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14. August 2008

Denn sie wissen nicht, was sie tun …

von @ 12:55. abgelegt unter Indien, USA, Iran, Jordanien, Ukraine, Krieg, Marokko, NATO

Dass der Iran nicht, wie von zahlreichen Propagandisten insbesondere in den USA, Westeuropa und Israel fälschlicherweise behauptet, dabei ist, Atomwaffen zu produzieren, haben sowohl die US-Geheimdienste als auch die IAEA bereits festgestellt.

Der US-Kongress plant dennoch, die House Congressional Resolution 110-362 zu verabschieden, mit dem der Präsident der USA wegen der angeblichen Gefahr, der Iran könne Atomwaffen herstellen, aufgefordert werden soll, eine vollständige Blockade zu See, zu Land und in der Luft gegen den Iran zu verhängen:

“… imposing stringent inspection requirements on all persons, vehicles, ships, planes, trains, and cargo entering or departing Iran; and prohibiting the international movement of all Iranian officials not involved in negotiating the suspension of Iran’s nuclear program…”

Eine Seeblockade wird allgemein als ein Akt des Krieges angesehen.

Wenn ein Land mit einer Seeblockade angegriffen wird, kann es sich mithin im Recht fühlen, sich dagegen militärisch zu verteidigen, indem es beispielsweise Kriegsschiffe der mit der Seeblockade angreifenden Streitmächte versenkt. Die USA würden sicher so handeln, wenn eine Gruppe von Ländern gegen die USA eine Seeblockade verhängen und sie mit Kriegsschiffen am Import des für die Wirtschaft lebenswichtigen Öls hindern würde. An die simple Regel “Was Du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu” halten sich die USA nicht.

Stattdessen kreuzen vor der Küste Irans unter anderem der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln nebst Begleitschiffen und das amphibische Angriffsschiff USS Peleliu nebst Begleitschiffen. Derzeit sieht es so aus, als würden diese beiden US-amerikanischen Kriegsschiffe der Superklasse durch die bedein Flugzeugträger USS Theodore Roosevelt und USS Ronald Reagan nebst Begleitschiffen sowie das amphibische Angriffsschiff der Superklasse USS Iwo Jima nebst Begleitschiffen, die zusammen offenbar gerade in einem Manöver im Atlantik eine Seeblockade trainiert haben, verstärkt werden. Außerdem sollen sich der britische Flugzeugträger UK Royal Navy HMS Ark Royal und ein französisches High-Tech-U-Boot in Richtung Persischer Golf in Bewegung gesetzt haben. Von der US-Armee werden die Flottenbewegungen wie üblich nicht kommentiert, jedoch dementiert, dass die Navy den Autrag habe, eine Seeblockade gegen den Iran durchzuführen und Berichte von der geplanten Flottenkonzentration als falsch bezeichnet.

Das mag stimmen, aber der Einsatzbefehl zur Seeblockade kann jedoch, siehe die geplante oben zitierte Resolution des US-Kongresses, ziemlich schnell kommen. Was dann der Logik der Eskalation folgend passieren kann, übersteigt die schlimmsten Horrophantasien des menschlichen Vorstellungsvermögens.

Die Regierung des Iran wird vermutlich nicht zusehen wollen, dass im Iran wie seinerzeit während der Blockade gegen den Irak Hunderttausende Menschen wegen der Blockade sterben, sondern, die Blockade, wenn möglich, brechen. Es spricht einiges dafür, dass der Iran auch die militärische Fähigkeit hat, eine vor der iranischen Küste stehende NATO-Flotte mit Raketen und Torpedos zu versenken. Da eine Versenkung der Flotte des “Satans” islamistische Hardliner wie Mahmud Ahmadinejad vermutlich auch innenpolitisch stärken würde, darf damit gerechnet werden, dass der Iran, wenn er kann, die US-Flotte, wenn sie einen Akt des Krieges wie eine Seeblockade gegen den Iran ausführt, auch tatsächlich versenken wird.

So einen Schlag würden die USA sicher nicht unbeantwortet lassen. Bush, Cheney und die hinter ihnen stehenden Kriegshetzer hätten bei ihren eigenen Leuten ein dickes Problem, wenn die USA die Versenkung eines Großteils ihrer Flotte und den Tod von möglicherweise mehr als Zehntausend Soldaten der Navy ohne Reaktion geschehen ließen. Mit konventionellen Waffen können die USA jedoch nicht viel ausrichten. Eine Bombardierung mit im Irak und in Afghanistan stationierten Flugzeugen macht zwar viel kaputt, stärkt aber vermutlich die Regierung im Iran eher als dass es sie schwächt. Für eine Invasion des Iran mit Bodentruppen reicht den USA ihre Stärke nicht mal dann, wenn sie die NATO dafür einspannen.

Also bliebe den USA nur der Angriff auf den Iran mit Atomwaffen…

Uri Avnery glaubt - nach einem Blick auf die Landkarte - nicht an einen Krieg gegen den Iran. Doch sie wissen nicht, was sie tun. Der verlorene Krieg in Georgien beweist, dass einige amerikanische Militärs und ihre Hintermänner nicht alle Tassen im Schrank haben und auch dann Angriffskriege führen, obschon ein Blick auf die Landkarte zeigte, dass der Krieg für die georgische Marionettenregierung nicht zu gewinnen war.

Und was macht die EU in dieser Situation? Sie verhängt nicht etwa Sanktionen gegen die verrückten Angriffskrieger, die in den USA am Drücker sind, sondern verschärft ihre Sanktionen gegen den Iran wegen imaginärer Atomwaffen. Immerhin hat Russland inzwischen erkannt, dass die NATO und ihre Vasallen von verrückten Propagandisten und Angriffskriegern geführt werden, seine Militärstrategie überdacht und angekündigt, die Beziehungen Russlands zur NATO zu revidieren.

Es bleibt zu hoffen, dass Dmitrij Medvedev und Vladimir Putin in der Lage sind, den Krieg im Iran durch eine entschiedene Unterstützung der Verteidigungsfähigkeit des Iran zu verhindern. Andere größere Kräfte, die gewillt sind, sich den geostrategischen Angriffskriegen der verrückten Verbrecherbande, die in den USA die Regierungsfunktion innehat, in den Weg zu stellen, scheint es derzeit in der Welt nicht zu geben.

Nachtrag 18.08.2008: Die Flottenkonzentration findet vermutlich nicht statt. Puh!

Nachtrag 21.08.2008: Paul Craig Roberts schätzt die Gefahrenlage ähnlich wie Mein Parteibuch ein. Im Interview mit Press TV aus Teheran sagt er: Bush admin. disconnected from reality

15 Kommentare zum Beitrag “Denn sie wissen nicht, was sie tun …”

  1. noname sprach

    “Eine Seebockade wird allgemein as ein Akt des Krieges angesehen.”

    Ah, wie die russische See-Blockade Georgiens?

  2. Redaktion sprach

    @noname
    Richtig. Falls es sich bei der Ausfahrt der russischen Marine um eine Seeblockade gehandelt haben sollte, war das sicher ein Akt des Krieges.

    Es spricht allerdings inzwischen wohl mehr dafür, dass die russische Marine keine Seebloackade verhängt hat, sondern lediglich russische Truppen nach Abchasien transportiert hat. Dafür spricht auch, dass die russische Marine den Handelspartnern Georgiens keine Blcokade mitgeteilt hat und schnell wieder abgezogen ist.

    Wie dem auch immer sei: der Ausfahrt der russischen Marine ging die Eröffnung des Krieges von Seiten Georgiens aus - nämlich durch den massiven Raketenbeschuss der Stadt Zchinvali. Russland leistete seinen Bürgern und dem de-facto-Regime in Südossentien zur Abwehr eines kriegerischen georgischen Angriffes Beistand und durfte mithin auch angemessene Kriegshandlungen zur Verteidigung Südossentiens gegenüber Georgien begehen.

    Das Abschneiden des Waffennachschubes durch das Verhängen einer kurzfristigen Seeblockade - wir reden hier über maximal fünf Tage - gehört zu den Methoden, einen Krieg unter vollständiger Verschonung von Zivilisten zu gewinnen.

    Bei Seekampfhandlungen wurde mindestens ein georgisches Kriegsschiff versenkt. Das ist legitim, denn Georgien hat den Krieg begonnen und kann sich deshalb nicht über angemessene Akte des Krieges zur Verteidigung beklagen. Durch die Aktion der russischen Marine im Krieg mit Georgien ist übrigens kein einziger Zivilist ums Leben gekommen.

  3. Rolf Schälike sprach

    Ein Krieg beginnt nicht mit einem Angriff auf Zivilisten und der Vernichtung von Städten. Ein Krieg beginnt wesentlich früher.

    Es gibt lediglich einen Kriegsbeginn in den Lehrbüchern, aber auch da sind die Daten umstritten und politisch-ideologisch motiviert.

    Mir sing keine Kriege aus der Vergangenheit bekannt, welche ich als gerechte Kriege bezeichnen würde, in denen es sich gelohnt hätte, als Held zu sterben. Es sind immer Kriege zwischen verrückten Regierungsoberhäuptern, Kriege zwischen Verbrechern auf beiden Seiten auf Kosten der Menschen, welche in ihrer Mehrzahl keine Kriege wollen.

    Wird bei Georgien und Russland nicht anders sein.

    Kriege sind vermeidbar.

  4. s. sprach

    Krieg vor Toresschluß?

    http://www.jung...8/08-12/012.php

    Hab ihr euch nicht getraut WINEP/AIPAC zu erwähnen? ^^

  5. ADWA sprach

    Kritisch,sachlich,gut.Danke.

  6. Hartmut Pilch sprach

    “Krieg ist der Vater aller Dinge”, Frieden eher das Ergebnis von Bemühung. Manche Bergregionen (Balkan, Kaukasus) zeigen das besonders deutlich. Manchmal ist Krieg auch wieder Teil der Schachzüge, die zum (labilen) Frieden führen. Die russische Reaktion schien unvermeidbar, und auch der Vorwurf der Unverhältnismäßigkeit überzeugt kaum. Eine gewisse Schlagkraft ist nötig, damit der Schachzug gelingt und nicht etwa eine lang andauernde Schlammschlacht mit vielen Toten entsteht. Das heute angekündigte Eingreifen der USA erscheint mir (als normalerweise hartnäckigem Freund des US-Imperialismus) als destabilisierender Faktor in Georgien. Es wäre jetzt wirklich im Interesse des Friedens in Eurasien, in Westeuropa eine starke Koalitions zustande zu bringen, die den Amerikanern sagt, sie sollen sich da raus halten. Eine seltene Gelegenheit für solche Koalitionen. Vorgestern wurde Francesco Cossiga mit deutlich pro-russischen Tönen zitiert, und immerhin haben die Regierungen von DE+FR+IT einiges verstanden. Nur ist derzeit wieder eine Desinformationskampagne im Gange, die das rückgängig machen könnte.

  7. Hartmut Pilch sprach

    Sehr schön erklärt der Politologe Prof. Münkler aus Berlin, warum es besser ist, sich auf eine Partnerschaft mit Russland einzurichten, als sich vor den imperialen Traditionen dieses Landes zu gruseln.

  8. Dan sprach

    >Bei Seekampfhandlungen wurde
    >mindestens ein georgisches
    >Kriegsschiff versenkt. Das
    >ist legitim…

    Whatever! Wie kann es legitim sein Menschen zu töten? Genau diese kranke Einstellung führt zu Kriegen. Sackarschwilli hält seine Gründe auch für legitim.

    >Durch die Aktion der
    >russischen Marine im Krieg
    >mit Georgien ist übrigens
    >kein einziger Zivilist ums
    >Leben gekommen.

    Ja klar! Und selbst wenn das wahr ist, was ist de Unterschied zwischen Zivilisten und Soldaten? Das Geschlecht? Das Alter? Die Art der Bewaffnung? Erklären Sie mir das.

  9. Redaktion sprach

    @Dan
    Ein Soldat, zumal wenn er an einem Angriffskrieg beteiligt ist, muss damit rechnen, Ziel militärischer Operationen des Kriegsgegners zu werden.

  10. Dan sprach

    Ich glaube Sie meinen Söldner. Soldat ist man in den wenigsten Fällen freiwillig. In Georgien z.B. gibt es auch eine 18 Monatige Wehrpflicht und keinen Zivildienst (gibt es schon, die Strukturen fehlen aber http://www.bfm....enst_public.pdf ).

    Ein Zivilist in einem angegriffenen Staat muss auch damit rechnen getötet zu werden, aber was soll das heissen?

  11. Kati sprach

    Der Hauptunterschied zwischen Soldaten und Zivilisten ist der, dass Soldaten legitime Ziele von Kriegshandlungen sind und Zivilisten nicht. Ob die Soldaten nun Wehrpflichtige oder Berufsoldaten sind, ist von keiner besonderen Bedeutung. Bei der Beurteilung über die Legitimität des Angriffs auf solche Ziele zumindest nicht. Ob man nun mit den Toten und Verletzten Mitleid empfindet, ist eine ganz andere Frage.

    http://www.eda....law/gecons.html

    http://www.icrc...125641e004aa3c5

  12. Dan sprach

    >Der Hauptunterschied zwischen Soldaten und Zivilisten ist der,
    >dass Soldaten legitime Ziele von Kriegshandlungen sind und
    >Zivilisten nicht.

    Da haben wir es wieder: “legitim”. Siehe Beitrag 8.
    Sie definieren legitim wie? Gesetzeskonform? Das ist ja praktisch, denn Gesetze kann man beliebig aufsetzen - Siehe Diskussion über den Kombattantenstatus.

    >Ob die Soldaten nun Wehrpflichtige oder Berufssoldaten sind,
    >ist von keiner besonderen Bedeutung.

    Ist das Ihre Meinung oder die der kriegsführenden Politiker? Sie haben natürlich Recht: Wehrpflichtige und Berufssoldaten sind ganz normale Menschen, genau wie Zivilisten!

    Ich kenne die Genfer Konventionen und ich bin mir auch bewusst, dass diese in der Theorie sinnvoll und notwendig sind. In der Praxis werden sie dann doch nicht eingehalten. Wenn Sie eingehalten werden, hat das eher finanzielle Gründe. Offiziere auszubilden kostet viel Geld und eine anschließender Tausch der Kriegsgefangenen hat ja für beide Seite Vorteile. Zivilisten werden in jedem Krieg ausgeraubt, vergewaltigt oder getötet.

    Ich weis, dass es keine Welt ohne Krieg geben wird. Kriege werden jedoch von einzelnen Personen initiiert. Es diesen machthungrigen Menschen leichter zu machen, in dem man sprachliche/philosophische Konzepte entwickelt die den Krieg legitimieren, ist in meinen Augen ein großer Fehler.

    Warum steht im Kopf dieses Blogs eigentlich “Krieg ist illegal”, wenn selbst die Redaktion Kriegshandlungen als legitim bezeichnet?

  13. ahmadinejadbush sprach

    es ist schon witzig… wir werden eh nie etwas ändern können!

    die politiker werden immer mit uns spielen, egal ob im iran, in der usa, deutschland, russland… wir müssen nur das spiel erkennen und uns nicht verarschen lassen!

    ich würde nie in den krieg ziehn! nicht für diese politiker! sollte ich einen menschen wie che guevara treffen - was niemals passieren wird - dann steh ich bereit!

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