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| Wer ist hier arbeitslos? |
| CC 2008 Urs1798 |
Roger berichtete heute Neues aus der Anstalt, äh, falsch, Arbeitsagentur sagt man ja nun. Die Deutsche Wochenschau, äh falsch, Tagesschau sagt man ja nun, berichtete heute, dass die Arbeitslosenzahl im Oktober 2008 unter Drei-Millionen-Marke gesunken sei und zog nach:
“Bundesarbeitsminister Olaf Scholz sagte, das Unterschreiten der Drei-Millionen-Marke sei “ein trotziges Signal der Zuversicht” angesichts der vielen schlechten Meldungen von Banken und Börsen.”
Hurra, bald ist nun wohl der Endsieg im Krieg gegen die Arbeitslosen erreicht. Folker Hoffman glaubt nicht daran. Er kommentiert die heutige Sondermeldung trocken:
“Nach Stalingrad gab es keine Sondermeldungen mehr. Die Kriegslügen waren zu offenbar, als das die Menschen ihnen noch Glauben schenkten.”
Ach, übrigens, Roger berichtete in seiner Meldung, dass laut Bild von heute die Arbeitslosenzahl auf unter drei Millionen gesunken ist und in einer anderen Meldung von heute schrieb, es können sich angeblich sieben Millionen Hartz-IV-Bezieher Hoffnung auf ein paar Euro mehr machen. Wie um Himmels Willen konnte die total seriöse *hüstl* Tagesschau diese positive Nachricht für viele der neun Millionen Einkommenslosen heute bloß vergessen? Macht nichts. Da war nach soviel Olaf Scholz vermutlich einfach kein Platz mehr.
PS: Wir danken auch dem deutschen Nachrichtenbüro, äh, falsch, Deusche Presse-Agentur sagt man ja nun, für die dienstbare Verbreitung der Sondermeldung.
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| Ich bestimme |
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In der DDR gab es ein schönes Sprichwort:
Man glaubt nur der Statistik, die man selbst gefälscht hat!
Die Arbeitslosenstatistik in diesem Staat ist nicht das Papier wert auf der sie steht, Leiharbeiter, Arbeitslose in Weiterbildungsmaßnahmen, Harz-IV-Empfänger also Geringverdiener, alle diese sind nicht mehr in der Statistik, real haben wir 12,5 Millionen Arbeitslose!
Silberling hat die Gruppe derjenigen, die resignieren und nicht mehr bereit sind für ein Almosen 60 Formulare auszufüllen, vernachlässigt.
Dabei kann man doch dem Quartalsbericht der Arbeitsagentur eindeutig entnehmen, daß viele Menschen in der Statistik nicht auftauchen. Die Arbeitsagentur gibt also selber öffentlich zu, daß die Arbeitslosenzahl eine Mogelpackung ist. Lesen die nicht mal ihre eigenen Berichte ?
Ich protestiere!
Die oben genannten Nachrichten machen Null Sinn!
Die Finanzkrise müsste man jetzt eigentlich als Verursacher für Horrormeldungen über den Arbeitsmarkt nutzen, um die Wähler zu verängstigen und dann mit charismatischer Bühnenperformance für die Wiederwahl einzuschwören.
Naja, vielleicht ist es dafür auch einfach noch zu früh, und jetzt wird im TV nochmal richtig der romantische Weichzeichner aufgedreht, damit die Leute sich später daran erinnern, wie schön es vor der Rezession war und es ihnen noch mehr weh tut!
[…] Hurra, bald ist nun wohl der Endsieg im Krieg gegen die Arbeitslosen erreicht. Folker Hoffman glaubt nicht daran. Er kommentiert die heutige Sondermeldung trocken: mehr bei mein-parteibuch.com… […]
@peterle
Das is doch das Ass was sie sich aufheben. Momentan sonnt sich unsere Bundes Angie mit ihrem 500Mrd Packet in der Sonne der Medien. Man stelle sich vor sie hätte das Geld an alle Wähler verschenkt. Sie hätte keine Probleme bei der Wiederwahl.
#1 Silberling:
In der Statistik fehlen auch die aus der Arbeitslosigkeit bzw. den Harz IV-Empfängern hervorgegangenen Frührentner(Innen)
Die Statistik sagt zumindest aus, daß Propaganda in diesem Land wieder ganz groß geschrieben wird (via “Volksempfänger” Tagesschau etc.). Und wenn die Finanzkrise erst richtig durchschlägt wird auf die “guten alten Zeiten” (=2008) verwiesen, wo man ja doch so wenig Arbeitslose hatte und alles so prima lief. Großartige Politik - .
Trefflicher als Duckhome hätte ich es nicht ausdrücken können. Zitat vom Ende seines Artikels:
**Tucholsky zur Finanzkrise:
Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!
Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.
Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.
Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken,
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!
Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.
Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.
Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!
Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.
Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird ein bisschen Krieg gemacht.
Kurt Tucholskys (1890-1935) veröffentlichte dieses Gedicht 1930 in der
Wochenzeitschrift «Die Weltbühne».
(Anmerkung der Redaktion: Tatsächlich ist das ein Kuckucksei, das offenbar vom österreichischen Ultrarechten Richard G. Kerschhofer stammt)
@10
In meinem “Tucho” kommt das Gedicht nicht vor.
In meiner “Geschichte” gab´s ´30 keine Derviate.
Und
Tucholsky gönnte Überschriften
[…] zu arbeiten. Damit die deutsche Propaganda ordentliche Erfolge im Krieg gegen die Arbeitslosen sondervermelden kann, wird die Arbeitslosenzahl vor der Bundestagswahl 2009 natürlich wie üblich über eine […]