Wer hätte das gedacht, dass Mein Parteibuch sich mal mit der Bitte an seine Leser wenden würde, Peter Struck zu helfen? Ausgerechnet Struck. Aber auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Und so ist das nur zu begrüßen, wenn Peter Struck nun lautstark die Abschaffung der fünf Wirtschaftsweisen fordert. Diese sogenannten Weisen würden vor allem viel heiße Luft produzieren, sagt Peter Struck.
Natürlich kann kein vernünftig denkender Mensch glauben, dass der Peter Struck das wirklich so meint, was er sagt. Aber wo Peter Struck anlässlich einer ihm nicht genehmen Vorhersage die Forderung nach Abschaffung der Wirtschaftsweisen nun schon mal öffentlich geäußert hat, freut er sich sicher über Unterstützung. Zumal von Wirtschaftsminister Michael Glos dazu noch nichts zu hören war, aber vielleicht hat der auch gerade bloß einfach keine Leute, die für ihn das Internet bedienen.
Die offiziell hochtrabend als “Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage der Bundesrepublik” bezeichneten Wirtschaftsweisen sind Kinder von Ludwig Erhard. Seit Ludwig Erhard sie geschaffen hat, sind die langatmigen Dummschwätzereien der sogenannten Wirtschaftsweisen in der Bundesrepublik Deutschland zu einer solchen Selbstverständlichkeit geworden, dass praktisch niemand mehr fragt, warum es die überhaupt gibt.
Als sich die Niederlage im zweiten Weltkrieg abzeichnete, versteckten viele Nazi-Größen und befreundete Superreiche ihr zusammengerafftes Vermögen im entfernten Ausland.
Nach dem Krieg machte Konrad Adenauer mit wohlwollender Protektion seines Schwagers John Jay McCloy sehr deutlich, dass er alte Nazis sehr schätzte. Die bevorzugte Wiedereinstellung von Nazis in den öffentlichen Dienst, die Berufung von Hans Globke zu seinem Staatssekretär und die Führung des BND durch Hitlers alten Geheimdienstchef Reinhard Gehlen machte alten Nazis unmissverständlich deutlich, dass sie die volle Protektion des Staatsapparates erhalten würden.
Ludwig Erhard gelang es, die Creme de la Creme der Wirtschaft des dritten Reiches davon zu überzeugen, dass sie ihr Vermögen in die Bundesrepublik Deutschland repatriieren könnten. Am besten ging das, wenn man Auslandsvermögen in Deutschland investierte. So war das Geld sauber wie frisch aus der Waschmaschine und niemand stellte dumme Fragen, ob es sich beim Vermögen der ehrenwerten Herren Alt-Nazis um Beutegut aus den Raubzügen der Nazis handelte.
Da den durch die heimliche Repatriierung von versteckten Vermögen erzielten wirtschaftlichen Effekt praktisch niemand so recht erklären konnte, wurde er kurzerhand Wirtschaftswunder genannt und Ludwig Erhard zum größten Wirtschaftsguru aller Zeiten ausgerufen. Als Ende der 50er Jahre die versteckten Vermögen alle wieder heim im Reich waren, war Ludwig Erhard klar, dass das mit dem Wirtschaftswachstum nicht so weitergehen würde und so war guter Rat teuer. Und Wirtschaftsguru Erhard tat, was jeder Politiker tut, wenn er mal nicht weiter weiß - er gründete einen Arbeitskreis.
Ja, und seitdem gibt es die Wirtschaftsweisen. Die Prognosen sind so zuverlässig wie Vorhersagen der Lottozahlen, die aus umfangreichen Analysen der statistischen Daten der Vergangenheit erstellt wurden. Die einzige Aufgabe besteht seit jeher darin, genau die Vorhersage zu machen, die sich derjenige wünscht, der den Weisen auf seinen Stuhl als Weisen gesetzt hat. So konnte schon Ludwig Erhard genau die Wirtschaftspolitik machen, die seine alten Freunde haben wollten. Und so ist es geblieben. Die Politik zur Mehrung des Reichtums der Reichen lässt sich immer schön mit dem Rat der Wirtschaftsweisen begründen. Sind die Leute später damit zufrieden, lässt sich der Politiker feiern, sind die Wähler unzufrieden, dann waren es die Weisen schuld.
Wenn die Weisen nun eine Rezension vorhersagen - was für ein Kunststück, nachdem das Kartenhaus der schuldenfinanzierten Kriegswirtschaft gerade zusammengebrochen ist -, dann ist das natürlich eine Ungeheuerlichkeit. Jedem Weisen dürfte klar sein, dass Peer Steinbrück dickes Wachstum braucht, damit sein Kriegshaushalt nicht allzu schnell ganz zur Makulatur wird. Und die Weisen mit ihren riesigen Mitarbeiterstäben sollen gefälligst nicht die Hand beißen, die sie füttert, sondern das Lied des Brötchengebers singen. Schon jetzt darauf zu spekulieren, dass die SPD nach der Wahl 2009 nichts mehr zu sagen hat, ist eine Gemeinheit sondergleichen.
Das heißt natürlich noch lange nicht, dass irgendein Weiser die Wahrheit sagt. Jedem Wirtschaftswissenschaftler ist klar, dass Markt eine staatliche Veranstaltung ist, aber keiner sagt es. Denn würde man es sagen, so müsste man im nächsten Schritt darüber nachdenken, wie man das Monopoly auf praktisch allen wichtigen Märkten effektiv knacken kann, so dass es auch das gibt, was einen Markt erst zum Markt macht: nämlich Wettbewerb.
Da private Unternehmen keinerlei Interesse daran haben, sich gegenseitig Konkurrenz zu machen, sondern im Gegenteil alles daran setzen, Konkurrenz auszuschalten, und die Kartelbehörden auch völlig zahnlos sind, müsste der Staat, wollte er Wachstum und eine gesteigerte Produktion erreichen, in all diesen Märkten mit staatlichen Unternehmen für Konkurrenz sorgen. Wenn der Staat damit droht, selbst als Mitspieler auf einem Markt einzusteigen, wenn im Zuge der Monopolisierung Arbeitsplätze abgebaut und in arbeitsrechtliche Entwicklungsländer verlagert werden, dann wäre das Geschäft des Abbaus von Arbeitsplätzen, so wie es “Finanzinvestoren” gegenwärtig betreiben, mit einem Schlag gestoppt.
Natürlich liegt das nicht im Interesse derjenigen, die die Monopolrenditen einstreichen. Und da diese Leute mit ihrem vielen Geld die Politik bestimmen, sagt das in der Politik niemand. Und weil’s die Politik nicht hören will, halten auch die Wirtschaftsweisen dazu brav ihren Mund. Solche Wirtschaftsweisen braucht niemand.
Also, sparen wir uns die Wirtschaftsweisen. Helft Peter Struck! Wirtschaftsweise sind doof!
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| Zwei Promianwälte |
Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
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Eigentlich vermisse ich die Tatsache, das die Wirtschaftsweisen immer nur dann etwas zu sagen haben, wenn eigentlich der letzte im Land das eigentlich auch schon gewusst hat.
Erst wenn alle medien über ein Thema und deren möglichen Ausgang berichtet haben, melden sich die Weisen zu Wort. Aber warum findet Herr Struck eigentlich das Produzieren heißer Luft nun fraglich ? Seine Partei nimmt hier doch eine Vorreiterrolle ein, wenn es um heiße Luft geht.
Vielleicht hat er aber auch nur Angst, dass die Wirtschaftsweisen der SPD den Rang ablaufen.
Wirtschaftsweise kochen auch nur mit Wasser; die dabei entstehenden Blasen platzen (s. Börsen) und heiße Luft entweicht (s. dazu Politik generell).
Eine neoliberale Ideologie zu vertreten ist sicher nicht weise. Sowas schadet - dem Volk nämlich.
http://www.bild...xt=6521570.html
“Der Wirtschaftsweise Bert Rürup wechselt zum Finanzdienstleister AWD. Das bestätigte das Unternehmen in Hannover. Der 65-jährige Chef des Sachverständigenrates werde den AWD bei Fragen der Vorsorge und -Altersentwicklung der Gesellschaft beraten, hieß es in der Mitteilung. Dem Sachverständigenrat gehört Rürup seit 2000 an. Das unabhängige Gremium begutachtet die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Rürup werde bei AWD für den Gesamtbereich „Ökonomische Analysen“ verantwortlich sein.”
Jetzt ist zusammengewachsen, was bereits zusammengehörte….
Dazu die Nachdenkseiten:
http://www.nach...iten.de/?p=3603
“Zerstören, um daran zu verdienen - Rürup in der Drehtür
Man spricht von „Drehtüreffekt“, wenn ein Politiker, Manager oder ein Wissenschaftler als späterer Berater oder Mitarbeiter eines Unternehmens die Früchte erntet, die er oder sie in der aktiven Zeit gesät hat. Professor Rürup hat - mit seiner vom Staat verliehenen Funktion als Vorsitzender des Sachverständigenrats im Rücken - die Bundesregierung in vielfältiger Weise beraten, herausragend als Vorsitzender der so genannten Rürup-Kommission. In dieser Kommission wurden die Weichen gestellt für die Privatisierung der Altersvorsorge. Rürup hat die ganze Zeit nebenher davon profitiert - durch Beratung der Profiteure der Privatisierung, durch Vorträge und Gutachten. Siehe Anlage 1. Jetzt wechselt er auch offiziell das Lager und wird zum Chefökonomen eines Unternehmens, das von der Privatisierung der Altersvorsorge unermesslich profitiert hat. Auf Kosten von uns allen, auf Kosten von uns Steuerzahlern, die für die Zulagen und Steuervergünstigungen von Riester-Rente und Rürup-Rente aufkommen müssen. Mit Anstand hat dies alles nichts mehr zu tun.”
der begriff der wirtschaftsweisen ist mir verhasst, besonders wenn ich ihn in den nachrichten alle halbe stunde hören muss. der weise sagt, und was dann kommt, ist so grottenschlecht niveaulos, daß ich mich seitdem dummkopf nenne.
Die meisten Wirtschaftsweisen sind Mietmäuler der Industrie und Finanzwirtschaft, Rürup ist da nur ein Fall. Beatrice Weder di Mauro ist beispielsweise “nebenbei” INSM-Mietmaul, Rürup zugleich beim Institut zur Zukunft der Arbeit als Förderer der Zwangsarbeit für Hilfeempfänger aktiv und ach bei der INSM häufiger Gast. Wolfgang Franz vom ZEW ist die gleiche neoliberale Suppe der Menschenfeinde und Wirtschaftsfaschisten. Diese Leute haben mit Weisheit nichts zu tun, eher diktieren sie der Regierung die Wunschlisten der Wirtschaft für Sozialraub, Lohndumping und Subventionen für Millionäre und Milliardäre. Auf diese Flachzangen könnte man also in der Tat verzichten, es gibt schon genügend Lobbyisten in Ministerien.