Microblogging ist bisher vor allem durch die proprietäre Anwendung Twitter bekannt und zeichnet sich im Gegensatz zu Blogggen durch sehr kurze Textnachrichten aus. So ist es kein Wunder, dass Kurznachrichten aus dem privaten Bereich, mit denen Microblogger soziale Kontakte pflegen, das Microblogging dominieren.
Mein Parteibuch hat gerade eine E-Mail bekommen, dass mit Bleeper vor kurzem ein deutschsprachiger Microblogging-Dienst online gegangen ist, der auf die von Identica bekannte offene Software Laconica mit offenen Standards und Möglichkeiten zu dezentraler Datenhaltung setzt. Mein Parteibuch stellt sich die Frage - und möchte seine Leser an den Überlegungen teilhaben lassen - , ob ein auf offene Standards setzendes Microblogging nicht auch für politische Blogger interessant sein könnte.
Für politische Artikel und Analysen ist Microblogging aufgrund der kürze der möglichen Nachrichten natürlich völlig ungeeignet. Doch auch Blogs wurden bekanntlich anfangs als für die breite Öffentlichkeit völlig uninteressante Internettagebüchern mit Katzenbildern verspottet.
Die Frage “Was machst du gerade?”, die bei Bleeper dick auf der Startseite steht, ist sicher für politische Blogger ebenso uninteressant wie für die allgemeine Öffentlichkeit, wenn da Meldungen kommen wie “ich geh wieder auf schicht. heut nachmittag treff ich mich mit nem kumpl zum schrauben”. Für die Öffentlichkeit eher interessante Hinweise wie der Verweis zum H&M-Eintrag in der Uncyclopedia sind eher eine Ausnahme.
Für Politblogger und Öffentlichkeit interessanter könnte Microblogging schon sein, wenn die Frage “Was liest Du gerade?” gedanklich im Vordergrund stünde und als Messages dann etwa Sachen kämen wie “Schnitteberichte thematisiert das zensierte Putin-Interview: http://www.schnittberichte.com/news.php?ID=964 Nett, da gibts btw 4300 Berichte zu Zensur” oder “Kennt jemand http://video.google.de/videoplay?docid=-7827124814937461776 oder tabubruch.net ?”. Und natürlich könnten da auch die klassischen Vorteile von Microblogging ausgespielt werden, also beispielsweise bei neuen politischen Entwicklungen einen schnelleren Informationsaustausch zu haben oder Treffen zum Kennenlernen in der realen Welt abzustimmen. Letztlich kommt es schließlich darauf an, was für Nachrichten Nutzer in den Microblogging-Dienst einspeisen.
Mein Parteibuch könnte sich vorstellen, dass Microblogging für den schnellen und unkomplizierten Nachrichtenaustausch von politisch Interessierten eine Rolle einnehmen könnte, die unterhalb der Aufwandsschwelle von Blogs und Social Bookmarking-Diensten wie Net-News-Global angesiedelt ist. Die durch das Microblogen generierten Inhalte könnten als RSS-Feed in Webseiten eingebunden werden und politische Artikel und Analysen ergänzen, so wie das Kommentare zu Artikeln heute schon in anderer Hinsicht tun.
Eine wichtige Grundvoraussetzung dafür ist erfüllt: Wenn die zum Microblogen verwendete Software frei ist und alle Inhalte wie bei Bleeper unter einer CC-BY-Lizenz stehen und nach Möglichkeit für jeden exportierbar sind, müsste niemand Angst haben, dass der Microblogging-Provider irgendwann mal zusammenbricht oder seine AGB ändert und danach alle Inhalte weg sind.
Kann man irgendwo bei einem bestehenden freien Microblogging-Dienst einen deutschsprachigen Channel für politisch Interessierte einrichten oder gibt es sowas gar schon? Wäre es wünschenswert, irgendwo eine Identica-Installation für politisch Interessierte aufzusetzen?
Vielleicht mag der eine oder andere Leser ja mal seine Gedanken dazu äußern, ob ihm das interessant erscheint.
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| Im Würgegriff |
Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
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interessanter link zum thema. gibt vlt einige anregungen.