9live
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[bearbeiten] Scheisse hoch neun
9Live ist ein privater deutschsprachiger Fernsehsender, der sich durch telefonische Gewinnspiele und Werbung finanziert. Diese Art des Sende- und Finanzierungskonzeptes wird auch Call-In-TV genannt. Dass 9Live ein Highlight der deutschen Medienlandschaft darstellt, hat Stefan Raab mit den Worten Scheisse hoch neun bei der Einführung des Senders zum Ausdruck gebracht, was heute umgangssprachlich eine klare Bedeutung hat.
[bearbeiten] Eigentümer
9Live ist eine hundertprozentige Tochter der Euvia Media AG, die wiederum zu hundert Prozent der ProSiebenSat1 Media AG gehört. Die ehemals geschäftsführende Eigentümerin Christiane Salm Prinzessin zu Salm-Salm hat inzwischen ihre Anteile an die ProSiebenSat.1 Media AG verkauft.
[bearbeiten] Management
Geschäftsführer von 9Live ist Marcus Wolter, der auch als Entdecker von Stefan Raab gilt.
[bearbeiten] Kennzahlen
Der Umsatz von 9Live betrug 60,6 Millionen Euro im Jahr 2002 und 78,7 Millionen Euro im Jahr 2003. Der Marktanteil liegt derzeit bei 0,2 Prozent.
[bearbeiten] Lizenz
Lizenziert ist 9Live durch die Bayerische Landeszentrale für neue Medien.
[bearbeiten] Glücksspielvorwurf
Die vorgeblichen Gewinnspiele sind juristisch durchaus umstritten, da sie laut der Meinung von Kritikern möglicherweise illegales Glücksspiel darstellen, was allerdings laut einem Urteil des Landgerichts Freiburg zumindest in Deutschland nicht der Fall ist.
Unabhängig davon, ob Anrufer zum Moderator durchgestellt oder ob sie nur auf eine Bandansage geleitet werden, bezahlen sie 0,49 Euro pro Anruf aus dem Festnetz der Deutschen Telekom oder 0,70 Euro pro Anruf aus Österreich.
In der Schweiz ist die Ausstrahlung von 9Live und den von 9Live produzierten Formaten untersagt, da es sich um „verbotene lotterieähnliche Gewinnspiele“ handelt. Dies wird mit der Chancenungleichheit der Teilnehmer sowie die Intransparenz der Formate begründet. So wären die Formate nur dann erlaubt, wenn die Teilnahme an den Gewinnspielen, d.h. der Anruf, kostenlos wäre.
In Deutschland wies der Senat des Oberlandesgerichts München eine Einstweilige Verfügung des Verbands Sozialer Wettbewerb gegen den Anbieter im Januar 2006 ab, der wegen unlauteren Wettbewerbs (u. a. verbotenes Glücksspiel, Täuschung über die tatsächliche Gewinnaussicht) gegen 9Live geklagt hatte. Die Richter begründeten das Urteil damit, dass „jeder nur halbwegs verständige Teilnehmer wisse, dass immer nur eine Chance bestehe, durch einen Anruf Gewinner eines der angebotenen Gewinnspiele zu werden. Im Übrigen sei den Zuschauern klar, dass sie für die Teilnahme ein Entgelt in Form der Telefongebühren entrichten müssen.“.
Das Urteil behandelt dabei nicht die von vielen Seiten als unseriös bezeichnete und für den Zuschauer intransparente Durchführung von Gewinnspielen, noch berücksichtigt es die Wahrscheinlichkeit, bei einem der Angebote teilnehmen oder gewinnen zu können (z. B. kostenpflichtige Telefonvorauswahl, Spielregeln). Auch die Gewinnquoten in Relation zu den tatsächlichen Anrufern wurden nicht beleuchtet.
Selbst bezeichnet sich der Sender als Mitmachfernsehen oder als Deutschlands erster Quizsender. Obwohl das Mitmachen/Anrufen nur für Personen ab 18 Jahren erlaubt ist, darf der Sender sein Programm auch tagsüber zu jugendschutzrelevanten Zeiten ausstrahlen. Eine altersbezogene Zugangskontrolle, wie sie bei Spielhallen und Spielcasinos vorgeschrieben ist, findet nicht statt. Aus technischer Sicht wäre eine Zugangskontrolle auf das TV-Spielangebot durch Verschlüsselungssysteme problemlos möglich (vgl. Jugendschutz-Zugangskontrolle beim Bezahlfernsehen PREMIERE).
Außer zur Selbstnutzung produziert 9Live auch ähnliche Call-In-Shows mit anderen Moderatoren für andere, insbesondere der Senderfamilie angehörige Fernsehsender. Aber auch für externe Sender und sogar für einen britischen TV-Sender werden Spiele dieser Art produziert.
[bearbeiten] Intransparente Spiele
Kritiker werfen 9Live vor, bewusst die Regeln der Gewinnspiele vage und den Lösungsweg willkürlich zu formulieren. Häufig wird zum Abschluss eines Gewinnspiels nur das Ergebnis, nicht jedoch der Lösungsweg genannt. Auf diese Weise kann laut den Kritikern eine von mehreren "richtigen" Antworten vom Sender ausgewählt werden, nämlich diejenige, die zuletzt genannt wird. Dadurch können die einzelnen Gewinnspiele in die Länge gezogen werden und die insgesamt ausgezahlte Gewinnsumme verringert sich.
Fragwürdig ist auch die Methode des Senders, mit einer hohen Gesamtgewinnsumme (meist über 20.000 Euro) Anrufer zu locken. Auf den zweiten Blick steht dem Kandidaten nach richtiger Antwort aber nur ein Bruchteil davon zu; der Rest muss durch ein weiteres Jackpot-Spiel gewonnen werden, bei dem die Erfolgsaussichten mitunter im Promille-Bereich liegen. Dies soll folgendes Beispiel eines Jackpot-Spiels illustrieren:
Es ist eine Säule mit 8 Etagen aufgebaut, auf denen sich je zwei klappbare, zunächst verdeckte Tafeln befinden. Auf jeweils einer steht „Weiter“, auf der anderen „Sorry“. Der Anrufer muss sich für die linke oder die rechte Tafel entscheiden. Zeigt die gewählte Tafel beim Aufdecken „Weiter“, darf er die die gleiche Auswahl auf der nächten Etage wiederholen, bei „Sorry“ hat er sofort verloren. Den Jackpot gewinnt der Anrufer also nur, wenn er auf allen 8 Etagen die richtige Tafel aufdeckt, wofür allerdings nur eine vernichtend geringe Chance von lediglich 0,4% besteht. Leute ohne entsprechnede mathematische Kenntnisse werden eventuell eher zur Teilnahme am Spiel animiert, da wahrscheinlich kein so niedriger Wert für die Erfolgsaussichten erwartet wird.
|--|--| „Jackpot“-Etage |--|--| |--|--| |--|--| In diesem Beispiel gewinnt der Anrufer nur, wenn er auf jeder Etage das Gewinn-Symbol |--|--| aufdeckt und so zum „Jackpot“ kommt. Zwar besteht auf jeder Etage eine 50:50-Chance, |--|--| die Gesamtwahrscheinlichkeit, den Jackpot-Gewinn am Ende zu erhalten, ist nur 1 zu 256. |--|--| |--|--|
Der Schwierigkeitsgrad der Gewinnspiele reicht von extrem einfach bis fast unlösbar. Der Zuschauer erkennt häufig nicht, wie komplex der Lösungsweg eigentlich ist. Darüber hinaus verzichtet 9Live gänzlich auf eine Erläuterung des Lösungswegs. Fachleute bewerten dies, im Hinblick auf die Transparenz der Spiele und deren Regeln, als problematisch.
Zwar zahlt der Sender – laut Eigenaussage – monatlich Gewinnbeträge von rund einer Million Euro aus, allerdings lässt diese Äußerung keinerlei Rückschlüsse auf die Gewinnchancen des einzelnen Anrufers zu und ist somit eher als Eigenwerbung zu betrachten. Verfolgt man Berichte in Zeitschriften oder Diskussionen in Internet-Foren, so stößt man nicht selten auf Berichte, dass zugesicherte Gewinne nicht ausgezahlt worden seien. Kritiker werfen dem Sender in der Tat zuweilen eine solche Praxis vor.
Für Aufsehen sorgte der Sender mit einer so genannten „Arbeitslosen-Show“, die vom damaligen Bundesarbeitsminister Walter Riester als absurd und menschenverachtend bezeichnet wurde. In dieser nach kurzer Zeit wieder abgesetzten Sendung wurden bei Anruf Arbeitsplätze verlost.
Aufgrund dieser Sachlage haben die Wise Guys 2005 dem Sender ein satirisches Lied mit dem Tiel "Neun Live" (auf dem Mini-Album "Weltmeister") gewidmet.
[bearbeiten] Geschichte
Hervorgegangen ist 9Live am 1. September 2001 aus dem Privatsender tm3. Das Ziel des am 25. August 1995 gestarteten Senders war es zunächst, Frauen zu unterhalten, beispielsweise mit der Gedächtnis-Moderatorin Andrea Sokol oder Modesendungen. tm3 hatte seinen Sitz in München, Geschäftsführer war Marco Deutsch. Dieser leitet seit 2003 bei der Bavaria in München Grünwald Hollywood Cinema (vom 27. November 2003 bis 14. Juli 2004 als eigener Sender über Satellit zu empfangen, danach Programmblock bei Fashion TV).
Im Oktober 1999 wurde ein Zulassungsantrag folgender 6 Spartenprogrammen von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien genehmigt:
- TM3 - Leben & Wohnen: Traumgarten
- TM3 - Leben & Wohnen: Schönes Ambiente
- TM3 - Leben & Wohnen: Gesundes Genießen
- TM3 - Leben & Wohnen: Typgerechte Mode
- TM3 - Sport
- TM3 - Kinospaß
Im selben Jahr hatte sich der ehemalige Frauensender für 850 Millionen Mark für 4 Jahre die Champions-League-Rechte gesichert und bis zum Verkauf an RTL und PREMIERE im Jahr 2000 eine Saison live übertragen.
Anfang 2001 startete auf tm3 die Reiseshow urlaubsreif, im selben Jahr noch in sonnenklar umbenannt. Auf dem Konzept dieser Sendung bauend wurde 2003 daraus der Sender sonnenklar TV.
Bis zum Frühjahr 2005 büßte 9Live durch sein Sendekonzept, das von Kritikern als höchst untransparent und unfair erachtet wird, 50 Prozent seiner Marktanteile ein, obwohl man in der Zeit deutlich an Reichweite dazugewonnen hatte.
[bearbeiten] Video
Bariba am 21.05.2007: Den Hot-Button bei 9-Live mit bloßen Worten steuern...
[bearbeiten] Weblinks
Stefan Niggemeier am 08.05.2007: Ex-9Live-Mitarbeiter packen aus
Marcus im JOBlog am 03.01.2007: Die Tricks von 9Live
F!XMBR am 23.04.2006: Anrufen, anrufen! Super-Abzockrunde! Anrufen, anrufen!
Plusminus am 24.08.2004: Abzocke mit undurchsichtigen Spielregeln? (WMV Video der Sendung)
Report Mainz 07.10.2002: Arbeitslosen-Show - Das perverse Spiel mit dem Elend
Call-In-TV.de Kritisches Forum zu allen Call-In Sendern
net-tribune.de am 24.05.2005 zu einem Urteil des LG Freiburg: Gericht: 9Live betreibt kein Glücksspiel!