Katze

Mein Parteibuch BlogNo Copyright - Kopieren erlaubt

Ein Internet-Tagebuch mit Katzenbildern

[Mission Statement] [Krieg ist illegal]

[International]   [Headlines]   [Forum]   [Wiki]   [Ticker]   [Mitmachen]

9. November 2008

“Ihre Peinlichkeit” Ulrich Clauß entdeckt das Internet

von @ 18:31. abgelegt unter Presseschau, Informationszeitalter, Medienmanipulation, Bürgerjournalismus

Ulrich Clauß ist Leitartikler bei der Welt und hat am 08.11.2008 einen Artikel “Das Internet als Kampagnenmaschine und Desinformationsquelle” im Internet veröffentlicht. Was Ulrich Clauß da geschrieben hat, ist einfach nur noch peinlich. Erstmal schreibt er:

“Unter einer dünnen Schicht redaktionell abgesicherter und namentlich verantworteter Marken-Informationsangebote besteht der weitaus größte Teil der Internetinhalte aus anonymem Meinungswissen, Gerüchten, übler Nachrede und mehr oder weniger professionell organisierter Desinformation.”

Stimmt. Genau deshalb genießt die Welt ja auch so wenig Glaubwürdigkeit. Aber natürlich erwartet auch niemand, der halbwegs bei Verstand ist, von Springers Bild für Intellektuelle ernsthaften Journalismus.

Lustig wird es aber nun, weil sich Ulrich Clauß nicht einmal entblödet, zum Beleg seiner Thesen zur “nutzergenerierten Medienwirtschaft” ausgerechnet folgendes Beispiel zu bringen:

“In den unredigierten Boards von CNN konnten jüngst interessierte Kreise ungeprüft das Gerücht vom Herzinfarkt des Apple-Managers Steve Jobs lancieren. Der Aktienkurs brach prompt kurzfristig um knapp sechs Prozent ein. Die Urheber haben sich wahrscheinlich an der Börse eine goldene Nase verdient.”

ZDNet berichtete zu dem Herzinfarkt-Fake am 24.10.2008:

“Das am 3. Oktober aufgetauchte Gerücht um einen Herzinfarkt von Steve Jobs hat ein Teenager in die Welt gesetzt. Wie Bloomberg berichtete, fanden Ermittler der Securities and Exchange Commission (SEC) heraus, dass es ein 18-Jähriger war, der die Story auf CNNs iReport-Seite publiziert hatte. … Die SEC versuchte herauszufinden, ob die Falschmeldung mit dem Ziel in die Welt gesetzt wurde, von Kursänderungen zu profitieren - und somit eine Straftat darstellt. Die Kommission konnte jedoch keine Hinweise darauf finden.”

Die für die Ermittlungen zuständige SEC hat also allem Anschein nach keinen Hinweis darauf, dass das von Ulrich Clauß gestreute Gerücht, “die Urheber haben sich wahrscheinlich an der Börse eine goldene Nase verdient”, der Wahrheit entspricht. Was Ulrich Clauß da von sich gibt, kann man also mit Fug und Recht als anonymes Meinungswissen, Gerüchte, üble Nachrede und mehr oder weniger professionell organisierte Desinformation bezeichnen. Weissgarnix entlarvt in einem ausführlichen Artikel auch den Rest des Leitartikels von “Ulrich Clauß” als Peinlichkeit.

Es ist natürlich schön für Ulrich Clauß, dass er, nachdem er vor seiner Tätigkeit bei Springers Lügenblatt “Koordinator des MDR Internet-Pilotprojektes” war, nun auch für sich selbst das Internet entdeckt. Und es ist natürlich peinlich für die Welt, dass sie jemanden wie Ulrich Clauß Leitartikel schreiben lässt, aber soll man Welt Online deswegen gleich ganz verbieten? Mein Parteibuch meint: Nein. Selbst Leute wie Ulrich Claus sollen das Recht haben, sich mit der Verbreitung von falschen Gerüchten im Internet zu blamieren. Wichtig ist es jedoch, durch eine demokratische und pluralistische Medienlandschaft dafür zu sorgen, dass falsche Gerüchte, wie sie von der Springerpresse gern gestreut werden, öffentlichkeitswirksam entlarvt werden.

5 Kommentare zum Beitrag ““Ihre Peinlichkeit” Ulrich Clauß entdeckt das Internet”

  1. Jakester sprach

    ““Unter einer fetten Schicht redaktionell un/abgesicherter und un/namentlich un/verantwortlicher Marken-Des/Informationsangebote besteht der weitaus größte Teil der Massen-Medieninhalte aus anonymem Meinungswissen, Gerüchten, Manipulation, Eskalationsstreben, Luegen, Lobbytum, Kommerz, Systemtreue, übler Nachrede und viel mehr denn weniger professionell organisierter Desinformation.””

  2. Der indirekt Rollstuhl-Geschädigte sprach

    Herr Clauss@WELT.DE, Ihre Formulierungen muß man nur ganz leicht umstellen:

    “Unter einer dünnen Schicht redaktionell ausgekungelter, aber nicht abgesicherter Meinungsmache, Gerüchten, übler Nachrede und wenig professssioneller Marken-Desinformation besteht der weitaus größte Teil der Zeitungsinhalte aus abgeschriebenen Agenturmeldungen.”

    Schon passts. Na danke!

  3. » Wer beklagt sich da so laut über Kampag … Nachtwächter-Blah sprach

    […] über Kampagnen und Desinformation im Internet? Der Springer-Verlag!!!!1! *kopfklatsch* Auch das Parteibuch kann da nicht mehr an sich halten… […]

  4. chriwi sprach

    Sind das nicht die Selben, die die Bildzeitung vertreiben? Bloß weil man Geld dafür kriegt Informationen zu schreiben, drucken, zeigen, was auch immer, müssen diese nicht besser sein. Um das zu untermauern braucht man nur 10min pro 7 (jetzt kommen mal wieder aliens) oder die bild zeitung ansehen.

  5. Freie Kommunikation im Internet « KOPIS.DE sprach

    […] aber ich muss heute noch einmal darauf zurückkommen und mich weiter aufregen. Und natürlich regen sich auch andere darüber auf. Und zwar zu […]

Kommentieren (Erlaubte Tags)

Gedächtnisaustellung GG
Gedächtnisaustellung GG
Copyleft2006 Lurusa Gross

Mirrors

Recherche

Autorenchat

Netradio

Aktionen

Parteibuch Forum

Letzte Kommentare

Ältere Beiträge

Archiv

November 2008
M D M D F S S
« Okt   Dez »
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930

Literaturtip

Tod im Milliardenspiel

Umfrage zu 9/11

Werbung

Information zu
Internetvictims

Kapitel

Sonstiges

Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei

Sponsored Links

RSS-Feeds

Termine

Neu im Parteibuch Wiki

Parteibuch Ticker (Feed)

International (Feed)

Media News Clips

Counter & Stuff

[34 queries. 2.010 seconds. 7 level2 caches. Top ]