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28. Oktober 2008

Millionäre zensieren Hamburger Theaterstück “Marat”

von @ 19:55. abgelegt unter Recht und Unrecht, Zensur, Hamburg

Rosemarie-Fiedler Winter berichtet heute unter der Überschrift “Aufstand der Reichen” im Mannheimer Morgen darüber, dass sich Theaterregisseur Völker Lösch in Hamburg den Zorn von Zensoren zugezogen habe. Zuerst gefiel dem Suhrkamp Verlag der Titel “Die Ermordung Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade” nicht, so dass das aufgeführte Stück in “Marat, was ist aus unserer Revolution geworden?” umbenannt werden musste.

20 Minuten berichtet davon, dass dann auch noch vier Hamburger Superreichen eine Klage androhten, weil auf der Bühne ihre Namen aus einer vom Manager-Magazin veröffentlichten Liste der reichsten Deutschen zitiert wurden. Anstelle der Namen sei deshalb bei der Premiere das anwaltliche Schreiben zitiert worden.

Ln-Online berichtet soeben, Hamburgs Kultursenatorin Karin Freifrau von Welck habe die “Marat”-Inszenierung am Hamburger Schauspielhaus kritisiert und gesagt, “Einzelpersonen an den Pranger zu stellen”, sei “eine billige, populistische Form, Kritik auszudrücken”.

Man könnte meinen, Arme dürften in Hamburg über Reiche nicht mehr reden. So ist das wohl im Zeitalter von Meudalismus und Buskeismus.

Nix gibbet. Das Hamburger Abendblatt berichtete gestern:

“Vier Personen verwahrten sich mit der Androhung einer einstweiligen Verfügung vom 23. Oktober 2008 gegen die Indiskretion: Christian Olearius, Max Warburg, Bernd Kortüm und Albert Büll.”

Wer wissen will, wer das ist, findet mit Google Informationen zu Christian Olearius, Max Warburg, Bernd Kortüm und Albert Büll.

6 Kommentare zum Beitrag “Millionäre zensieren Hamburger Theaterstück “Marat””

  1. Silberling sprach

    Komisch nur, das sich Frau Kultursenatorin Karin Freifrau von Welck nicht auch so kritisch zu der SAT.1 Soap “Gnadenlos gerecht” geäußert hat, den hier wird eine Hetzjagd auf Harz IV Empfänger betrieben! (Vorsicht!, der letzte Halbsatz könnte schon wieder Populismus sein)
    Von “Einzelpersonen an den Pranger stellen” kann natürlich in so einer Sendereihe nicht die Rede sein.

    Werden in Hamburg eigentlich Ministerposten nach dem Vakuumgehalt der Köpfe verteilt?

  2. chriwi sprach

    Das ist schon gerecht. Schließlich ist das nicht die Elite unserer Gesellschaft.
    Wenn diese Herren nichts zu verbergen hätten, würden sie auch nicht so allergisch darauf reagieren. Ist nicht immer der Spruch von unseren ach so geliebten Datenschutzzerstöreren. Wer nichts zu verbergen hat, dürfte doch kein Problem damit haben. Wahrscheinlich ist ihnen selbst die Realität zu hart.

  3. Klaus Baum sprach

    Max Warburg junior, Neffe des Kunst- und Kulturwissenschaftlers Aby Warburg, scheint kein großes Interesse an Kultur zu haben bzw. scheint er ein Kulturbaunause zu sein.
    Näheres hier in einer Ausgabe der ZEIT von 2001:
    Ein Artikel mit dem Titel: Onkel Abys Erben.
    Die Autorin ist selber Tochter eines ehemaligen Bankbesitzers.
    http://www.zeit...ys_Erben?page=1
    Zum Aby-Warburg-Haus in Hamburg hier ein Bericht:
    http://www.qype...rg-Haus-Hamburg

  4. Redaktion sprach

    Die Zeit, wo Claudia Herstatt ihren Artikel publiziert hat, ist übrigens ohnehin ganz gut mit den Warburgs verbandelt.

  5. clan sprach

    Liebe Redaktion,

    Sie sollten sich genauer Informeiren. Es ist nicht so, dass der Titel (der Übrigens Korrekt »Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade« heisst) dem Verlag nciht gefällt, denn der VErlag verberietet das Werk auch weiterhin unter diesem Titel.
    Es geht darum, dass (was es auch bei anderen Texten für das Tehater immer wieder gibt) der Verlag die Veränderungen als so gravierend angesehen hat und Einspruch gegen die Verwendung des Titels für diese Inszenierung eingelegt hat.
    (siehe auch http://www.scha...p;id_language=1

  6. Redaktion sprach

    @clan
    Danke für den Link.

    Gestatten Sie mir eine Anmerkung. Den Link hätten wir vielleicht auch in den Artikel reinpacken sollen, wir sind aber der Meinung, dass den von Ihnen angesprochenen Hintergrund des Titelrechtes jeder halbwegs intelligente Leser auch so versteht. Nun, das war wohl ein Irrtum. Ihr Fall zeigt, dass das wohl nicht auf alle zutrifft.

    Gestatten Sie mir eine weitere Anmerkung: Sie unterschätzen unseren Humor.

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