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6. Dezember 2008

“Kleine fette Schwuchtel”

von @ 14:51. abgelegt unter Recht und Unrecht, Deutschland, BND, Bundesnachrichtendienst

Natürlich sollte man besser gar nichts glauben, was die Milliardärspresse schreibt, aber die neue Episode in Burdas BND-Hauspostille “Focus” ist wirklich recht unterhaltsam. Spion und Spion ermitteln. Ein “leitender Beamter des Kanzleramts” soll in einem internen Vermerk eines ungenannten blöden nichtsnutzigen Deutschen als “kleine fette Schwuchtel” bezeichnet worden sein. Völlig unverständlich ist es, dass BND-Personalrat Franz Josef Amann die Untersuchung “monströs und exzessiv” genannt haben soll. Wenn solch ein schwerer Verdacht auf dem Personal des Bundeskanzleramts lastet, dann ist es natürlich gerechtfertigt, dem gründlich nachzugehen und eine 2388 Seiten starke Akte anzulegen.

Als Aufhänger diente der natürlich bis heute ungeklärte Vorwurf einer sexuellen Belästigung gegen den mittlerweile versetzten Referatsleiter Michael Soiné. Dass man im Rahmen der wichtigen und gründlichen Ermittlung natürlich auch im Bundestag die Lokusbesuche des grünen Politikers Hans-Christian Ströbele ausspioniert, der als Mitglied des parlamentarischen Kontrollgremiums für die Kontrolle des BND zuständig ist, versteht sich von selbst.

Und auch die heimliche Online-Durchsuchung konnte endlich mal in der Praxis erprobt werden. So schreibt der Focus:

“Bei der Online-Durchsuchung der Computer von 49 BND-Mitarbeitern wurden auch private Laufwerke überprüft. Die Operation, die sich in erster Linie gegen den damaligen Referatsleiter richtete, sei schon drei Wochen vor Beginn des eigentlichen Disziplinarverfahrens gestartet worden.”

Wo offenbar der halbe Bundesnachrichtendienst damit beschäftigt war, dem Verdacht nachzugehen, im Bundeskanzleramt würde eine “kleine fette Schwuchtel” sitzen, da muss man den deutschen Spionen sicher nachsehen, dass sie keine Zeit dazu hatten, sich um unwesentliche Dinge wie den Notruf eines kurz darauf verhafteten BND-Agententeams im Kosovo zu kümmern.

Bisher hat Mein Parteibuch ja immer gedacht, die Leute sollten ihre Akten bekommen und der BND sollte aufgelöst werden. Schade wäre das natürlich um die vielen verlorenen Arbeitsplätze. Und irgendwas müssen die 6000 Leute da ja auch tun. Gibt man denen nichts zu tun, machen die womöglich nur Unfug. Jetzt bietet sich aber wohl ein Ausweg an. Man könnte nach der Offenlegung der Schnüffelakten da auch einfach ein Kamerateam von RTL reinschicken, das dann täglich eine neue Folge der Seifenoper “Angies Comedy Trupp Fremde Heere Ost” dreht. Die Show würde sicherlich ein absoluter Quotenrenner.

So viel zu lachen wie beim BND gibt’s selten. In der nächsten Folge wird den Zuschauern dann sicher mitgeteilt, welcher der Männer im Kanzleramt von Angela Merkel im Verdacht steht, eine “kleine fette Schwuchtel” zu sein.

Nachtrag 07.12.2008: So langsam wird deutlich, um was es wirklich geht. Die CDU/CSU und der Spiegel hätten gern den SPD-Mann Ernst Uhrlau beim BND rausgekickt und durch den CSU-Rechtsaußen vom Büro Beckstein, Klaus-Dieter Fritsche, ersetzt. Und wenn Michael Soiné der Mafia auf die Füße tritt, dann gefällt das der Mafia logischerweise gar nicht. Transatlantiker und die Erben alter Nazis mögen die Drei von der Gasprom-Tankstelle partout nicht. Um den SPD-Chef beim BND loszuwerden, ist natürlich keine Intrige zu peinlich und kein Trick zu schmutzig.

3 Kommentare zum Beitrag ““Kleine fette Schwuchtel””

  1. “Kleine fette Schwuchtel” - SaarBreaker sprach

    […] So viel zu lachen wie beim BND gibt’s selten. In der nächsten Folge wird den Zuschauern dann sicher mitgeteilt, welcher der Männer im Kanzleramt von Angela Merkel im Verdacht steht, eine “kleine fette Schwuchtel” zu sein. (Quelle: Mein Parteibuch) […]

  2. mein-parteibuch.com » BND droht Wikileaks mit Strafverfolgung sprach

    […] seine Leute noch nicht mal in der Lage sind, ihre Festplatten ordentlich zu verschlüsseln und sich von Online-Durchsuchungen reinlegen lassen? Richtig lustig wird das bestimmt für Ernst Uhrlau, wenn der Inhalt der Festplatten der […]

  3. BND droht Wikileaks mit Strafverfolgung - SaarBreaker sprach

    […] wo seine Leute noch nicht mal in der Lage sind, ihre Festplatten ordentlich zu verschlüsseln und sich von Online-Durchsuchungen reinlegen lassen? Richtig lustig wird das bestimmt für Ernst Uhrlau, wenn der Inhalt der Festplatten der BND-Leute […]

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