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26. September 2008

Was ist los mit dem Dollar?

von @ 20:07. abgelegt unter Finanzen

Peer Steinbrück hält es für “höchstwahrscheinlich”, dass die USA ihren Status als Supermacht des Weltfinanzsystems verlieren werden. Harald Schumann meint, die Wall Street habe den Dollar verspielt. Der Kurs des US-Dollar bewegt sich jedoch trotz der vor gut einer Woche “plötzlich ausgebrochenen Finanzkrise” praktisch nur seitwärts. Auch heute bewegte sich der US-Dollar wie von Geisterhand gesteuert innerhalb eines Bandes von 68 bis 69 Euro-Cent.

Die Tagesschau “informiert” ihre Leser heute, dass führenden Notenbanken der Welt die Geldmärkte angesichts der Finanzkrise erneut mit Milliardensummen an Dollar geflutet haben. Allein die EZB in Frankfurt habe 35 Mrd US-Dollar von der US-Notenbank erhalten und nun bereitgestellt. Weiter erläutert die Tagesschau:

Liquidität in Dollar ist bei vielen Banken rund um den Globus begehrt, weil sie viele in Dollar notierte Wertpapiere halten, der Dollar als wichtige Leitwährung gilt und der kurzfristige Umtausch erhebliche Kosten verursachen würde.

Wir rekapitulieren die Erläuterung der Tagesschau: Wer in Dollar notierte Wertpapiere hält, der braucht dazu angesichts der Finanzkrise ganz viele zusätzliche US-Dollar und deshalb hilft die EZB nun mit Dollars aus. Alles verstanden?

So als naiver Wirtschaftslaie wie Steinbrück und Schumann hätte man vermutlich eher das Gegenteil erwartet, nämlich dass angesichts der Finanzkrise alle möglichen Leute ihre in Dollar notierten Wertpapiere verkaufen, die Märkte dadurch mit Dollar fluten und der Dollar beispielsweise gegenüber dem Euro an Wert verliert. Wenn der Dollar trotzdem nicht fällt, dann sieht das eher so aus, als würde da irgendjemand - zum Beispiel die EZB - ganz viele Dollars kaufen, um den Kurs zu stützen.

Das würde dann bedeuten, dass die EZB in großem Stil gutes Geld, für das man auch in Zukunft noch Waren kaufen kann, gegen vermutlich bald schon ziemlich wertlose Papierschnipsel mit den Köpfen toter US-Präsidenten eintauscht. Wenn Europa seine Waren gegen wertlose Bilder von toten Präsidenten eintauscht, dann ist das gut für die Wall Street und schlecht für die Bürger Europas.

Aber das kann natürlich nicht sein, denn da käme glatt der Verdacht auf, entscheidende Banker der EZB wären genauso US-Marionetten wie das manch einer vom französischen Zar Kotzi annimmt. Aber, so what, hoch lebe der American way of life!

Nachtrag 26.10.2008: Jens Berger vertritt bei Telepolis die Auffassung, der hohe Dollar-Kurs liege an der Auflösung großer Carry-Trade Positionen.

7 Kommentare zum Beitrag “Was ist los mit dem Dollar?”

  1. Was ist los mit dem Dollar? | Radio Utopie sprach

    […] französischen Zar Kotzi annimmt. Aber, so what, hoch lebe der Amerian way of life! (Quelle: Mein Parteibuch) Bookmarken Sie diesen Artikel in den diversen “Internetcharts”AutorMein […]

  2. Freedom Lemmy sprach

    Jemand sollte sich mal an den Malecón, Havana stellen und rufen “Los primeros 10 van a recibir Green Card sin más condiciones”.
    ;-)

  3. otti sprach

    Mit den Euros , die deutsche Zeitarbeitssklaven wegen des neoliberalen Terrors nicht bekommen haben, haben die Machthaber Bush’s ‘Aufschwung’ finanziert.

    Die Chinesen oder die Saudis haben natürlich kein Interesse daran, dass der Dollar zu stark abschmiert.
    Wenn nicht massiv gegengesteuert wird, wird der Dollar wohl auf lange Sicht entwerten, trotz zwischenzeitlicher kräftiger Erholung.

    Amerika steht augenblicklich vor einem finanziellen Armageddon, das nur mit den Jahren um 1930 verglichen werden kann!

    Die Machthaber dort sind ratlos.
    Die hiesigen betrieben wie gewohnt Schönfärberei und wollen auf einmal nicht dabei gewesen sein.

    Treffen wird der vom neoliberalen Terror angerichtete Schlamassel jedoch jeden von uns.

    Deshalb ein klares Nein zur herrschenden Politikerkaste!
    Diese Leute haben die Menschheit an den Abgrund geführt.

  4. 204999 sprach

    Natürlich wird zur Zeit sowohl der Dollar als auch Gold manipuliert (Dollar nach oben, Gold nach unten), um Panik zu vermeiden. Zu be´denken ist folgendes: Auch Euro ist nur Papier

  5. Harald Schumann sprach

    Sorry, aber das ist Unfug. Der Dollar steigt im Kurs, weil die gesamte US-Finanzbranche alle nur erdenklichen assets rund um die Welt verhökert und in Dollars tauscht, um ihre Bilanzen zu putzen. Außerdem kauft Chinas Zentralbank weiterhin Dollars im großen Stil, weil Chinas Handelbilanzüberschuss mit den USA nach wie vor groß ist und der Yuan nicht steigen soll. Eben das habe ich in dem oben ernwähnten Artikel auch geschrieben. Sobald aber die Repatriierungswelle der Auslandsanlagen abgeschlossen ist, wird der Dollarkurs sinken, die große Frage ist wie tief, wie schnell und wie lange die Chinesen und die Ölstaaten tatenlos zusehen, wie ihre Reserven an Wert verlieren.

    Frage: Wer ist hier der Laie?

    Gruß, Harald Schumann

  6. Redaktion sprach

    Hallo Harald,

    nett Dich hier zu sehen. Dass der Dollar fällt, erscheint auf den ersten Blick logisch: außer Militär und aus heißer Luft bestehende Wertpapiere wird in den USA kaum noch was produziert. Wir wären auch die letzten, die sich nicht freuen würden, wenn die Hegemonie des Dollars durch die Krise nun endlich gebrochen würde. Vielleicht würde die USA dadurch gezwungen, sich dann mit dem Wiederaufbau ihrer produktiven Wirtschaft zu beschäftigen, anstatt andere Länder mit Krieg zu überziehen.

    Wir trauen der an sich logischen nun positiven Entwicklung jedoch nicht. Krieg und Kolonisation ist ein äußerst lohnendes Geschäft, mit dem es sich erreichen lässt, dass die Kolonien umsonst die Kolonialmacht versorgen. Fällt der Dollar nun nicht deutlich, so ist das ein Anzeichen dafür, dass irgendjemand die wertlosen Papierschipsel in großem Stile kauft und dafür echte Waren hingibt. Ein Blick auf die Kurse zegt, dass das derzeit der Fall zu sein scheint.

    Erst mal ein Blick auf die Kurse Dollar zu Euro und Renminbi Yuan vom 15.09.2008, der Tag, an dem Lehmann Insolvenz angemeldet hat:

    Kurs 15.09.2008: USD/EUR: 0,70 , USD/CNY 6,83

    Nun ein Blick auf die Kurse vom 26.09.2008, der Tag, an dem dieser Artikel erschien:

    Kurs 26.09.2008: USD/EUR: 0,68 , USD/CNY 6,82

    Der Dollar ist also nur minimal gefallen. Und nun ein Blick auf die Kurse vom 21.10.2008, also gestern:

    Kurs 21.10.2008: USD/EUR: 0,74 , USD/CNY 6,83

    Der Dollar ist gegenüber dem Euro deutlich gestiegen und zum chinesischen Renminbi Yuan unverändert.

    Wie auch immer man das dreht, der Dollar ist seit dem “plötzlichen Ausbruch der Krise” nicht gefallen und straft damit die Prognosen vom fallenden Dollar zumindest bislang Lügen. Im Gegenteil, gegenüber dem Euro ist er sogar deutlich gestiegen. Irgendjemand kauft viele Dollar. Wenn es so klar wäre, dass der Dollar in naher Zukunft dank der Krise deutlich fällt, dann wäre es logisch, wenn diese zwangsläufige Entwicklung mit gigantischen Leerverkäufen vorweggenommen würde und so heute schon sichtbar wäre. Wer von den Geiern in den großen Hedgefonds würde sich eine solche Chance entgehen lassen? De facto lässt sich mit einem Blick auf die Kurse feststellen, dass das nicht in besonders großem Umfang passiert.

    Eine weitere Frage ist, wer die Dollar derzeit kauft und wer verkauft. Es macht recht wenig Sinn, dass sich die Chinesen noch mehr Dollar auf Halde legen, wenn wie erwarten, dass der Kurs früher oder später fällt und die Dollar bald deutlich weniger Wert werden. Das stützt zwar die chinesische Export-Konjunktur, kann aber, wenn die USA einfach immer mehr Dollar drucken und die KPC das Wohl Chinas im Auge hat, nicht ewig so weitergehen.

    Viel logischer ist es, dass die EZB Dollar in großem Stil kauft. In Europa sind die transatlantischen Seilschaften so tief in den Machtstrukturen verankert, dass es denkbar ist, dass die EZB Dollar kauft, und zwar nicht etwa zum Wohle Europas, sondern zum Wohl der USA und im Sinne “der europäisch-amerikanischen Freundschaft”, kauft.

    In Deutschland regieren sowieso seit eh und je die Seilschaften um Reinhard Mohn und Atlantik-Brücke. Und mit Sarkozy steht in Frankreich ein Mann an der Spitze des Staates, der näher zur CIA steht als so mancher Mitarbeiter der CIA. In Italien steht Berlusconi dem US-geführten NATO-Miitärgeheimdienst, der die Loge P2 gesteuert hat, vermutlich ebenfalls “sehr nah”. Das ist schon ganz schön viel von Euroland und noch lange nicht das Ende. Wieso sollte es da der CIA nicht gelungen sein, die Spitze der EZB soweit zu infiltrieren, dass sie sie de facto beherrschen?

    Vielleicht hast Du auch recht. Bisher spricht der tatsächliche Kursverlauf allerdings nicht für einen fallenden Dollar. Dieser Artikel mag dann als Gedankenanregung dienen, dass die Welt vielleicht doch alles ganz anders ist, als man gemeinhin so glaubt.

    Wie dem auch sei, allein die Zukunft wird zeigen, wie es weitergeht.

    Beste Grüße
    Ein Katzenfreund
    (Redaktion Mein-Parteibuch.com)

  7. Harry Schwiebert sprach

    @Harald Schumann,
    sehe ich das richtig?
    Die Zocker steigen aus und wollen Geld sehen, deshalb sind die Zockerbanken genötigt, die in Aktien angelegten Gelder wieder zu Geld zu machen.
    Folge des Spieles:
    -der Aktienmarkt wird überflutet und die Aktienkurse fallen
    -der Geldmarkt wird geräumt und die Geldkurse steigen

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