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10. September 2009

Die Märchenschau zaubert den Krieg weg - fast

von @ 15:48. abgelegt unter Deutschland, Tagesschau.de, Medienmanipulation, Krieg, Wahlen, Afghanistan, Bundestagswahl
Alles Taliban
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Copyleft 2009 Urs1798

Die letzte parlamentarische Genehmigung für den Opiumkrieg gegen Afghanistan wurde extra für ein paar Monate länger gegeben, um Fragen von Krieg und Frieden aus dem Wahlkampf der Kriegswahlen 2009 heraushalten zu können. Nachdem die deutsche Bundeswehrmacht in Afghanistan gemeinsam mit ihren Komplizen am letzten Freitag mit einem Bombenangriff zahlreiche Menschen ermordet hat, war der Krieg für einige Tage Top-Thema in allen deutschen Nachrichten. Man kann die Telefonate beinahe in Tausenden Kilometern Entfernung noch hören, mit denen sich führende Politiker der Kriegsparteien bei der staatlichen deutschen Märchenschau beschwert haben, dass entgegen der Absprache der Kriegskoalition auch die staatlichen deutschen Nachrichten den Krieg zum Top-Thema der Nachrichten gemacht haben.

Heute ist der Krieg von der Webseite der deutschen Märchenschau denn auch prompt verschwunden. Er ist verschwunden, so wie dort letztes der Börsenticker letztes Jahr Anfang Oktober auf einmal weg war, nur weil die Kurse nicht gestiegen, sondern gefallen sind. Der Krieg ist weg, obwohl gerade bei einer spektakulären Aktion zur Befreiung des Kriegsjournalisten Stephen Farrell und seines in Deutschland studierenden Kollegen Sultan Munadi in der von deutschen besetzten Zone Afghanistans fünf vier Menschen, Sultan Munadi, ein britischer Soldat namens John Harrison, eine Frau und ein Kind, ums Leben gekommen sind.

Erst recht nicht thematisiert werden in der deutschen Märchenschau die Schlachtrufe der mächtigen Kriegstreiber hinter den Kulissen. Der Kriegstreiber und Herausgeber der Zeit, Josef Joffe, zum Beispiel ist einer der einflussreichsten Transatlantiker und der schwärmt gerade euphorisch von der Kriegskultur der USA:

Ein weiterer Aspekt von nationaler Macht ist etwas, das ich einmal eine „Kriegskultur“ nenne würde. Amerika besitzt eine solche Kultur, ebenso Großbritannien. Europa dagegen – obwohl den USA in Sachen Bevölkerung, Wirtschaftsleistung und Militär entweder überlegen oder zumindest gleichauf mit ihnen liegend – verfügt nicht mehr über die Mentalität, die den Kontinent einst zum Weltherrscher hat aufsteigen lassen. In Europa sind die Armeen nicht mehr Gegenstand des Nationalstolzes; sie dienen nicht mehr als soziale Aufstiegsleitern und sind nicht mehr die wichtigsten Protagonisten, wenn es darum geht, nationale Interessen zu artikulieren. Trotz all seiner Reichtümer ist Europa kein Hauptdarsteller auf der Weltbühne mehr: Weder denkt es wie eine Großmacht noch ist es in der Lage, so schnell und entschlossen wie ein richtiger Staat zu agieren. Europa ist stolz darauf, eine Zivilmacht zu sein, die sich kraft ihres leuchtenden Beispiels erweitert und nicht mit Waffengewalt. Und warum auch nicht, solange Amerika im Notfall für Europas Sicherheit in die Bresche springt?

Wäre es nicht an der Zeit, da mal im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu thematisieren, wie es sein kann, dass nur 64 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges - oder heißt es vielleicht doch “Zweiter Weltstabilisierungseinsatz” - einer der einflussreichsten deutschen Publizisten wieder unwidersprochen von Kriegskultur und mit Waffengewalt erreichter Weltherrschaft schwärmen kann? Als Laie könnte man vermuten, so etwas erfülle den Tatbestand der Volksverhetzung, denn so werden Menschen wie im dritten Reich zu Kriegen um die Weltherrschaft aufeinandergehetzt.

Ist es keine Meldung wert, dass Josef Joffe da en passant erklärt, warum die deutsche Regierung gerade gemeinsam mit dem Mafiastaat USA einen Krieg gegen den Iran vorbereitet? Josef Joffe, Fan des Apartheidstaates Israel sagt es ganz offen:

Amerika straft jeden Staat, der im Nahen und Mittleren Osten nach der regionalen Vorherrschaft greift; es unterstützte den Irak 1980 bis 1988 im Krieg gegen den Iran und schwächte ihn dann 1991 und erneut 2003. Nur die Weltmacht aus Notwendigkeit ist in der Lage, ein Bündnis gegen den Iran und seine Regionalmachtambitionen zu schmieden.

Josef Joffe ist bekanntlich ein guter Kumpel führender Kriegsverbrecher der letzten US-Administration wie Paul Wolfowitz, Richard Perle und Douglas Feith und kennt die Leute, die den Feldzug gegen den Iran entworfen haben. Müssten nun nicht Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier und alle anderen Mitglieder der Bundesregierung, wenn sie die USA bei ihren Kriegsvorbereitungen gegen den Iran unterstützen, wegen Vorbereitung eines Angriffskrieges angeklagt werden? Schließlich ist da die Vorbereitung strafbar, nicht erst das Führen.

Die Verhinderung von Regionalmachtambitionen eines entfernten Landes ist keinesfalls ein vom deutschen Gesetz auch nur entfernt gedeckter Grund für Kriegsvorbereitungen. Da steht drin, die deutsche Armee, die Deutschland am Hindukusch verteidigt, sei eine Verteidigungsarmee.

Doch der Krieg den Iran und seine Vorbereitungen finden in der deutschen Märchenschau genausowenig statt wie der Krieg gegen Afghanistan. Anstelle über tatsächliche Kriegsgründe zu informieren, stimmt die deutsche Märchenschau ständig in die verlogene Kriegspropaganda der angeblichen Bedrohung durch iranische Atomwaffen ein, die genauso zusammengelogen sind wie die angeblichen Massenvernichtungswaffen des Irak es waren.

Aber wozu wollte die Tagesschau die Bevölkerung auch über die Hintergründe des Krieges gegen Afghanistan und des geplanten Krieges gegen den Iran informieren? Krieg ist, so haben es die deutschen Kriegsparteien beschlossen, eben kein Wahlkampfthema und weil das so ist, berichtet die Märchenschau im Kriegswahlkampf eben über wichtigere Themen als Krieg und Frieden. So zaubert die Märchenschau den Krieg weg - zwar nicht aus der Realität, aber jedenfalls aus dem Bewusstsein der Wähler.

Nachtrag: Wo nun wohl ein Verfahren gegen den deutschen Kommandeur des bombastischen Wiederaufbauteams in Afghanistan eingeleitet wird, wird der Krieg in Afghanista doch noch mal thematisiert. Der Tenor am Ende des Märchenschau-Artikels ist aber klar: Krieg ist gut. Der afghanische Marionetten-Außenminister Rangin Spanta ist mit den deutschen Truppen voll zufrieden. Was für ein Wunder, wären die Besatzungstruppen nicht da, müsste er sich womöglich wegen Kollaboration mit Besatzungstruppen vor einem Gericht des Widerstandes gegen die Besatzung verantworten. Doch die schlechten Nachrichten reißen trotz der Auslassung des Befreiungsmassakers nicht ab: so musste nun auch die Märchenschau nach einem Bericht des Wahlbeobachters Gunter Mulack zugeben, was ohnehin jeder weiß: die Wahlen in Afghanistan sind eine Farce.

PS: Wollte die NATO Frieden nach Afghanistan bringen, müssten die Besatzungstruppen Gespräche mit den Kommandeuren der Widerstandskämpfer aufnehmen, in denen festgelegt wird, wer nach dem Abzug für welches Gebiet zuständig ist, den Afghanen ihr Land zurückgeben und die Soldaten abziehen, Entschädigungen für die erlittene Besatzung leisten, wenn gewünscht, Beobachter zwischen den verschiedenen Widerstandsgruppen stationieren und die Afghanen den Vielvölkerstaat Afghanistan ansonsten so föderal regieren lassen, wie sie das schon immer getan haben, bevor die USA die Bewohner zum heiligen Krieg ausgestachelt, ausgebildet und indiktriniert haben. Das wäre gar nicht so schwer. Nur, so einen Frieden will natürlich keiner in den USA, denn dann wäre ja die US-Dominanz über die für den Opiumnachschub und den Pipelinebau ach so wichtige Region verloren.

17 Kommentare zum Beitrag “Die Märchenschau zaubert den Krieg weg - fast”

  1. Der Nordstern sprach

    Es ist wohl eine historische Tradition der deutschen Medien aus Angriffskriegen “Verteidigungsfälle”, aus Völkermord “Kollateralschäden” und Niederlagen “Endsiege” zu machen.

    Und das Ende der Afghanistan-Tragödie kann man in jedem besseren Geschichtsbuch nachlesen - seit dem 19. Jahrhundert und der East India Company hat der Westen anscheinend nicht ein Iota dazugelernt!

    Aber es sind ja auch nicht die eigenen Kinder unserer Politiker und deutsche Zivilisten, die dort unten verheizt und ermordet werden.

    Der Nordstern.

  2. egal sprach

    Man muss den Krieg überhaupt nicht aus dem Wahlkampf und der Tagesschau heraushalten. Wichtig ist nur, dass man ihn publizistisch begleitet. So hat der Luftangriff auf die Tanklastzüge und die Mediengegenoffensive der Kriegshetzer ironischerweise die Zustimmung der Bevölkerung zu dem Krieg erhöht.

    ARD-DeutschlandTrend Extra
    Zustimmung zu Afghanistan-Einsatz gestiegen
    http://www.tage...ndtrend860.html

    Die größte Zustimmung zum Krieg findet sich übrigens bei Anhängern der Grünen.

  3. AmorFati sprach

    Das ist allerdings interessant und sagt m.E. viel über den Zeitgeist ökoromantischer Großstädter :D

  4. Womblog [Worte oder mehr] sprach

    Die Märchenschau zaubert den Krieg weg – fast…

    Von Redaktion | Mein Parteibuch Blog |- Die letzte parlamentarische Genehmigung für den Opiumkrieg gegen Afghanistan wurde extra für ein paar Monate länger gegeben, um Fragen von Krieg und Frieden aus dem Wahlkampf der Kriegswahlen 2009…

  5. Geberlaune sprach

    DeutschlandTrend = von den Briten finanziertes Umfragelügen-Instrument! siehe hier: http://www.mein...ekt-gewuenscht/

    “Don’t believe the lies!”

  6. lupo sprach

    Die größte Zustimmung zum Krieg findet sich übrigens bei Anhängern der Grünen.—wo man nur zustimmen kann. Im übrigen ist ein Joschka Fischer bis heute Mitglied auch im ICG International Crisis Group des Georg Soros, was so eine Art CIA Kriegs vorbereitende PR Vereinigung ist.

  7. Kriegs NeoCon Faschisten, welche in Deutschland Medien Vertreter sind: Josef Joffe « Balkanblog sprach

    […] Mein Parteibuch […]

  8. Peter Weigelt sprach

    Ich verstehe Gysi und Lafo nicht. Wieso reden die, wenn sie schon die Gelegenheit haben, nicht über die Uran-Munition, die dort tagtäglich verschossen wird?

    Das ist Völkermord!

    Und wenn hier der internationale Gerichtshof in Den Haag keine Anklage erhebt, dann hat er eindeutig bewiesen, dass er nur eines unter vielen Instrumenten zur Volksverdummung ist.

  9. schwerenöter sprach

    Zitat von egal:

    “So hat der Luftangriff auf die Tanklastzüge und die Mediengegenoffensive der Kriegshetzer ironischerweise die Zustimmung der Bevölkerung zu dem Krieg erhöht.”

    Ist ja auch kein Wunder… Schließlich ist die einzig Lektion die man aus diesem inszenierten Vorfall gezogen hat, dass die westlichen Streitkräfte aus sicherer Entfernung Kriegsverbrechen begehen können und sogar unkommentiert damit davonkommen.
    Da wollen bestimmt noch mehr Jungs mit schlechtem Selbstwertgefühl als Kriegshelden nach Deutschland zurückkommen.

    Ich empfehle euch allen den französischen Spielfilm “Ein Kind unserer Zeit” anzusehen, wenn es möglich ist:
    http://www.arte...ag/2141646.html

    oder den Roman zu lesen.

  10. lupo sprach

    Für eine sehr arme Bevölkerung ist kostenloser Sprit ein Vermögen wert, was das überleben der Familie sichert. Das war mehr wie logisch, das sich Zivilisten auch Mitten in der Nacht dort aufhalten.

  11. @ lupo sprach

    *** Antideutscher Spam (IP: 83.135.193.88 aus dem bekannten Spektrum 83.135.*.* aus Coesfeld (NRW) der Israellobby) gelöscht ***

  12. Bronsteyn (Fake) sprach

    *** Antideutscher Spam (IP: 83.135.193.88 aus dem bekannten Spektrum 83.135.*.* aus Coesfeld (NRW) der Israellobby) gelöscht ***

  13. lupo sprach

    83.135.193.88 ist ne Berliner IP! Die versuchen es halt immer wieder und waren schon bei Telepolis berüchtigt.

  14. Redaktion sprach

    Siehe hier:

    http://www.maxm...m/app/locate_ip

    Nicht Berlin, sondern Raum Coesfeld. Oder stimmt die GeoIP nicht?

  15. lupo (Fake) sprach

    *** Antideutscher Spam (IP: 89.245.3.34 aus dem bekannten Spektrum 89.245.*.* aus Borken (NRW) der Israellobby) gelöscht ***

  16. lupo sprach

    Was ich seit jahren sage: Es gibt keine Deutsche Aussenpolitik,die machen nur noch Lobby Geschäfte.

    Außenpolitik? Nein, danke

    http://www.zeit...npolitik?page=2

    Ein Spitzen Autor: Christoph Bertram
    Christoph Bertram
    © privat

    ist Publizist; er war von 1974 an für acht Jahre Direktor des International Institute for Strategic Studies (IISS) in London, danach 16 Jahre ZEIT-Redakteur, u.a. als Ressortchef der Politik. Anschließend übernahm er die Leitung der Stiftung Wissenschaft und Politik und blieb acht Jahre dort. Weitere Texte von ihm finden Sie hier

  17. Redaktion sprach

    Zu Christoph Bertram gibt es auch einen Artikel im Parteibuch-Wiki:

    http://www.mein...ristoph_Bertram

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