Vorgestern berichtete die taz, dass Özcan Mutlu, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, in den Bundestag will. Ursprünglich habe der grüne Bildungspolitiker ja bloß eine Bewerbung für den ziemlich aussichtslosen Platz vier der Landesliste der Berliner Grünen eingereicht, doch nun hätten ihn “viele Freunde ermutigt, weiter vorne anzutreten”. Wer die “vielen Freunde” waren, steht da nicht. Platz zwei, auf dem auch Wolfgang Wieland kandidiert, hätte Özcan Mutlu nun gern.
Bildung und Integration seien seine Schwerpunktthemen. Es gebe kaum jemanden bei uns Grünen, der diese Themen so stark mit seiner eigenen Biographie verkörpert wie er, wird er in der taz zitiert. “Ich bin ein authentisches Gesicht, dass die gesellschaftlichen Realitäten der Republik wiederspiegelt”, lässt er sich in der taz zitieren.
Auf den ersten Blick sieht das auch gut aus, denn Bildungspolitiker mit eigenem Migrationshintergrund gibt es im Bundestag wirklich viel zu wenige. Was jedoch weder in seiner Bewerbung um den Listenplatz noch im taz-Artikel steht, ist, dass sich Özcan Mutlu gleich von mehreren sehr zweifelhaften Netzwerken zum “Young Leader” ernennen ließ. Auch im deutschsprachigen Teil seiner Webseite wird das nicht gerade auf den ersten Blick deutlich. Im nicht in erster Linie für das deutsche Publikum bestimmten englischsprachigen Teil seiner Seite verkündet Özcan Mutlu jedoch selbstbewusst, er sei 2000 Young-Leader Atlantik-Brücke, 2006 Marshall-Memorial-Fellow des German Marshall Fund und 2007 German-Israeli-Young-Leader der Bertelsmann-Stiftung geworden. Prost Mahlzeit.
Die Atlantik-Brücke ist Kern eines mächtigen vom schwarzen Adenauer organisierten transatlantischen Netzwerkes in Deutschland. Ehrenvorsitzender ist der in der CDU-Spendenaffäre als Mann mit dem Koffer bekannt gewordene CDU-Politiker Walter Leisler Kiep, Vorsitzender des Kuratoriums der Atlanitk brücke ist der Aufsichtsratsvorsitzende von Morgan Stanley in Deutschland, Lutz R. Raettig, der ganz nebenbei auch im Strippenzieherclub der Großindustriellen der CDU, dem Wirtschaftsrat sitzt. Wer mehr über diesen mächtigen Club der Großindustrie wissen will, mag sich mal den Artikel „Marktradikale Pressure Groups: Macher hinter den Kulissen” durchlesen.
Für die Bildungspolitik ist in Deutschland aber eher die milliardenschwere Bertelsmann-Stiftung zuständig, die mancher seit der von ihr betriebenen Machtüernahme durch Liz Mohns Freundin Angela Merkel als heimichen Herrscher von Deutschland betrachtet. Sie ist Vorreiter bei der Ökonomisierung von Bildung und Privatisierung von Bildungspolitik, wie Monika Witsch bei den Nachdenkseiten im Detail erläutert. Jens Wernicke und Torsten Bultmann haben mit “Netzwerk der Macht - Bertelsmann. Der medial-politische Komplex aus Gütersloh” über die Umgestaltung Deutschlands durch diesen mächtigen Kraken ein umfasendes Buch vorgelegt. Im Bildungswiki der Aktivisten von “Bildung schadet nicht” ist der bildungsfeindliche Polit- Medien- und Lobbykrake Bertelsmann eines der wichtigsten Themen.
Und nun will ein Young Leader der Bertelsmann Stiftung deshalb in den Bundestag, um dort besonders authentische grüne Bildungspolitik machen zu wollen? Hätte der “Global Leader of Tomorrow” Cem Özdemir nicht gerade ähnliches probiert, könnte man sagen, das sei nichts als ein schlechter Witz.
Nachtrag 07.11.2008: Die Privatisierung der Bildung mit Beteiligung der Grünen läuft schon auf vollen Touren. Jens Wernicke hat dazu heute bei den Nachdenkseiten den Artikel “Teach First Deutschland und die Privatisierung (zuerst) der Lehrerausbildung” geschrieben. Zur Bildungsprivatisierung gibt es da auch einen Link auf ein Dokument der Anti-Bertelsmann-Initiative, wo - natürlich - auch Bertelsmann mal wieder eine wichtige Rolle spielt.
Nachtrag 10.11.2008: Die Würfel sind gefallen. Auf die als sicher geltenden Plätze eins und zwei wurden Renate Künast und Wolfgang Wieland gewählt, der dritte unsichere Platz ging an Lisa Paus. Özcan Mutlu gewann nur Platz vier und wird demnach aller Voraussicht nach nicht in den Bundestag kommen.
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| Heiliger Eid |
Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
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Ein Zitat aus einem alten Spiegel* Artikel … “Strellson und Sonnenblume”
Was ist eigentlich grüne Identität?
Vielleicht ist Cem Özdemir grüne Identität. In seinem Vorzimmer im Jakob-Kaiser-Haus stehen zwei Regale mit Ordnern, in denen er die Artikel über sich sammeln lässt. Es liegen vier Stapel mit Fotos von ihm aus und ein paar CDs, die er auf schwäbisch besprochen hat. Sein Büro sieht aus wie ein Souvenirshop.
Özdemir, 36, greift in seine schwarze Anzugtasche und zieht drei Autogrammkarten hervor. “Für jede Generation eine”, sagt er, “für die Jungen, für die Älteren und für die Internet-Freaks.” Drei verschiedene Autogrammkarten hatte nicht mal Lothar Matthäus zu seinen besten Nationalelf-Zeiten.
Dann fällt der Abgeordnete Özdemir in einen schwarzen Sessel hinter einem schwarzen Schreibtisch und sagt: “Also für die Wahl, da hab ich ein gutes Gefühl.”
Die Wahl findet ja streng genommen zum zweiten Mal in diesem Jahr statt. Schon im Februar waren Baden-Württembergs Grüne zum Listenparteitag beieinander, und dann musste die Veranstaltung mittendrin abgebrochen werden, weil man festgestellt hatte, dass nach einem Computerfehler zwei Delegierte zu viel im Saal waren. Özdemir hat damals allerdings schon gemerkt, dass es für ihn laufen könnte, wie es immer läuft. Er kriegt immer die meisten Stimmen.
Es gibt andere Abgeordnete, sagt er, die diese Verlängerung nutzen mussten, um noch mal aufzufallen. Er nicht. Es lief von selbst. Vor kurzem kam diese Anzeigenkampagne in die Zeitungen, in der er für den Herrenausstatter Strellson wirbt. Er guckt darauf, als wäre er gern James Dean. Die Kampagne hat der Bewerbung jedenfalls nicht geschadet. Die Macht eines Abgeordneten hängt ja auch davon ab, wie oft sein Gesicht gedruckt wird.
Wozu brauchen die Grünen ihn eigentlich?
Cem Özdemir ruft seine Sekretärin an. Sie soll mal sein Bewerbungsschreiben für den Parteitag bringen. Da steht alles drin, sagt er.
Die Sekretärin bringt ein DIN-A4-Blatt, das nicht voll geschrieben ist. “Was, so wenig ist das nur geworden?”, fragt Özdemir.
Mehr ist nicht, mehr muss auch nicht sein. Özdemirs politische Botschaft ist, dass es Özdemir gibt. Einen Sohn türkischer Einwanderer, der es in den Bundestag geschafft hat. Mit Anfang dreißig schrieb er seine Memoiren (”Ich bin Inländer. Ein anatolischer Schwabe im Bundestag”). Er ist für mehr Toleranz zwischen Ausländern und Deutschen und trägt Strellson-Anzüge. Mehr ist nicht.
Aber er kann besser schwätzen als Fritz Kuhn und Rezzo Schlauch zusammen. Er saß nicht in der Kommission, die das Zuwanderungsgesetz aushandelte, aber er hatte immer etwas zu sagen.
Und an dem Tag, an dem der Bundesrat sein billiges Theater aufführte, machte Özdemir großes Kino. Er hatte jede Menge Kameras und 42 Türken in die Parteizentrale einbestellt. Die Türken sollten an diesem Tag Mitglieder bei den Grünen werden. Er gab ihnen Küsse auf ihre Wangen, verteilte Sonnenblumen und Antragsformulare und sprach deutsch, schwäbisch und türkisch. Er ist der Günther Jauch der grünen Partei.
“Ich will erreichen, dass es Leute gibt, die sagen: Euch Grüne kann man nicht wählen. Aber der Özdemir - bella figura”, sagt er. Wahrscheinlich ist Özdemir ein bisschen größenwahnsinnig.
Und natürlich Miles and more Sammler

…und einer der profiliertesten Leader of the Global Asshole Souts
…oder hab ich da gerade die falschen Zitate erwischt… Sorry, Özi & LOL oder bin schon wieder IRL?
4YEO* DER SPIEGEL 15/2002 - 08. April 2002
4YEO
DER SPIEGEL 15/2002 - 08. April 2002
URL: http://www.spie...,190610,00.html
[…] “Young Leader” Özcan Mutlu möchte in den Bundestag […]
[…] Ein “young leader” möchte in den Bundestag An alle vor allem Berliner Wähler: Wir bitten um gefällige Beachtung. […]