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30. Oktober 2008

Wikipedia macht bei der Quellenauswahl einen dicken Fehler

von @ 19:16. abgelegt unter Informationszeitalter, Bürgerjournalismus, Blogosphäre

In den als anouphagos bekannten Seitenhieben von Dennis Schmolk ist gerade ein kurzer Beitrag mit Titel “Die Arroganz der etablierten Medien” erschienen. Auf den dummen Versuch der deutschen Nationalbibliothek, mehr oder minder das ganze deutsche Internet über alle Zeitachsen auf Kosten der Webseitenbetreiber in Form einer Bibliothek spiegeln zu wollen, lohnt es nicht, noch weiter einzugehen. Aber die Diskussion der Frage, welche Publikationen Journalismus, Wissenschaft und dem Web 2.0 selbst als Quelle dienen können, die ist es Wert, da nochmal näher was zu zu sagen.

Ein nach eigenen Angaben 16-jähriger Wikipedia-Nutzer hat mit dem lapidaren Kommentar “Blogs sind als Weblinks ungeeignet”, der beinahe durch die umfangreichen Wikipedia-Richtlinien zu Weblinks in der Wikipedia gedeckt ist, einen Link zu einem E-Commerce-Blog im Artikel zu Social Commerce aus der Wikipedia entfernt. Die Links auf Texte, die in FAZ, Focus und Spiegel zu dem Thema veröffentlicht wurden, stehen hingegen bis heute in dem Wikipedia-Artikel.

Der Blogger Alexander Graf, dessen Link da entfernt wurde, war darüber wenig erfreut und hat dazu einen Beitrag geschrieben. Gerald hat darauf geantwortet und sinngemäß geschrieben, es könne passieren, dass in einem Blog mal was besseres steht als auf Spiegel sollte wohl auf den Inhalt des verlinkten Artikels ankommen. Rorkvell wirft den Wikipedianern dazu Snobismus und Arroganz vor. Robert Basic hingegen meint, dass Wikipedianer und Blogger auf derselben Seite stehen, da sie allesamt von den Etablierten angezweifelt werden.

Das hilft jedoch wenig, denn bis eine neue Linkdiskussion bei Wikipedia zu praktischen und praktikablen Ergebnissen kommt, fließt, wie die Erfahrung lehrt, wenn es überhaupt dazu kommt, eine Menge Wasser den Rhein runter. Und derweil wird eben gelöscht, was das Zeug hält, von jedem, der sch dazu berufen fühlt. Dabei ist das Problem ein wirklich wichtiges, zumal wenn man da nicht nur über allgemeine Weblinks, sondern auch über als Einzelnachweise verwendete Quellen diskutiert. Die Wikipedia-Regularien zu den Belegen bevorzugen nämlich auch die Massenmedien in erheblicher Weise. Der dadurch gemachte Fehler ist gigantisch. Journalisten in größeren Medien müssen auf milliardenschwere Werbekunden und die Ansichten der oft milliardenschweren Eigentümer Rücksicht nehmen. Sollten sie eine Meinung haben, die mit der Meinung der Milliardäre nicht kompatibel ist, oder Tatsachen veröffentlichen, die dem Ansehen der Milliardäre abträglich ist, fliegen sie bei nächstbester Gelegenheit raus. Was in den Medien veröffentlicht wird, ist ein eher als PR denn als Journalismus zu bezeichnen. Wo unbequeme Ansichten mit der Vernichtung der Existenz bestraft werden, gibt es keinen Journalismus. Kaum besser ist die Situaton bei der von der Wikipedia auch sehr geschätzten Wissenschaft, wo lauter Professor Mauschelhüstchens gesponsort von der Versicherung für Kohlen und Reibach ganz wissenschaftlich laufend zufällig zu genau den Ergebnissen kommen, die die Versicherung gerade braucht. So laufen die Richtlinien der Wikipedia zu den Quellen auf das simple Prinzip “Recht hat, wer Kohle hat” hinaus.

Was kurzfristig als Lösung bleibt, ist, wie das ein Kommentator in einem weiteren Artikel von Alexander Graf zum Thema Blog-Links in Wikipedia vorgeschlagen hat, das Erschaffen von Alternativen zur Wikipedia.

Das Parteibuch Wiki ist so eine Alternative zur Wikipedia für Menschen, die ihre Mitmenschen aus Überzeugung informieren und es satt haben, dass ihre Informationen aus der Wikipedia immer wieder gelöscht werden. Inzwischen stehen im Parteibuch Wiki fast 2000 Artikel. Zum Thema Quellen wurden da heute folgende Leitlinien vorgeschlagen:

Quellen
Belege deine Aussagen mit Quellen und verlinke darauf. Aus der Luft gegriffene Behauptungen schaden der Reputation des Parteibuch Wiki und können im Falle von negativen konnotierten Aussagen eine Verletzung der Rechte Dritter darstellen.

Glaubwürdigkeit von Quellen
Im Parteibuch Wiki wird die Glaubwürdigkeit von Quellen anders als in der Wikipedia eingestuft. Im Parteibuch Wiki werden unabhängige Quellen wie Zeugenberichte in privaten Weblogs tendenziell als glaubwürdig eingestuft als finanzstarke Medien. Große Medienpublikationen haben generell den Nachteil, dass sie auf de Interessen von Werbekunden und Eigentümer Rücksicht nehmen müssen und deshalb nicht die Wahrheit schreiben können.

Spin von Quellen
Bei der Auswahl von Quellen für das Parteibuch Wiki soll nach Möglichkeit darauf geachtet werden, dass die Quellen möglichst wenig durch einen von oben aufgezwungenen Spin propagandistisch eingefärbt sind. Da die Gefahr eines für Außenstehende nicht sichtbar aufgezwungenen Spins im Sinne der Interessenvon Milliardären ist in der Milliardärspresse und den Kanälen der politisch kontrollierten öffentlich-rechtlichen Medien besonders groß ist, sind unabängige Medien wie Weblogs, deren Autoren aus Überzeugung informieren, bei der Quellenauswahl zu bevorzugen.

Der Artikel Social Commerce hätte im Parteibuch Wiki so übrigens sicher nichts zu suchen. Er ist vielmehr in seiner Gänze ein Beispiel dafür, was bei der Wikipedia schief läuft.

Der Schwerpunkt des Parteibuch Wiki liegt auf Politik, Medien und Geheimdiensten. Propaganda, Schleichwerbung und Volksverdummung wird schonungslos entlarvt. Vielleicht hat ja der ein oder andere Leser Lust, im Parteibcuh Wiki seine kritischen Anmerkungen zu Politikern abzuspeichern, die Schönschreibe-Admins wie TMFS aus der Wikipedia so gern rauslöschen?

2 Kommentare zum Beitrag “Wikipedia macht bei der Quellenauswahl einen dicken Fehler”

  1. Peterle sprach

    Wo aufwändige PR im Spiel ist, wird die Wikipedia sowieso geschönt bis sich die Balken biegen, egal wie nun die “Richtlinien” da im Detail aussehen mögen.
    Blogs schreiben über dies und das, wenn man zu einem ganz bestimmten Wikipedia Eintrag sofort vertiefende Infos möchte, sind Blogs da wirklich meistens nicht besonders hilfreich!
    Die typischen Parteibuch-Themen sind allerdings besonders kontrovers, da gibt es ausser Zeitungsartikeln und Blogs ja eigentlich eh keinen Content im Netz, aber bei Wissenschaft und Technik z.B. sieht das ganz anders aus. Wenn man da zu einem ganz bestimmten Thema weiterführende Informationen in einem Webverzeichnis sucht, wünscht man sich i.d.R. schon, dass da stärker sortiert und gelöscht würde. Wirklich in die Tiefe gehende Texte sind zwar oft vorhanden, aber zwischen all den oberflächlichen Erwähnungen und Aufmerksamkeitsverlinkern kaum zu finden.
    Ansonsten Glückwunsch zum Parteibuch Wiki, das ich seit langem regelmäßig als wertvolle Informationsquelle und Ablage benutze!

  2. Tilman sprach

    Die deutsche Wikipedia ist ein Nest der Arroganz mit einem dementsprechenden Umgangston. Ich hatte mich dort zunächst sehr engagiert, insb. zum Thema scientology und Sekten, aber auch anderes; nachdem aber im scientology Artikel immer mehr Unfug eingefügt wurde (”Szientismus”) und belegte Fakten (Stille Geburt) entfernt wurden hatte ich irgendwann genug meine Zeit und mein Wissen zur Verfügung zu stellen, und tagtäglich angegriffen zu werden (mit Methoden die scientology alle Ehre machen würde!). Viele Wikipedia Artikel sind aufgrund der “Relevanzkriterien” weitgehend unbrauchbar - alles was “interessant” wäre, wird als nicht relevant herausgelöscht, auch wenn es sauber belegt wird.

    Beispiel: Bei Ute Ohoven
    http://de.wikip...enriette_Ohoven
    fehlen seit einigen Monaten die Hinweise auf die öffentliche Kritik an der Verwendung der Spenden. So kann einer umstrittene Person reingewaschen werden.

    Insofern stimme ich zu, dass die Lösung wohl kleinere Wikis sind, in dem sich kleinere effiziente Gemeinschaften zusammenfinden.

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