Gotthard Lerch
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[bearbeiten] Person
Gotthard Lerch, geboren am 21.12.1942 in Oberschlesien, ist ein deutscher Ingenieur und Manager.
Internationalen Ermittlern zufolge soll er Mitglied in dem Atomschmuggel-Netzwerk des pakistanischen Wissenschaftlers Abdul Kadir Khan gewesen sein. Demnach habe Lerch maßgeblich an der Entwicklung des libyschen Atomwaffenprogramms mitgewirkt.
[bearbeiten] Ausbildung
Gotthard Lerch studierte Maschinenbau und arbeitete anschließend beim Flugzeugbauer Dornier. Dort erwarb er Kenntnisse zum Bau von Gas-Ultrazentrifugen, die auch zur Uran-Anreicherung verwendet werden. Nach seiner Ausbildung zum Maschinenbau-Ingenieur am Balthasar-Neumann-Polytechnikum in Würzburg 1966 arbeitete er beim Flugzeugbauer Dornier im Schall-Labor. 1968 und 1969 war er Versuchsingenieur für Schwingungstechnik bei Dornier. 1971 wechselte Lerch als Bereichsleiter zum Anlagenbauer Leybold-Heraeus (LH) nach Hanau. Dort machte er erste Erfahrungen mit Gasultrazentrifugen, die zur Urananreicherung verwendet werden. Durch sein profundes Wissen über Vakuum-Technologie machte er schnell Karriere. Am 12. März 1973 erhielt er Handlungsvollmacht von LH. Am 1. September 1973 wurde er Projektleiter. Ab 1974 war Gotthard Lerch bei LH mit Akquise und Kontaktpflege betraut, anschließend wurde er Leiter des Profit-Centers. 1981 erhielt er Gesamtprokura bei LH. 1982 wurde Lerch Leiter des Geschäftsbereichs "Große Metallurgie und chemische Verfahrenstechnik". Am 31. Dezember 1985 schied er auf eigenen Wunsch bei LH aus und siedelte nach Grabs in die Schweiz über. In der Schweiz gründete Gotthard Lerch die "Apparate, Verfahren und Engineering AG" (AVE) mit Sitz in Buchs.
[bearbeiten] Prozesse
Zwischen 1990 und 1992 musste sich Gotthard Lerch wegen Verstößen gegen das Außenwirtschaftsgesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz vor dem Landgericht Köln verantworten. Ihm wurde vorgeworfen, Lieferungen für das internationale Beschaffungsnetzwerk des pakistanischen Atomwissenschaftlers Dr. Abdul Kadir Khan organisiert, bzw. durchgeführt zu haben. Er wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Einige Vorwürfe waren verjährt, zudem kamen die Schweizer Behörden dem Rechtshilfeersuchen des Landgerichts Köln nicht nach. Im Oktober 2004 wurde er aufgrund eines internationalen Haftbefehls des deutschen Generalbundesanwalts an seinem Wohnort im Schweizerischen Rheintal-Ort Grabs festgenommen. Die deutsche Bundesanwaltschaft ermittelte seit Juni 2004 gegen Gotthard Lerch unter anderem wegen des Verdachts des Landesverrats. Dieser Vorwurf wurde anschließend fallengelassen, um Lerchs Auslieferung nach Deutschland zu ermöglichen. Am 17. März 2006 begann der Prozess gegen Lerch vor dem Landgericht Mannheim. Die Staatsanwaltschaft legte ihm Verstöße gegen das Außenwirtschaftsgesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz zur Last. Konkret soll Lerch als eine Art "Projektleiter" für das libysche Atomwaffenprogramm des Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi verantwortlich gewesen sein. Laut Anklage soll Lerch mit Hilfe von Hintermännern ein Verrohrungssystem für eine Gas-Ultrazentrifugen-Anlage geplant haben. Damit lässt sich Uran waffenfähig anreichern. Am 26. Juli 2006 platzte das Mannheimer Verfahren gegen Lerch. Gründe hierfür waren unbeantwortete Rechtshilfeersuchen aus dem Ausland sowie die Zurückhaltung von Ermittlungsakten. Am 31. Oktober 2007 entschied das Oberlandesgericht Stuttgart, das Verfahren gegen Lerch zu übernehmen. Die Anklage wird von der Bundesanwaltschaft vertreten. Lerch schwieg im Mannheimer Verfahren zu den Vorwürfen. Seine Rechtsanwälte versuchten stattdessen, ihren Mandanten als Opfer einer internationalen Verschwörung von Regierungen und Geheimdiensten darzustellen. Im laufenden Verfahren in Deutschland wird er von den Rechtsanwälten Gottfried Reims und Christof Püschel aus Köln vertreten. Der Prozessauftakt vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart soll nach Informationen der Nachrichtenagentur ddp am 5. Juni 2008 stattfinden. Insgesamt seien 43 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll nach derzeitigem Planungsstand im Januar 2009 gesprochen werden, so die Agentur.
[bearbeiten] Quellen
[bearbeiten] Bücher
- Egmont R. Koch: "Atomwaffen für Al Qaida. 'Dr. No' und das Netzwerk des Terrors", Aufbau Verlag 2005
- Douglas Frantz und Catherine Collins: "The Nuclear Jihadist: The True Story of the Man Who Sold the World's Most Dangerous Secrets...and How We Could Have Stopped Him", Twelve 2007
[bearbeiten] Artikel
Alexander von Paleske am 30.07.2008 bei Spreerauschen: Nuklear-Banditen und ein Atomschmuggelprozess in Stuttgart
- Steve Coll: "The Atomic Emporium", The New Yorker, 7. August 2006 [1]
- Egmont R. Koch: "Der Physiker der Mullahs", Frankfurter Rundschau, 18. Januar 2007 [2]
- Wolfgang Frey und Martin Hähnlein: "Ein Mann für strahlende Geschäfte", Wirtschaft Regional, 9. Dezember 2006 [3]
- Thomas Scheuer: "Heikle Kettenreaktion", FOCUS, 3. Dezember 2007 [4]
- Wolfgang Frey: "Richter lässt Prozess platzen", SPIEGEL ONLINE, 26. Juli 2006 [5]
[bearbeiten] Pressemitteilungen
[bearbeiten] Basiswissen
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