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11. Dezember 2009

Über die Mafia und die Staatsschulden

von @ 1:40. abgelegt unter Finanzen, Griechenland

Was passiert mit den Staatsfinanzen, wenn die Mafia in einem Staat die Regierung übernimmt? Man darf wohl zurecht annehmen, dass die Mafia dann möglichst viel von dem, was sie in der Staatskasse findet, an die Mafia verteilt. Staatskassen pflegen nun aber praktisch überall auf der Welt die unangenehme Angewohnheit zu haben, leer zu sein. Auffüllen kann die Mafia die Staatskasse mit Steuern und Staatsverschuldung. Da die Mafia es nicht gern sieht, wenn sie Steuern zahlen soll, ist natürlich die Staatsverschuldung das Mittel der Wahl. Wenn die Mafia den Staat übernimmt, dann nimmt sie bei der Mafia Kredit auf, und verteilt diese gepumpten Gelder wieder an die Mafia. So lassen sich Staatsschulden in praktisch beliebige Höhen schrauben und die Mafia bekommt, welbst wenn die Mafia mal von der Regierung verdrängt wird, auf alle Ewigkeit eine fette Rente aus dem Steueraufkommen in Form von Zinsen.

Doch in der Wirklichkeit stellt natürlich nicht die Mafia die Regierung und deshalb ist alles ganz anders.

In der Wirklichkeit sieht es so aus, dass nicht gern darüber gesprochen wird, wer die Gläubiger von Staatsverschuldung sind. In Deutschland ist die Wirklichkeit beispielsweise so, dass Finanzinstitute wie Banken Gläubiger von 97% der Bundesschuld sind. Die deutschen Schulden werden in Wirklichkeit aufgenommen, um Finanzinstitute wie Banken über völlig intransparente Organisationen wie den Soffin mit Riesenbeträgen zu subventionieren. Ein Großteil des Steuergeldes wird in Wirklichkeit dafür ausgegeben, um an die Gläubiger der Bundesschulden, also insbesondere wohlhabenden Banken und Finanzinstituten, Zinsen zu zahlen.

In Griechenland zeigen sich nun die Grenzen dieses Systems. Da ist die für Korruption berüchtigte konservative Regierung gerade abgewählt worden. Und nun wird der neuen, mit einem etwas sozialeren Anspruch angetretenen, Regierung mächtig Druck gemacht. Die neue Regierung möge bitte Sozialleistungen und andere Ausgaben drastisch kürzen, um in der Lage zu sein, die Zinsen für die von den Vorgängern angehäufte Staatsschuld zu bezahlen, fordert eine Rating-Agentur, die schon bei der Lehman-Pleite jegliche Glaubwürdigkeit verspielt hat. Doch die Menschen in Griechenland protestieren in Massen und machen es der neuen Regierung damit schwer, sich erpressen zu lassen.

Wie ein Haufen aufgscheuchter Hühner laufen nun Banker und ihre Vasallen in Politik und Medien herum: Was, wenn Griechenland pleite geht? Die Antwort ist einfach: nichts passiert dann, außer dass die Banken sich die Steuergelder nicht mehr als Zinsen einstreichen können. Nachdem Ecuador sich selbst die Schulden gestrichen hat, st schließlich auch nichts passiert, außer dass die Steuereinnahmen nun für sinnvollere Dinge als für Zinszahlungen verwendet werden können.

Genau das ist es, was Banker und ihre Handlanger fürchten. Sie fürchten, dass die Menschen merken, dass gar nichts schlechtes passiert, wenn Staaten Steuern für Zinszahlungen an Banken einstellen. Wenn die Menschen sehen, was passiert, wenn der Staat die Staatsschulden nicht bedient, dann kommen die die Menschen womöglich noch auf die Idee, auch für Deutschland die Einstellung von Zins- und Tilgungszahlungen an Banken zu fordern, damit die Steuereinnahmen für sinnvollere Dinge zur Verfügung stehen.

7 Kommentare zum Beitrag “Über die Mafia und die Staatsschulden”

  1. Über die Mafia und die Staatsschulden » Staatsschulden, Mafia, Read » Erotik Geld Verdienen sprach

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  2. Bronsteyn sprach

    Wenn die Menschen sehen, was passiert, wenn der Staat die Staatsschulden nicht bedient, dann kommen die die Menschen womöglich noch auf die Idee, auch für Deutschland die Einstellung von Zins- und Tilgungszahlungen an Banken zu fordern, damit die Steuereinnahmen für sinnvollere Dinge zur Verfügung stehen.
    Das ist gut! Und es stimmt ja auch.
    Natürlich ist aber umgekehrt wieder klar, dass diese ganzen Banken, an denen wieder ein ganzer Rattenschwanz von Konzernen etc. hängen, über entsprechende Lobbyorganisationen in der exekutive drinhängen und schon dafür sorgen, dass legislative und Exekutive sich verpflichtet sehen, das Spielchen fortzuführen.
    Aber es ist wichtig, auf diesen Zusammenhang hinzuweisen, wie es mein-parteibuch getan hat.
    Im Prinzip würde die komplette Verstaatlichung der ohnehin maroden Banken das Problem nachhaltig und leicht lösen.
    Verstaatlichung aller Banken und ihre Zusammenfassung zu einer öffentlich kontrollierten Zentralbank.
    Die wenigsten Bundesbürger sind Eigentümer einer Bank, von daher wäre von der Interessenslage eigentlich jederzeit eine breite, geradezu erdrückende Mehrheit für ein solches Unternehmen möglich und denkbar.
    Allerdings stehen dem natürlich Denkblockaden in breiten Teilen der 70% der Bevölkerung entgegen, die nichts besitzen ausser ihrer Arbeitskraft (von Marx als Proletariat bezeichnet, das es angeblich nicht mehr geben soll).

    Das Beispiel Ecuador ist schön.

  3. Der Nordstern sprach

    “Genial” war in diesem Zusammenhang heute ein Bericht zum baldigen Staatsbankrott Griechenlands auf dem SWR!

    Nachdem davon gesprochen wurde, dass der Staat den Gürtel enger schnallen muss, solle sich die Bevölkerung gleich mal auf starke Einschnitte gefasst machen. Warum eigentlich?

    Verantwortlich ist doch eindeutig die Politik - in diesem Fall die Regierung - und nicht die Bevölkerung! Also erstmal dort anfangen mit den “Einschnitten”. Und warum nimmt man zum Sparen immer solche Posten wie die Sozial- und Familienpolitik, wenn es solche nutzlosen Posten wie z.B. das Verteidigungsetat gibt?

    Griechenland wird - ebensowenig wie Deutschland - von keinem Land in seiner näheren Umgebung militärisch bedroht.

    Aber in die Richtung wurde natürlich nichts gesagt auf dem SWR. Definitiv nicht nur auf dem einen Auge blind!

    (Erinnert mich an eine Besprechung des Spiels Anno 1404, wo nur der Spielablauf und die Grafikeffekte, aber mit keinem Wort der Kopierschutz, der ein absolutes K.O.-Problem darstellt, erwähnt wurde. Ist also auch dort schon eingebrochen.)

    Der Nordstern.

  4. Klaus Wallmann sen. sprach

    @Bronstein
    “Im Prinzip würde die komplette Verstaatlichung der ohnehin maroden Banken das Problem nachhaltig und leicht lösen.”
    Nun muß man sich allerdings die Frage beantworten: Was ist der Staat? Und ich antworte mir darauf: Das Machtinstrument jeweils herrschenden Klasse. Also? Es ist ein Unterschied, ob man verstaatlicht oder vergesellschaftet.

  5. packen wir an sprach

    Die massive Verschuldung von Griechenland und Spanien zeigt uns wohin die Reise der Staatsverschuldung führt. Steuergeschenke auf Pump haben nur kurz einen Effekt am Arbeitsmarkt, langfristig werden aber die Zinszahlungen stärker Schaden, als das kurze Strohfeuer genutzt hat.

    Richtig wäre endlich die Ursachen der Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise anzugehen, als immer nur die Auswirkungen mit neuen Schulden zu mildern.

    Wenn wir die Arbeitslosigkeit endgültig besiegen, haben wir in Deutschland ca. 150 Milliarden Euro pro Jahr, die wir für massive Steuersenkungen mit gleichzeitigem Schuldenabbau nutzen können.

    Das dies wirklich möglich ist erkennen wir daran das es uns eigentlich immer besser gehen müsste, da wir immer effizienter produzieren können. Leider ist jedoch das Gegenteil der Fall.

    Mehr dazu

    http://www.arbe...eit-besiegen.de

  6. Redaktion sprach

    @Michael Drechsel
    Das auf “Arbeitslosigkeit besiegen” vorgestellte System ist großer Unfug, denn es geht von der falschen Voraussetzung aus, dass sich Import und Export wohlstandmindernd auswirkt.

    Hinzu kommt, dass das System ein System des Protektionismus darstellt, also von anderen Volkswirtschaften auch mit ähnlich protektionistischen Maßnahmen beantwortet werden würde.

    Großer Unfug ist auch, “Arbeitslosigkeit” im volkswirtschaftlichen Maßstab als Ursache von Armut und als einzige Zielgröße zur Bekämpfung von Armut darzustellen. Dabei gibt es im volkswirtschaftlichen Maßstab in Deutschland erstens genug Reichtum, mit dem Armut zu beseitigen wäre. Es handelt sich also um ein Verteilungsproblem, das heißt Reichtum wird nicht verteilt, sondern angehäuft.

    Geradezu absurd ist das Konzept “Arbeitslosigkeit besiegen”, wenn es als Vorteil aufführt, dass die bestehenden “Eigentumsverhältnisse” nicht verändert werden müssen. Genau diese Eigentumsverhältnisse sind es jedoch, die für Armut verantwortlich sind.

  7. Daniel sprach

    Es ist erschreckend wie unsere Politiker mit dem Thema “Finanzen” umgehen. Wir häufen Schulden an, die unsere nachfolgenden Generationen begleichen müssen! Leider ist es völlig egal wer regiert! Keine Partei wird die Schuldenspirale mehr bremsen können!

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