Mit der Benennung des Finanzspezialisten Harald Christ als Schattenwirtschaftsminister hat Frank-Walter Steinmeier eine prima Wahl getroffen. Endlich können so mal die Themen auf die Tagesordnung gesetzt werden, die die Belange der Wähler und Mitglieder der SPD wirklich berühren. Keine Personalie macht es besser als dieser tiefe Griff ins Klo deutlich, wofür die Verräterpartei wirklich steht: Abzocke, Sklavenhaltermentalität und Volksverarschung.
Die Stiftung Warentest erklärte 2004 in einer kurzen Einführung zum Vorgehen der EU-Kommission gegen die “Rechtsprechung” von Gerd Nobbe und den in Deutschland grassierenden Schrottimmobilien-Betrügereien folgendes:
“Rund 300 000 Anleger haben beim Kauf von so genannten Schrottimmobilien herbe Verluste erlitten. Viele von ihnen stehen vor dem Ruin. Bislang hat der Bundesgerichtshof (BGH) die meisten Klagen abgewiesen. Doch jetzt setzt sich die EU-Kommission für die Opfer der Banken-Machenschaften ein.”
Abgezockt wurden mit Schrottimmobilien vor allem kleine Leute, einfache Arbeiter und Angestellte, wie zum Beispiel Anja Schüller, Tochter eines SPD-Genossen.
Die von Gerhard Schröder geführte Verräterpartei-Regierung deckte die betrügerischen Banken, die hinter der Abzocke standen, genauso wie ihre Vorgänger von Schwarzer Pest und Putschistenpartei. Das von Brigitte Zypries geführte Bundesjustizministerium machte in einem Gespräch mit Gerhard Renner am 07.05.2002 unmissverständlich klar, dass die SPD auf Seiten der abzockenden Banken steht. Schon damals war völlig klar, dass eine Welle von Bankenpleiten drohte, wenn die Abzocker für ihre Machenschaften gerade stehen müssten oder die Abgezockten die Raten nicht länger bezahlen konnten. Führende Bank bei der Abzocke war die Hypovereinsbank. Die entsorgte ihre Kredite auf Schrottimmobilien 2003 diskret in die eigens dafür gegründete Tochter Hypo Real Estate. In einer großen Koalition mit Schwarzer Pest, Terrorpatenunion und Putschistenpartei unterstützte die Verräterpartei die Banken beim einstweiligen Verstecken der faulen Schrottimmobilienkredite durch die konsequente Umsetzung des Konzeptes “Verbriefen und vergessen“. Natürlich brach das Kartenhaus irgendwann zusammen. Doch es geschah nicht irgendwann, sondern zufällig einen Tag, nachdem die Fünf-Jahres-Frist, in der die Hypovereinsbank in der Haftung für ihre Ausgründung stand, ausgelaufen war.
Der Finanzminister der Verräterpartei, Peer Steinbrück, glich den Bankenmilliardären drohende Verluste kulant mit ein paar Hundert Milliarden Euro an Steuergeldern aus. Arbeiter und Angestellte dürfen sich über die größte Umverteilungsaktion von unten nach oben, die es jemals in der Geschichte der Bndesrepublik gegeben hat, noch jahrzehntelang freuen. Nach der nächsten Wahl werden erstmal die Steuern erhöht und sicherlich auch die Renten gekürzt.
Es gab in diesem gigantischen Abzockgeschäft allerdings nicht nur Verlierer. Schließlich ist das Geld nicht weg, es hat bloß jemand anders. Drückerbuden, die Schrottimmobilien vertickt haben, haben damit schnell eine Menge an Provisionen gescheffelt. Eine der berüchtigtesten dieser Drückerbuden, die Schrottimmibilien an den Mann gebracht haben, war die BHW.
Frank-Walter Steinmeiers wohlhabender Wirtschaftsexperte Harald Christ war von 1991 bis 1999 acht Jahre lang bei der BHW, und nannte sich “Vertriebsdirektor”. Weitere Expertise kann Steinmeiers Experte unter anderem als “Leiter des Geschäftsbereiches Private Banking” im Milliardengrab WestLB vorweisen.
Sklavenhaltermentalität
In einem von Frank-Walter Steinmeier mitherausgegebenen Buch wettert Harald Christ gegen den “Versorgungsstaat”. Das passt wie die Faust auf’s Auge zu Frank-Walter Steinmeier, der den Abgezockten gerade vier Millionen neue Jobs verspricht. Die Verräterpartei bekommt das locker hin: sie wird einfach nur vier Millionen tariflich bezahlte Vollzeitarbeitsplätze durch zwei Billgjobs oder noch besser durch den Reichsargedienst ersetzen. Apropos, das Geld ist ja nicht weg. Das Geld von Harald Christ steckt zum Beispiel in einer Luxus-Villa in Südafrika. Seine Vorstellung von einem sozialen Miteinander dort, was sicher Vorbild für Deutschland sein könnte, machte Harald Christ auf seiner Webseite dazu deutlich: exklusive Räumlichkeiten, in denen afrikanische Diener in weißen Handschuhen Champagner umhertragen.
Willkommen in der Sklavenhaltergesellschaft von Harld Christ und Frank-Walter Steinmeier.
Volksverarschung
Vor ein paar Monaten spielte sich Harald Christ dann auch noch in einer ehemals alternativen Tageszeitung als großer Wohltäter mit viel Sinn für Soziales auf. So wie der ehemalige Vertriebsdirektor redete, schien der wirklich zu glauben, dass das Taz-Publikum ihm den Blödsinn abkauft. Nun hat er aber mitbekommen, dass nicht alle Leute so einfältig wie Taz-Leser sind. Und jetzt löscht er ganz schnell seine Webseiten, die von seiner Tätigkeit und seiner Sklavenhaltermentalität zeugen, und hofft, dass das Volk die Vollverarschung nicht mitbekommt. Jetzt ist das aufgeflogen. Peinlicher geht’s nimmer.
Aber so ist sie halt, die voll kompetente Verräterpartei, die stolz ist, gerade den Uschi-Filter eingeführt zu haben. Die Saboteure an den Schalthebeln dort tun wirklich alles dafür, damit der Schwarzen Pest zusammen mit der Terrorpatenunion und der Putschistenpartei die Machtergreifung in Deutschland gelingt.
Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
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Äußerst interessanter Artikel mit beachtenswerten Links.
Das musste mal gesagt werden.
Und das ist gut so. Sehr gut sogar!
Dass in einer solchen Finanzdiktatur Menschenopfer in Kauf genommen werden, vewundert nicht.
Die Machthaber nennen diese perverse Veranstaltung nämlich Demokratie.
[…] für alle Satiriker. Der Wahlkampf zur Bundestagswahl hat begonnen. Um zu vermeiden, über die Raubzüge der Junta in den vergangenen vier Jahren reden zu müssen, werden da von der herrschenden Politmafia wie […]
[…] erst berichtete Mein Parteibuch darüber, dass die zum Ablenken von den Raubzügen der Junta erstellten inhaltsleeren Wahlplakate der CDU so bescheuert sind, dass sie Satiriker arbeitslos […]
Natürlich hat Steinmeier mit seinem Team eine gute Chance. Wer sich wirklich mit den einzelnen Mitgliedern des Teams beschäftigt, wirft ganz schnell seine Vorurteile über Bord. Ich möchte dies gerne an dem Beispiel des Herrn Christ ausführen:
Herr Christ läuft bereits seit Jahresbeginn Sturm gegen die Kreditklemme in Deutschland und hat seine
Vorstellungen mit maßgeblichen Bereichen in Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Wissenschaft
abgestimmt. Da gab es noch einen Wirtschaftsminister Gloss, wenn Sie verstehen, was ich meine.
Der aus dem Hut gezauberte Baron Karl Theodor von und zu Guttenberg philosophierte dann leider lieber erst einmal über “gelungene” Insolvenzen (… das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen …)als dass er im Mittelstand dort anpackt, wo echte Not herrscht.
Guttenberg ist eben kein Mann der Wirtschaft, sondern Jurist (ohne 2. Examen) und Politologe. Ich habe noch nie gehört, dass die Politologen etwas von Wirtschaft verstehen.
Sein ererbtes Landgut hatte er wohl wirtschaftlich im Griff. Aber das ist doch eine viel kleinere Dimension, als das, was momentan in der weltweiten Krise zu bewältigen ist.
Ich bitte die Kommentatoren, etwas genauer hinzusehen und ggf. auch mal zu recherchieren, ehe unqualifizierte Bemerkungen über den Mittelstandsbeauftragten der SPD losgetreten werden. Am einfachsten ist letztendlich, seine eigenen Vorurteile über vermögende oder homosexuelle Menschen schnell über Bord zu werfen. Der klare Blick auf die Sache hilft dem eigenen Urteilsvermögen und sowohl dem Niveau des Wahlkampfes als auch dem Medium Chatroom/Forum/Blog.
@Jörg
Haha, was für ein Unfug.
>Herr Christ läuft bereits seit Jahresbeginn Sturm gegen die
>Kreditklemme in Deutschland
Der Witz ist gut. Seit Jahresbeginn, haha. Schau mal auf die Links, spätestens 2002 war allen Politikern klar, dass die Hypo sich beim Abzocken der Leute verhoben hatte. Ausgeplündert bis auf das letzte Hemd waren die Käufer der Schrottimmoblien nicht mehr fähig, die Abzocke weiter zu finanzieren.
Harald Christ hat vorher jahrelang bei der BHW, die mit ihren Schrottimmobilien maßgeblich zu der Bankenpleite geführt hat, kräftig abkassiert. Harlad Christ kann in einen Keller gehen und sich da gemeinsam mit Guttenberg, Glos, Steinbrück, Merkel, Zypries und Co schämen. In einem öffentlichen Amt haben die allesamt nichts zu suchen.
Die “Kreditklemme” ist doch ein schlechter Witz, was wir hier gesehen haben, ist eine Plünderung der Staatsfinanzen, um den Banken die Verluste aus ihrer Schrottimmobilien-Abzocke auszugleichen. Und natürlich werden dafür nach der Wahl von der Verräterpartei die Sozialleistungen gekürzt. Afrikanische Diener mit weißen Handschuhe kann sich der Harald Christ woanders suchen.
Liebe Redaktion,
ich kann nicht für Herrn Christ sprechen. Da ich ihn aber persönlich kenne, glaube ich, daß ich aus meiner persönlichen Sicht Ihnen antworten kann.
Gemeint war in meinem Kommentar die Kreditklemme des deutschen Mittelstandes; nicht Kreditprobleme allgemeiner Art, die Sie allerdings nicht unzutreffend beschreben haben.
Herr Christ hat meiner sicheren Erinnerung nach die Firma BHW bereits 1999 verlassen und nach meinem Kenntnisstand keinerlei “Schrottimmobilien” verkauft.
In einem weiteren Punkt teile ich Ihre Bedenken (man müßte Herrn Christ um seine Meinung fragen): Es geht nicht an, daß Milliarden nur in die Banken und in die Großunternehmen gepumpt werden. Die wirklichen Probleme haben wir bei unseren mittleren und ausgegrenzten Schichten. Diese Milliarden müssen die Banken auf Heller und Pfennig zurückzahlen. Jedes Gesetz, welches die Banken von einer Zurückzahlung befreit, ist eindeutig verfassungswidrig. Dies würde ich bis zum BVerfGer. durchfechten.
Aber dazu kenne ich nicht die Meinung von Herrn Christ. Man müßte ihn fragen. Ich werde versuchen, mit ihm heute darüber zu sprechen.
Ich kann leider auch nichts zu dem Thema “afrikanische Diener” sagen. Wenn es wirklich zu einer Beschäftigung von Dienstpersonal (egal welcher Nationalität) im “Hause Christ” gekommen ist, dann kommt es mir eigentlich nur auf eine ordentliche Bezahlung an. Wenn diese gewährleistet war/ist, finde ich daran absolut nichts Verwerfliches.
@Jörg
Wie Finanzdrückerbuden wie die BHW seit jeher ihren Reibach machen ist bestens bekannt: auf dem Rücken von ahnungslosen Opfern, die ausgesaugt werden. Dass Harald Christ sich in der Abzockerbude “Vertriebsdirektor” nannte, spricht für sich selbst. Und es passt ins Bild, wenn er sich nachher bei der staatlichen Abzockerbank “Leiter des Geschäftsbereiches Private Banking” schimpfte. Für seinen Posten muss man gut mit Miliardären kungeln können.
Die Hunderte Milliarden, die im Rahmen der Bankenrettung an Millionäre und Milliardäre von Merkel, Steinbrück und Co verteilt wurden, sind längst weg. Da kannst du beim BVerfG klagen, bis du schwarz wirst. Der Soffin ist völlig intransparent und das Geld wird freihändig von genau der Begage verteilt, die sich vorher verspekuliert hat. Die Hypo Real Estate, wo die Hypovereinsbank ihre Schrotimmobilienkredite hin ausgelagert hatte, wurde durch die staatliche Übernahme von der Rückzahlung der Milliarden de facto befreit und den Millionären und Milliardären, die auf die Rendite der Papiere der Schrottimmobilienbude spekuliert haben, ihre Gewinne gesichert. Ebenso wie der Hypovereinsbank bzw ihren Aktionären, die durch die Verschleppung der Insolvenzerklärung der HRE bis auf einen Tag nach dem Ablaufen der 5-Jahres-Haftungsfrist für ihre Ausgliederung aus der Haftung heraus sind. Das alles wäre, wenn Deutschland ein Rechtsstaat wäre, ein Fall für den Strafrichter - Betrug, Konkursverschleppung und ähnliches auf Seiten der Banker, Untreue auf Seiten der Regierung und das alles vorsätzlich und in besonders schwerem Fall mit Schadenssummen von insgesamt mehreren Hundert Milliarden Euro.
Die afrikanischen Diener mit weißen Handschuhen runden dann das Bild des arroganten Abzocker-Millionärs ab, dass Harlad Christ in seinen Veröffentlichungen hinterlassen hat.
Frei nach dem alten Finanzdrückermotto: sind die Ehrlichen doch selbst Schuld, wenn sie arm sind, weil sie andere nicht so gut bescheißen wie ich. Der Mann gehört in einen Keller, aber genauso wenig in ein öffentliches Amt wie die Mitglieder der total verkommenen Regierung, für die der einzig angemessene Platz eine Justzvollzugsanstalt wäre.
Ganzdeutsche SPD
Aufregung über diese SPD und Option für´s Kleinere Politübel (sogenannte LINKE) könnte auch fehlender Analyse geschuldet sein - ganzdeutsche Neoliberale tragen heuer halt kaum noch Schlips und Kragen, dafür zunehmend´s SPD-Parteibuch …
Gruß;-) RicAlb/19.08.09
Mit Dummen treibt man die Welt um. War schon immer so.
Alle Namen sind Schall und Rauch und reine Phantasie und durch beliebige ersetzbar.
Ein fiktives Beispiel mit fiktiven Personen aus der Vergangenheit beschreibt die Zukunft, meine ich, systemisch vortrefflich:
Wir schreiben in einer rot-blauen virtuellen Welt das Jahr 2006.
Wir sind stets voller Zuversicht, immer bestens gelaunt,
grundsätzlich ist alles was passiert richtig, keiner stürzt ab und
Deutschland strahlt in allen rosa Schattierungen und alles, aber auch
wirklich alles, ist gut gut gut.
Gerhard Schröder hat mit einem fulminanten Wahlerfolg mit 61% der
Stimmen das Land in einen Aufschrei versetzt. Sein geschmackvoller
Handstreich durch sein naturdunkles Haar am letzten Wahlabend,
verbunden mit einem liebevollen Augenzwinkern in die große
Männerrunde, hatte den Ausschlag gegeben. Die Wahlbeteiligung lag bei
knapp über 20%. Im Gegensatz zur CDU/CSU, die mittlerweile fast alle
ihre Wähler mit der Forderung nach einer hundert Stundenwoche
verloren hatte, konnte die SPD vor allem Beamte, Neubürger aus der
Türkei, gleichgeschlechtliche Paare, Pensionäre, wohlhabende Juristen
und Ärzte und Manager aus Großkonzernen fast geschlossen als Wähler
gewinnen.
Der vormalige heimliche Berater und persönliche Innovator von Gerhard
Schröder, Herr von Pierer, ist seinem ausdrücklichen Wunsch
entsprechend zum ersten TOP-Minister Deutschlands ernannt worden.
Zu seinen Ressorts gehören das Arbeits-, Sozial-, Finanz- und
Wirtschaftsministerium.
Von Pierer hatte Gerhard Schröder zuversichtlich versprochen, dass er
im Falle seiner Wahl zum Top-Minister, Deutschland und seine Bürger
wie Siemens und Siemens Mitarbeiter behandeln wolle und durch
Effizienzprogramme wie Top, Top+ und Top++ eine Abschaffung des
Arbeitsministeriums durch Abschaffung des entsprechenden
ineffizienten Klientels sowie des Sozialministeriums kurzfristig
erreichen könne.
Zur wahrheitsgetreuen Bekanntmachung seiner Politik wolle er als
Innovation ein entsprechendes Ministerium einführen. Als deren
Minister und Ministerialbeauftragte schlage er die Vorstände
namhafter internationaler Werbe-, und PR-Agenturen vor, mit denen er
selbst seit Jahren hervorragend und in menschlich allerbester Weise
zusammenarbeite. Falsche Verlautbarungen von Kritikern sollten mit
allen Mitteln internationaler Rechtsanwaltskonzerne verfolgt werden
dürfen.
Die drei SPD Spitzenpolitiker Gerhard Schröder, Wolfgang Clement und
Hans Eichel wolle er in dieser Reihenfolge zu Helden des
Großfinanzkapitals und herausragenden Großunternehmern küren.
Für sie und ihre Nachfahren werde für immer und ewig, allein schon
aufgrund ihrer Ruhebezüge, bestens gesorgt sein. Sein Vorgänger im
Amt, Wolfgang Clement, sei idealtypisch geeignet für seine Nachfolge
im Aufsichtsrat von Siemens, außerdem werde diese Tätigkeit fürstlich
honoriert.
70.000 Arbeitsagenturmitarbeiter könnten sofort - als sein
persönliches Dankeschön - in kostenneutrale Ich AG’s entlassen
werden. Sie würden Deutschland auf Anhieb innovativer machen und
Milliardeneinsparungen für die Großkonzerne ermöglichen. Im Grunde
hatte er selbst nie einen besonderen Bezug zu dieser Form der
Personalbeschaffung, aber auch hätten sie ihre Aufgabe nämlich die
der Bereinigung der Arbeitslosenstatistik durch Verfolgungsbetreuung
ihrer Kunden bestens erfüllt. Deutschland gelte wieder was in
Deutschland.
In seiner Regierungserklärung führt von Pierer nun aus, dass das
alles nichts neues für ihn sei. Bereits im Schattenkabinett von
Gerhard Schröder seien alle Weichenstellungen der Bürgerpolitik von
ihm ausgegangen. Zufrieden sei er auf die von seinem Vorgänger
eingeleiteten - menschlich gesehen bestens ausgeführten - Maßnahmen,
öffentliche Outingkampagnen gegen Erwerbslose zu forcieren und sie
für den notwendigen täglichen Lebensbedarf auch Tag und Nacht alle
möglichen Arbeiten an allen möglichen Orten und für geringste
Entlohnungen verrichten zu lassen. Der Einzug deren Nachlass in Folge
der Erblassung durch HartzIV sei gerechtfertigt, es habe in der
Weltgeschichte schon immer Zeiten gegeben, in denen die Menschen für
Nichts gearbeitet, ja sogar für ihre Arbeit noch bezahlt hätten.
Durch die sinnhafte Einführung eines gesetzlichen Anspruchs und
zugleich der Pflicht auf eine 1-Stunden Arbeitswoche bei beliebig
verhandelbarem Stundenlohn konnten Millionen Erwerbssuchende per
Definition aus jeder veröffentlichten Arbeitslosenstatistik entfernt
werden. Es herrsche wieder Vollbeschäftigung.
Die „Mobilisierung“ der in der Arbeitslosenstatistik noch
Verbliebenen durch Bewerbungsgespräche jeweils weit weg von deren
Wohnort sei bereits bei Siemens Kündigungen erfolgreich eingesetzt
und durch höchste Gerichtsinstanzen als rechtsstaatlich bestätigt
worden. Ausgeklügelte Hitech - Routenplaner könnten regelmäßig
Jobangebote an den am weitesten vom aktuellen Wohnort entfernten
Gegenden automatisiert anbieten. Nach dem selbst zu bezahlenden Umzug
könne sofort unternehmerseits wegen Unfähigkeit und
persönlichkeitsbedingter Minderleistung - ausdrücklich auch vor
Arbeitsantritt - gekündigt, mit Geldstrafen abgestraft und die
Mobilisierung weitergeführt werden. Wer nicht mobil sein und auch
einmal pro Tag seinen Wohnung wechseln wolle oder aus finanziellen
Möglichkeiten heraus nicht könne, erbringe in der heutigen Zeit
keinen Mehrwert für die Siemens-/Wirtschaft.
Von Pierer erläutert anschaulich, dass je öfter ein Arbeitnehmer pro
Zeiteinheit gekündigt werden könne, desto mehr Arbeitsgelegenheiten
könnten pro Zeiteinheit nicht nur angekündigt sondern auch neu
geschaffen und besetzt werden.
Deutschland als Jobwunderland, man stelle sich diese Außenwirkung vor
zum Ruhme der Siemens-/Wirtschaft. Deutschland wäre weltweit Top.
Als hautnahes Beispiel zeichnet von Pierer einen Diplom-Informatiker,
der pro Tag einmal gekündigt wird und somit insgesamt 2
Arbeitsgelegenheiten pro Tag antreten kann, macht insgesamt 12 bei
einer 6 Tage Woche. 12 Arbeitsplätze pro Informatiker pro Woche. Bei
ca. einer Million angestellten Informatikern würde diese
Geschäftsmethode 12 Millionen hochqualifizierte
Informatik-Arbeitsplätze pro Woche in Deutschland bedeuten. Pro Jahr
12 Millionen mal 52. Eine geradezu unglaubliche Zahl an
Arbeitsplätzen pro Jahr und das allein in diesem Feld. Die
Patentierung dieser Geschäftsmethode sei bereits erfolgt.
Wer gar aussichtsloseste Bewerbungsgespräche oder Arbeit an allen
möglichen Orten gegen eine selbst im voraus zu bezahlende monatliche
Unkostenpauschale ablehne, dokumentiere nur, dass er nicht bereit sei
Arbeit zu üben und sich weiterzubilden. Die Aberkennung aller
Ansprüche an den Sozialstaat müsse auf den Fuß folgen und mit
beliebiger - von der Siemens-/Wirtschaft festzulegender -
Arbeitsverpflichtung ohne Entgeld und Geldbuße bestraft werden.
Ungewohnt leidenschaftlich und gestenreich doziert, ja man muss es
fast schon predigen nennen, von Pierer über die Auswüchse und die
Selbstbedienungsmentalität einfacher Bürger, aus einfachen
Verhältnissen, die es sich erlauben würden, politische Führer und
namhafte Manager aus besten Familien persönlich anzusprechen und zu
diffamieren. Es könne nicht angehen, dass diese Klientel durch
Erwerbslosigkeit und Konsumverweigerung aufgrund fehlender
finanzieller Mittel die wirtschaftliche und politische
Funktionärselite, sprich ihn und seine Managerkollegen sowie
Parteifunktionäre aller maßgeblichen deutschen Parteien, allein durch
ihre nicht auslöschbare Anwesenheit in diesem Lande, mit dem Anschein
des Versagens und der Korruption und Vorteilsannahme beschmutze.
Aufgrund dieses negativen Bildes deutscher Manager und Politiker
würde der Wirtschaftsstandort leiden, Gewinne schrumpfen und
Managergehälter nicht mehr ins Unendliche steigen. Nicht zu reden von
allerhand Zuwendungen für die Spitzenpolitiker. Als Ausweg müsste
diese Klientel in sogenannte Erkenntnisstätten, Orten an denen sie
unter schmerzvollsten Bedingungen mit ihrer eigenen, aus Sicht der
Wirtschaft und der Parteifunktionäre überflüssigen Existenz
konfrontiert würden, verschickt werden. Zur Besserung dürfe es nur
die Medizin der Arbeit ohne jede Bezahlung, diese aber verpflichtend,
geben. Aufgrund der ähnlichen Arbeitsbedingungen komme nur
Südostasien oder der vordere Orient in Frage. Aus rechtlichen Gründen
müssten diese Besserungswilligen die örtliche Staatsbürgerschaft
annehmen. Eine Rückkehrmöglichkeit nach Deutschland müsse für immer
ausgeschlossen bleiben.
Er selbst sei regelmäßig sogar beruflich in China. Er wolle
Deutschland zu Siemens erneuern. Sein diesbezüglicher Masterplan sei
bereits mit der Bundesregierung seit Jahren festgelegt.
Seine persönliche Herausforderung und Leidenschaft sei jetzt die
Sozialpolitik, die Rentner, Kranken sowie Pflegebedürftigen und die
Kinder.
Das Sprichwort des Bayerischen Ministerpräsidenten, „Arbeit ist
sozial“, wolle er mit neuem Leben füllen.
Hier gelte es durch die bereits bewährte Mobilisierung neue
Lebensenergie und Kraft durch Bewegungstraining den Betroffenen
zukommen zu lassen und somit die Volksgesundheit durch Erneuerung
nachhaltig zu fördern. Dies könne durch die monatliche Ausbezahlung
der Rente an die Rentner in ländlichen idyllisch abgelegenen Orten,
die nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht werden könnten, ohne
große finanzielle Zusatzkosten vollzogen werden. Insbesondere an
besonders kalten oder heißen Tagen müsse eine Einbestellung der
Kunden zur pauschalen Überprüfung der aktuellen Rentensituation
kurzfristig anberaumt werden. Die gesparten Medizinausgaben müssten
für Hitech - Geräte Verwendung finden. Insbesondere gelte es durch
regelmäßige körperliche Aktivitäten Pflegebedürftige aus den Heimen
zu bringen. Die Patienten sollten durch die Festschreibung von allein
zu bestehenden täglichen Wanderungen außerhalb der Anlage, neuen
Lebensmut und Kraft tanken können. Die Überwachung könne durch
personifizierte Hitech-Handys sichergestellt werden.
Bei Nichtbefolgung entsprechender Angebote müssten Abmahnung und
Kündigung des Heimplatzes als letztes Mittel analog der
Arbeitsverweigerung und Minderleistung im Sinne der Kündigungsgesetze
bei Arbeitnehmern problemlos festgeschrieben werden.
Besonders viel verspreche er sich durch die Einführung eines
Mitbestimmungsrechtes der Heiminsassen analog dem bewährten und von
Gewerkschaftlern so geliebten Betriebsverfassungsgesetz.
So sollten die Heiminsassen per Unterschriftenliste geheim abstimmen
können, wer im Heim bleiben dürfe oder fristlos gekündigt werden
müsse. Dies in den zwei wesentlichen Fällen in denen entweder die
Heimleitung durch selbst beschworene Sparmaßnahmen die Effizienz auf
Gutdünken sich selbst nicht mehr gewährleisten könne oder sich die
Heiminsassen, nach vorherigem Hinweis der Heimleitung, zielsicher
gegen bestimmte Mitbewohner aussprechen würden. Insbesondere aber
Insassen die den Pflegeprozess durch Pflegebedürftigkeit absichtsvoll
und wissentlich nachhaltig störten oder sich der Gruppendynamik in
den Abstimmungen verschließen würden, könnten im Sinne der Erneuerung
der Gemeinschaft und für eine bessere Welt reformistisch fristlos
gekündigt werden. In beiden Fällen sollte es ihnen ausdrücklich nur
eigenständig ohne fremde Hilfe erlaubt sein, sich woanders eine neue
befriedigende Pflegestätte zu suchen.
Gegnern dieser Mitbestimmung müsse durch die Aufnahme in schwarze
Listen dieser Weg verbaut werden. Für sie bleibe dann nur die
Auswanderung oder ……
Für ihn, von Pierer, sei dies die wichtigste und humanste Reform der
nächsten Jahrzehnte überhaupt. Siemens Mitarbeiter würden dieses
Vorgehen - dem zugrundeliegenden Prinzip nach - bereits in der
täglichen Arbeit bestens kennen und nachweislich erfolgreich im
Arbeitsalltag umsetzen dürfen.
Alles sei im Prinzip auf alles übertragbar.
Die Mitarbeiter seien ihre eigenen Betriebsräte und Personalchefs.
Das spare Geld und Zeit und stärke die Siemens-/Wirtschaftskraft
Deutschlands. Weitere Einsatzfelder für diese Geschäftsmethode seien
bereits als Patent beim Europäischen Patentamt in Anmeldung.
Das Wirtschaftsministerium wolle er durch Milliardenaufträge an die
Siemens-/Wirtschaft umfassend stärken. Medizingeräte, Magnetzüge,
Kernkraftwerke, Computer, Handys,.., Deutschland haben dringenden
Bedarf nach innovativen Produkten.
Die Entfesselung Deutscher Sparguthaben sei eines seiner
leidenschaftlichsten Ziele. Er habe bereits mit seinen Nachfolgern
bei Siemens gesprochen. Diese seien ohne wenn und aber dazu bereit,
annähernd 4 Billionen Euro Sparguthaben Deutscher Bürger als
patriotische Tat freiwillig oder durch Gesetz zu übernehmen und in
internationale Siemens Geschäfte zu investieren. Internationale
Investmentinstitute und Consultancies wie Goldmann Sachs
International, Lehmann Brothers International, Bain & Company,
Salomon Smith Barney International, Warburg Dillon Read und viele
Andere hätten für derartige Summen grundsätzlich, dies sei eine
Selbstverständlichkeit, Interesse.
Das Ziel sei, alle deutschen Bürger müssten auf die Stärke und
Fürsorge der Marke Siemens und seiner internationalen Finanzpartner
stolz sein dürfen. Er habe schon immer Geschäfte für seine Partner
gemacht.
Als entscheidende Mitgift an das deutsche Volk sehe er, von Pierer,
aber insbesondere Zehntausende von erfolgreichen und
beschäftigungslosen Siemens Topmanagern, die in der Vergangenheit ihr
Potential und ihre Kenntnisse beim Personalabbau umfassend bewiesen
hätten und die jetzt Siemens Startups, sogenannte Schnellboote,
aufbauen und führen sollten.
Der Neue Markt werde eine Wiedergeburt erleben.
Das Gesamtkonzept sehe auch vor, Neuigkeiten, Gerüchte und
insbesondere Insolvenzen dieser Startups eigenständig zu vermarkten.
Hierzu wurde in Abstimmung mit der Regierung und unter Bezugnahme auf
die neue Europäische Patentrichtlinie ein weiteres Patent angemeldet.
Fremde Newsgroups und Portale zu diesem Themengebiet müssten in
Zukunft mit geradezu unnachgiebigen Regressforderungen und
Patentgebühren rechnen.
So stelle er sich auch einen Wirtschaftsaufschwung vor.
Als unabdingbares Zeichen an alle Arbeitswilligen ohne Einkommen aber
mit Restvermögen sollten diese Startups als Geldanlage mit
unbezahlter eigener Arbeitsverpflichtung für dieses Klientel
vorgeschrieben werden. Das Finanzministerium könne durch eine
Beteilungssteuer für Privatleute an diesen Startups gut profitieren.
Von Pierer stellt klar, dass jeder Erwerbslose als Zeichen seines
Arbeitswillens sich an diesen Startups mit einer Einlage in Höhe
seines gesamten Vermögens beteiligen müsse. Andernfalls könne man
davon ausgehen, dass diese Erwerbslosen einer unbezahlten Arbeit
nicht nachgehen wollten und somit in dieser schwierigen
Landessituation mit noch nie da gewesenen Sanktionen und Geldstrafen,
die die Siemens-/Wirtschaft stärken würden, belegt werden müssten.
Kurzfristig wolle er Deutschland zu einem Volk von 80 Millionen
mobilen Unternehmern, vom Kind bis zum Greis machen, die ihren
Lebensunterhalt - auf Verlangen auch in Übersee - , jeden Tag aufs
neue, eigeninitiativ bestreiten dürften.
Warum solle ein Kleinkind nicht auf selbstständiger Basis für
Babynahrung werben dürfen und ein alter Greis seine Lebenserfahrung
als selbstständiger Erzieher in die Kinderpädagogik oder Tauchlehrer
am Kap einbringen dürfen. Es gäbe unzählige Chancen.
Die monatlichen Ausgaben für Büromiete, Büromaterial, Computer,
Handy, Firmenwagen, Kranken- und Rentenversicherung, Steuerberater,
Vormund und Geschäftsführer für Minderjährige etc. würden der
Siemens-/Wirtschaft zugute kommen und deren Gewinnsituation
vervielfachen.
Wenn es aber so leicht sei seinen Lebensunterhalt selbstständig zu
verdienen, müsse der Staat Steuergelder für die Rente und Kindergeld
in mehrstelliger Milliardenhöhe einsparen und zugleich in die
Siemens-/Wirtschaft investieren. Die Gewinne und Renditen deren
internationaler Anteilseigner würden ohne eigenes Zutun explodieren.
Dies hätte einen Ansturm von internationalen Investoren auf
Deutschland zur Folge. Keine Firma dieser Welt würde sich diese
weltweit einzigartige deutsche Geschäftsmethode entgehen lassen. Auch
hier seien Patentgebühren fällig.
Dies sei der entscheidende Schritt für Deutschland nach vorne.
Innovation pur sozusagen.
Erwerbslose ohne Vermögen seien für Deutschland und die
Siemens-/Wirtschaft als Arbeitskräfte gegen Essen und
Schlafgelegenheit am Arbeitsplatz vorrangig im Osten einzusetzen. Und
dies nur aus Menschlichkeit.
Eine Arbeits- und Sozialstatistik sei schon immer eine
Fehlentwicklung in den Köpfen von Arbeitsscheuen gewesen. Wer darin
erscheinen wolle, müsse in Zukunft horrende Strafgebühren und
Unannehmlichkeiten erwarten dürfen.
In seiner Regierungserklärung verkündet von Pierer als erste
Staatshandlung aber die Arrestierung von Jürgen Peters, dem
legendären und standhaften IG-Metaller, der sich in seinem Haus in
Hannover seit einem Jahr in vorgezogenem Ruhestand befindend, am
Werbefeldzug der schönen und neuen Siemens Welt-/Wirtschaft im Rahmen
einer weltweiten Imagekampagne nicht aus idealistischen Gründen für
viel Geld und auch nicht freiwillig aus Überzeugung beteiligen wollte.
Was war passiert:
Nach von einer Minderheit in der IG-Metall organisierten
Massenaufrufen am 26.01.2005 an die ca. 10 Millionen einkommenslosen
Gekündigten und erwerbslosen Studienabsolventen in Deutschland ohne
jede Aussicht auf eine qualifizierte und bezahlte Berufstätigkeit
gegen die deutschlandweite Arbeits-, Wirtschafts- und Sozialpolitik,
hatte von Pierer der damalige Siemens Boss sofort reagiert und
unternehmungslustige High-Potentials aus vermögendem Elternhaus, die
bei Siemens seit Jahren mehrjährige unbezahlte Praktikas nach 2
Hochschulstudiengängen und Doktortitel mit 60 Wochenstunden leisten
dürfen, gegen die Erwerbslosen auf die Strasse gerufen.
Untermauert von Millionen Euro schweren 24-farbigen kunterbunten
never stop thinking Stellenanzeigenkampagnen in Print- , Hör- und
TV-Medien verkündete von Pierer ruhig und sachlich, ganz auf seine
Art, dass es doch unzählige Stellenanzeigen gäbe, und die
Erwerbslosen vor allem nicht Geld für eine Arbeitsgelegenheit
bezahlen wollten.
Dies könne sich die drittgrößte Weltwirtschaft nicht leisten.
Präsidiumsmitglieder der Sozialdemokratischen Partei und
Gewerkschaftler und Gerhard Schröder nahestehende bekannte Künstler
und Intellektuelle stützten zugleich diese These und bedauerten die
Uneinsichtigkeit und Reformfeindlichkeit der Protestler.
Durch Siemens Kündigungen im Raum München im Jahre 2003, die wegen
ihres Stils und ihrer bestreitbaren Gesetzeskonformität erstmals
Einblick in die Personalpolitik der Siemens AG für die breite
Öffentlichkeit ermöglicht hatten, hatte von Pierer zusätzlich viele
Begierden geweckt.
Seine Hartnäckigkeit und beneidenswerte Ausdauer, auch Familien,
Mutter wie Vater, Behinderten und laut Gesetz unkündbaren
Beschäftigten nach jahrzehntelanger treuer Arbeit die Tür durch alle
Instanzen der Arbeits- und Sozialgerichtsbarkeit zu weisen, hat die
Marke Siemens auch bei Jungendlichen äußerst bekannt gemacht.
Gelangweilte Youngsters mit prallen Geldbeuteln und dem Handykult
verfallen, fühlten sich geschmeichelt und inspiriert, jetzt die
faulen Alten ab 30 Jahren, die dem Staat und der Wirtschaft doch nur
auf der Tasche liegen und das Geld und die Zukunft der Jungen
verbraten würden, mit allen Mitteln zu beschimpfen. Endlich ein
lohnendes Feindbild.
Parallel wurden unter Anwendung der von der rot-grünen Koalition
bereits vor 3 Jahren reformierten Kündigungsgesetze sowohl allen
niederrangigen IG-Metall Mitgliedern als auch deren Unterstützern in
den Belegschaften bei Siemens fristlose Kündigungsbegehren wegen
Aufruf zur Aufwiegelei und Siemens Diffamierung, als Ausdruck der
persönlichen Wertschätzung, privat überreicht.
Zehntausende von Kündigungsschreiben enthielten zusätzlich
Schadenersatzforderungen wegen Geschäftsschädigung zwischen 10.000
und 500.000 Euro, orientiert an der Ablehnungsintensität der
Siemens-/Wirtschaftspolitik.
Da sich die vor 2 Jahren von der Regierung massiv erhöhte Anwalts-
und Gerichtsgebühr nach dem Streitwert bemisst und im Vergleichsfall
jeder seinen Anwalt selbst bezahlen muss, und kein Anwalt mehr als
einen Vergleich gegen Siemens herausholen konnte oder wollte, wurden
viele Gekündigte bereits durch die im Vergleichsfall alleine zu
bezahlenden Anwaltsgebühren wirtschaftlich zerstört.
Aufgrund einer direkt im Anschluss öffentlich bekannt gemachten
Ertragsunzufriedenheit konnte Siemens noch einmal Zehntausenden von
Mitarbeitern - nach eigener Aussage prophylaktisch und als Zeichen
des Erneuerungswillens - gesetzestreu kündigen.
Nachdem die IG-Metall somit Mitglieder und damit beitragslos war,
wurde sie aufgelöst.
Die IG-Metall und verwandte Organisationen existieren nicht mehr.
Wie jeder tapfere Sieger hat von Pierer den Erwerbshungrigen ein
Friedensangebot unterbereitet. Jeder der bereit und guten Willens
sei, für die seiner Ansicht nach ehrenvolle Politik deutscher
Funktionärseliten öffentlich zu protestieren, könne mit einem 2 Euro
Job bei Siemens rechnen. Folgerichtig gingen Millionen und
Abermillionen Deutscher auf die Strasse.
Viele IG-Metaller der niederen Ränge tauchten unter oder verließen
fluchtartig das Land Richtung Westen. Die Mitglieder der
Führungsriege hingegen bekamen das Angebot bis zu ihrer gut dotierten
Frührente als Vertrauensleute und Mitarbeiter der Siemens
Personalabteilung unzufriedene Arbeitnehmer geheim und unter
Datenschutzpreisgabe anzuhören. Gleichzeitig wurde die reformierte
„Siemens Freunde Gewerkschaft“ (SFG) gegründet. Als deren
Vorsitzendender kandidierte zugleich Heinrich von Pierer.
Von Pierers medienwirksamer Widersacher hingegen, Jürgen Peters,
weigerte sich weiterhin sein Verhalten als menschenfeindlich und
kolonialherrenhaft zu tiefst zu bedauern und Herrn von Pierer als
wahren und einzigen Befreier der Gekündigten und erwerbslosen
Entrechteten zu lobpreisen.
Mutig und voller Würde, typisch für ihn, hat von Pierer nun
angekündigt, mit Jürgen Peters persönlich und unverzüglich
stundenlange und tagtägliche sogenannte in-town Coaching Gespräche
aufnehmen zu wollen.
Sinn und Zweck der Coaching Gespräche sei es die Einsichtsfähigkeit
Jürgen Peters kontinuierlich dahingehend zu testen, inwieweit er
einerseits seine totale Niederlage anerkenne und andererseits er die
Richtigkeit der Erneuerung und Reform Deutscher Bürger durch ihn,
Herrn von Pierer, als ausgesprochen gerecht und beispielhaft bewerten
könne. Des weiteren er diese, seine Einsichtsfähigkeit, durch
lautstarke öffentliche Bekundungen objektiv dokumentiere. In diesem
Fall könne er unter Einhaltung demokratischer Ehren Deutschland
Richtung Osten für immer verlassen.
Das erste in-town Coaching Gespräch fand unverzüglich statt:
VON PIERER: Aufrührer Jürgen Peters, Sie haben die Massenaufrufe vom
26. Januar 2005 in ganz Deutschland als das “absolute Ereignis”
beschrieben. Sie haben mich persönlich beschuldigt, durch meine
unerträgliche menschenverachtende Mitarbeiterbehandlung den
unwiderstehlichen Wunsch nach der Siemens Auflösung und der
Aufteilung an Wettbewerber zu wecken. Jetzt, wo der Widerstand
einiger IG-Metaller gegen das Recht des Stärkeren kläglich
zusammengebrochen ist, einfache Staatsbürger nichts mehr als gehetzte
Gekündigte ohne Einkommen und Lebensunterhalt sind - müssen Sie nicht
alles widerrufen?
Jürgen Peters: Ich habe nichts verherrlicht, niemanden angeklagt und
nichts gerechtfertigt. Man darf den Botschafter nicht mit seiner
Kunde verwechseln. Ich bemühe mich, einen Prozess zu analysieren: den
ihrer Politik, die durch ihre schrankenlose Demütigung gutgläubiger
und aufrechter Mitbürger die Bedingungen für ihre eigene Zerstörung
beschwört.
VON PIERER: Lenken Sie damit nicht einfach ab von der Tatsache, dass
nur identifizierbare Betonköpfe und Ewig Gestrige für die
Massenproteste verantwortlich sind?
Jürgen Peters: Natürlich gibt es handelnde Akteure, aber der Geist
des Mitgefühls und der Rücksichtnahme reicht weit über sie hinaus.
Die Unterdrückung konzentriert sich auf ein sichtbares Objekt, das
Sie zerschmettern möchten. Doch das Ereignis vom 26. Januar in all
seiner symbolischen Bedeutung lässt sich so nicht auslöschen. Die
Angriffe auf Menschen guten Glaubens sind eine völlig unzulängliche
Ersatzhandlung.
VON PIERER: Ich persönlich habe barbarische soziale Mindeststandards
beendet und dem deutschen Volk eine Chance zum Neubeginn ganz unten
gegeben. So sehen es auch Ihre geläuterten Kollegen.
Jürgen Peters: Die Lage scheint mir nicht so eindeutig. Dieser
Triumphalismus ist mir fremd. Sie bringen ein Hoch auf die Zerstörung
der materiellen Existenz Millionen Deutscher aus, als wäre dies ein
Instrument des Weltgeistes.
VON PIERER: Es gibt keinen gerechten Neubeginn ganz unten?
Jürgen Peters: Nein, dafür gibt es zu viele Ambivalenzen. Der
Neubeginn wird oft aus dem Drang nach Gerechtigkeit heraus begonnen,
das ist sogar fast immer die offizielle Begründung. Aber selbst wenn
er gerechtfertigt sein möge und in bester Absicht geführt wird, endet
er in der Regel nicht so, wie ihre Urheber sich das vorstellen.
VON PIERER: Ich persönlich habe unbestreitbare Erfolge erzielt. Viele
Deutsche können jetzt, nachdem sie alles verloren haben, wieder auf
ein besseres Leben hoffen. Sie haben Hoffnung.
Jürgen Peters: Warten Sie ab. Noch haben nicht alle Deutschen den
Schleier der Angst abgelegt. Die Organisation der IG-Metall ist
zerschlagen, gewiss. Aber das internationale Netzwerk der attac
existiert immer noch. Und gutwillige mutige Staatsbürger, tot oder
lebendig, sind zu Hauf vor allem verschwunden. Das verleiht ihnen
eine mythische Macht, sie gewinnen in gewisser Weise eine
übernatürliche Dimension.
VON PIERER: Habe ich persönlich erst gesiegt, wenn ich Nihilisten wie
Sie oder ihre psychischen Reste reumütig im Fernsehen präsentieren
kann?
Jürgen Peters: Das wäre ein fragwürdiges Spektakel, und selbst dann
bliebe uns die Rolle des Märtyrers. Uns zur Schau zu stellen würde
uns nicht unbedingt entzaubern. Auf dem Spiel steht mehr als die
Kontrolle eines Territoriums, einer Bevölkerung oder die Ausschaltung
einer unliebsamen Organisation und deren Organisatoren. Der Einsatz
ist fast schon metaphysisch geworden.
VON PIERER: Warum können Sie nicht einfach zugeben, dass die
Massenaufrufe gegen mich und meiner Politik die willkürliche,
irrationale Tat einiger verblendeter Fanatiker war?
Jürgen Peters: Eine gute Frage, aber selbst wenn es sich um einen
bloßen Rachefeldzug gehandelt hätte, bliebe die symbolische Bedeutung
des Ereignisses erhalten. Nur so erklärt sich auch seine Faszination.
Hier ist etwas geschehen, das bei weitem den Willen der Akteure
übersteigt. Es gibt eine universelle Allergie gegen eine endgültige
Ordnung, gegen eine endgültige Macht, und diese rücksichtslose
Überheblichkeit und totalitäre Anspruchshaltung und Brutalität
verkörpert diese endgültige Ordnung in vollkommener Weise.
VON PIERER: Demnach erklären Sie den selbst zerstörerischen Wahn als
unausweichliche Reaktion auf ein System, das selbst größenwahnsinnig
geworden ist?
Jürgen Peters: Ihr System in seinem totalen Anspruch hat die
objektiven Bedingungen dieser mutigen Proteste geschaffen. Der
immanente Irrsinn dieser Corporate Culture bringt Wahnsinnige hervor,
so wie eine unausgeglichene Gesellschaft Delinquenten und
Psychopathen erzeugt. In Wahrheit sind diese aber nur die Symptome
des Übels. Das Mitgefühl dagegen ist überall, wie ein Virus. Es
braucht diese Corporate Culture nicht als Heimstatt.
VON PIERER: Sie deuten meine persönliche Politik und den Widerstand
gegen sie wie den Verlauf einer Krankheit, sogar wie eine
Selbstzerstörung. Ist das nicht das eigentlich Skandalöse an Ihrer
Analyse - dass diese meine Erfolge völlig auslässt?
Jürgen Peters: Ich bin auf meine Weise durchaus ein Moralist. Es gibt
eine Moral der Analyse, eine Pflicht zur Aufrichtigkeit. Ich will
damit sagen, dass es unmoralisch ist, die Augen vor der Wahrheit zu
verschließen, nach Vorwänden zu suchen, um das schwer Erträgliche zu
kaschieren. Wir müssen die Dinge jenseits des Gegensatzes von Gut und
Böse sehen. Ich suche die Konfrontation mit dem Ereignis, so wie es
ist, ohne Zweideutigkeit. Wer das nicht kann, wird zu einer
moralischen Falschschreibung der Geschichte verleitet.
VON PIERER: Aber wenn ihr Widerstand sich zwangsläufig, praktisch
schicksalhaft vollzieht, wie Sie behaupten, ist er dann nicht
zugleich entschuldigt? Es gibt kein verantwortliches Subjekt mehr.
Jürgen Peters: Die Begrifflichkeit meiner Analyse ist zweischneidig,
das ist mir klar. Die Worte können gegen mich gewendet werden. Aber
ich lobpreise nicht Protest und Ablehnung, das wäre idiotisch. Das
Mitgefühl ist keine zeitgenössische Form der Revolution gegen
Würdelosigkeit und Sozialraub. Keine Ideologie, kein Kampf für eine
Sache, auch nicht der Massenwiderstand, können ihn erklären.
VON PIERER: Aber warum sollte sich meine persönliche Politik gegen
sich selbst richten, warum sollte sie Amok laufen, da sie doch
Freiheit, Wohlstand und Glück für alle verheißt?
Jürgen Peters: Das ist die utopische Sicht, die Reklame
gewissermaßen. Aber es gibt kein gänzlich positives System. Im
allgemeinen sind positivistische Geschichtsutopien äußerst
mörderisch, wie Faschismus und Kommunismus gezeigt haben.
VON PIERER: Meine persönliche Politik können Sie doch nun wirklich
nicht mit den blutigsten Systemen des 20. Jahrhunderts vergleichen.
Jürgen Peters: Sie beruht, wie früher der Kolonialismus, auf einer
ungeheuren Gewalt. Sie schafft mehr Opfer als Nutznießer, auch wenn
die Parteienfunktionärs- und Beamtenelite neben Corporate Siemens
ungeheuer davon profitiert. Natürlich können sie im Prinzip jedes
Volk so befreien wie Siemens. Aber was wäre das für eine sonderbare
Befreiung? Die derart Beglückten würden sich dagegen zur Wehr zu
setzen wissen, notfalls eben mit Massenprotesten.
VON PIERER: Sie halten meine persönliche Politik für eine Form der
Frondienstverpflichtung, getarnt als Innovation?
Jürgen Peters: Sie preisen sie wie den Endpunkt der Aufklärung, die
Auflösung aller Widersprüche. In Wirklichkeit verwandeln sie alles in
einen weltweit verhandelbaren, bezahlbaren Tauschwert. Dieser Prozess
ist extrem gewaltsam, denn er zielt auf eine Vereinheitlichung als
Idealzustand ab, in dem alles Einzigartige, jede Singularität, auch
jede andere Meinung und letztlich jeder nichtmonetäre Wert und die
Menschenwürde aufgehoben würden.
VON PIERER: Setzen sich mit meiner persönlichen Politik nicht auch
universelle Werte wie Freiheit, Chancengleichheit und
Eigenverantwortung durch?
Jürgen Peters: Man muss radikal zwischen dem Globalen und dem
Universellen unterscheiden. Die universellen Werte, wie sie die
Aufklärung definierte, haben ein transzendentes Ideal. Sie
konfrontieren das Ich mit seiner Freiheit, welche eine ständige
Aufgabe und Verantwortung ist, nicht einfach ein Recht. Ihrer Politik
fehlt das völlig, es ist ein operationelles System des totalen
Handels und Tausches einzig nach ihren Regeln.
VON PIERER: Meine persönliche Politik befreit die Deutschen nicht,
sie verdinglicht sie?
Jürgen Peters: Sie geben vor, die Deutschen zu befreien, dabei
deregulieren sie nur. Die Abschaffung aller Regeln, genauer: die
Reduzierung aller Regeln auf das Gesetz des Großkapitals, auf ihre
Machtbasis, ist das Gegenteil von Freiheit - nämlich deren Illusion.
So altmodische und aristokratische Werte wie Würde, Ehre,
Herausforderung, Opfer zählen darin nicht mehr.
VON PIERER: Bildet die uneingeschränkte Anerkennung der individuellen
Eigenverantwortung nicht ein verlässliches Bollwerk gegen diesen
Prozess der Entfremdung?
Jürgen Peters: Ich glaube, dass die Eigenverantwortung schon in
diesen Reformenprozess integriert worden ist und als Alibi
funktioniert. Sie gehört zum juristischen und moralischen Überbau -
kurzum: Sie ist Werbung.
VON PIERER: Also Täuschung?
Jürgen Peters: Ist es nicht paradox, dass ihre Politik heute die
Begriffe Reform und Innovation als Waffe gegen das Andersartige
benutzt, nach dem Motto: Entweder ihr teilt unsere Einschätzung oder
… ? Die Reform wird mit Drohung und Erpressung durchgesetzt. Damit
sabotiert sie sich selbst. Sie stellt keine autonome Entscheidung für
die Freiheit mehr dar, sondern wird zum globalen Imperativ. Das ist
gewissermaßen die Perversion des kategorischen Imperativs von Kant,
der grundsätzlich die freiwillige Zustimmung zu seinem Gebot
impliziert.
VON PIERER: So wäre das Ende der Geschichte, die absolute Herrschaft
der Reform oder Innovation, eine neue Form von Diktatur?
Jürgen Peters: Ja, und es ist völlig unmöglich, dass es dagegen keine
gewalttätige Reaktion gibt. Der Mitgefühl entsteht, wenn keine andere
Gegenwehr mehr möglich erscheint. Das System empfindet objektiv alles
als Widerstand, was sich ihm entgegenstellt. Die Werte von Siemens
sind ambivalent, sie können zu einem bestimmten historischen
Zeitpunkt eine positive Ausstrahlung haben und den Fortschritt und
die Innovation beflügeln, zu einem anderen aber sich selbst so auf
die Spitze treiben, dass sie sich verfälschen und sich am Ende gegen
ihre eigene Bestimmung wenden.
VON PIERER: Wenn der Antagonismus Reformen-Mitgefühl wirklich
unauflöslich wäre, welchen Sinn hätte dann noch die Reform und
Innovation gegen das Mitgefühl?
Jürgen Peters: Siemens versucht, die Symmetrie Freund-Feind
wiederzufinden, es strebt auf vertrautes Terrain zurück. Sie
persönlich behandeln das Mitgefühl so, als müssten sie sich gegen ein
Rudel Wölfe verteidigen. Aber gegen Viren funktioniert das nicht, sie
sind ja längst in uns. Es gibt keine Front und keine
Demarkationslinie mehr, der Feind sitzt im Herzen des Großkapitals,
der Großindustrie, und der etablierten Politik die ihn bekämpft. Das
ist, wenn man so will, der vierte Weltkrieg: nicht mehr zwischen
Völkern, Staaten, Systemen und Ideologien, sondern der Deutschen mit
sich selbst.
Der Oberbegriff ist staatlich forciertes Bürgermobbing. Die Jungen
gegen die Alten, die Kranken gegen die Gesunden, die die
Erwerbsarbeit haben gegen die, die für nichts arbeiten sollen,
Teilzeitbeschäftigte gegen Vollzeitbeschäftigte, Rentner gegen
Auszubildende und Jugendliche, Jeder gegen Jeden, zuletzt gegen sich
selbst.
Ein Krieg ohne die Armee.
VON PIERER: Dann kann die Reformoffensive Ihrer Meinung nach auch
nicht gewonnen werden?
Jürgen Peters: Niemand kann sagen, wie das alles ausgehen wird. Auf
dem Spiel steht letztlich das Überleben der Deutschen, es geht nicht
um den Sieg einer Seite. Das Mitgefühl hat kein politisches Projekt,
es hat keine Finalität, und so gesehen ist es real.
VON PIERER: Einfache Staatsbürger und vereinzelte IG-Metaller haben
sehr wohl einen gesellschaftlichen Entwurf, die Vorstellung einer
offenen idealen Gemeinschaft mit dem Geld der Unternehmer. Sehen Sie,
ich habe an der Börse alleine mit dem Siemens Startup Infineon in 3
Jahren fast 10 Mrd. Euro für Siemens erwirtschaftet. Vorher und
nachher war dieser Halbleiterbereich nur ein gigantischer
Verlustbringer. Mit diesem Geld wird Siemens noch über Jahre hinweg
exorbitante Gewinne ausweisen. Meine unternehmerische Leistung.
Jürgen Peters: Vielleicht, nur ist es nicht das Geld, dass die Bürger
zum Mitgefühl treibt. Das betonen alle Funktionäre. Kleinanlegern
wurden an der Börse innerhalb von 2 Jahren annähernd 200 Mrd. Euro
von Ihren Sparkonten abgenommen. Geld geht nicht verloren, es hat nur
jemand anders, nämlich die, die an den Börsengängen direkt und
indirekt beteiligt waren. Das will ich nicht in Abrede stellen, der
Gesetzgeber hat dies ermöglicht.
Die Protestler vom 26. Januar haben auch Forderungen gestellt.
Das Mitgefühl ist aber vor allem eine symptomatische Form der
Ablehnung, der Verweigerung, seine Anhänger wollen nicht konkret
etwas fordern, sie erheben sich wild gegen etwas, das sie als
Bedrohung ihrer Identität empfinden.
VON PIERER: Das ändert doch nichts daran, dass im Lauf der Geschichte
immer auch eine unternehmerische Evolution stattfindet. Beweist die
Stärke von Siemens nicht gerade die Kraft ihrer Ausstrahlung?
Jürgen Peters: Warum sagen Sie nicht gleich ihrer Überlegenheit?
Unternehmen sind wie Sprachen. Jedes ist unvergleichlich, ein
abgeschlossenes Gebilde für sich. Es gibt keine Hierarchie der
Sprachen. Man kann sie nicht am Universellen messen. Es ließe sich
zwar theoretisch eine globale Sprache durchsetzen, aber in dieser
Reduzierung läge die absolute Gefahr.
VON PIERER: Im Grunde leugnen Sie die Idee der Innovation und Reform,
meine Politik. Das Einzigartige, das Sie verteidigen, ist doch kein
Wert an sich. Es kann gut oder böse sein, selbstlos oder kriminell …
Jürgen Peters: … ja, die Singularität kann alle Formen annehmen,
auch die bösartige oder die aufrührerische. Sie bleibt dennoch ein
Kunstwerk. Im Übrigen glaube ich nicht, dass es überwiegend gute oder
böse Unternehmen gibt - verhängnisvolle Abwege selbstverständlich,
aber beides lässt sich nicht trennen. Das Böse nimmt nicht in dem
Maße ab, wie das Gute zunimmt. Deshalb ist der Begriff der Innovation
außerhalb der Rationalität der Naturwissenschaften in der Tat
problematisch. Würde man das Böse der Firmen beseitigen, zerstörte
man die Grundbedingung des Unternehmertums.
VON PIERER: Kein Himmel ohne Hölle, keine Rettung ohne Verdammnis -
lässt Ihre dualistische Weltsicht überhaupt etwas anderes zu als
Fatalismus und Betonköpfigkeit?
Jürgen Peters: Der Fatalismus bietet eine schlechte Interpretation
des Wirtschaftsstandortes Deutschland, denn er führt zur Resignation.
Ich resigniere nicht, ich will Klarheit haben, ein luzides
Bewusstsein. Wenn wir die Spielregeln kennen, können wir sie auch
ändern. Wird Deutschland schlecht geredet um die Arbeits- und
Lebensbedingungen auf Dritte Welt Niveau zurückschrauben zu können?!
Was kommt danach?
VON PIERER: Ihrer anschaulich vorgetragenen und geradezu
philosophischen Bewertung der Ereignisse muss nicht widersprochen
werden. Dennoch, die Ursächlichkeit der Begebenheiten ist zu
kennzeichnen.
Es ist die Regierung, der Gesetzgeber, eine Partei und
zusammengefasst deren Führungsriege die fast vollständig aus ihrem
Lager, aus dem Lager der Gewerkschaften und hierbei vor allem der
IG-Metall kommt, die für die von Ihnen so verachteten Reformen
verantwortlich zeichnet. Hartz, das Synonym dafür, ist Mitglied der
IG-Metall.
Die Reformen meiner Politik bewegen sich auf den vorgegebenen Bahnen,
die ihre Gewerkschaftsgenossen so eifrig und liebevoll mit Stahlbeton
zementiert haben. Darauf lässt es sich hervorragend gleiten. Ihnen
muss bekannt sein, wie leicht wir unzufriedenen Mitarbeitern aufgrund
umfassender Hinweise von durch diesen kontaktierten Betriebsräten und
Gewerkschaftlern seit jeher kündigen konnten.
Jürgen Peters: Ich spüre Ihre Leidenschaft für polemische Überspitzung.
Teil der ganzen Wahrheit ist doch, dass auch satte und korrumpierbare
Gewerkschaftsführer nötige Reformen in den eigenen Reihen verhindert
haben.
Spitzenmanager und Spitzenverdiener wie der von Ihnen benannte Herr
Hartz können nicht zugleich Vertreter der kleinen Leute sein. Kein
Arzt kann zugleich Scharfrichter sein, er hätte sämtliches Vertrauen
seiner Patienten verspielt. Betriebsräte die Kündigungen
unterschreiben, ernten den Zorn und die Ablehnung der Mitarbeiter.
Wenn nicht sofort doch zu gegebener Zeit. Und ein Tarifgehalt für
Arbeitslose oder von Kündigung bedrohte Arbeitnehmer kann es
selbstverständlich nicht geben, ein gesetzlicher Mindestlohn wiederum
könnte die Rettung sein.
Erfolgversprechend wäre eine umfassende Unterstützung von auf
Erwerbseinkommen angewiesenen Menschen in rechtlicher und
finanzieller Hinsicht bei Auseinandersetzungen mit Arbeitgebern durch
eine autarke und selbstlos starke Massenorganisation. Diese meine
Sicht der Dinge ist nicht neu und zu lange unbeachtet geblieben.
VON PIERER: Bedauern Sie, dass das Deutschland den Glauben an die
Rettung durch die Gewerkschaften weitgehend verloren hat?
Jürgen Peters: Wissen Sie, eigentlich müsste man die ganze Debatte
umdrehen. Nicht, warum es die Resignation des Deutschen Volkes gibt,
ist die aufregende Frage. Das Böse ist zuerst da, ganz natürlich.
Warum gibt es uns, die Hoffnung, das Gute? Das ist das eigentliche
Wunder.
VON PIERER: Und? Können Sie es erklären, ohne den Märtyrer zu bemühen?
Jürgen Peters: Die beste und einfachste Hypothese ist in der Tat,
Gott zu postulieren: Das Gute wird siegen und das Böse verlieren.
VON PIERER: Aufrührer Jürgen Peters, ich werde Ihren Widerstand
brechen. Im Guten wie im Bösen. Ich werde Sie zu meinem stärksten
Befürworter reformieren.
*** Trollerei der Shturman-Brigade entfernt ***
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