Henry Kissinger
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[bearbeiten] Person
Henry Alfred Kissinger, gebürtig Heinz Alfred Kissinger, geboren am 27.05.1923 in Fürth, ist ein US-amerikanischer Geheimdienstler und Politiker deutscher Herkunft.
[bearbeiten] Geheimdienstler
Nachdem seine Eltern 1938 als Juden vor den Nazis geflüchtet waren, erhielt Henry Kissinger am 19. Juni 1943 erhielt die Staatsbürgerschaft der USA. Der Zweite Weltkrieg brachte ihn nach Deutschland. Nach Kriegsende blieb er in Deutschland und arbeitete in der amerikanischen Besatzungszone von Mitte 1945 bis April 1946 beim Counter Intelligence Corps (C.I.C.) in Bensheim. Von Bensheim aus ging Kissinger nach Oberammergau an die amerikanische Nachrichtendienstschule, wo er bis zu seiner Rückkehr in die USA im Jahre 1947 unterrichtete.
[bearbeiten] Politik
Unter anderem als "Sicherheitsberater" und Außenpolitiker diente Henry Kissinger Politikern wie Nelson A. Rockefeller, John F. Kennedy, Lyndon B. Johnson, Richard Nixon und Ronald Reagan. Besondere Verdienste erwarb Henry Kissinger sich dabei durch Maßnahmen wie die Operation Menu, Operation Condor und die Bombardierung von Hanoi and Haiphong in Vietnam mit 100.000 Bomben, was er jeweils bis zum Beweis des gegenteils durch amtliche Dokumente abgestritten hat.
Mittlerweile offengelegte Geheimdokumente belegen ebenfalls, dass Henry Kissinger zusammen mit dem damaligen US-Präsident Gerald Ford die völkerrechtswidrige indonesische Invasion Osttimors autorisierte, die von Dezember 1975 bis Februar 1976 ca. 60.000 Opfer kostete. Kissinger bestritt auch hier, überhaupt von den Plänen für die Invasion gewusst zu haben, bis inzwischen freigegebene Dokumente das Gegenteil bewiesen.
[bearbeiten] Juristische Aufarbeitung seiner Verbrechen
Am 11. September 2001, dem 28. Jahrestag des Pinochet-Putsches, reichten die Anwälte einer chilenischen Menschenrechtsorganisation Klagen gegen die Beteiligten des Putsches Kissinger, Augusto Pinochet, Hugo Banzer, Jorge Rafael Videla, Alfredo Stroessner ein.
Im September 2001 reichte die Familie des 1970 ermordeten chilenischen Generals René Schneider beim Bundesgerichtshof in Washington, D. C. eine Zivilklage gegen Kissinger und Richard Helms ein. Kissinger wird vorgeworfen, den Befehl zur Beseitigung von Schneider gegeben zu haben, da sich der General weigerte, den später von der US-Regierung lancierten Militärputsch zu unterstützen. Das Attentat auf Schneider war Teil der Operation Fubelt, deren Ziel die Beseitigung der demokratischen chilenischen Regierung unter Salvador Allende durch einen Militärputsch war.[1]
Das East Timor Action Network, International Campaign against Impunity und Instituto Cono Sur betreiben seit 2002 das Projekt Kissinger Watch, über welches Informationen zum Stand der Strafverfolgung im Fall Henry Kissinger verbreitet werden.[2]
[bearbeiten] Ehrungen
- 1973 Friedensnobelpreis
- 1987 Karlspreis
- 1988 Ehrendoktorwürde der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
- 1996 Franz-Josef-Strauß-Preis
- 1998 Ehrenbürger von Fürth
- 2005 Bayerischer Verdienstorden
- 2007 Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
[bearbeiten] Geschäfte
Kissinger gründete 1982 die Beratungsfirma Kissinger Associates, deren Präsident er ist. Die Liste der Geschäftskunden wird nicht offenbart, durchgesickert ist die Arbeit für American Express, American International Group, Atlantic Richfield Company, Chase Manhattan Bank, Coca-Cola, Fiat, Freeport-McMoRan, Heinz, Merck & Co. und Volvo. Er ist Mitglied im Aufsichtsrat des Flugzeugherstellers Gulfstream Aerospace und der Chicagoer Zeitungsgruppe Sun-Times Media Group.
[bearbeiten] Weitere Seilschaften
Henry Kissinger ist Mitglied im Council on Foreign Relations und regelmäßiger Teilnehmer der Bilderberg-Konferenzen. 2000 ernannte ihn der damalige indonesische Präsident Abdurrahman Wahid zum politischen Berater. Er ist auch gern gesehener auf FDP-Veranstaltungen.
[bearbeiten] Präsidentschaftswahl 2008
Im Präsidentschaftswahlkampf 2008 gehörte Henry Kissinger 2007 zu den ersten wichtigen Unterstützern von John McCain.
[bearbeiten] Zitate
Nachdem die USA im Irak 1975 aufgrund einer Änderung ihrer mittelfristigen Strategie den mit ihnen verbündeten Kurden die Unterstützung entzogen hatten und damit Tausende mit denen USA verbündete Freiheitskämpfer der Vernichtung durch den Diktator Saddam Hussein preisgaben, sagte Henry Kissinger[3]:
"Covert action should not be confused with missionary work."
[bearbeiten] Videos
- Stephan Lamby 2008: Henry Kissinger - Geheimnisse einer Supermacht, Siehe TV-Tip beim Grand Chessboard
- Die Kissinger-Saga. Henry und Walter: zwei Brüder aus Fürth. Dokumentation, 45 Min., Buch und Regie: Evi Kurz, Produktion: BR, Erstsendung: ARD, 18. Oktober 2006, Inhaltsangabe der ARD
ungekürzte Version, 90 Min., Erstsendung: BR, 21. Januar 2007, Inhaltsangabe des BR
- Angeklagt: Henry Kissinger. Dokumentation, Frankreich 2002, 80 Min., Buch und Regie: Alex Gibney, Eugene Jarecki, Produktion: BBC, arte u.a., Erstausstrahlung: 9. April 2003, Inhaltsangabe von arte, online-Video oder Trials Of Henry Kissinger (engl.)
- Der Fall Kissinger. Reportage von Wilfried Huismann, 45 Min., 2001, Produktion: WDR, Erstsendung: 3. September 2001, Inhaltsangabe des WDR (archiviert), online-Video
[bearbeiten] Quellen
- ↑ „The murder of General Rene Schneider / Lawsuit against Kissinger in the US“ – International Campaign against Impunity (ICAI)
- ↑ Kissinger Watch – International Campaign against Impunity (ICAI)
- ↑ Natural Law Party Wessex: Kissinger, Daddy Bush and Iraq