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22. August 2008

Soziales Wirtschaften mit der IKB

von @ 11:27. abgelegt unter Korruption, Deutschland, Wirtschaft, Politik

Man stelle sich mal folgende Situation vor:

Ein Manager fährt das Auto seiner Firma mit geschlossenen Augen vor die Wand, bringt mit seinen Aufsichtsräten danach die Firma dazu, eine Reparatur des Autos für 9,8 Tausend Euro zu bezahlen, der das Auto anschließend für gut Hundert Euro verscherbelt, wobei er dem Käufer obendrein noch eine Garantie gibt, dass er, wenn da zukünftig noch weitere Reparaturen für Tausend Euro anfallen, werde die Firma das selbstverständlich auch noch bezahlen.

Als Laie würde man da vermutlich nicht nur die wirtschaftliche Kompetenz in Frage stellen, sondern auch erwarten, dass da mal ein Staatsanwalt vorbeischaut. Ganz anders liegt der Fall natürlich bei der IKB.

Nun darf man sich überlegen, wie die gestrige Meldung der Tagesschau zum Verkauf der IKB an Lonestar zu verstehen ist. Man könnte versucht sein, diese Meldung wie folgt zu verstehen:

Die zu großen Teilen der Öffentlichkeit gehörende IKB hat unter anderem mit Krediten der deutschen Bank Wundertüten aus den USA gekauft, von denen diese selbst nicht so sehr viele haben wollte. Weil der Inhalt der Wundertüten völlig überraschend doch nicht so toll war, hat der bemerkenswert honorige Aufsichtsrat der IKB dann dafür gesorgt, dass die Bank dann mit 9,8 Mrd Euro öffentlichen Geldern repariert wurde. Gestern nun wurde die IKB nicht etwa für 600 Mio Euro, sondern für gut Hundert Millionen Euro an die der Öffentlichkeit bereits bestens bekannte Heuschrecke Lonestar verkauft. Die öffentliche KfW-Bankengruppe hatte sich schon zuvor bereit erklärt, mögliche Risiken durch die Übernahme des Wertpapierportfolios mit bis zu einer Milliarde Euro abzusichern. Für Manager Stefan Ortseifen, der die schicken Wundertüten aus den USA gekauft hat, gibt es natürlich eine anständige Rente und einen dicken Bonus für die erfolgreiche Geschäftsführung und ein engagierter Staatsanwalt ist weit und breit nicht in Sicht.

Die große Kunst des Wirtschaftens mit Milliarden Euro an öffentlichen Geldern bringt Laien immer wieder zum Erstaunen. Dabei ist das Verständnis für die ordnetliche Geschäftsführung bloß eine Frage der Perspektive.

Aus Sicht der USA könnte man den Kauf der Wundertüten als eine Maßnahme zur sozialen Abfederung der Kosten der von George W. Bush um unser Öl geführten Kriege sehen, das der liebe Herrgott bekanntlich aus Versehen bei den Arabern im Sand verbuddelt hat. Das Verschenken der IKB an den netten ehemligen Morgan Stanley Banker John Grayken könnte man demnach als logischen Abschluss der IKB-Spende zur Unterstützung der gerechten Angriffskriege der USA betrachten.

Bei dieser Perspektive ist am sozialen Wirtschaften der IKB wirklich nichts irgendwie seltsames oder gar skandalöses mehr dran.

Nachtrag 27.08.2008: Zwischenzeitlich stellen auch Tim Bartz und Elisabeth Atzler in der ftd ein paar Fragen und kolportieren folgendes Szenario:

“Vollends übel wird einem, wenn es stimmt, was man hört und liest: dass die Deutsche Bank im Wissen um die Schieflage ihres Geschäftspartners IKB deren Aktien “leer” verkauft haben soll, die BaFin aber erst danach über das Desaster informiert hat. Der anschließende Verfall der Aktie bot ihr die Chance, sich günstig wieder einzudecken und die Kursdifferenz einzustreichen.”

Man könnte nun glauben, die Staatsbanker wären zu doof zum Wirtschaften. Man könnte aber auch glauben, die Staatbanker wussten genau, was sie taten, und sind von anderer Seite dafür großzügig entschädigt worden. Dafür spricht zum Beispiel folgende Information des ftd-Artikels:

“Ebenfalls gut weggekommen ist Hans Reich, bis Ende September 2006 Chef der KfW. Auch er hat übersehen oder geduldet, was die IKB außerbilanziell so trieb. Aus dem Amt gejagt wurde allerdings seine - freilich überforderte - Nachfolgerin Ingrid Matthäus-Maier, zerrieben von Scharmützeln zwischen Steinbrück und Glos. Reich dagegen ist heute als Aufsichtsratschef der deutschen Niederlassung der US-Investmentbank Citigroup weiter Teil der Finanzszene.”

Es gab mal Zeiten, da wurde ein nach einem für das eigene Unternehmen schlechten Geschäft erfolgter Wechsel auf einen gut dotierten Posten bei der Konkurrenz von dem einen oder anderen als einen Hinweis für einen möglichen Korruptionsfall gesehen.

18 Kommentare zum Beitrag “Soziales Wirtschaften mit der IKB”

  1. Soziales Wirtschaften mit der IKB | Radio Utopie sprach

    […] der IKB wirklich nichts irgendwie seltsames oder gar skandalöses mehr dran. (Quelle: Mein Parteibuch) Bookmarken Sie diesen Artikel in den diversen “Internetcharts”AutorMein […]

  2. otti sprach

    Wenn es einen Untersuchungsausschuss geben und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt würden, wäre das in der Tat seltsam, gerade in Teuschland!

  3. Ulrich sprach

    Ich persönlich vermute, daß die entsprechenden Entscheidungsträger vom Finanzinvestor im hohem Maße bestochen worden sind.
    Fazit für alle (gewerblichen) Kreditnehmer bei der IKB (da Risiko von Kreditkündigungen):
    Die eigene Firma schnell verkaufen, solange es noch geht und den Erlös “sichern” (z.B. Gold, Silber, SCHULDENFREIE Immobilen) Die vorgenannten Edelmetalle gehören selbstverständlich NICHT in ein Bankschließfach.
    Wenn die stark belastete KFW niedergeht und ebenfalls “verschenkt” wird brechen für viele weitere “Häuslebauer” ebenfalls hochriskante Zeiten an (auch Kreditkündigungen)
    Es fällt zum gegebenen Zeitpunkt mitunter die schwere Entscheidung, ob man die Immobilie mit Verlust abstößt um einen möglichen Ruin zu vermeiden.

  4. Ulrich sprach

    an “otti”

    Wo siehst Du das Problem ?
    Dann werden halt die entscheidenden Personen des Untersuchungsausschusses ebenfalls bestochen. Wenn gerade kein Geld hierfür da ist, wenden halt eben schnell noch weitere Immobilien zwangsversteigert.

  5. otti sprach

    Wenn die Politikerkaste selbst involviert ist, kann und darf ein Ausschuss natürlich kein Fehlverhalten feststellen.
    Und die Strafverfolgungsbehörde (Staatsanwaltschaft) ist bekanntlich vom obersten Dientherrn (Politiker) weisungsabhängig…

  6. otti sprach

    Interessant dürfte sein, wie Kreditkunden der IKB vom neuen Investor Lone Star behandelt werden!

  7. otti sprach

    http://www.anla...en-unzulaessig/

  8. otti sprach

    Ist man dort link?
    http://www.anla...en-unzulaessig/

  9. otti sprach

    Die Anwälte von Lone Star.
    http://www.fina...el-10211118.asp

  10. otti sprach

    Wird es so kommen?
    http://www.lutz...amp;id_thema=41

  11. otti sprach

    Teuschland?!
    http://www.nach...=3295#more-3295
    Risikobegrenzungsgesetz
    http://de.wikip...grenzungsgesetz

  12. otti sprach

    Lone Star
    http://www.zeit...e-Star?page=all

  13. Lone Star Investments und die tiefschwarze Seite unserer Politiker « DirkGrund - über Suboptimales sprach

    […] komme ich zu meinem eigentlichen Anliegen - Ich arbeite in verantwortungsvoller Position bei der IKB-Bank für die industrielle Mittelstandsförderung. Natürlich hatte ich auch mit vielen meiner Kollegen […]

  14. Unabhängig - Kritisch - Frei sprach

    Lone Star Investments und die tiefschwarze Seite unserer Politiker…

    Wir veröffentlichen hier einen Leserbrief von einem Menschen der in verantwortungsvoller Position bei der IKB Bank arbeitet , und der an meinen Geistigen Vater und Mentor Peter Christian Nowak gerichtet war.Es bestätigt eigentlich und sowieso…

  15. Lone Star Investments und die tiefschwarze Seite unserer Politiker « Mehr Demokratie sprach

    […] komme ich zu meinem eigentlichen Anliegen - Ich arbeite in verantwortungsvoller Position bei der IKB-Bank für die industrielle Mittelstandsförderung. Natürlich hatte ich auch mit vielen meiner Kollegen […]

  16. mein-parteibuch.com » Sozialkrise sprach

    […] schon sind 10 Mrd Euro für den deutschen Staat überhaupt kein Problem, wenn staatliches Vermögen an eine Heuschrecke verschenkt werden soll. Das Geld der Reichen […]

  17. mein-parteibuch.com » Haste mal 470 Milliarden? sprach

    […] mal zehn Milliarden, um die staatliche Bank IKB nett saniert an eine amerikanische Heuschrecke zu verschenken, da mal […]

  18. mein-parteibuch.com » Realsatire von Friedrich Merz sprach

    […] Kapitalismus wagen” ist wirklich prima. Na klar. Und hier steht auch noch was zur IKB: “Sein Alwaltsbüro hat in großem Maße profitiert vom Verkauf der IKB an die […]

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