Nicht nur in Deutschland werden missliebige Internet-Publizisten und Journalisten gern mal ins Gefängnis gesperrt, sondern natürlich auch im Iran. Für Hossein Derakhshan, bekannt als Hoder, ist die Lage im Moment besonders brenzlig. Ihm wird offenbar Spionage für Israel vorgeworfen, worauf im Iran die Todesstrafe steht.
Nachdem er einst als gefeierter Star der von westlichen Massenmedien gefahrenen Anti-Iran-Kampagne nach Kanada ausgewandert war, hat Hoder dann irgendwann mitbekommen, dass die USA keine Kampagne zur Durchsetzung von Menschenrechten im Iran fahren, sondern das unmenschliche Regime der Mullahs dazu nutzen wollen, Kriegslust gegen den Iran zu schüren. Da Hoder billige Kriegspropaganda der USA genausowenig unterstützen wollte wie das Regime der Mullahs haben die Kriegstreiber ihren einst gefeierten Star dann ganz schnell fallen gelassen. Da es sich als Gegner des US-Imperialismus in Nord-Amerika auch nicht besser als im Iran lebt, hat Hoder vor ein paar Monaten beschlossen, zurück in den Iran zu gehen, obwohl ihm bekannt war, dass ihm im Iran wegen einer Reise nach Israel - das ist im Iran ein Straftatbestand - eine mehrmonatige Haftstrafe drohte.
Nach einigen Tagen relativer Ruhe im Iran, scheint Hoder nun eingesperrt worden zu sein. Besonders dramatisch daran ist, dass ihm iranischen Medienberichten zufolge nicht nur vorgeworfen wird, illegal nach Israel gereist zu sein, sondern auch für das zionistische Apartheidsregime spioniert zu haben. Anscheinend steht dahinter der Verdacht, Hoder habe einen Beitrag zu einer farbigen Revolution im Iran nach dem üblichen Muster der von den USA staatlicherseits geförderten Regierungsumstürze in aller Welt geleistet.
Der Vorwurf der Spionage für Israel könnte absurder kaum sein, schließlich gehörte Hoder selbst zu den schärfsten Kritikern von israelischen und amerikanischen klerikalen Fundamentalisten. Gefährlich ist daran jedoch, dass das Regime in Teheran kein Interesse an einer Entspannung wie von Hoder propagiert haben kann. Schließlich ist die einzige Rechtfertigung der Theokraten die Kriegspolitik von Israel und USA. Fiele das Spannungsmoment der Kriegspolitik weg, stünde das klerikale Regime in Teheran völlig ohne Legitimation da wie die US-Regierung oder die israelische Regierung. Hinter den Kullissen ziehen die Regimes von USA, Israel und Iran deshalb an einem Strang. So verwundert es nicht, dass die Mullahs im Iran mit den Kriegstreibern in den USA schon immer gemeinsame Sache gemacht haben.
Da mit Unterstützung durch westliche Massenmedien aufgrund seines Bruchs mit dem US-Imperialismus nicht zu rechnen ist, ist es umso wichtiger für unabhängige Medien, nun Aufmerksamkeit auf Hoder zu lenken. Das Regime in Teheran steht vor der Wahl, wie es sich der Welt präsentieren möchte: als religiös geprägte Kämpfer gegen den US-Imperialismus mit menschlichem Antlitz oder als mörderische Bande von Fanatikern. Free Hoder!
Nachtrag 10.01.2009: Seit dem 30.12.2008 ist es offiziell. Hossein Derakhshan wurde unter dem Vorwurf der Religionsbeleidigung inhaftiert.
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| Nikolaus |
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Danke, dass Du Dich der Sache angenommen hast. Der Fall “Hoder” hat mehr Interesse verdient - vor allem bei uns Bloggern.
Bezeichnend ist, dass von solchen Regimen auch Menschenopfer in Kauf genommen werden.
Menschenrechte zählen im Einzelfall nichts, wenn Machtpolitik betrieben wird.
Warum ist er denn in den Iran gereist? Hab dazu leider bisher nichts gelesen. Er ist doch eigentlich (auch) Kanadier.