Mein Parteibuch berichtete am Freitag, dass die IP-Adressen von BVOE und LVP veröffentlicht wurden. Hektische Aktivitäten des T-Systems “Computer Emergency Response Teams” zeigen nun, dass es sich dabei offenbar tatsächlich um IP-Adressen vom Bundesnachrichtendienst gehandelt hat. Wikileaks hat dazu heute eine Presseerklärung herausgegeben.
Notfallsäuberung des BND nach Wikileaks Enthüllung
Zwischen Freitag Nacht und Sonntag Morgen fand eine grossangelegte Säuberungsaktion beim Europäischen Internet Adressregister (RIPE) zur Entfernung von Details zum Bundesnachrichtendienst statt.
Die Säuberung folgt einer Enthüllung von mehr als zwei Dutzend verdeckter BND-Netzwerke, die durch T-Systems bereitgestellt wurden. Die Netzwerke waren einer nicht im Handelsregister registrierten Tarnfirma mittels eines Münchner Postfachs zugewiesen.
T-Systems bereinigte die RIPE-Datenbank von allen Netzwerken, die durch Wikileaks enthüllt wurden und verschob die Adressen in verschiedene grosse Adresspools, um somit die Zuweisung zu anonymisieren. Die Pools geben ausser ihrer Zugehörigkeit zu T-Systems keine Auskunft über ihre interne Struktur.
Der Schachzug folgte wenige Stunden nach einer Kontaktaufnahme des T-Systems “Computer Emergency Response Teams” (CERT) mit Wikileaks, und der Bitte um sofortige Löschung eines internen Memos, das die Adressen auflistete. Wikileaks hat diese Anfrage verweigert und eine Anfrage an T-Systems zu mehr Details blieb bis zur Stunde unbeantwortet.
Eine Untersuchung der Adressen durch Wikileaks offenbart Schlüsselinformationen zu Internetaktivitäten des BND. Gewonnene Erkenntnisse beinhalten das Entfernen von Informationen aus dem Wikipedia-Artikel zum BND – welcher aussagte, daß ausländische Niederlassungen des Goethe-Instituts als verdeckte BND-Niederlassungen fungierten, Besuche auf Webseiten der russischen Regierung und einem Escort Service aus Berlin (Verführungsaktivitäten?), wie auch dem systematischen Durchkämmen des Internets zu Terrorismus-nahen Themen, wie dem Mordanschlag auf den Rebellenanführer Abu Musab Zarqawi im Irak. 2006 hatten sich hier zahlreiche Betreiber von Webseiten über ein ausser Kontrolle geratenes, automatisiertes Datamining ausgehend von den betreffenden Adressen beschwert.
Der Integrität und Transparenz des RIPE Systems wird hierbei nicht geholfen. Deutsche Bürger können sich hier über eine Doppelmoral nur wundern. In einer Zeit, in der mehr und mehr Adressen abgesegnet durch neue Gesetze zum Internet und der Vorratsdatenspeicherung aufgezeichnet werden im Zuge von “Stasi 2.0″, werden die Adressen der “wirklichen” Stasi in anonymisierte Adresspools verschoben.
Besonders lustig finden wir die Besuche auf den Webseiten eines “Escort Service aus Berlin”. Die Liebesfalle? Mal gespannt, wann der BND sich der Initiative gegen die Vorratsdatenspeicherung anschließt.
Das wäre dann sicher ein großer Gewinn für die Öffentlichkeitsarbeit gegen die Vorratsdatenspeicherung, denn dienstbare Journalisten stehen dem BND, wie der vor einiger Zeit bei Wikileaks publizierte zensierte Teil vom Schäfer Bericht zeigt, mehr als reichlich zur Verfügung.
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