Egon Bahr
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[bearbeiten] Person
Egon Karl-Heinz Bahr, geboren am 18.03.1922 in Treffurt/Werra, ist ein Politiker der Partei SPD. Egon Bahr ist verheiratet und hat drei Kinder.
Egon Bahr war von 1972 bis 1974 Bundesminister für besondere Aufgaben und von 1974 bis 1976 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit.
[bearbeiten] Leben und Beruf
Nach dem Abitur 1940 begann Bahr zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei Rheinmetall Borsig. Von 1942 bis 1944 nahm er dann als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil. Er arbeitete nach dem Krieg als Journalist bei der „Berliner Zeitung“, anschließend bei der „Allgemeinen Zeitung“ (Berlin) und dem „Tagesspiegel“ (Berlin). Von 1950 bis 1960 war er Chefkommentator und Leiter des Bonner Büros des RIAS. 1959 wurde er als Presseattaché an die Deutsche Botschaft in Ghana abgeordnet.
Von 1984 bis 1994 war er Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg. Seit 1984 ist er Honorarprofessor an der Universität Hamburg.
[bearbeiten] Partei
Seit 1956 ist Bahr Mitglied der SPD. Von 1976 bis 1981 war er Bundesgeschäftsführer der SPD.
[bearbeiten] Abgeordneter
Von 1972 bis 1990 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er ab 1980 Vorsitzender des Unterausschusses für Abrüstung und Rüstungskontrolle. Egon Bahr war zuletzt (11. Wahlperiode 1987) über die Landesliste Schleswig-Holstein in den Deutschen Bundestag eingezogen.
[bearbeiten] Öffentliche Ämter
Von 1960 bis 1966 war Bahr Leiter des Presse- und Informationsamtes des Landes Berlin und als solcher Sprecher des vom Regierenden Bürgermeister Willy Brandt geführten Senats. Von 1966 bis 1969 war er Botschafter und als Ministerialdirigent Leiter des Planungsstabes im Auswärtigen Amt.
Nach der Bundestagswahl 1969 wurde er Staatssekretär im Bundeskanzleramt und zugleich Bevollmächtigter der Bundesregierung in Berlin. Nach der Bundestagswahl 1972 wurde er am 15. Dezember 1972 als Bundesminister für besondere Aufgaben beim Bundeskanzler in die von Willy Brandt geführte Bundesregierung berufen. Er gilt als einer der wichtigsten und einflussreichsten Berater Willy Brandts im Hinblick auf die Ostverträge. Daher wird Bahr bisweilen auch als „Architekt der Ostverträge“ bezeichnet. Auf Bahr geht das Motto der Ostpolitik „Wandel durch Annäherung“ zurück.
Nach dem Rücktritt von Willy Brandt schied auch Bahr am 7. Mai 1974 zunächst aus der Bundesregierung aus. Am 7. Juli 1974 wurde er jedoch von Bundeskanzler Helmut Schmidt als Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit erneut in die Bundesregierung berufen. Nach der Bundestagswahl 1976 schied er am 14. Dezember 1976 endgültig aus der Bundesregierung aus.
[bearbeiten] Sonstige politische Tätigkeiten und Initiativen
1980 wurde Bahr Mitglied der "Unabhängigen Kommission für Abrüstung und Sicherheit" unter dem Vorsitz des schwedischen Politikers Olof Palme. Die Kommission veröffentlichte ihren Bericht 1982 unter dem Titel "Common Security". Zu den Vorschlägen der Kommission gehörte die Idee eines atomwaffenfreien Korridors in Mitteleuropa. Bahr veröffentlichte diverse Schriften über eine zukünftige deutschen Außenpolitik nach dem Ende des Kalten Krieges (siehe auch „Veröffentlichungen“ weiter unten). So vertritt Bahr u.a. die These, dass Europa und Deutschland im Rahmen einer Zivilmacht stärkeren Einfluss in der Welt suchen sollten. 1991 regte Bahr eine Diskussion über die Schaffung eines „Deutschen Friedenskorps“ an.
In einem Interview mit der FAZ gestand Egon Bahr ein, 1940 einen "gewissen Stolz" empfunden zu haben, daß Polen, Frankreich, Dänemark und Norwegen im Zweiten Weltkrieg so schnell von der deutschen Wehrmacht erobert wurden. Nach Bernhard und Hans-Jochen Vogels Buch "Ein Unikat im Doppelpack" soll Bahr noch Anfang November 1989, also wenige Tage vor Maueröffnung, "Lasst uns um alles in der Welt aufhören, von der Einheit zu träumen oder zu schwätzen" gemeint haben.
[bearbeiten] Mauerbomben vom 26. Mai 1962
In einem Artikel von Maximilian Steinbeis im Handelsblatt vom 12.06.2007 wird Egon Bahr nach Angaben des Zeitzeugen Dieter Thieme für die Berliner Mauerbomben in der Nacht des 26. Mai 1962 verantwortlich gemacht:
Neuen Quellen zufolge kam der Anstoß zu dem Anschlag in der Tat aus der Westberliner Senatskanzlei. Nach diesen Angaben soll ein Vertrauter des damaligen Bürgermeisters und späteren Bundeskanzlers und Friedensnobelpreisträgers Willy Brandt die Sache initiiert haben, wohl um für den am nächsten Tag beginnenden SPD-Parteitag ein passendes Zeichen zu setzen. Der Name des Brandt-Mitarbeiters: Egon Bahr.
[bearbeiten] Ehrungen
Bahr wurde 1973 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
[bearbeiten] Veröffentlichungen
- Zu meiner Zeit (Autobiographie Bahrs), München 1996, ISBN 3-89667-001-8
- Willy Brandts europäische Außenpolitik (Schriftenreihe der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung Heft 3), Berlin 1999,
- Deutsche Interessen: Streitschrift zu Macht, Sicherheit und Außenpolitik, München 2000, ISBN 3-442-75593-X
- Der deutsche Weg: Selbstverständlich und normal, München 2003, ISBN 3-89667-244-4
[bearbeiten] Fußnoten
Friedrich-Ebert-Stiftung: Wandel durch Annäherung (PDF), Rede Egon Bahrs am 15. Juli 1963 in der Evangelischen Akademie Tutzing
FAZ: FAZ-Interview mit Egon Bahr am 29. April 2005
[bearbeiten] Literatur
- Andreas Vogtmeier: Egon Bahr und die deutsche Frage: Zur Entwicklung der sozialdemokratischen Ost- und Deutschlandpolitik vom Kriegsende bis zur Vereinigung (Reihe Politik- und Gesellschaftsgeschichte Bd. 44), Bonn, 1996.
[bearbeiten] Weblinks
Maximilian Steinbeis am 12.06.2007 im Handelsblatt: Dynamit für den Parteitag