Ergenekon
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Ergenekon ist die Selbstbezeichnung einer in der Türkei agierenden Untergrundorganisation.
Der Name bezieht sich auf die Region Ergenekon. Laut dem türkischen Ursprungsmythos spielte diese Region nach dem Zerfall und im Wiederaufbau des Göktürkischen Reiches die entscheidende Rolle.
Die Gruppe steht im Verdacht Teil des sogenanten Tiefen Staates zu sein. Weiter wird Ergenekon als Teil der Gladio gesehen.[1]
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[bearbeiten] Tätigkeiten
Um die Prinzipien des Kemalismus zu verteidigen, sollen sich die Verschwörer dieser Untergrundorganisation politischer Morde, dem Drogenhandel, Attentaten und der Zusammenarbeit mit organisierten Verbrechen bedient haben.
Unter den Mitgliedern befinden sich Rechtsanwälte, die mit Prozessen gegen Intellektuelle wie Orhan Pamuk und Hrant Dink vorgegangen waren, und Ex-Militärs. [2]
Die Organisation steht im Verdacht, für die Morde von drei christlichen Missionaren in Malatya im Jahr 2007, an dem Mord an dem armenischen Journalisten Hrant Dink im selben Jahr und 2006 an der Ermordung des katholischen Priesters in Trabzon sowie eines Sprengstoffanschlags auf die Zeitung „Cumhuriyet“ mitverantwortlich zu sein. [3]
Die Organisation plante Anschläge auf den türkischen Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk, die kurdischen Politiker Ahmet Türk und Osman Baydemir, die Ex-Abgeordnete Leyla Zana und den Kolumnisten Fehmi Koru. Die Anschläge konnten durch die Festnahme von 30 Personen, unter denen auch der pensionierter Brigadegeneral Veli Küçük ist, vereitelt werden.[4]
Ertuğrul Günay, der türkische Minister für Kultur und Tourismus, hat den Verbotsantrag zur Schliessung der Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung durch den Gneralstaatsanwalt in Verbindung mit den Ermittlungen zu Ergenekon gebracht. Dabei hat er angedeutet, daß der Verbotsantrag eine Reaktion auf die Ermittlungen seien.[5] Auch der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hat einen Zusammenhag auf einer Fraktionsversammlung angedeutet.[6] Laut einem WAZ-Artikel vom 21.03.2008 spiegelt das Verbotsverfahren gegen die AKP und die Ermittlungen zu Ergenekon einen Machtkampf zwischen der islamisch-konservativen AKP auf der einen Seite und sekulären Kemalisten auf der anderen Seite wider.[7]
[bearbeiten] Festnahmen vom 21.03.2008 und Reaktionen darauf
Im Zusammenhang mit den Ermittlungen zur Ergenekon sind am 21.März 2008 13 weitere Personen in einer Nacht und Nebel Aktion durch Antiterror Einheiten der Polizei festgenommen worden. Unter den Festgenommenen befanden sich auch der 83 jährige İlhan Selçuk, einer der bekanntesten türkischen Journalisten und Chefredakteur und Verleger der Tageszeitung Cumhuriyet, der ehemalige Präsident der Universität Istanbul Kemal Alemdaroğlu, Doğu Perinçek der Vorsitzende der türkischen Arbeiterpartei, Serhan Bolluk, Chefredakteur der dieser Partei gehörenden Zeitschrift Aydınlık sowie der Journalist Adnan Akfırat. So bezeichnen die Journalisten Yalçın Doğan und Tufan Türenç von der Tageszeitung Hürriyet diese Aktion als neue McCarthy-Ära. Der Vorsitzende des Türkischen Presse Rates Oktay Ekşi meint dazu das es einfach nur schockierend sei. Der Vorsitzende des Modernen Journalisten Vereins Ahmet Abakay sieht eine Parallele zur Methode der Putschisten und bezeichnet die Festnahmen als Einschüchterungsversuch der oppositionellen Medien. Der Präsident der Türkischen Journalisten Föderation Nazmi Bilgin spicht von einer Hexenjagd. Der Präsident des Universitätsrates und gleichzeitiger Direktor der Akdeniz Universität Professor Dr.Mustafa Akaydın spricht von einem Einschüchterungsversuch. Auch der Direktor der Inönü Universität Professor Dr.Fatih Hilmioğlu und der Direktor der Samsun 19.Mai Universität teilen diese Einschätzung. Der türkische Oppositionsführer Deniz Baykal spricht in diesem Zusammenhang von einem "Tiefen Staat" der AKP.[8] Manche Stimmen sehen in dieser neuen Festnahmewelle den Versuch der AKP-Regierung Rache zu nehmen für das Verbotsverfahren der AKP durch den Generallstatsanwalt.[9] So fragt zum Beispiel die türkische Tageszeitung Akşam ob das die Antwort auf das Verbotsverfahren sei.[10]
[bearbeiten] Anklage
Die Tagesschau informierte am 14.07.2008 darüber, dass die türkische Justiz Anklage gegen 86 mutmaßliche Mitglieder erhoben habe und für die Hauptbeschuldigten lebenslange Haft fordere[11]:
"Die türkische Justiz hat Anklage gegen 86 mutmaßliche Mitglieder einer rechtsnationalen Organisation erhoben, die einen Putsch gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan geplant haben sollen. Die Anklage laute auf Gründung einer bewaffneten Terrororganisation mit dem Ziel eines Umsturzes, sagte der Istanbuler Oberstaatsanwalt Aykut Cengiz Engin. Für die Hauptbeschuldigten der Gruppe "Ergenekon" will die Anklage lebenslange Haft fordern. Ein Istanbuler Schwurgericht wird innerhalb von zwei Wochen entscheiden, ob ein Prozess gegen die Beschuldigten eröffnet wird."
[bearbeiten] Literatur
- Aytekin Gezici, Ergenekon: Çelik Çekirdek'ten Susurluk'a, Sauna Çetesi'nden Türk İntikam Tugayı'na, Karakutu Yayınları, Şubat 2008, ISBN 9789944714396 (türkisch)
- Can Dündar ve Celal Kazdağlı, Ergenekon, İmge Kitabevi Yayınları, Ağustos 2006, ISBN 9789755331997 (türkisch)
- Şamil Tayyar, Operasyon Ergenekon: Gizli Belgelerde Karanlık İlişkiler, Timaş Yayınları, Şubat 2007, ISBN 9789752637139 (türkisch)
- Zihni Çakır, Ergenekon'un Çöküşü 1: Dünden Bugüne Devletin Derinliklerindeki Kirli İlişkiler, Neden Kitap, Mart 2008, ISBN 9789752542051 (türkisch)
- Zihni Çakır, Ergenekon'un Çöküşü 2: Dünden Bugüne Devletin Derinliklerindeki Kirli İlişkiler, Neden Kitap, Mart 2008, ISBN 9789752542289 (türkisch)
[bearbeiten] Quellen
- ↑ Türkische Tageszeitung Hürriyet: Informationen zur Organisationstruktur Ergenekons, Toygun Atilla, 24.05.2006 (türkisch)
- ↑ Die Welt: welt.de: Türkische Polizei zerschlägt mörderisches Netzwerk, abgerufen am 26. Januar
- ↑ Today's Zaman: [1], abgerufen am 25. Februar
- ↑ Die Welt: Artikel über den geplanten Anschlag auf Orhan Pamuk
- ↑ Internet Nachrichten Portal nethaber.com: Informationen zur Rede Günays im Zusammenhang mit Ergenekon (türkisch)
- ↑ Internet Nachrichten Portal nethaber.com: Informationen zur Rede Erdoğans im Zusammenhang mit Ergenekon (türkisch)
- ↑ Internet Nachrichtenportal Der Westen (WAZ-Gruppe): Artikel über Ergenekon, 21.03.2008, von Gerd Höhler
- ↑ Türkische Tageszeitung Hürriyet: Informationen zur Festnahme im Zusammenhang mit Ergenekon, 22.03.2008 (türkisch)
- ↑ Türkische Tageszeitung Vatan: Informationen zur Festnahme im Zusammenhang mit Ergenekon, Seite 1, 22.03.2008 (türkisch)
- ↑ Türkische Tageszeitung Akşam: Informationen zur Festnahme im Zusammenhang mit Ergenekon, Seite 10, 22.03.2008 (türkisch)
- ↑ Tagesschau.de am 14.07.2008: Türkische Justiz erhebt Anklage - Mutmaßliche Putschisten sollen vor Gericht
Dieser Artikel basiert auf Wikipedia Ergenekon (Organisation) unter GNU-FDL
[bearbeiten] Weblinks
ter am 20.10.2008 bei Radio Utopie: Ergenekon: Strategie der Spannung
Ulrich Pick am 14.10.2008 bei tagesschau.de: Verdacht gegen türkisches Netzwerk "Ergenekon" - Mordplanung gegen Pamuk abgehört
Rainer Hermann am 14.07.2008 in der FAZ: Untergrundbande „Ergenekon“ - Eine Hochebene nur für die Türken
Fefe am 04.07.2008: Geplanter Staatsstreich
Hubert Spiegel am 23.01.2008 in der FAZ: Die Attentatsliste: Wer Orhan Pamuk töten wollte
Todays Zaman: Todays Zaman, (englisch)
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