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19. April 2009

Psst geheim - gefiltert werden nur die anderen

von @ 4:47. abgelegt unter Deutschland, Zensur

Nachdem der Uschi-Filter nun Realität ist, stellt sich heraus, dass die Bundestagsabgeordneten, die die Zensur des Internets für ihre Untertanen einführen, für sich selbst und ihre Staatsbüttel doch lieber ein unzensiertes Internet wollen. Die Reden der Elite, die mit dem Missbrauch von Kindern die Zensur des Internets genauso verlogen durchsetzen will wie einst George HW Bush den Krieg gegen den Irak mit der Brutkastenlüge ermöglichte, sind - Überraschung - nichts anderes als die übliche Heuchelei.

Einen schönen Gruß auch an die CDU-Bundestagsabgeordnete Michaela Noll, die noch im März voller stolz auf die deutsche Internetzensur erklärte, ihre Untertanen sollten ihre Provider fragen, ob sie die Zensurvereinbarung unterschrieben hätten und die Internetzensur im Sinne eines Qualitätsmerkmales verkaufen wollte. Sie selbst behält aber ungefilteres Internet. Was soll man davon halten?

Die zensierende Elite Deutschlands hat nun - ein bisschen spät - erkannt, dass sie sich mit dem Uschi-Filter ein Problem eingehandelt hat. Schickt sie die geheime Zensurliste des BKA auch an kleine Provider und verteilt sie sie in allen möglichen Behörden, so kann sie damit rechnen, dass die Liste Ruck-Zuck bei Wikileaks veröffentlicht werden wird. Hält die Regeriung aber so streng geheim, was zensiert werden soll, dass nicht mal die potentiellen Zensoren darüber Bescheid wissen, dann kann nicht zensiert werden. Damit der ganze leyenhafte Unfug der Uschi nicht schon nach wenigen Stunden vollständig auffliegt, hat sie sich nun entschieden, dass nur große Internetprovider die Liste mit dem Uschi-Filter bekommen.

Mit der Entscheidung zur Nicht-Zensur bei kleinen Providern und in Behörden wird es vielelicht nach der endgültigen Aktivierung des Uschi-Filters ein bis zwei Wochen dauern, bis eine halbwegs vollständige Liste der vom BKA mit dem Uschi-Filter zensierten Webseiten veröffentlicht wird. So lange wird es schätzungsweise dauern, bis einmal nach allen existierenden Second-Level-Domainnnamen bei den DNS-Servern der Zensurprovider einmal durchprobiert wurden und daraus eine Liste mit den zensierten Webseiten erstellt wurde. Spätetens dann, wenn mal eben jemand ein kurzes Programm schreiben würde, dass verteilt auf die Rechner einiger Zensurgegener nichts anderes macht, als die DNS-Server der Zensurprovider danach abzuklopfen, bei welchen Domainnamen sie mit der IP-Adresse einer Sperrseite antworten, wird aus der Sperrliste des BKA eine Art inoffizielle Empfehlungsliste, genau wie es früher der Index Librorum Prohibitorum der katholischen Kirche war, der genau deshalb abgeschafft wurde.

Zensur hat noch nie funktioniert. Wird bekannt, was zensiert wird, ist die Zensur nichts anderes als eine subtile Art von Werbung. Und auf Dauer lässt sich eben nicht geheim halten, was zensiert wird. Schließlich können die Zensoren nicht zensieren, ohne dass sie wissen, was sie zensieren sollen. Und in der heutigen Zeit von Mbit-DSL-Leitungen und Gigabyte-Memory-Sticks wird auch sehr schnell bekannt, was zensiert wird.

Zensur ist nichts weiter als ein Armutszeugnis, dass sich die herrschende Klasse von Heuchlern selbst ausgestellt hat. Ach so, schönen Gruß an die Uschi.

11 Kommentare zum Beitrag “Psst geheim - gefiltert werden nur die anderen”

  1. egalIrgenwer sprach

    Das was uns das so als “Elite” vorgesetzt wird ist in Wahrheit der letzte Mist. Wenn man die Wahrheit ausspricht, man darf es ja nicht laut sagen, es sind Ganoven.

    Aber wehe die bösen Chinesen machen Zensur, dann sind die die Bösen, wir sind immer die Guten.

  2. Rolf Schälike sprach

    Eine Providerliste und deren Verhältnis zur Zenusr.

    Die mesten Internetbenutzer, und noch viel mehr die Unwissenden, wollen offenbar die Zensur. Es lebt sich damit leichter. Man braucht sich nicht um die Verantwortung zu kümmern, keine Furcht vor unzulässigen Verlinkungen und zufällige Zugriffe auf verbotene Seiten zu haben. Hauptsächlich die Zensoren - Politibüromitglieder, Stasi, Bundeskanzlerin, die Bundesministerien, die EU-Behörden, der Verfassungsschutz, der BND, die Wirtschaftkriminellen, die Korruptionsmeister - vergessen dabei nicht die Lebens- nd Konsumbedürfnisse der Bürger zu befriedigen.

    Funktioniert leider nicht, denn mitzensiert werden die Kreativen, die Kritiker sowie die Andersdenkenden und Andershandelnden. Damit sind Sackgassen in der gesellschaftlichen Entwicklung vorprogrammiert.

    Zensur ist wie der Krieg. Es ist der Beweis für die Hilfslosigkeit der Politiker.

  3. Jochen Hoff sprach

    Es ging der Zensuruschi ja nie um Kinderpornographie. Sie dient ja nur als Schäubles Helferlein um den Teil des Internets der, der Schäuble Diktatur entgegensteht, schnell sperren zu können.

    Es geht nur um politische Zensur.

  4. Der Nordstern sprach

    Wo bleibt denn “Jan Beckmann”? Oder gab’s für den die Anweisung, nur bei *einem* Artikel auf dieser Webseite zu dem Thema zu stänkern?

    Der Nordstern.

  5. Mike sprach

    Wie ich schon an andere Stelle dieses Weblogs erwähnte, werden die Kosten für diese rein symbolische Geste hauptsächlich die Kunden tragen müssen. Das lässt sich mittlerweile bei der Vorratsdatenspeicherung (Dr. Schäubles Internät-Kehrwoch’) feststellen.

    Zum “erlesenen” Kundenkreis des Marktführers gehören auch zahlreiche Behörden sowie die politischen “Saubermänner”. Und da jener Kundenkreis natürlich über jeden Verdacht erhaben ist, müssen die nicht mit zusätzlichen Kosten rechnen und dürfen bei Bedarf völlig unbehelligt “Surfer Sex” betreiben. So einfach ist das.

  6. anonym sprach

    Meine Spekulation: KiPo-Server werden (auch) von einem Stay-Behind-Geheimdienst betrieben. Serverstandort soll ja recht häufig in DE sein (wurde überzeugend irgendwo in Wikileaks erläutert).

    Es ist möglicherweise analog wie mit der NPD. Die NPD ist vermutlich massgeblich von staatlichen Mitarbeitern durchsetzt. Warum sollte es mit KiPo anders sein? Oder was ist mit 9/11? Ich glaube, dass auch dort irgendein Geheimdienst dahinter stecken könnte.

    Wohlgemerkt: Das ist Spekulation. Aber so wird nunmal erfahrungsgemäss gearbeitet. Mit False-Flag-Massnahmen. Warum sollte es bei KiPo anders sein als bei den Terroristen und bei den Rechtsextremen?

    #3 - es geht in erster Linie um Profilierung der Zensursula im Wahlkampf. Das wird langfristig dann wohl auch zu politischer Zensur führen.

  7. Überblick zum Thema Netzsperren | Datenschutz-Blog sprach

    […] Artikel im Parteibuch […]

  8. Ulrich Brosa sprach

    Meine Spekulation: KiPo-Server werden (auch) von einem Stay-Behind-Geheimdienst betrieben. Serverstandort soll ja recht häufig in DE sein

    Eine andere Methode ist die so genannte gezielte Tatprovokation.
    Unsere Polizei klärt praktisch nichts auf, wenn sie die Straftaten nicht selbst provoziert hat. Berühmt ist Polizeiministers Bouffiers größter Kokain-Fund in der Geschichte Deutschlands:
    http://www.faz....n~Scontent.html

    Am häufigsten aber ist das freie Erfinden von Straftaten. Alle machen mit: vom ermittelnden Polizeibeamten über den Staatsanwalt bis zum Bundesverfassungsgericht.

  9. Sven Volmering fordert Forenregistrierung mit “Personalausweisnummer” » mein-parteibuch.com sprach

    […] letzte Woche der verunglückte Uschi-Filter eingeführt wurde und Brigitte Zypries eine Strafverfolgung für das Anklicken […]

  10. Europnews » Blog Archiv » Überwachung geht weiter: Forenregistrierung nur noch mit Perso sprach

    […] letzte Woche der verunglückte Uschi-Filter eingeführt wurde und Brigitte Zypries eine Strafverfolgung für das Anklicken […]

  11. Artemisa G. sprach

    Die schönsten Bilder der “heiligen Ursel” findet man hier: http://www.reli...emitteilung.htm
    klassische Meisterwerke im moderenen “Uschi- Gewand”.

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