum Information Age
Englischsprachiger Eintrag im infoAnarchy Wiki zum Information Age
Niels Werber über Manuel Castells
Matthias Spielkamp: immateriblog.de
[bearbeiten] Bücher
Wilson P. Dizard - The Coming Information Age: An Overview of Technology, Economics, and Politics
Castells, Manuel, Vol.1 : The Rise of the Network Society
Castells, Manuel, Bd.1 : Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft
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