Am 10. Oktober hat es eine Pressemitteilung vom Branchenverband der deutschen Derivatehändler Deutscher Derivate Verband (DDV) gegeben. Diese Pressemitteilung zeigt sehr deutlich, was ein “Emittentenrisiko” ist.
Da die bemerkenswerte Pressemitteilung auf der Webseite des DDV inzwischen verlustig gegangen zu sein scheint, dokumentiert Mein Parteibuch diese Pressemitteilung mit Titel “Anleger vertrauen Zertifikaten weiterhin” und Untertitel “Zertifikate bei Umfrage zu Anlagemöglichkeiten weit vorn” hier gern.
Deutscher Derivate Verband DDV (Logo)
Pressemitteilung
Anleger vertrauen Zertifikaten weiterhin
Zertifikate bei Umfrage zu Anlagemöglichkeiten weit vornBerlin, 10. Oktober 2008
Das Vertrauen der Anleger in Zertifikate als attraktive Anlageprodukte ist ungebrochen. Das zeigt eine Online-Umfrage des Handelsblattes vom 10. Oktober 2008. Der Umfrage zufolge haben 19,2 Prozent der Teilnehmer in Zertifikate als Geldanlage das meiste Vertrauen, Zertifikate liegen damit auf Platz zwei.„Trotz der schweren weltweiten Finanzkrise haben Anleger einen kühlen Kopf behalten und gelernt, zwischen dem Produkt Zertifikat und dem dahinter stehenden Emittenten zu unterscheiden. Neben manchen Risiken sehen Anleger gerade die große Chancen und Vorteile, die Zertifikate bieten“, so Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivate Verbandes (DDV).
Angeführt wird die Tabelle zur Frage „In welche Geldanlage haben sie aktuell am meisten Vertrauen?“ von Tages- und Festgeld mit 23,9 Prozent. Bundeswertpapiere kommen mit 11,8 Prozent auf Platz vier und Immobilien mit 10,6 Prozent auf Platz fünf.
Mit Zertifikaten können Anleger ihr investiertes Kapital, abgesehen vom Emittentenrisiko, ganz oder teilweise schützen und vom Kapitalmarkt profitieren, ganz gleich ob die Kurse fallen oder steigen. Brandau fügte hinzu, dass aus Sicht der Anleger die passgenaue Abbildung des persönlichen Chance-Risikoprofils zu den wesentlichen Vorteilen der Zertifikate zähle, ebenso wie die Gewissheit, Zertifikate wie jedes andere Wertpapier kaufen und wieder verkaufen zu können.
Der Deutsche Derivate Verband (DDV) ist die Branchenvertretung der 20 führenden Emittenten derivativer Wertpapiere in Deutschland: ABN AMRO Bank, BNP Paribas, Citigroup, Commerzbank, Deutsche Bank, Dresdner Bank, DZ BANK, Goldman Sachs, HSBC Trinkaus, HypoVereinsbank, JP Morgan, LBBW, Sal. Oppenheim, Société Générale, UBS, Vontobel, WestLB und WGZ BANK. BHF-BANK, DWS Finanz-Service sowie Börsen und Finanzportale unterstützen als Fördermitglieder die Arbeit des Verbandes.
Bei Rückfragen:
Dr. Hartmut Knüppel
Geschäftsführender Vorstand
Geschäftsstelle Berlin
Pariser Platz 3
10117 Berlin
Tel.: +49 (30) 4000 475 - 10Lars Brandau
Geschäftsführer
Geschäftsstelle Frankfurt
Bockenheimer Landstr. 17 -19
60325 Frankfurt a. M.
Tel.: +49 (69) 71 04 55 - 225
Im Börsenlexikon von Wertpapierdepot.net wird erklärt, der Fachbegriff “Emittentenrisiko” beschreibe die Tatsache, dass bei Inhaberschuldverschreibungen wozu Derivate wie Optionsscheine, Zertifikate oder Aktienanleihen gehören, zum Kursrisiko noch das Risiko der Zahlungsunfähigkeit des Emittenten, also des Herausgebers, komme.
Bei der Abschätzung der Höhe des Emittentenrisikos streuen Banken ihren Kunden gern Sand damit in die Augen, dass die drei großen amerikanischen Rating-Agenturen Moody’s, S&P und Fitch ihnen und ihren Derivaten A-Noten gegeben haben. Um die Zuverlässigkeit der Informationen dieser Rating-Agenturen abschätzen zu können, muss man bloß wissen, dass auch die Pleite-Bank Lehmann Brothers noch kurz vor ihre Zusammenbruch von all diesen Rate-Agenturen noch A-Noten bekommen hat.
Für wie groß Banker selbst das Emittentenrisiko letztendlich tatsächlich halten, kann man daran erkennen, dass der Interbankenmarkt derzeit nicht funktioniert. Dass der Interbankenmarkt nicht funktioniert bedeutet nichts anderes, als dass Banken untereinander anzweifeln, von anderen Banken ausgeliehenes Geld je wiederzusehen. Damit Banken sich trotzdem gegenseitig wieder Geld leihen, werden in Deutschland gerade Staatsgarantien in Höhe von 400 Milliarden Euro auf den Weg gebracht.
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| Alle in einem Boot |
| CC 2008 Urs1798 |
Das tiefe Misstrauen hat verschiedene Gründe. Zur Verringerung singulärer Risiken einzelner Vollpfosten könnte es zwar sein, dass eine Emission durch Bürgschaften oder Credit Default Swaps mehrerer Banken besichert ist, dabei ist es dann jedoch keineswegs so, dass die Risiken sich der zufälligen Wahrscheinlichkeitsrechnung durch einfache Multiplikation errechnen lassen, denn dabei würden die Wechselwirkungen in den Beziehungen zwischen den Garanten vernachlässigt. Der Begriff Bankendomino drückt in dem Zusammenhang aus, dass, wenn eine Bank die Grätsche macht, dann wie in einer Reihe Dominosteine auch gleich die nächste Bank, die für diese Bank garantiert hat, möglicherweise eben deshalb auch gleich die Grätsche machen könnte und die Bank, die für diese Bank bürgt, dann auch mitreißt und so weiter und so fort. Wie groß die Wechselwirkungen sind, ist dabei weder für Außenstehende noch für Insider abschätzbar, denn die genauen Beziehungen untereinander werden von den Banken nicht offengelegt.
Natürlich geht auch in kein Rating der Welt das Risiko mit ein, das kausal durch die Emission eben des Derivates entsteht, das gerade verkauft werden soll. Diese zu berücksichtigende aber kaum abzuschätzende Kausalität kann man sich anhand der obigen Pressemitteilung vergegenwärtigen. Vor der Emission der Pressemitteilung stand der Deutsche Derivate Verband relativ gesichert da und hätte mit Blick auf den Börsencrash in den nächsten Jahrzehnten einfach nur nichts anderes tun brauchen, als sich in die Ecke zu stellen und zu schämen. Mit der Emission der obigen Pressemitteilung hat der Deutsche Derivate Verband sich aber, nachdem aufgeflogen ist, dass die Umfrage, die darin so stolz zitiert wird, von Rechnern seiner Mitgliedsbanken grob manipuliert wurde, so lächerlich gemacht, dass nun eigentlich nur noch die Abwicklung der Bude bleibt.
Die Moral von der Geschicht: trau keinem Banker nicht.
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| Gründlichkeit |
Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
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[…] Moral von der Geschicht: trau keinem Banker nicht. (Quelle: Mein Parteibuch) Bookmarken Sie diesen Artikel in den diversen “Internetcharts”AutorMein […]
Die Moral von der Geschicht’, nämlich die Banken- bzw. die allgemeinen Vertrauenskrise ist ja tatsächlich die, dass weder Anlageberatern geschweige der Politikerkaste vertraut werden kann.
Alageberater haben ihre eigenen Interessen und die ihrer Arbeitgeber im Auge; der Kunde kommt erst an zweiter oder dritter Stelle.
Schuld an der gesamten Misere ist eine verantwortungslos-neoliberale Politikerkaste, die in den letzten Jahrzehnten in erster Linie die Interessen der Wirtschaft vertreten hat. Die Bevölkerung wurde zur gnadenlosen Ausbeutung durch das große Geld freigegeben.
[…] Konzept “Verbriefen und vergessen” für die garantiegebenden Banken ein Emittentenrisiko bedeutet. Beispielsweise könnten Sie denken, dass die drei großen US-Ratingagenturen da […]