Entartete Kunst
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[bearbeiten] Wesen
„Entartete Kunst“ ist ein von den Nationalsozialisten geprägter abwertender Begriff für moderne Kunst, die sich nicht in das Kunstverständnis der nationalsozialistischen Ideologie einfügte und die angeblich dekadente Darstellung von Erkrankungserscheinungen und Auswüchsen der Zivilisation bezeichnete. Als Verfallserscheinung der kulturellen Lebenskraft galten daher auch Pessimismus und Pazifismus und alle anderen Ansätze der Entartung, also auch artfremde Einflüsse sowie unsittliche und abnorme Abweichungen vom Art- und Rassenbegriff. Als entartet wurden dementsprechend Werke des Expressionismus und der abstrakten Kunst durch Gegenüberstellung mit pathologischen Erscheinungen diffamiert .
[bearbeiten] Vorgeschichte
Der vom nationalsozialistischen Volksbildungsminister Thüringens Wilhelm Frick bewirkte Erlass Wider die Negerkultur für deutsches Volkstum (5. April 1930) war der Ausgangspunkt der weiteren Bereinigung von undeutschen Einflüssen, die im Oktober zur Überstreichung der Wandmalereien von Oskar Schlemmer und unter Mithilfe Paul Schultze-Naumburgs zur Bereinigung des Weimarer Schlossmuseums von Werken von Ernst Barlach, Charles Crodel, Otto Dix, Erich Heckel, Oskar Kokoschka, Franz Marc, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff u.a. führte. Zwar wurde Minister Frick am 1. April 1931 das Vertrauen des Thüringischen Landtages entzogen, doch die Landtagswahlen vom 31. Juli 1932 brachten der nationalsozialistischen Fraktion die absolute Mehrheit und öffneten den Zugriff von Weimar auf Berlin, was konsequenterweise dazu führte, dass exemplarisch die gerade zum Goethejahr 1932 mit Wandmalereien von Charles Crodel erneuerten Kuranlagen von Bad Lauchstädt im Sommer 1933 teils verbrannt, teils überstrichen wurden, während in Berlin ein erbitterter Richtungskampf geführt wurde, den Alfred Rosenberg im Winter 1934-1935 für sich entschied und nach der Berliner Olympiade von 1936 umsetzte.
Auftakt der neuerlichen Verfolgungswelle war die Schließung der Neuen Abteilung der Berliner Nationalgalerie im Kronprinzenpalais am 30. Oktober 1936 und der Erlass vom 30. Juni 1937, der den neuen Reichskunstkammerpräsidenten Adolf Ziegler ermächtigte, die im deutschen Reichs-, Länder- und Kommunalbesitz befindlichen Werke deutscher Verfallskunst seit 1910 auf dem Gebiete der Malerei und der Bildhauerei zum Zwecke einer Ausstellung auszuwählen und sicherzustellen.
[bearbeiten] Die Ausstellung „Entartete Kunst“
Die Ausstellung „Entartete Kunst“ wurde am 19. Juli 1937 in München eröffnet und zeigte 650 konfiszierte Kunstwerke aus 32 deutschen Museen. Bis April 1941 wanderte sie in zwölf weitere Städte. Sie zog über 3 Millionen Besucher an. Die Ausstellung wurde von Joseph Goebbels initiiert und von Adolf Ziegler (1892-1959), dem Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste, geleitet. Gleichzeitig setzte mit der Beschlagnahme von insgesamt rund 16.000 modernen Kunstwerken, die zum Teil ins Ausland verkauft oder zerstört wurden, die „Säuberung“ der deutschen Kunstsammlungen ein. Berufsverbote für Künstler und Museumsleute, die moderne Kunst angekauft hatten, oder Hochschullehrer gab es bereits unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten seit 1933.
Als „Entartete Kunst“ galten im NS-Regime alle Kunstwerke und kulturellen Strömungen, die mit dem Kunstverständnis und dem Schönheitsideal der Nationalsozialisten nicht in Einklang zu bringen waren:
Expressionismus, Dadaismus, Neue Sachlichkeit, Surrealismus, Kubismus oder Fauvismus. Als „entartet“ galten u.a. die Werke von George Grosz, Elfriede Lohse-Wächtler, Karl Hofer, Ernst Ludwig Kirchner, Max Ernst, Karl Schmidt-Rottluff, Otto Pankok, Max Pechstein, Paul Klee, Willi Baumeister, Otto Griebel, Otto Dix oder Ernst Barlach.
[bearbeiten] Weblinks
André Krajewski bei Shoa.de: Entartete Kunst
Deutsches Historisches Museum: Entartete Kunst