In Belgien sitzt nicht nur das NATO-Hauptquartier. RIA Novosti meldete am 14. August, der russische NATO-Botschafter Dmitri Rogosin habe dem georgischen Machthaber Michail Saakaschwili Kriegsverbrechen und mehreren westlichen Massenmedien Vorschubleistung dazu vorgeworfen. Zu dem von westlichen Medien entfachten Informationskrieg habe Dmitri Rogosin gesagt, dass die russische Seite Angaben überprüft, wonach eine Reihe belgischer PR-Agenturen um die Veröffentlichung “richtiger” Beiträge bemüht waren.
Eine belgische PRopaganda-Agentur mit Namen “Aspect Consulting” erklärt derzeit auf ihrer Webseite, dass sie für die georgische Regierung an der externen politischen und medialen Kommunikation arbeitet:
“Aspect Consulting is currently working for the Georgian government regarding its external political and media communications. As such, we are ready and willing to deal with any query you may have regarding the situation on the ground in Georgia. We would also be more than happy to put you in contact with key officials within the Georgian government. For further information, please contact Christopher Flores (+32 2 510 60 21) in Brussels or Patrick Worms (+32 495 244 611) in Tbilisi. James Hunt and Christina Roosen in Brussels and Oliver Cann in London are also on call to answer all of your questions.”
Vielleicht fragt ja da mal jemand nach, ob die Brutkastenlüge Vorbild für die georgische Propaganda ist?
Die wichtigste Flotte der georgischen Armee, die zu CNN, BBC und Tagesschau outgesourcete Einheit für psychologische Kriegsführung, hat nun auch vollständigen Schiffbruch erlitten.
Der Spiegelfechter hat vorgestern recherchiert, dass James Hunt, Mitgründer der belgischen PR-Agentur “Aspect Consulting”, zuvor in leitender Funktion bei der PR-Agentur Hill & Knowlton tätig war, die die Brutkastenlüge zur Überzeugung der Öffentlichkeit für den ersten Irakkrieg erfunden und im US-Kongress inszeniert hat.
Soweit zur Glaubwürdigkeit der Informationen der georgischen Regierung. Eine PR-Agentur, deren Führungspersonal noch nicht in einer Agentur war, die zuvor schon mit einer dicken Kriegslüge aufgeflogen ist, war wohl gerade nicht frei? Peinlicher geht’s nimmer.
In Russland ist man sich der entscheidenen Bedeutung der Einheiten für pschologische Kriegsführung allerdingsauch bewusst. So zitierte RIA Novosti am Donnerstag den Politologen Sergej Markow, Mitglied der Duma-Fraktion von Geeintes Russland:
“Markow zufolge sollten sich die Experten in Moskau endlich darüber klar werden, dass Russland über eine Armee des 20. Jahrhunderts verfügt - Raketen, Panzer und Flugzeuge. “Aber wir haben nicht eine Armee des 21. Jahrhunderts, die sich aus gewissen ‘Zentren, Fonds, Instituten oder Fernsehsendern’ zusammensetzt, da alle Militärkonflikte in den Medien beginnen und ebenso in diesem Raum zum Abschluss gebracht werden”, betonte der Politologe.”
Doch es gibt Hoffnung. Russland könnte zwar in den Techniken der psychologischen Kriegsführung weit besser sein, hat jedoch außer Informationskanälen in der Landessprache mit RIA Novosti immerhin eine internationale Nachrichtenagentur und mit Russia Today einen schicken englischsprachigen Fernsehsender, mit denen jedem, der ihn wissen will, der russische Standpunkt mitgeteilt wird. Und die Entgegnung auf die transatlantische Flotte moderner Kanonenboote ist auch schon in Arbeit.
Russland kommt dabei zugute, dass im Internet die klassischen Regeln nicht mehr so gelten wie sie die PR-Agenturen für ihre verlogene Arbeit der Wahrheitsverdrehung brauchen. Im Internet kann eine Stimme eine ganze Propaganda-Armee entwerten. Internetnutzer sind in der Lage, sich die Standpunkte verschiedener Seiten anzuschauen und Videobelege zu sichten und dann selbst zu entscheiden, wem sie glauben. Ein Video, dass die Geschichte der Gegenseite als Lüge enttarnt, kann im Internet eine gigantische Propaganda-Kampagne umdrehen. Das ist der Grund dafür, dass Michail Saakashvili nicht nur den von ihm begonnenen Angriffskrieg mit Pauken und Trompeten verloren hat, sondern nun auch noch mitansehen muss, dass seine Propaganda im Internet in der Luft zerrissen wird.
Die transatlantische Armee des 21. Jahrhunderts hat den Angriffskrieg gegen Russland auf allen Ebenen verloren. Darin hat sie schon Übung, denn auch den Angriffskrieg gegen China hat sie verloren. Wen wundert’s? Mit der “Generation Doof” in den Sesseln ihrer Chefredaktionen wird die Verbrecherbande CIA keinen Propaganda-Krieg mehr gewinnen.
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Ach. Und die russischen Truppen inklusive der von ihr unterstützten Hilfstruppen haben keine Kriegsverbrechen begangen? Ja, das sind alles heroische Freiheitskämpfer.
Wie agierte denn Rußland im Tschechenien-Krieg?
Wie frustriert muß man eigentlich sein, dass man 1984 Wahrheitsministerium spielt.
Marcel, da draussen in der Welt gibts nicht die Guten und die Bösen. Marcel, die Welt ist an und für sich ziemlich ambivalent.
Bei einer Umfrage auf welt.de geben ca 55% der Leser Georgien die Schuld, 33% Russland. Auch das sind aber vielleicht Leute, die sich für die Sache interessieren. Es kann sehr wohl sein, dass insgesamt der Wind dennoch Russland ins Gesicht weht und die Politiker ihre Fähnchen in eben diesen Wind hängen. Damit hätten dann Saakaschwili & Co den Infokrieg durchaus gewonnen, mit erst mal spürbar unangenehmen Folgen für Europa.
@1, Michail Gorbatschow und Gabriele Krone-Schmalz stellen es m.E. sehr glaubwürdig dar: Russland hatte kaum eine Wahl. Und wenn man sich entschließt, ein Gebiet zurückzuerobern, muss man es mit einer gewissen Wucht tun und dabei auch über die engsten Grenzen des Gebietes hinausgehen, um etwa militärische Ziele auszuschalten. Dass Pfarrerstochter Merkel mit eisiger Mine neben Medwedjew über Verhältnismäßigkeit doziert, finde ich eher peinlich. Als hätten andere Länder jemals eine Kriegsmaschine derart im Griff, dass alles genau irgendwelchen juristischen Vorschriften genügt. Und wie soll man überhaupt über Verhältnismäßigkeit befinden, wenn man noch nicht einmal klare Worte über den georgischen Angriff auf Tzchinwali findet, Südossetien gar nicht besucht und stattdessen in Tiflis dem Angreifer NATO-Mitglied in Aussicht stellt und sich von ihm öffentlich lobhudeln lässt? Nur peinlich, so was.
Die Einteilung in Gut und Böse mag im Parteibuch überzeichnet sein, aber sie ist wohl dem literarischen Genre (”deutlicher Wertung in klarer Sprache”) geschuldet. Dir scheint das Genre doch auch ganz gut zu gefallen.
Hier noch mal Krone-Schmalz in n-tv: Russland blieb nichts anderes übrig.
Die URL fehlt oben.
Gorbatschow erklärt recht deutlich, was das Kalkül hinter dem Angriff gewesen sein dürfte: Südossetien und Abchasien waren praktisch für Georgien verloren. Man hatte aber noch eine Chance, mit einem Blitzkrieg das Blatt zu wenden, der für den Angreifer in jedem Fall nur positiv ausgehen konnte: entweder bekommt man das Gebiet oder man setzt Russland kräftig unter Druck, bindet seine Kräfte und schafft ein Klima, in dem die Ausdehnung der NATO an Russlands Grenzen, Raketenschutzschild und diverses mehr sich leichter durchsetzen lassen. Vermutlich wurde immerhin der Infokrieg knapp gewonnen, so dass letzteres Ziel erreicht wurde.
Sehr prägnant kommentiert die JW den “Schulterschluss in Tiflis”.
So lob ichs mir.
[…] Armee des 21. Jahrhunderts In Belgien sitzt nicht nur das NATO-Hauptquartier. […]
Schau an, Agent Lemmy Caution, unser “wohlsituierter” Foren-Kommentator ist wieder da.
Welcher Auftraggeber zahlt denn heute für Deinen Beitrag?
Der Nordstern.
Meldung bei reuters.com:
“Südossetien bittet Russland um ständige Militärpräsenz”
Kokoiti schloss den Einsatz von internationalen Beobachtern zur Überwachung des zwischen Russland und Georgien vereinbarten Waffenstillstands aus.
Tief blicken lässt auch die Begründung von Eduard Kokoiti:
@Nordstern: Erstens kann “wohlsituiert” als ein sehr dehnbarer Begriff aufgefaßt werden und zweitens überschätzt ihr diesen blog mehr als ein bischen, wenn ihr glaubt, jemand würde mich für diesen Unfug bezahlen.
@Hartmut: Frau Krone-Schmalz hört sich in Teilen vernünftig an. Die russischen Sicherheitsinteressen müssen berücksichtigt werden. Dies bedeutet aber nicht, daß man Rußland nicht mit einem gewissen Mißtrauen begegnen sollte. Es gibt einige sehr interessante Innenberichte aus der Russischen Armee. Vom Staatsbürger in Uniform sind die sehr weit entfernt. Da herrscht ein Denken und Handeln, gemäß dem nicht wenige Rekruten in den Tod gemobbt werden. In Russischen Gefängnissen gibts massig Leute, die dort ohne vernünftiges Gerichtsverfahren vor sich hin gammeln, etc.
Es gibt eine Menge an Russland zu bemängeln. Allerdings auch an dem “nahen Ausland”, welches sich teilweise schon deshalb für fortschrittlich und “pro-westlich” hält, weil es sich aus der Sowjetunion abgespalten und dann eigene Mini-Imperien mit nationalistischer Ideologie und Verfolgung von Minderheiten gegründet hat. Russland ist nicht so schlimm, dass man denen nicht zumuten könnte, sich gutnachbarschaftlich in einer gemeinsamen eurasischen Partnerschaft, zu der auch Russland gehört, zu arrangieren.
Gerade diese Georgier richteten Friedenssoldaten mit Genickschüssen hin schweizerische Meldung gelesen. Soweit ich vermute wird die im deutschen Blätterwald wohl nicht auftauchen. Obwohl ich der Meinung bin, das man das nicht verallgemeinern darf. In einem krieg passieren immer schreckliche Dinge auf beiden Seiten.
[…] Position bei Hill & Knowlton - die PR-Agentur, die den zweiten Golfkrieg publik machte. Eine neue Brutkastenlüge? - fragt sich zurecht […]