Fritz Ries
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[bearbeiten] Person
Dr. Fritz Karl Ries (* 4. Februar 1907 in Saarbrücken; † 20 Juli 1977 in Frankenthal durch Suizid) war Jurist, Industrieller und königlich marokkanischer Honorar-Konsul ehrenhalber für die Länder Hessen und Pfalz.[1]
[bearbeiten] Familie
Seit 1949 verheiratet mit Dora Ries (geb. Apitzsch).[2] Fritz Ries ist Vater von Ingrid Ries (Tochter aus erster Ehe mit Rita Ries, geb. Heinemann), nach deren Heirat 1979 mit Kurt Biedenkopf nun Ingrid Biedenkopf.
[bearbeiten] Leben
Fritz Karl Ries war Sohn des Inhabers einer Möbelhandlung. Nach dem Abitur begann er ein Jurastudium, erst an der Universität Köln, dann an der Universität Heidelberg, wo er 1934 den Doktorgrad erworben hatte.[3] Seit 1933 war Ries Mitglied der NSDAP;[4] 1942 erhielt Ries das Kriegsverdienstkreuz.[6]
Fritz Ries war seit 1934 persönlich haftender Gesellschafter der Flügel & Polter KG, Leipzig.[7] Durch Arisierungen und „Übernahmen“ erweiterte er diesen 120-Mann-Betrieb zu einem Konzern mit über 10.000 Beschäftigten und wurde dessen Hauptgesellschafter.[8] Alleine bei den von ihm „übernommenen“ Betrieben der Oberschlesischen Gummiwerke in Trzebinia (Westgalizien) beschäftigte er im Juni 1942 insgesamt 2653 jüdische Zwangsarbeiter.[9] Nach der Kapitulation Deutschlands meldete er Ansprüche als Vertriebener an. Unter der Regierung von Adenauer beantragte er Entschädigung für seine, von der Roten Armee besetzten, Produktionsstätten – und sie wurde bewilligt.
Seit 1945 war Ries in Westdeutschland tätig.[10] 1946 gründete er die PEGULAN-Werke AG (heute: Tarkett) und war deren Mehrheitsaktionär und Vorstandsvorsitzender.[11] Er war Ehrenvorsitzender des Verbands der Deutschen Bodenbelags-, Kunststoff-Folien- und Beschichtungsindustrie, Aufsichtsratsvorsitzender der Badischen Plastic-Werke in Bötzingen und Mitglied des Beirats der Commerzbank AG.[12] Sein Studienfreund und Bundesbruder Hanns Martin Schleyer von der Studentenverbindung Corps Suevia Heidelberg war Stellvertretender Vorsitzer des Aufsichtsrats der PEGULAN-Werke AG.[13]
In Anerkennung seiner „unternehmerischen Leistung und seines Engagements für die Gesellschaft“ wurde er 1967 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz, 1972 mit dem Stern dazu von Helmut Kohl ausgezeichnet.[14]
Fritz Ries errichtete im österreichischen Städtchen Hartberg Anfang der 70er Jahre ein Teppichbodenwerk der PEGULAN-Werke (ab 1977 Durmont). In der Folge erwarb er in der Nähe das Schloss Pichlarn. Dort trafen sich regelmäßig Unionspolitiker und Wirtschaftsgrößen.[15]
Im Herbst 1974 erschien der Tatsachenroman Großes Bundesverdienstkreuz von Bernt Engelmann, das über das Leben und Wirken von Fritz Ries aufklärte. Die Hauptverwaltung Aufklärung der Stasi (HVA) stellte hierzu Archiv-Dokumente über die faschistische Vergangenheit von Fritz Ries zur Verfügung.[16] Die Vorlage inspirierte Nico Hofmann zu seinem Film Land der Väter, Land der Söhne.[17]
[bearbeiten] Einzelbelege
- [1]Bernt Engelmann: Großes Bundesverdienstkreuz., AutorenEdition, Darmstadt 1974, ISBN 3-570-02259-5, S. 66, S. 70, S. 83, S. 228.
- [2]Bernt Engelmann: Großes Bundesverdienstkreuz., AutorenEdition, Darmstadt 1974, ISBN 3-570-02259-5, S. 83.
- [3] Bernt Engelmann: Großes Bundesverdienstkreuz., AutorenEdition, Darmstadt 1974, ISBN 3-570-02259-5, S. 66.
- [4]Bernt Engelmann: Großes Bundesverdienstkreuz., AutorenEdition, Darmstadt 1974, ISBN 3-570-02259-5, S. 66.
- [6]Bernt Engelmann: Großes Bundesverdienstkreuz., AutorenEdition, Darmstadt 1974, ISBN 3-570-02259-5, S. 75.
- [7] Bernt Engelmann: Großes Bundesverdienstkreuz., AutorenEdition, Darmstadt 1974, ISBN 3-570-02259-5, S. 66, S. 228.
- [8]Bernt Engelmann: Großes Bundesverdienstkreuz., AutorenEdition, Darmstadt 1974, ISBN 3-570-02259-5, S. 66.
- [9]Bernt Engelmann: Großes Bundesverdienstkreuz., AutorenEdition, Darmstadt 1974, ISBN 3-570-02259-5, S. 40.
- [10] Bernt Engelmann: Großes Bundesverdienstkreuz., AutorenEdition, Darmstadt 1974, ISBN 3-570-02259-5, S. 228.
- [11] Bernt Engelmann: Großes Bundesverdienstkreuz., AutorenEdition, Darmstadt 1974, ISBN 3-570-02259-5, S. 83, S. 228.
- [12] Bernt Engelmann: Großes Bundesverdienstkreuz., AutorenEdition, Darmstadt 1974, ISBN 3-570-02259-5, S. 83, S. 228.
- [13] Heinz-Klaus Mertes: Der Bund fürs Leben. In: manager magazin 06/1975, S. 74-77.
- [14] Bernt Engelmann: Großes Bundesverdienstkreuz., AutorenEdition, Darmstadt 1974, ISBN 3-570-02259-5, S. 84, S. 229.
- [15] Bernt Engelmann: Großes Bundesverdienstkreuz., AutorenEdition, Darmstadt 1974, ISBN 3-570-02259-5, S. 84, S. 229.
- [16] Dirk Banse, Michael Behrendt: Stasi führte Bernt Engelmann als IM “Albers”. In: DIE WELT. 19.06.2004
- [17] Interview mit Nico Hofmann. In: Berliner Morgenpost. 07.11.2006
[bearbeiten] Weblinks
Indymedia-Trilogie:
- 1. Dr. Fritz Ries – Anmerkungen zum 30. Todestag, 31.07.2007
- 2. Wikipedia – jetzt arisch! (Dr. Fritz Ries), 08.06.2008
- 3. Dr. Fritz Ries – der Bernt Engelmann Prozess, 08.07.2008
Prozessberichterstattung Fritz Ries ./. Bernt Engelmann:
- F.A.Z 23.01.1975 (314K)
- Frankfurter Rundschau 21.05.1975 (188K)
- Der Spiegel – 20. Januar 1975: Nach Lodz (259K)
- Der Spiegel – 5. April 1976: Millionen im Ausland (417K)
- Die Erfinder von Helmut Kohl, 04.05.2007
- Fritz Ries, seit 06.12.2006
- Bemerkenswert ist die (mehrfach zensierte und gesperrte) Diskussionseite!. Ferner ist hier ist die systematische "Neutralisierung" (so heißt das bei Wikipedia) des Begriffs Arisierer dokumentiert.
- Wikipedia zensiert systematisch? - Der Fall Bernt Engelmann. Der Artikel wurde von der Readers Edition - auf Wunsch des Autors (!) - gelöscht. Es handelte sich um den ersten Aufklärungstext um die motivierten Machenschaften bei Wikipedia, mit zahlreichen Belegen und Detailinformationen, was die Manipulationen beim Artikel Dr. Fritz Ries anbelangt.