Dolf Sternberger
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[bearbeiten] Person
Dolf Sternberger (eigentlich Adolf Sternberger), geboren am 28.07.1907 in Wiesbaden, gestorben am 27.07.1989 in Frankfurt am Main, war ein deutscher Journalist.
Dolf Sternberger gilt als einer der Begründer der deutschen Politikwissenschaft in der Nachkriegszeit. Er zählt neben Hannah Arendt, Leo Strauss, Eric Voegelin und Henning Ottmann zu den Vertretern des normativen Ansatzes in der Politikwissenschaft. In den 1970er Jahren prägte er den Begriff Verfassungspatriotismus.
[bearbeiten] Leben
Dolf Sternberger studierte ab 1925 Theaterwissenschaften und Germanistik an der Universität Kiel und der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. 1927 wechselte er nach an die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und besuchte philosophische, soziologische und kunsthistorische Veranstaltungen. Seine Promotion absolvierte Sternberger 1932 in Frankfurt mit einer Arbeit über Martin Heideggers Sein und Zeit.
Dolf Sternberger war seit 1927 freier Mitarbeiter, von 1934 bis zu ihrem Verbot 1943 Redakteur der Frankfurter Zeitung. Sternberger, der selbst mit der Jüdin Ilse Rothschild verheiratet war, benutzte in der von den Nazis misstrauisch betrachteten Zeitung eine von ihm so bezeichnete „verdeckte Schreibweise“: beispielsweise umschrieb er die Vernichtung der Juden mit der Fabel vom Wolf und vom Lamm.
Zwischen 1945 und 1948 schrieb er zusammen mit Gerhard Storz und Wilhelm E. Süskind für die Zeitschrift Die Wandlung Artikel. 1957 wurden die Beiträge erstmalig unter dem Titel Aus dem Wörterbuch des Unmenschen in Buchform veröffentlicht. Die Artikel untersuchen anhand von 28 Begriffen die Sprache der Nationalsozialisten, die bis in die heutige Zeit wirkt. Sternberger schrieb in seinem Vorwort zur Buchausgabe von 1957: „... Das Wörterbuch des Unmenschen ist das Wörterbuch der geltenden deutschen Sprache geblieben, ...“. Es finden sich u.a. Kommentare zu folgenden Wörtern (bzw. deren spezifische Ausrichtung, also ihren Missbrauch bzw. Gebrauch im Nationalsozialismus): Anliegen, Ausrichtung, Betreuung, charakterlich, durchführen, echt, einmalig, Einsatz, Frauenarbeit, Gestaltung, herausstellen, intellektuell, Kulturschaffende, Lager, leistungsmäßig, Mädel, Menschenbehandlung, organisieren, Problem, Propaganda, querschießen, Raum, Schulung, Sektor, tragbar, untragbar, Vertreter, wissen um, Zeitgeschehen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Sternberger 1945 Pressesprecher der Regierung Mittelrhein-Saar. Er war einer der Gründer der Zeitschrift Die Wandlung und gab von 1950 bis 1958 die Zeitschrift Die Gegenwart heraus. Sternberger war Kommentator für den Hessischen Rundfunk und schrieb Leitartikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
1947 übernahm Dolf Sternberger einen Lehrauftrag für Politik an der Universität Heidelberg, seit 1951 baute er eine Forschungsgruppe in diesem Fachbereich auf. 1960 erfolgte seine Ernennung zum ordentlichen Professor. Sternberger gründete die Politische Vierteljahresschrift (PVS), die offizielle Zeitschrift der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DPWV). Sternberger war von 1961 bis 1963 Vorsitzender der DPWV und übernahm im Laufe seines Lebens zahlreiche andere Ehrenämter in Wissenschaft und Kultur. Nach der Auflösung der christlich-liberalen Koalition forderte er gemeinsam mit Richard Freudenberg am 9. November 1966 in einem Aufruf an die Bundestagsabgeordneten die Bildung einer großen Koalition zum Zwecke der Einführung des relativen Mehrheitswahlrechts.
[bearbeiten] Schüler
Bekannte Schützlinge von Dolf Sternberger waren unter anderem der derzeitige Mit-Herausgeber der FAZ, Frank Schirrmacher, sowie der CDU-Politiker Bernhard Vogel, der sein erster Assistent war.
[bearbeiten] Ehrungen
Dolf Sternberger ist auf der Frankfurter Treppe verewigt. 1985 wurde ihm der Ernst-Bloch-Preis verliehen.
[bearbeiten] Sternbergers Begriff des Politischen
Als Mitbegründer der deutschen Politikwissenschaften äußerte sich Sternberger auch zu seiner eigenen Auffassung, was das Politische ausmache. So gilt vor allem Sternbergers „Heidelberger Antrittsvorlesung“ als primäres Dokument zu diesem Thema. Er sagte: „Der Gegenstand und das Ziel der Politik ist der Friede. Das Politische müssen und wollen wir zu begreifen versuchen als den Bereich der Bestrebungen, Frieden herzustellen, Frieden zu bewahren, zu gewährleisten, zu schützen und freilich auch zu verteidigen. Oder, anders ausgedrückt: Der Friede ist die politische Kategorie schlechthin. Oder, noch einmal anders ausgedrückt: Der Friede ist der Grund und das Merkmal und die Norm des Politischen, dies alles zugleich.“
[bearbeiten] Werke
- Dolf Sternberger / Gerhard Storz / W. E. Süskind: Aus dem Wörterbuch des Unmenschen. Hamburg (Claassen) 1957
- Dolf Sternberger: Über den Jugendstil und andere Essays. Hamburg (Claassen) 1957
- Adolf Sternberger: Der verstandene Tod. Leipzig, 1934.
[bearbeiten] Weblinks
"Sprachkritik", Nazism, and the German Conscience: the Career of Dolf Sternberger
Dolf-Sternberger-Gesellschaft e.V.
Jens Hacke am 28.07.2007 in der Berliner Zeitung: Der Wunsch, ein Bürger zu sein
Frank Schirrmacher in der FAZ am 28.07.2007: Sternberger-Nachruf zweier Sternberger-Protegées und heutiger FAZ-Mitherausgeber