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30. Oktober 2008

Sondermeldung - Nur noch drei Millionen Arbeitslose

von @ 20:48. abgelegt unter ALG II, Deutschland, Tagesschau.de, Medienmanipulation
Wer ist hier arbeitslos?
Wer ist hier arbeitslos?
CC 2008 Urs1798

Roger berichtete heute Neues aus der Anstalt, äh, falsch, Arbeitsagentur sagt man ja nun. Die Deutsche Wochenschau, äh falsch, Tagesschau sagt man ja nun, berichtete heute, dass die Arbeitslosenzahl im Oktober 2008 unter Drei-Millionen-Marke gesunken sei und zog nach:

“Bundesarbeitsminister Olaf Scholz sagte, das Unterschreiten der Drei-Millionen-Marke sei “ein trotziges Signal der Zuversicht” angesichts der vielen schlechten Meldungen von Banken und Börsen.”

Hurra, bald ist nun wohl der Endsieg im Krieg gegen die Arbeitslosen erreicht. Folker Hoffman glaubt nicht daran. Er kommentiert die heutige Sondermeldung trocken:

“Nach Stalingrad gab es keine Sondermeldungen mehr. Die Kriegslügen waren zu offenbar, als das die Menschen ihnen noch Glauben schenkten.”

Ach, übrigens, Roger berichtete in seiner Meldung, dass laut Bild von heute die Arbeitslosenzahl auf unter drei Millionen gesunken ist und in einer anderen Meldung von heute schrieb, es können sich angeblich sieben Millionen Hartz-IV-Bezieher Hoffnung auf ein paar Euro mehr machen. Wie um Himmels Willen konnte die total seriöse *hüstl* Tagesschau diese positive Nachricht für viele der neun Millionen Einkommenslosen heute bloß vergessen? Macht nichts. Da war nach soviel Olaf Scholz vermutlich einfach kein Platz mehr.

PS: Wir danken auch dem deutschen Nachrichtenbüro, äh, falsch, Deusche Presse-Agentur sagt man ja nun, für die dienstbare Verbreitung der Sondermeldung.

13 Kommentare zum Beitrag “Sondermeldung - Nur noch drei Millionen Arbeitslose”

  1. Silberling sprach

    In der DDR gab es ein schönes Sprichwort:

    Man glaubt nur der Statistik, die man selbst gefälscht hat!

    Die Arbeitslosenstatistik in diesem Staat ist nicht das Papier wert auf der sie steht, Leiharbeiter, Arbeitslose in Weiterbildungsmaßnahmen, Harz-IV-Empfänger also Geringverdiener, alle diese sind nicht mehr in der Statistik, real haben wir 12,5 Millionen Arbeitslose!

  2. Harry Schwiebert sprach

    Silberling hat die Gruppe derjenigen, die resignieren und nicht mehr bereit sind für ein Almosen 60 Formulare auszufüllen, vernachlässigt.

  3. elmar sprach

    Dabei kann man doch dem Quartalsbericht der Arbeitsagentur eindeutig entnehmen, daß viele Menschen in der Statistik nicht auftauchen. Die Arbeitsagentur gibt also selber öffentlich zu, daß die Arbeitslosenzahl eine Mogelpackung ist. Lesen die nicht mal ihre eigenen Berichte ?

  4. Peterle sprach

    Ich protestiere!
    Die oben genannten Nachrichten machen Null Sinn!
    Die Finanzkrise müsste man jetzt eigentlich als Verursacher für Horrormeldungen über den Arbeitsmarkt nutzen, um die Wähler zu verängstigen und dann mit charismatischer Bühnenperformance für die Wiederwahl einzuschwören.
    Naja, vielleicht ist es dafür auch einfach noch zu früh, und jetzt wird im TV nochmal richtig der romantische Weichzeichner aufgedreht, damit die Leute sich später daran erinnern, wie schön es vor der Rezession war und es ihnen noch mehr weh tut!

  5. Explosiv-Blog » Blog Archive » Sondermeldung - Nur noch drei Millionen Arbeitslose sprach

    […] Hurra, bald ist nun wohl der Endsieg im Krieg gegen die Arbeitslosen erreicht. Folker Hoffman glaubt nicht daran. Er kommentiert die heutige Sondermeldung trocken: mehr bei mein-parteibuch.com… […]

  6. chriwi sprach

    @peterle

    Das is doch das Ass was sie sich aufheben. Momentan sonnt sich unsere Bundes Angie mit ihrem 500Mrd Packet in der Sonne der Medien. Man stelle sich vor sie hätte das Geld an alle Wähler verschenkt. Sie hätte keine Probleme bei der Wiederwahl.

  7. Rolf Schälike sprach

    #1 Silberling:
    In der Statistik fehlen auch die aus der Arbeitslosigkeit bzw. den Harz IV-Empfängern hervorgegangenen Frührentner(Innen)

  8. Name²³ sprach

    Die Statistik sagt zumindest aus, daß Propaganda in diesem Land wieder ganz groß geschrieben wird (via “Volksempfänger” Tagesschau etc.). Und wenn die Finanzkrise erst richtig durchschlägt wird auf die “guten alten Zeiten” (=2008) verwiesen, wo man ja doch so wenig Arbeitslose hatte und alles so prima lief. Großartige Politik - .

  9. Silberling sprach

    Trefflicher als Duckhome hätte ich es nicht ausdrücken können. Zitat vom Ende seines Artikels:

    Zuerst gab es Systembanken die unbedingt erhalten werden mussten, jetzt gibt es Systemindustrien. Natürlich wird dadurch kein Arbeitsplatz gerettet. Das Spiel mit dem Arbeitsplatzabbau geht fröhlich weiter und die Staaten treiben immer mehr Arbeitnehmer in die Leih- oder besser Sklavenarbeit. Um die Systemindustrien zu schützen wird es bald sicher auch Tarifbegrenzungen geben, natürlich nur auf Zeit, bis alles wieder gut ist. Selbstverständlich werden die Arbeitszeitverordnungen den Bedürfnissen der ach so wichtigen Systemindustrien untergeordnet. Dann werden die Zulieferer in ihren Preisen von Staatsseite aus gedeckelt.
    Natürlich macht man dann Gesetze für alles was systemerhaltend oder doch zumindest systemnah ist. Das was man im Endeffekt dann erreicht hat, ist die Planwirtschaft. Es muss ja geplant werden, um die Systembanken, den Systemhandel, die Systemdienstleistung und die Systemindustrie aufeinander abzustimmen. Da dieser Vorgang weltweit fast zeitgleich passiert, gibt es auch keine Systemalternative. Der allumfassende Staat und seine Planwirtschaft sorgen für alles. Keine Sorge, das wird keine neue DDR. Dort nahm die Partei ja wenigsten noch ein wenig Rücksicht auf die Menschen. Die neue Planwirtschaft wird die Menschen nicht mehr berücksichtigen. Sie braucht nur Sklaven. Nur in einem wird sie der ehemaligen DDR gleichen. Sie wird auch eine Diktatur sein. Aber zumindest darin kennt sich Frau Merkel ja aus.

  10. allesschonmaldagewesen sprach

    **Tucholsky zur Finanzkrise:

    Wenn die Börsenkurse fallen,
    regt sich Kummer fast bei allen,
    aber manche blühen auf:
    Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

    Keck verhökern diese Knaben
    Dinge, die sie gar nicht haben,
    treten selbst den Absturz los,
    den sie brauchen - echt famos!

    Leichter noch bei solchen Taten
    tun sie sich mit Derivaten:
    Wenn Papier den Wert frisiert,
    wird die Wirkung potenziert.

    Wenn in Folge Banken krachen,
    haben Sparer nichts zu lachen,
    und die Hypothek aufs Haus
    heißt, Bewohner müssen raus.

    Trifft’s hingegen große Banken,
    kommt die ganze Welt ins Wanken,
    auch die Spekulantenbrut
    zittert jetzt um Hab und Gut!

    Soll man das System gefährden?
    Da muss eingeschritten werden:
    Der Gewinn, der bleibt privat,
    die Verluste kauft der Staat.

    Dazu braucht der Staat Kredite,
    und das bringt erneut Profite,
    hat man doch in jenem Land
    die Regierung in der Hand.

    Für die Zechen dieser Frechen
    hat der Kleine Mann zu blechen
    und - das ist das Feine ja -
    nicht nur in Amerika!

    Und wenn Kurse wieder steigen,
    fängt von vorne an der Reigen -
    ist halt Umverteilung pur,
    stets in eine Richtung nur.

    Aber sollten sich die Massen
    das mal nimmer bieten lassen,
    ist der Ausweg längst bedacht:
    Dann wird ein bisschen Krieg gemacht.

    Kurt Tucholskys (1890-1935) veröffentlichte dieses Gedicht 1930 in der
    Wochenzeitschrift «Die Weltbühne».

    (Anmerkung der Redaktion: Tatsächlich ist das ein Kuckucksei, das offenbar vom österreichischen Ultrarechten Richard G. Kerschhofer stammt)

  11. Harry Schwiebert sprach

    @10
    In meinem “Tucho” kommt das Gedicht nicht vor.
    In meiner “Geschichte” gab´s ´30 keine Derviate.

    Und
    Tucholsky gönnte Überschriften

  12. Wahlprognose 2009 - immer noch 60% für die Großkoalitionäre - SaarBreaker sprach

    […] zu arbeiten. Damit die deutsche Propaganda ordentliche Erfolge im Krieg gegen die Arbeitslosen sondervermelden kann, wird die Arbeitslosenzahl vor der Bundestagswahl 2009 natürlich wie üblich über eine […]

  13. Erster Umbau im zweiten Pinocchio-Kabinett » mein-parteibuch.com sprach

    […] eines Olaf Scholz, der so konservativ ist, dass er nicht mal rot wird, wenn er die monatlichen Sondermeldungen zu den tollen Arbeitslosenzahlen mit ernsthaften Gesicht präsentiert, obwohl jeder weiß, dass die von Baron von […]

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