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Attentat auf John F. Kennedy

(Weitergeleitet von Attentat auf JFK)

Bei einem Attentat kam am 22. November 1963 John F. Kennedy, der 35. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, in Dallas ums Leben. Knapp eineinhalb Stunden nach dem Attentat wurde Lee Harvey Oswald als Verdächtiger in einem Kino verhaftet und zwei Tage später im Polizeigewahrsam von Jack Ruby erschossen. Die Umstände der Ermordung des Präsidenten und die Frage, ob Oswald überhaupt der Täter war und ob er Mittäter oder Hintermänner hatte, waren Gegenstand mehrerer staatlicher Untersuchungen und zahlreicher Verschwörungstheorien. Die letzte Untersuchungskommission in den USA kam zu dem Ergebnis, dass Oswald wahrscheinlich Teil einer Verschwörung gewesen sei. Umfragen zeigen, dass eine große Mehrheit der Amerikaner ebenfalls nicht an seine Alleintäterschaft glaubt.[1]


Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Die Ereignisse in Dallas

[bearbeiten] Kennedys Reise durch Texas

Kennedys Texas-Reise, die ihn nach Houston, Fort Worth und Dallas führen sollte, war im September 1963 angekündigt worden. Der Präsident hatte drei Ziele im Auge:

Letztere hatten dazu beigetragen, dass er 1960 in Texas nur eine äußerst knappe Mehrheit gewonnen hatte, und das, obwohl Vizepräsident Lyndon B. Johnson aus Texas kam.

Die Stimmung war eher schlecht: Ein selbst ernannter „Ermittlungsausschuss frei und amerikanisch denkender Bürger“ schaltete am Tag seines Besuchs eine Anzeige, in der Kennedy unter anderem vorgeworfen wurde, er hätte „die Monroe-Doktrin zugunsten des ‚Geistes von Moskau’ verschrottet“. Damit wurde auf die Kuba-Politik des Präsidenten angespielt, die nach dem Debakel in der Schweinebucht und der Kubakrise, in der der Dritte Weltkrieg nur knapp hatte vermieden werden können, deutlich vorsichtiger geworden war. Auch kursierte ein Flugblatt in Form eines Steckbriefs, auf dem Kennedy wegen Hochverrat gesucht wurde.

Anlass zu Besorgnis gab obendrein, dass Adlai Stevenson, der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, einen Monat zuvor in Texas von wütenden Demonstranten bespuckt und mit Protestschildern geschlagen worden war. Am 18. November 1963 hatte zudem ein geplanter Autokorso Kennedys durch Miami abgesagt werden müssen, als der Polizei Attentatspläne bekannt geworden waren. Kennedy sah die Gefahr eines Anschlags, blieb aber gelassen. Zu seinem Assistenten Kenneth O’Donnell sagte er:

Wenn jemand wirklich den Präsidenten der Vereinigten Staaten erschießen wollte, wäre das keine schwierige Arbeit: Man müsste nur eines Tages mit einem Gewehr mit Zielfernrohr auf ein hohes Gebäude hinauf, niemand könnte etwas gegen einen solchen Anschlag unternehmen. [2]

Hintergrund dieses Fatalismus war die Tatsache, dass es noch keine Amtslimousinen mit kugelsicherem Dach gab. Die Fahrtroute durch Dallas, die am 18. November offiziell bekannt gegeben worden war, führte vom Flughafen Dallas Love Field durch die Innenstadt zum Dallas Trade Mart, wo Kennedy eine Rede halten wollte. Er entschied sich gegen die Empfehlung seines Sicherheitsdienstes für ein Auto mit offenem Verdeck, einen dunkelblauen 1961er Lincoln Continental X-100. Im Wagen saßen außer ihm seine Frau Jacqueline Bouvier-Kennedy, der Gouverneur von Texas, John Connally, dessen Frau Nellie Connally, sowie die Secret-Service-Agenten William Greer, als Chauffeur, und Roy Kellerman.

Die Dealey Plaza mit dem Fahrtweg der Präsidentenlimousine
Die Dealey Plaza mit dem Fahrtweg der Präsidentenlimousine

[bearbeiten] Das Attentat auf den Präsidenten

Als die Autokolonne des Präsidenten nur noch fünf Minuten vom Veranstaltungsort entfernt war, fuhr sie auf der Houston Street, die den Gebäudekomplex der Dealey Plaza nach Westen begrenzt, auf das Schulbuchdepot des Staates Texas zu. Hier bogen die Wagen in einer 120°-Kurve in westlicher Richtung in die Elm Street ein. Etwa auf halber Höhe zwischen dem Schulbuchdepot und einem hinter einem Bretterzaun gelegenen Grashügel stand Abraham Zapruder, ein Amateurfilmer aus Dallas, und filmte den vorbeifahrenden Wagen des Präsidenten auf 8 mm-Film.

Kurz zuvor hatte sich Nellie Connally angesichts der vielen freundlich winkenden Menschen am Straßenrand an den hinter ihr sitzenden Präsidenten mit den Worten gewandt: „Mr. President, man kann nicht sagen, dass Dallas sie nicht liebt“, und Kennedy hatte zugestimmt: „Nein, das kann man ganz sicher nicht sagen“[3]. Das waren seine letzten Worte, denn kurz darauf fielen gegen 12.30 Uhr mehrere Schüsse. Einer der Shüsse durchschlug Kennedys Hals, gleichzeitig erlitt Connally einen Durchschuss durch die Brust und wurde am Handgelenk und am Oberschenkel verletzt. Alle diese Wunden sollen dem Warren-Report zufolge von einer einzigen Kugel verursacht worden sein, was zu Zweifeln an der offiziellen Version des Geschehens beitrug. Conally sank auf den Schoß seiner neben ihm sitzenden Frau, die ihn an sich drückte und so den Kollaps seiner Lunge verhinderte. Da Kennedy aber aus gesundheitlichen Gründen ein Korsett trug[4], blieb er aufrecht sitzen, sodass ein weiterer Schuss ihn in den Kopf traf, dessen rechte Hälfte explodierte. Jackie Kennedy versuchte in Panik, die Limousine über das Heck zu verlassen, anscheinend, um instinktiv ein Stück vom Schädel ihres Mannes zurückzuhalten, das auf die Straße geflogen war. Der Secret-Service-Mann Clint Hill, der inzwischen auf den Wagen aufgesprungen war, drängte sie in ihren Sitz zurück, und der Chauffeur gab Gas. Bemerkenswert ist, dass der Chauffeur nicht seinen Vorschriften entsprechend bereits beim ersten Schuss beschleunigte und zu diesem Fehler, der seinen Dienstherrn das Leben kostete, nie befragt wurde.

Kennedy wurde in die Notaufnahme des Parkland Memorial Hospital gebracht, wo man ihn als sterbend einstufte. Man hielt seinen Herzschlag noch aufrecht, bis ein katholischer Priester ihm die Sterbesakramente gespendet hatte. Um 13 Uhr wurde Kennedy für tot erklärt.

In Dallas wurde eine erste Autopsie durchgeführt. Alle Beteiligten stimmten darin überein, dass Kennedy von vorne erschossen wurde.

Secret-Service-Agenten setzten nach einer kurzen Auseinandersetzung mit der Polizei von Dallas durch, dass der Leichnam an Bord der Air Force One geschafft und zur Obduktion ins Bethesda Naval Hospital nach Washington geflogen wurde. Vor dem Flug legte Lyndon B. Johnson an Bord der Air Force One den Amtseid als 36. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ab.

Der Tod des charismatischen Präsidenten traf die amerikanische Öffentlichkeit wie ein Schock. Fast jeder Zeitgenosse erinnerte sich später noch genau, wo er war, als er von den Ereignissen in Dallas hörte. Umfragen ergaben, dass mehr als die Hälfte der Bevölkerung in der Folge an physischen Trauersymptomen wie Appetit- oder Schlafmangel, Nervosität oder Übelkeit litten[5].

Der Polizist J.D. Tippit
Der Polizist J.D. Tippit

[bearbeiten] Die Verhaftung Oswalds

Wenige Minuten nach dem Mord gab die Polizei eine Personenbeschreibung des mutmaßlichen Attentäters durch. Die Herkunft gezielter Verdachtsmomente und deren Begründung, bezogen auf eine bestimmte Person innerhalb dieses Fahndungsaufrufes, sind bis heute ungeklärt. Wie sich später herausstellen sollte, handelte es sich bei dem Gesuchten um den fünfundzwanzigjährigen Lee Harvey Oswald, der sich öffentlich als Marxist-Leninist bezeichnet, mehrere Jahre in der Sowjetunion gelebt und seit dem 15. Oktober 1963 im Schulbuchlager gejobbt hatte.

Laut Warren-Report war Oswald um 13:00 Uhr in seine Mietwohnung zurückgekehrt.[6] Um 13:04 Uhr hatte Oswald seine Wohnung bereits wieder verlassen und wartete an der Beckley Avenue Bushaltestelle, deren Buslinie in nördliche Richtung führt.[7] Nach offiziellen Angaben wurde Oswald jedoch zu Fuß zwischen 13.06 Uhr und 13.10 Uhr[8] vom Polizisten J. D. Tippit in Oak Cliff, einem Wohngebiet von Dallas, das in südlicher Richtung und 15 Gehminuten[9] von der Bushaltestelle entfernt liegt, gestellt. Weil angeblich die Beschreibung des Gesuchten auf Oswald zutraf, hielt Tippit Oswald an. Vier Augenzeugen berichteten, wie Oswald Tippit nach einem kurzen Wortwechsel mit drei Schüssen aus einem Trommel-Revolver der Firma Smith & Wesson, Kaliber .38, niedergestreckt habe. Anschließend habe Oswald dem auf dem Boden liegenden Tippit in den Kopf geschossen. Bei seiner anschließenden Flucht habe Oswald seine Jacke ausgezogen und zurückgelassen. Die Aussagen der Zeugen waren teilweise widersprüchlich. Ebenso gibt es Augenzeugen, die Oswald als Schützen auf Tippit überhaupt nicht identifizierten, obwohl sie dem Geschehen von allen Zeugen am nächsten waren.[10]. Eine ballistische Untersuchung ergab, dass einer der vier Schüsse auf Tippit aus dem Oswald zugeordneten Revolver abgegeben worden war.[11] Welcher Person und Waffe die drei übrigen Kugeln zugeordnet wurden, ist bis heute nicht aufgeklärt worden. Andere Zeugen berichteten über die weitere Flucht des mutmaßlichen Täters, einige verfolgten ihn sogar. Die Polizei wurde auf ein Kino, das Texas Theatre in Oak Cliff, einem Stadtteil von Dallas, aufmerksam gemacht, in dem Oswald ohne Gegenwehr festgenommen wurde.

In der Zwischenzeit hatte die Polizei das Schulbuchdepot durchsucht und im fünften Stock unter Bücherkisten versteckt ein Repetiergewehr mit Zielfernrohr gefunden.[12] Officer und Waffenexperte[13] Seymour Weitzman identifizierte die aufgefundene Waffe eindeutig als ein deutsches Präzisionsgewehr der Marke Mauser 7.65 mm.[14] Die Deputy Sheriffs Roger Craig und Eugene Boone kamen zweifelsfrei zum selben Ergebnis. Roger Craig erkannte deutlich den im Metall eingravierten Schriftzug „Mauser“.[15] Eugene Boone gab dazu eine eidesstattliche Erklärung ab, in der er die Waffe als Mauser identifizierte.[16] Diese Information der Polizei gab der Bezirksstaatsanwalt von Dallas, Henry Wade, somit an die Medien weiter,[17] die darüber ausführlich berichteten.[18] Ebenso wurden drei leere Patronenhülsen gefunden. Einen Tag später revidierte die Polizei die Angaben zur Tatwaffe und teilte mit, dass es sich um ein Repetiergewehr der Marke Mannlicher-Carcano handelte. Fingerabdrücke Oswalds wurden auf dieser Waffe durch das FBI-Labor in Washington nicht gefunden.[19] Nachdem das FBI die Waffe wieder an die Polizei von Dallas zurückgegeben hatte, meldete diese später jedoch, dass sie einen "Handflächenabdruck Oswalds gefunden" hätten.[20] Die Kugel, die angeblich in Conallys Oberschenkel stecken geblieben war und später auf dessen Krankenhaustrage aufgefunden wurde, passte offiziellen Angaben zufolge zu ihrem ballistischen Profil. Dem zuerst genannten und von der Polizei sichergestellten deutschen Präzisionsgewehr der Marke Mauser wurde schließlich keine Bedeutung mehr beigemessen.

Das Mannlicher-Carcano-Gewehr und den Revolver hatte Oswald in den Monaten zuvor unter dem falschen Namen Alek Hidell auf Postfächer in New Orleans und Dallas bestellt. Es war, wie sich später herausstellte, dieselbe Waffe, mit der bereits am 10. April 1963 ein missglücktes Attentat auf Edwin Walker verübt wurde, einen rechtsgerichteten General a. D., der Mitglied der John Birch Society war und im Jahr zuvor vergeblich bei den texanischen Gouverneurswahlen kandidiert hatte.

Oswald wurde durch das FBI und die Polizei von Dallas in deren Hauptquartier zwölf Stunden lang, unter irregulären Umständen ohne Rechtsbeistand vernommen. Die Aussagen Oswalds wurden entgegen den Vorschriften nicht protokolliert, eine Tonbandaufzeichnung fand ebenfalls nicht statt. Außerdem hatte die Presse weitgehend freien Zutritt, da Polizeichef Jesse Curry befürchtete, dass die Öffentlichkeit andernfalls vermuten würde, man habe etwas zu vertuschen[21]. Nicht nur die Beamten, auch Oswald hatte die Gelegenheit, vor Presse und Fernsehkameras zu sprechen. Hier wie auch bei den Vernehmungen stritt er jede Verwicklung in den Mord an Kennedy ab und erklärte, er solle zum „Sündenbock“ (engl.: patsy) gemacht werden.

[bearbeiten] Die Ermordung Oswalds

Weil zu befürchten stand, dass man bei weiterer intensiver Berichterstattung der Presse über Oswald keine unvoreingenommenen Geschworenen mehr finden könne, die noch nichts über den Fall wussten, wurde beschlossen, Oswald ins Bezirksgefängnis von Dallas zu überstellen. Obwohl es bereits Morddrohungen gegen Oswald gegeben hatte, wurde der Termin mit der gleichen Großzügigkeit gegenüber der Presse bekannt gegeben wie die ersten Verhöre. Der Transfer verzögerte sich jedoch, weil das ursprünglich dafür vorgesehene Fahrzeug zu klein war, um auch die Wachen aufzunehmen. Eine weitere Verzögerung ergab sich, weil Oswald gebeten hatte, seinen Pullover mitnehmen zu können. Am 24. November 1963 um 11.21 Uhr betrat Oswald mit seinen Wachen schließlich die Garage im Tiefgeschoss des Polizeihauptquartiers, fast genau gleichzeitig mit Jack Ruby, einem jüdischen Nachtclubbesitzer aus Dallas mit Verbindungen zur Mafia, der wenige Augenblicke zuvor ins Gebäude gelangt war. Mit den Worten: „Du hast meinen Präsidenten getötet, du Ratte“, feuerte Ruby vor laufenden Fernsehkameras auf ihn [22]. Oswald wurde mit Bauchschuss ins Parkland Memorial Hospital gebracht, wo er kurz darauf an inneren Blutungen starb.

Jack Ruby wurde im März 1964 wegen Mordes zum Tode verurteilt. Er starb im Januar 1967 an einer Lungenembolie, wie Kennedy und Oswald im Parkland Memorial Hospital. Ruby selbst machte über seine Motive unterschiedliche Angaben. Kurz nach seinen Schüssen auf Oswald soll er nach Zeugenaussagen erklärt haben, er habe geschossen, um der von ihm verehrten Jackie Kennedy eine Zeugenaussage im Prozess zu ersparen, und weil er den Verdacht, hinter der Ermordung des Präsidenten stecke eine jüdische Verschwörung, entkräften wollte: Die hetzerische Anzeige des selbst ernannten „Ermittlungsausschusses“ hatte nämlich unter anderem einen jüdischen Namen getragen. [23]. Ein Jahr nach seiner Verurteilung deutete Ruby in einem Fernsehinterview dagegen an, dass er selbst das Opfer einer Verschwörung sei:

Die Welt wird niemals die wahren Tatsachen erfahren: mit anderen Worten, meine wahren Motive. [...] Unglücklicherweise werden diese Leute, die so viel zu gewinnen haben und ein starkes Motiv hatten, mich in diese Lage zu bringen, in der ich bin, niemals zulassen, dass die wahren Tatsachen ans Tageslicht der Welt kommen. [24]
Wäre Adlai Setevenson Vizepräsident gewesen, so hätte es keinen Anschlag auf Präsident John F. Kennedy gegeben. [25]

[bearbeiten] Untersuchungen

[bearbeiten] Die Warren-Kommission

Die Warren-Kommission (offizieller Name: Kommission des Präsidenten über die Ermordung von Präsident Kennedy) wurde von Kennedys Amtsnachfolger Johnson am 29. November 1963 einberufen, um die Umstände des Attentats zu untersuchen. Sie ist nach ihrem Vorsitzenden Earl Warren benannt, der damals Oberster Richter am Supreme Court war. Warren war höchst umstritten und außerdem Mitglied des rassistischen Ku Klux Klans gewesen.

Die Kommission umfasste neben Warren sechs Mitglieder:

Von der Regierung wurde Ausschussmitgliedern nahegelegt, dass ein Ergebnis, welches Kuba oder die Sowjetunion belaste nicht erwünscht sei. Der die Warren-Komission dominierende Allen Dulles schützte die CIA vor jeglicher Untersuchung, ebenso die mit den Kennedys verfeindete Mafia, die im Regierungsauftrag Fidel Castro ermorden sollte. Die Mafia wiederum wurde auch von J. Edgar Hoover geschützt, dessen FBI-Untersuchung die wesentliche Grundlage der Warren-Kommission gewesen war.

Nach zehnmonatiger Arbeit, die sich auf die Ermittlungsergebnisse der Polizei von Dallas und des FBI stützte, wurde im September 1964 der über 850 Seiten starke Abschlussbericht, der so genannte Warren-Report veröffentlicht (offiziell: Report of the President's Commission on the assassination of President John F. Kennedy). Mehr als 600 Zeugen waren befragt, etwa 3.000 Beweisstücke sichergestellt worden. Beigefügt waren 26 Bände mit Protokollen und Beweisstücken.

Der Warren-Report kam zu dem Ergebnis, dass Oswald der alleinige Täter sei und es keine Verschwörung gegeben hätte. Oswald habe drei Schüsse aus dem fünften Stock des Schulbuchdepots auf die Präsidentenlimousine abgegeben und John F. Kennedy getötet. Außerdem sei er für den Tod des Streifenpolizisten Tippit verantwortlich. Am Morgen des 22. November habe er seine Arbeit um 8.00 Uhr im Schulbuchlager aufgenommen und eine längliche braune Tüte dabei gehabt, in der er angeblich Gardinenstangen transportiert habe. Oswald sei nach dem Attentat unter anderem dadurch aufgefallen, dass er bereits nach drei Minuten den Tatort verlassen habe. Auch habe es keines Meisterschützen bedurft, um innerhalb von 4,8 bis maximal sieben Sekunden drei Schüsse durch eine Baumgruppe hindurch auf ein fahrendes Ziel abzugeben. Der erste Schuss sei fehlgegangen, der zweite habe Kennedys Halswunde und sämtliche Verletzungen des vor ihm sitzenden Conally verursacht, der dritte sei der tödliche Kopftreffer gewesen. Hinter der Ermordung Oswalds konnte die Kommission ebenfalls keine Verschwörung erkennen, Ruby habe spontan und allein gehandelt. Darüber hinaus kritisierte der Warren-Bericht die offenkundigen Schwachstellen im Personenschutz des Präsidenten, was in der Folge zu dessen deutlicher Verbesserung führte.

Der Warren-Report ließ viele Zeitgenossen unbefriedigt. Vor allem die Geschichte der von Kritikern so genannten „magischen Kugel“ (engl.: magic bullet), die zu sieben Verletzungen an Kennedy und Conally geführt haben soll, ohne dabei nennenswert verformt worden zu sein, stieß auf verbreiteten Unglauben. Es wurde auch bald bekannt, dass die Kommission Indizien, die auf mehr als nur einen Täter deuteten, gar nicht näher verfolgt hatte. Warren war von Präsident Johnson, der an eine kubanische Verschwörung gegen Kennedy glaubte, angewiesen worden, lediglich die Alleintäterschaft Oswalds zu belegen. Würde diese Verschwörung publik, könne ein Krieg unvermeidlich werden:

Wenn gewisse Gerüchte nicht zum Verstummen gebracht werden, könnten sie die Vereinigten Staaten in einen Krieg hineinziehen, der das Leben von vierzig Millionen kosten könnte,

soll der Präsident zu Warren gesagt haben. Und kurz vor seinem Tod äußerte er gegenüber dem Journalisten Howard K. Smith: „Kennedy versuchte, Castro zu erwischen, aber Castro erwischte ihn zuerst“ [26].

[bearbeiten] Die Ermittlung von Staatsanwalt Jim Garrison

Ausgehend von diesen Unstimmigkeiten strengte der Staatsanwalt Jim Garrison aus New Orleans im März 1967 eine gerichtliche Untersuchung an, mit der er nachweisen wollte, dass das Kennedy-Attentat Ergebnis einer Verschwörung der CIA gewesen sei, in der Oswald, der Pilot David Ferrie, bei dem Oswald in seiner Jugend eine vormilitärische Ausbildung absolviert hatte, und Clay Shaw verwickelt seien, ein undurchsichtiger Geschäftsmann, von dem er – wie sich 1979 herausstellte, zu Recht – vermutete, er arbeite für die CIA. Garrison ließ Shaw verhaften und brachte im Prozess zahlreiche Indizien vor, die gegen die Alleintäterschaft Oswalds sprachen. Eine Reihe der von Garrison gesammelten Indizien ließ die Vermutung zu, Oswald sei indirekt im Auftrag der CIA tätig gewesen, in einer inoffiziellen Gruppe, der auch sein Mörder Ruby angehörte.

Er führte zum Beispiel zum ersten Mal öffentlich den Zapruder-Film vor, der zwar der Warren-Kommission vorgelegen hatte, der Öffentlichkeit aber nur in einigen Einzelbildern bekannt war, die die Zeitschrift LIFE veröffentlicht hatte. Im Film sieht man, dass Kennedys Kopf beim tödlichen Schuss nach hinten schnellt, obwohl der angebliche Schütze doch hinter ihm im Schulbuchdepot und nicht vor ihm auf dem Grashügel gesessen haben soll. Auch stellte Garrison die „Theorie der magischen Kugel“ der Warren-Kommission als völlig unglaubwürdig hin. Mehrere Zeugen sagten aus, Oswald zusammen mit Shaw oder Ferrie gesehen zu haben oder gar gehört zu haben, wie sie bei einer Party über den geplanten Mord sprachen.

Garrisons Argumentation brach jedoch zusammen, weil Ferrie am 22. Februar 1967 an einem geplatzten Hirn-Aneurysma verstorben war und als bekannt wurde, dass der zweite Hauptzeuge seine Aussagen unter Einfluss von Hypnose und dem Schlafmittel Thiopental gemacht hatte. Innerhalb nur einer Stunde kamen die Geschworenen am 29. Januar 1969 zu dem einstimmigen Ergebnis, dass Shaw unschuldig war. Auf Garrisons Ermittlungen und dem Prozess basiert Oliver Stones Film JFK - Tatort Dallas.

Die Untersuchung Garrisons wird unter anderem deshalb kritisiert, weil er nicht gegen den in Louisiana unantastbaren Mafia-Boss Carlos Marcello ermittelt hatte, der ein existenzielles Mordmotiv gegen die Mafia-feindlichen Kennedys hatte und rechtsextremistisch-rassistische Vereinigungen wie den Ku Klux Klan unterstützte sowie enge Kontakte zu rechtskonservativen Ölmagnaten aus Texas unterhielt.

[bearbeiten] Der Ausschuss von Ramsey Clark

1968 befasste sich ein Ausschuss unter dem Vorsitz des damaligen Justizministers Ramsey Clark mit den medizinischen Befunden des toten Präsidenten. Der Ausschuss kam zu dem Ergebnis, dass Aufbewahrung und Herkunft der ihm vorgelegten Beweisstücke nicht immer lückenlos dokumentiert waren, bestätigte aber dennoch auf ihrer Grundlage die Ergebnisse der Warren-Kommission, wonach Kennedy von zwei Kugeln getötet wurde, die von einem hinter und oberhalb von ihm gelegenen Standpunkt aus abgefeuert worden sein mussten [27].

[bearbeiten] House Select Committee on Assassinations (HSCA)

Weil die Verschwörungstheorien über Mordanschläge gegen Kennedy, seinen Bruder Robert Kennedy und gegen Martin Luther King nicht zum Schweigen gebracht worden waren, wurde 1976 ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss des Repräsentantenhauses mit weiteren Nachforschungen betraut, das House Select Committee on Assassinations (HSCA). Nach dreijähriger Arbeit legte es 1979 einen Bericht vor, der die Ermittlungen des FBI und den auf ihnen basierenden Warren-Report als „grob fehlerhaft“ (engl.: seriously flawed) kritisierte [28]. Als Ursache für diese Fehler benannte der Bericht die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Geheimdienste sowie „Zeitdruck und der Wunsch der nationalen Führer, die Befürchtungen der Öffentlichkeit zu beschwichtigen, es habe eine Verschwörung gegeben“.

Das Komitee bestätigte zwar die Ergebnisse der Warren-Kommission, wonach Oswald dreimal auf Kennedy geschossen und ihn mit dem dritten Schuss getötet habe. Es erklärte es aber für hoch wahrscheinlich, dass es noch einen weiteren, unidentifizierten Schützen gegeben habe, der einen vierten Schuss vom Grashügel an der Dealey Plaza abgegeben, aber daneben geschossen habe. Hinter dem Kennedy-Attentat stecke also eine „Verschwörung“ (das englische Wort conspiracy ist in diesem Zusammenhang gleichbedeutend mit der kriminellen Vereinigung des deutschen Strafrechts). Die Komitee-Mitglieder konnten aber nicht angeben, wer darin verwickelt war. Auf Grundlage der ihnen vorliegenden Indizien kamen sie zu dem Schluss, dass weder die sowjetische noch die kubanische Regierung noch das FBI in den Mord verwickelt waren. Eine Verwicklung der Mafia oder von Castro-feindlichen Exilkubanern sei allerdings nicht auszuschließen.

Grundlage für die Annahme eines zweiten Schützen waren Aufzeichnungen des Funkkontaktes eines Motorradpolizisten in Kennedys Eskorte mit einer Polizeistation, die mit einem DictaBelt-Kunststoffband gemacht worden waren. Auf der Aufzeichnung sind keine unmittelbaren Schüsse zu hören, die Ermittler verglichen vielmehr die Impulsmuster der Aufzeichnung mit solchen, die mit einem typgleichen Gewehr gemacht worden waren, und kamen zu dem Schluss, dass mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein vierter Schuss zu hören sei.

[bearbeiten] Der Prüfungsausschuss für Attentatsdokumente

Im Herbst 1964 hatte Präsident Johnson angeordnet, dass die Akten der Warren-Kommission für 75 Jahre (d.h. bis 2039) gesperrt werden sollten. 1992 beschloss dagegen der Kongress, wohl im Zusammenhang mit den zahlreichen Verschwörungstheorien, die nach Oliver Stones Verfilmung des Garrison-Prozesses vermehrt aufkamen und sich gerade an der Geheimhaltung dieser Akten stießen, ein Gesetz, wonach alle Akten mit Bezug auf das Attentat auf Kennedy spätestens 2017 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müssen. Bis 1998 sammelte und veröffentlichte ein „Ausschuss zur Sichtung der Morddokumente“ (engl.: Assassination Records Review Board; kurz: ARRB) etwa 400.000 Blatt Dokumente. Ein Teil der Akten vor allem des HSCA, der Polizeibehörden, der Geheimdienste und des Militärs gelten aber weiterhin als geheim und bleiben für die Öffentlichkeit gesperrt. Das ARRB, dessen Aufgabe lediglich die Zugänglichmachung der Akten war, führte dennoch mehrere Untersuchungen durch und kritisierte in einem Bericht, ähnlich wie der Clark-Ausschuss, vor allem den schlampigen Umgang mit Dokumenten und Beweisstücken aus der Obduktion des Präsidenten, die als regelrechte „Tragödie“ bezeichnet wurde.

[bearbeiten] Zweifel an der offiziellen Darstellung

An der offiziellen Darstellung des Mordes an Kennedy, an der Alleintäterschaft Oswalds, an dessen Motiven sowie an den Motiven von dessen Mörder Ruby wurden immer wieder Zweifel geäußert. Daraus wurden auch eine Reihe von Theorien entwickelt, wie eine Verschwörung aufgebaut und motiviert gewesen sein könnte.

[bearbeiten] Alleintäterschaft

Bei den Ermittlungen kamen wenig Zweifel auf, dass Oswald auf den Präsidenten geschossen hatte, um ihn zu töten. Bewiesen ist jedoch lediglich, dass sich Oswald an diesem Tag im Gebäude des Schulbuchverlags aufgehalten hat, nicht aber dass er überhaupt ein Gewehr abgefeuert hat.

Intensiv verfolgt wurde dagegen die Frage, ob er allein handelte oder ob weitere Schützen beteiligt waren:

[bearbeiten] „Ein Schütze“

Zeugenaussagen und Indizien, die die Alleintäterschaft Oswalds untermauern:

[bearbeiten] „Mehrere Schützen“

Zeugenaussagen und Indizien, die auf das Vorhandensein mindestens eines weiteren Schützen hindeuten:

[bearbeiten] Weitere Sachverhalte, die Anlass zu Zweifeln gaben

[bearbeiten] Gegenargumente

Trotz zahlreicher Ungereimtheiten in der offiziellen Darstellung werden auch zahlreiche Argumente genannt[39]

[bearbeiten] Theorien

Im Folgenden werden Anhaltspunkte sowohl für die Version der Warren-Kommission vorgestellt, es habe nur einen Schützen gegeben, als auch dafür, dass Oswald nicht allein handelte oder, wie er selber sagte, nur der „Sündenbock“ für die im Hintergrund agierenden Drahtzieher war. Die populärsten Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit dem Attentat schließen sich nicht gegenseitig aus, da sie sich zum Teil aufeinander beziehen:

[bearbeiten] Lyndon B. Johnson

Vize-Präsident Lyndon B. Johnson profitierte erheblich von Kennedys Tod, da er im Anschluss selbst Präsident wurde und vermutlich nicht selbst eine Wahl hätte gewinnen können. Während Kennedys Präsidentschaft war sein Einfluss sehr begrenzt. Kennedy hatte zudem mit Personen aus seinem engsten Umfeld darüber diskutiert, ob man Johnson vor der Wahl im Jahre 1964 nicht fallen lassen sollte. Ähnliche Gerüchte verbreitete Richard Nixon in einer Zeitung aus Dallas, denn dieser sei in einer Reihe Skandale verwickelt. Die Ermittlungen hierüber „verschwanden“ nach seinem Amtsantritt [45]. Angeblich gestand E. Howard Hunt seinem Sohn gegenüber kurz vor seinem Tode eine Verwicklung Johnsons in das Attentat. [46]

Ein lange unidentifizierter Fingerabdruck, der auf einem Pappkarton im fünften Stockwerk des Schulbuchdepots gefunden wurde, weist laut Fingerabrucksexperte A. Nathan Darby eine 14-Punkt-Übereinstimmung zu dem eines Partner Johnsons namens Malcom Wallace auf, einem verurteilten Mörder.[47].

Johnsons Geliebte Madeleine Duncan Brown berichtete 1988 von einer Party im Hause des rechtskonservativen Ölmagnaten Murchison [48], bei der sich am Tage vor dem Attentat Hoover, Johnson, Nixon, Marcello und andere in Dallas getroffen hätten. Johnson, der zu diesem Zeitpunkt politisch angeschlagen war und Untersuchungen wegen Mafia-Verwicklungen zu befürchten hatte, habe ihr angekündigt, nächster Präsident zu werden und nichts mehr von den Kennedys befürchten zu müssen.[49]

Bezeichnenderweise war es Johnson, der einen unabhängigen Untersuchungsausschuss zunächst ganz verbieten lassen wollte, dann jedoch die von ihm selbst besetzte Warren-Kommission einsetzte, die nie ernsthaft der Möglichkeit einer Verschwörung nachging und zu dem politisch opportunen Ergebnis kam, es müsse sich um die Tat eines verwirrten Einzeltäters gehandelt haben.

[bearbeiten] Cord Meyer

Cord Meyer hatte wie die Kennedys zur Aristokratie der Ostküste gehört, war jedoch von seiner Frau mit John F. Kennedy betrogen worden. Der eifersüchtige CIA-Mann, der im Krieg ein Auge verloren hatte und von, sann laut CIA-Kollege E. Howard Hunt auf Rache und soll den Mord durchgeführt haben, in der Hoffnung, Johnson würde hiermit belastet, der Kennedy als ein Hindernis zur Erlangung der manisch angestrebten Präsidentschaft ansah.[50] Meyers nun geschiedene Frau Mary wurde 1964 von Unbekannt erschossen. Meyer äußerte vor seinem Tod, sie sei von den gleichen Hurensöhnen getötet worden, wie Kennedy.

[bearbeiten] Federal Reserve

Die Kennedys hatten sich als bisher einzige gewagt, das System der durch die Federal Reserve kontrollierten Währung anzugehen. Die Pläne wurden nach dem Attentat aufgegeben.

[bearbeiten] Militärisch-industrieller Komplex

Der so genannte militärisch-industrielle Komplex der USA, der sich angeblich auf eine Eskalation des Vietnam-Krieges vorbereitete, nachdem sich Frankreich 1954 aus Indochina zurückgezogen hatte, soll gewusst haben, dass Kennedy bereits einen Rückzugsplan ab dem Jahr 1965 erwog. Zusätzlich habe es starke Verärgerung im amerikanischen Militär- und Geheimdienstapparat über den Umstand gegeben, dass Kennedy keine offene Militärunterstützung für das Scheitern der Schweinebucht-Invasion auf Kuba gewährt hatte, die von der CIA mit organisiert worden war. Im Gegenteil hatten die USA im Rahmen der Kuba-Krise der Sowjetunion zugesagt, von weiteren Versuchen der Invasion Kubas abzusehen. Vor dem gestiegenen Einfluss des militärisch-industriellen Komplexes in den USA hatte bereits Kennedys Vorgänger Dwight D. Eisenhower gewarnt.

[bearbeiten] CIA bzw. CIA-Umfeld

In vielen Verschwörungstheorien um die Ermordung Kennedys wird der Auslandsgeheimdienst Central Intelligence Agency (CIA) genannt, der auch von Justizminister Robert Kennedy sofort verdächtigt wurde. Während der 1960er und 1970er Jahre war durchgesickert, dass die CIA an der Ermordung ausländischer Staatschefs beteiligt gewesen war. Kennedy selbst etwa hatte Mordanschläge auf Castro durch die CIA gebilligt. Kennedy hatte sich Militärs wie Lyman L. Lemnitzer, die CIA sowie die Exilkubaner nach der Invasion in der Schweinebucht zum Feind gemacht, weil er die von den Beteiligten erhoffte Luftunterstützung durch die Airforce verweigert hatte. Einflussreiche Militärs, die den jungen Kennedy ohnehin geringer schätzten als dessen Vorgänger General a. D. Eisenhower, hielten Kennedy wegen seiner friedlichen Lösung der Kuba-Krise für zu schwach. Kennedy wiederum hielt die CIA für unfähig und kontraproduktiv, weshalb er nach dem Schweinebucht-Debakel ankündigte, die CIA "in tausend Stücke" zerschlagen zu wollen, den einflussreichen CIA-Chef Allen Dulles entließ und FBI-Chef Hoover anwies, die geheimen Trainingslager für Exilkubaner zu identifizieren und zu schließen. Ausgerechnet Dulles wurde Mitglied der Warren-Kommission, welche den Kennedy-Mord untersuchen sollte und forcierte von Anfang an die Alleintätertheorie. Spätere Versuche, die Macht der Agency einzuschränken, waren am Widerstand der Bürokratie gescheitert. [51] Jahre später stellte sich heraus, dass der seinerzeit wegen des Kennedy-Mordes angeklagte Waffenhändler Clay Shaw sowie David Ferrie und Lee Harvey Oswald für die CIA gearbeitet hatten.

Ein starkes Motiv hatte auch Charles Cabell, vormals CIA-General, den Kennedy nach dem Debakel in der Schweinebucht in den Ruhestand versetzt hatte. Dies muss Cabbel erst recht vor den Kopf gestoßen haben, als dass ein wesentlicher Grund für das Scheitern der Invasion der von Kennedy persönlich ausgesuchte untaugliche Anlandungspunkt "Schweinebucht" gewesen war. Cabbels Bruder war Bürgermeister von Dallas und kontrollierte mithin Fahrtroute wie Polizei.

In Europa wollten die Kennedys erstmals mögliche Wahlsiege von Sozialisten tolerieren und empfingen entsprechende Politiker. Dies stand im Widerspruch zur Politik der CIA, die in den 50ern durch verdeckte Operationen Kommunisten und Sozialisten diskreditiert, das Gladio-Netzwerk aufgebaut und für den Fall linker Wahlsiege etwa in Italien sogar eine militärische Besatzung geplant hatte.

Im Januar 1967 gab die CIA Hinweise zum Umgang mit der Kritik am Warren-Report an ihre Mitarbeiter mit dem Ziel, die um sich greifenden Verschwörungstheorien zu diskreditieren und zu widerlegen. [52]

[bearbeiten] Organisiertes Verbrechen (Ostküste)

Ein naheliegendes Mordmotiv hatte das organisierte Verbrechen. Das Attentat könnte in dieser Perspektive eine Vergeltungsmaßnahme für eine steigende Zahl von Razzien und Aktivitäten des FBI gewesen sein.

Es ist dokumentiert, dass FBI-Chef J. Edgar Hoover die Existenz eines landesweiten Mafia-Syndikats in den USA bestritt, jedoch gute Kontakte zu Unterweltgrößen wie Frank Costello pflegte. Angeblich soll die Mafia J. Edgar Hoover, den langjährigen Direktor des FBIs, erpresst haben, weil dieser homosexuell gewesen sei. Kennedys Bruder Robert hatte sich demgegenüber im Kefauver-Komitee pressewirksam als Kämpfer gegen das landesweit organisierte Verbrechen profiliert. Pikanterweise hatte ausgerechnet Kennedys Vater Joseph P. Kennedy während der Prohibition mit der italoamerikanischen Mafia gemeinsame Geschäfte gemacht, aber auch gewaltsame Konflikte ausgetragen. Ausgerechnet Costello hatte sich im Wahlkampf zugunsten der Kennedys engagiert, Italoamerikaner zur Wahl des Katholiken Kennedy aufgefordert und die knapp entschiedenen Wahlen in fünf Bundesstaaten entscheidend manipuliert, wovon sich das Syndikat Wohlgefallen erhoffte. Als Kennedy Präsident wurde, verelffachten sich jedoch die Anklagen gegen die Mafia unter dem von Robert F. Kennedy geführten Justizministerium. Zudem zeigte sich die Regierung Kennedy undankbar gegenüber dem Engagement der Mafia bei der CIA-gesteuerten Invasion in der Schweinebucht sowie bei der Operation Mongoose, in welcher bei verschiedenen Anschlagsversuchen auf Castro zusammengearbeitet wurde. Hintergrund war eine Interessenkonvergenz gewesen, da Kennedy Castro aus politischen Gründen beseitigen wollte, während die Mafia ihre Milliardenverluste zu kompensieren suchte, die dadurch entstanden waren, dass Castro 1959 die Glücksspiel- und Drogeninfrastruktur der Mafia beschlagnahmt hatte.[53] Kennedy jedoch hatte nach der Kuba-Krise eine Militäraktion ausgeschlossen. Nach der Ermordung von Kennedy fiel die Rate der Anklagen gegen die Mafia wieder auf das Maß vor dessen Wahl zurück.

[bearbeiten] Organisierten Verbrechen (Südstaaten)

Dem Historiker John Davis zufolge soll der Südstaatenmafioso Carlos Marcello den Kennedy-Mord organisiert haben, da er auf diese Weise seinen Privatkrieg mit Justizminister Robert Kennedy beenden konnte. Robert Kennedy hatte den in den USA aufgewachsenen Big Boss der in Louisiana ansässigen Südstaatenmafia mit allen Mitteln bekämpft und wegen fehlender Staatsbürgerschaft zunächst illegal ausweisen lassen. Marcello, der für Wahlkämpfe von Vize-Präsident Lyndon B. Johnson und Richard Nixon gespendet hatte, hatte im Rahmen seiner Feindschaft zu den Kennedys die Bekanntschaft mit dem mysteriösen David Ferrie gemacht, der aufgrund seiner paramilitärischen Erfahrungen der geeignete Planer für eine solches Attentat gewesen sei. Einem FBI-Zeugen gegenüber soll Marcello den Mord angekündigt haben, der in gewisser Weise dem ebenfalls mysteriösen Mord an Louisianas Gouverneur Huey Long ähnelte, bei dem der angebliche Attentäter ebenfalls umgehend getötet wurde. Der Kennedy-Mord ereignete sich in Texas, also innerhalb des Reviers Marcellos, und fand während des laufenden Prozesses um Marcellos Aufenthaltsgenehmigung statt. Infolge des Wegfalls von Robert Kennedys Autorität und des Desinteresses von Johnson verlief das Verfahren im Sande. Der Verdächtige Oswald wurde von dem Mafioso Jack Ruby erschossen, der die Polizisten-Bar "Carrussel Club" leitete und für Marcello entsprechende Kontakte zur damals für Korruption auf allen Ebenen bekannten Polizei von Dallas pflegte. Lousianas Staatsanwalt Jim Garrison, der den Kennedy-Mord vergeblich der CIA anlasten wollte, ging Marcello nie an, bekam von diesem jedoch Aufenthalte in Las Vegas spendiert und den günstigen Kauf einer Immobilie vermittelt.[54]

[bearbeiten] Kubaner (Fidel Castro)

Präsident Johnson verdächtigte gegen Ende seiner Amtszeit Fidel Castro, da dieser von abgefangenen Attentätern von den Mordplänen auf ihn erfahren hatte und in gleicher Münze zurück gezahlt habe. Im September 1963 hatte Castro öffentlich gewarnt, dass führende Politiker der USA nicht sicher würden leben können, wenn sie glaubten, ihn töten lassen zu können. Am 22. November war einem CIA-Agent eine als Kugelschreiber getarnte Giftspritze geliefert worden. Allerdings hatten John und Robert Kennedy der CIA 1962 befohlen, keine weiteren Mordanschläge auf Castro mehr zu versuchen. Seit der zweiten Jahreshälfte 1963 hatte Kennedy über Hintergrundkanäle Castro angeboten, die diplomatischen und auch die Handels-Beziehungen zwischen den USA und Kuba zu normalisieren. Die CIA habe diese Anweisung allerdings ignoriert, ohne dass der Präsident oder sein Bruder davon wussten.

2006 wurde der deutsche Dokumentarfilm „Rendezvous mit dem Tod“ veröffentlicht. Der Journalist Wilfried Huismann erhob darin den Anspruch zu beweisen, Oswald selbst habe sich bei seiner Mexiko-Reise im September 1963 freiwillig in der kubanischen Botschaft dafür gemeldet, Kennedy umzubringen. Dafür seien ihm 6.500 US-$ gegeben worden. Der Film erklärt weiterhin, die US-Regierung habe diese Spur absichtlich nicht weiter verfolgt, um keinen Krieg heraufzubeschwören, wie ihn ein Großteil der Öffentlichkeit bei Bekanntwerden eines kubanischen Attentats mit Sicherheit gefordert hätte. In den deutschen Medien wurde Huismanns These jedoch mit erheblicher Skepsis aufgenommen, unter anderem, weil die angebliche Übergabe des Mordlohns in der kubanischen Botschaft in Mexiko-Stadt stattgefunden haben soll, die aber, wie die Kubaner sehr wohl wussten, von den Amerikanern abgehört wurde.[55]

[bearbeiten] Exilkubaner

Exilkubaner, die an der Invasion in der Schweinebucht teilgenommen hatten, fühlten sich durch Kennedys Kuba-Politik verraten. Ihre geheime Aktionen gegen Kuba waren von der CIA gebilligt und von der Mafia finanziert worden, die auf Kuba einträgliche Spielkasinos und ihren Hauptumschlagplatz für Drogenhandel und Geldwäsche verloren hatte. Die Organisationen der Exilkubaner wurden von der amerikanischen Rechten unterstützt.

[bearbeiten] mysteriös verstorbene Zeugen

[bearbeiten] Nachweise

  1. Umfrage von ABC News, Umfrage von Discovery Channel
  2. zit. nach Alan Posener, John F. Kennedy in Selbstzeugnissen und Bildokumenten, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1991, S. 126
  3. Gerald Posner, Case Closed. Lee Harvey Oswald and the Assassination of JFK, Random House, New York 1993, S. 233
  4. Robert Dallek: John F. Kennedy. Ein unvollendetes Leben, DVA: Stuttgart, 2003, S. 645
  5. Andreas Hartmann, Germanicus und Lady Di: Zur öffentlichen Verarbeitung zweier Todesfälle, in: Waltraud Schreiber (Hg.): Der Vergleich - Eine Methode zur Förderung historischer Kompetenzen. Ausgewählte Beispiele, ars una Verlagsgesellschaft Neuried 2005, S. 74; vgl. auch Lou Reeds Song: The Day John Kennedy Died von der LP The Blue Mask (1982)
  6. Warren Commission Report, S. 163f.
  7. Oswalds Vermieterin Earline Roberts bestätigt diese Beobachtung, Jim Garrison, Wer erschoss John F. Kennedy?, Bastei-Lübbe 1992, 15. Kapitel, S. 237
  8. Warren Commission Hearing, Band 6, S. 448; Warren Commission Hearing, Band 24, CE2003, S. 202, S. 215; Mark Lane, Rush to Judgement (New York 1966), S. 188
  9. Warren Commission Report, S. 165
  10. Warren Commission Hearing, Band 6, S.452 sowie Jim Garrison: "Auf der Spur der Mörder von Dallas" (198/1992), 15. Kapitel, S. 238
  11. Gerald Posner, Case Closed. Lee Harvey Oswald and the Assassination of JFK, Random House, New York 1993, S. 273 - 279
  12. Warren Commission Hearing, Band 7, S. 105 – 109, Warren Commission Hearing, Band 24, CE Waren Commission Exhibit 2003, S. 228
  13. Henry Hurt, Reasonable Doubt (New York 1985), S. 102
  14. Warren Commission Hearing, Band 7, S. 108
  15. Henry Hurt, Reasonable Doubt (New York 1985), S. 102 und zahlreiche Gespräche zwischen Roger Craig und Jim Garrison, Jim Garrison, Wer erschoss John F. Kennedy?, Bastei-Lübbe 1992, S. 123 und S. 387
  16. Warren Commission Hearing, Band 19, Niederschrift der eidesstattlichen Aussage Decker Ex. 5323, S. 507
  17. Warren Commission Hearing, Band 24, CE Warren Commission Exhibit 2169, S. 831
  18. Die Bezeichnung „7.65 mauser“ ergibt z. B. über die Google-Suchmaschine zwei YouTube-Links, in denen Livemitschnitte verschiedener TV-Sender (u. a. CBS, ABC) gezeigt werden, die diese Tatsache belegen.
  19. Warren Commission Hearing, Band 4, S. 23
  20. Warren Commission Report, S. 566
  21. Alan Posener, John F. Kennedy in Selbstzeugnissen und Bildokumenten, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1991, S. 132
  22. Gerald Posner, Case Closed. Lee Harvey Oswald and the Assassination of JFK, Random House, New York 1993, S. 394ff
  23. Alan Posener, John F. Kennedy in Selbstzeugnissen und Bildokumenten, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1991, S. 132f
  24. Statement von Jack Ruby gegenüber Reportern nach seinem Prozess
  25. Statement von Jack Ruby gegenüber einem Reporter
  26. Alan Posener, John F. Kennedy in Selbstzeugnissen und Bildokumenten, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1991, S. 135
  27. Der Clark-Bericht
  28. Der Bericht des HSCA
  29. Lothar Buchholz, Labyrinth der Wahrheiten. Todesschüsse auf Kennedy, o.O. 2004, S. 85 - 89
  30. Zusammenstellung von Zeugenaussagen auf historymatters.com
  31. vgl. Photos von Oswald bzw. Lovelady, Photos von Oswald und Lovelady
  32. Aussage von Clinton J. Hill, 30. November 1963 Hills vor der Warrenkommision
  33. Aussage Kellermans
  34. Skizze der HinterkopfwundeAussage von Dr. Robert n. McClelland
  35. msbnc: Scientists cast doubt on Kennedy bullet analysis, 17. Mai 2007
  36. Telegraph.co.uk.: Oswald 'had no time to fire all Kennedy bullets'
  37. Telepolis vom 22. November 2003
  38. Erik Hedegaard: The Last Confessions of E. Howard Hunt ,05.April 2007
  39. ([1])
  40. Conspiracy: Cases for and against, auf pbs.org
  41. Conspiracy: Cases for and against, auf pbs.org
  42. Conspiracy: Cases for and against, auf pbs.org
  43. Conspiracy: Cases for and against, auf pbs.org
  44. vgl. DB Thomas: Echo Correlation Analysis and the Acoustic Evidence in the Kennedy Assassination Revisited, in: Science & Justice (2001), (Michael O'Dell: The Acoustic Evidence in the Kennedy Assassination und More on Acoustics Controversy auf pbs.org
  45. Hye Jeong: LBJ Behind JFK Killing, Knight Ridder Newspapers vom 21. August 2003
  46. http://www.youtube.com/watch?v=fHZl91gN63g&feature=related E. Howard Hunts Geständnis auf dem Sterbebett
  47. http://home.earthlink.net/~sixthfloor/update5.htm Wallaces Fingerabdruck auf home.earthlink.net]
  48. http://www.youtube.com/watch?v=awGbwIIIYug&feature=related Doku zu Murchisons Party
  49. http://video.google.de/videoplay?docid=-6962062879996612313&q=murchison&total=307&start=0&num=10&so=0&type=search&plindex=0 Interview mit Madeleine Duncan Brown 2002
  50. http://www.youtube.com/watch?v=fHZl91gN63g&feature=related E. Howard Hunts Geständnis auf dem Sterbebett
  51. ausführlich hierzu Mathias Bröckers, Telepolis vom 22. November 2003
  52. CIA-Anweisung vom 1. April 1967
  53. Jospeh geringer: As Ever, a Conspiracy auf crimelibrary.com
  54. Davis, John: Mafia Kingfish; dt.: "Mafia - Amerikas Schattengeschichte"
  55. vgl. ARD-Dokumentation: Rendezvous mit dem Tod, Spiegel-Artikel: Steile These, schwache Belege, Blog von Alan Posener: Hat Castro den Mord an Kennedy befohlen?, Interview mit Ekkehard Sieker: „Der Kennedy-Film der ARD ist ein echter Fake“
  56. http://www.youtube.com/watch?v=Fa32CTHA8xw Interview mit Jada
  57. http://www.spartacus.schoolnet.co.uk/JFKreynolds.htm Biography Warren Reynolds

[bearbeiten] Literatur

Tendenziöse Literatur:

[bearbeiten] Weblinks

Wikipedia: Attentat auf John F. Kennedy

Von „http://www.mein-parteibuch.com/wiki/Attentat_auf_John_F._Kennedy

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