| Hinter dem Spiegel |
Der Spiegel hat sich diesmal Mühe gegeben und gleich drei Autoren an den dreiseitigen Artikel über politische Blogs in Deutschland gesetzt. Das war auch bitter nötig, denn hätte der Spiegel die “Generation Doof” oder einen Blindgänger wie Bernd Graff von der Süddeutschen an das heikle Thema gesetzt, dann hätte er nichts anderes bewirkt, als ausgelacht zu werden und die politische Blogosphäre zu stärken.
Die Botschaft “Politische Blogs sind in Deutschland so gut wie nicht vorhanden” und “rechthaberisch, selbstbezogen und unprofessionell” wurde diesmal von Markus Brauck, Frank Hornig und Isabell Hülsen gut verpackt. Leser des Spiegel dürfen sich schlau fühlen, wenn sie im Gegensatz zu Bild-Lesern in der Lage sind, die Schlussfolgerung “politische Blogs in Deutschland sind nicht lesenswert” selbst zu ziehen.
Woran das liegt, dass politische Blogs in Deutschland im Vergleich zur USA vergleichsweise bedeutungslos seien, erklärt der Spiegel seinen Lesern natürlich auch. So erklärt der Spiegel den Grund der Online-Stärke von US-Blogs mit den Worten “Verantwortlich für die Online-Stärke sei aber auch die Schwäche der etablierten US-Medien mit ihrer voreingenommenelitären Berichterstattung” und behauptet damit implizit, deutsche Medien würden nicht “voreingenommenelitär” berichten.
Das passt zwar prima zur zu vermittelnden Botschaft, ist jedoch ziemlich grober Unfug. Um das zu erkennen, muss man gar nicht mal den Verdacht haben, der Bertelsmann-Eigner und Spiegel-Mitbesitzer Reinhard Mohn arbeite genau wie der US-Medienzar Rupert Murdoch für die CIA. Die vielen an Realsatire erinnernden Märchen in der deutschen Milliardärspresse sprechen ohnehin für sich.
Durch den groben Unfug, die hohe Qualität der deutschen Medien sei für die relativ geringe Reichweite der deutschen Blogs entscheidend, verschleiert der Spiegel, dass politische Blogs in Deutschland von Abmahnanwälten und der deutschen Zensurjustiz regelmäßig plattgeklagt werden, sobald sie zu erfolgreich werden. Geschickt macht der Spiegel dabei Schleichwerbung für Politically Incorrect, und erzählt dabei das Märchen, die hässliche Seite sei “nach kritischen Berichten in der Presse” ins Ausland umgezogen. Die deutsche Zensur zu erwähnen, wird so selbst in diesem Absatz geschickt umgangen. Darauf hinzuweisen wüde vermutlich die Glaubwürdigkeit des Märchens von der freien Presse in Deutschland gefährden.
![]() |
| Bild am Montag |
Der Versuch, die politische Blogosphäre in Deutschland mit Desinformationen zu diskreditieren, dürfte jedoch trotz des vergleichsweise geschickt geschriebenen Artikels nach hinten losgehen. Die so gut wie nicht vohandene politische Blogosphäre in Deutschland zerpflückt auch diesen Spiegel-Artikel. Egal, ob da nun über Reichweiten, Zahnpasta, Heuchelei, Professionalität, PR, Alpha-Journalisten, Vergleicherei, Hackebeile, Sommerloch oder heiße Luft geschrieben wird, nette Worte für das Hamburger Märchenblatt finden sich nicht. Bei Tutsi gibt es einen Überblick über mehr Blog-Feedback zum Spiegel-Artikel. So viel Einigkeit gab es in der Blogosphäre selten.
Was vom Spiegel nach einiger Zeit umfassender Kritik durch politische Blogs in Deutschland noch übrig bleibt, erklärt der Weltherrscher kurz und prägnant: DerSPIEGEListscheisse!. Vielleicht spricht sich in der deutschen Blogosphäre nun auch die Idee rum, keine Links auf Spiegel-Online zu setzen und auch den Rest der verlogenen Milliardärspresse mehr und mehr einfach zu ignorieren. Übrigens: Der Parteibuch Ticker ist für den Spiegel vermutlich so etwas wie eine Fata Morgana.
![]() |
| Gehorsam |
Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
[18 queries. 7.917 seconds. 10 level2 caches. Top ]
Der einzig wichtige Satz des SPIEGEL-Artikels scheint mir das Zitat von Habermas zu sein, der hier die „Wurzeln einer egalitären Öffentlichkeit von Autoren und Lesern“ sieht. Die Breitseiten, die man bei dem Magazin gegen Blogs abfeuert ( „unpolitisch, rechthaberisch, selbstbezogen und unprofessionell“), zeigt dessen eigene Polemik bzw. „Beschimpfung“ auf, nicht die einer „Sekte“, wie man dort Blogs, mit Verweis auf SPIEGEL-Autor Broder’s Ungehörigkeiten, selbstbezogen zu disqulifizieren beliebt.
Insoweit erfüllt der Artikel den Anspruch „insgesamt ohne große Bedeutung“zu sein und kratzt selbstverstädlich auch nicht am „voreingenommen-elitären“ „Alleinvertretungsanspruch“ der Milliardärspresse, die trotzdem ihre Deutungshohheit früher oder später verlieren wird. „Dass“ bei dem von einem Fünftel der Gesellschaft gepflegten und gelebten Sozialdarwinismus und menschenverachtendem Neoliberalismus selbst „die breite Masse und nicht bloß ein paar Freaks das Gefühl bekommen, die etablierten Medien bieten nicht genug, ist“ ausdrücklich absehbar und nicht, wie der im Artikel zitierte Jan Schmidt meint, „unwahrscheinlich“.
Eine infame Unterstellung ist die Behauptung, „David hat keinen Stein in der Schleuder. Also schmeißt er mit Dreck“ im weiteren Zusammenhang mit den Nachdenkseiten. Die Nachdenkseiten zeigen tagtäglich, dass es in unserem verkommenen Land noch Menschlichkeit gibt, dass man mit Redlichkeit Menschen erreichen kann, dass Fakten (s. Riester-Rente) zählen, die die Milliardärspresse verschweigt. Die Nachdenkseiten haben Fakten in der Schleuder. Kein Wunder, wenn deshalb die Person, nach der die Rente benannt ist, die inhaltliche Auseinandersetzung inzwischen verweigert.
Abwertend und ohne jegliche Fakten zu nennen werden Spiegelfechter’s „ellenlange Texte über angebliche Verzerrungen der Massenmedien“ als „Leitarikel für den Hausgebrauch“ verunglimpft, um dann, diesmal aufwertend, die Frage seiner Omnikompetenz in den Raum zu stellen, die wiederum abwertend mit dessen „Hauptberuf“ als Öffentlichkeitsarbeiter eines Wasserversorgers ( sou ebbes {sowas},wie uncool!) lächerlich gemacht wird. Was den SPIEGEL-Autoren fehlt, das hat Jens Berger in seinen Artiklen gezeigt: Herzblut und menschliche Kompetenz.
In der gleichen Print-Ausgabe veröffentlicht das Magazin eine Handlungsanweisung für den ‘erfolgreichen’ Zocker („Der amerikanische Patient“), dessen erster ‘kompetenter’ Ratschlag lautet – mit Ausrufezeichen: „Misstraue der Gier der anderen!“, um sogleich die Verantwortlichen der US-Immobilien- und Finanzkrise zu benennen (einer- und andererseits): „Die schlechtverdienenden US-Kleinstsparer sind zwar einerseits an allem schuld – andererseits aber eben doch nur Opfer.“ Ach ja, so einfach ist das!
Der so genannten westlichen Wertegemeinschaft, wie sie von den Machthabern gestaltet wird, kann man in der Tat nur noch mit abgrundtiefem Misstrauen begegnen. Es herrscht Lug und Trug. Es herrscht maßlose Gier. Propaganda, die Hure der Macht, regiert. Es gibt kein Vertrauen.
Die Menschen haben Angst.
Wahrheit, wo bist du geblieben? Wo findest du noch Unterschlupf?
Schau in den Spiegel. Es gibt dich nicht mehr.
KaH
[…] Politische Blogs sind in Deutschland so gut wie nicht vorhanden auf "Mein Parteibuch": "…der Versuch, die politische Blogosphäre in Deutschland mit Desinformationen zu diskreditieren, dürfte jedoch trotz des vergleichsweise geschickt geschriebenen Artikels nach hinten losgehen. Die so gut wie nicht vohandene politische Blogosphäre in Deutschland zerpflückt auch diesen Spiegel-Artikel…" (Quelle und Originaltext: Mein-Parteibuch) […]
Dein Parteibuch ist jetzt ebenfalls in der Linkliste, würde mich freuen, wenn Du ebenfalls bei unserer kleinen Aktion mitmachst, denn wir werden immer mehr
[…] “Politische Blogs sind in Deutschland so gut wie nicht vorhanden” Der Spiegel hat sich diesmal Mühe gegeben und gleich drei Autoren an den dreiseitigen Artikel über politische Blogs in Deutschland gesetzt. […]
[…] Der Parteibuch Ticker ist für den Spiegel vermutlich so etwas wie eine Fata Morgana. (Quelle: Mein Parteibuch) AutorMein […]
[…] wohl liegen?! Da hättet ihr mal besser recherchieren können und den Blogautor von “www.Mein-Parteibuch.de” (Jetzt .com) interviewt!! Der hätte Euch schon erzählt, warum die politische Blog-Kultur in […]
Du hast so Recht mit dem Artikel und genau an diese Seite musste ich denken, als ich den diesen echt lächerlichen Vorwurf gelesen habe! Daher habe ich diese Seite in meinem Beitrag erwähnt und führe (ohne das hier vorher gelesen zu haben!!) fast die identischen Argumente auf ;-)…herrlich wie wir Blogger uns hier mal alle einig sind und das sogar noch genre-unabhängig!
[…] blog Gastgewerbe Gedankensplitter Indiskretion Ehrensache internetszene.com Ja gut, aber … mein-parteibuch.com Moderne-Unternehmenskommunikation.de NachDenkSeiten Newskraft-Blog Oeffinger Freidenker Peter […]
[…] Jeder Bloggende in Deutschland fühle sich von mir aufgefordert, die Bullshit-Sprache der Politikshow, der zentral organisierten Massenmedien und wirtschaftlicher Propagandastellen völlig abzustreifen und wieder klare deutsche Begriffe zu verwenden, auf dass viele Menschen begreifen, was hier mit ihnen geschieht. Auch, wenn dieser Stil dem ehemaligen Nachrichtenmagazin nicht gefallen kann. […]
Vielleicht haben die Spiegel-Autoren um einige Ecken gedacht, wie man das in den Dikataturen so machen muss. Um die Blogsphäre zu schützen, wird diese klein geredet.
Damit wird die Bedeutung eines Buske auf Null gesetzt. Buske verhandelt gegen Unbedeutung, ist damit kleinkarriert, weil er sich mit diesem Kleinfvieh abgibt.
In der DDR und der Sowjetunion wurden auf diese Art und Weise gute Leute und Gruppen geschützt.
Das letzte Mal habe ich vor etwa anderthalb Jahren,in einem Wartezimmer,einen “Spiegel”in der Hand gehabt,habe mich angewiedert geschüttelt und ihn weggelegt.Ich weiß das viele aus alter Verbundenheit immer noch verzweifelt dieses Blättchen durchblättern,aber da kommt nix mehr,gebt es auf,es ist nur noch der Name.
Die deutsche Bloggerszene ist zwar noch recht klein, aber in meinem Reader sind auch ca. 20 “politische” Blogs aus dem amerikanischen Raum und etliche russische, usbekische und Schweizer Blogs, die man dann eben auch fast taeglich liest und diskutiert. Das Bloggen national zu verorten ist doch heute im Prinzip ueberfluessig, solange es nicht nur um rein spezifisch deutsche Themen geht. Ich versuche SPON online wegen seiner penetranten Ideologie schon laenger bewusst nicht mehr zu nutzen. Stattdessen Startseite: news.google.com nach Topics personalisiert.
[…] Politische Blogs sind in Deutschland so gut wie nicht vorhanden auf “Mein Parteibuch”: “…der Versuch, die politische Blogosphäre in Deutschland mit Desinformationen zu diskreditieren, dürfte jedoch trotz des vergleichsweise geschickt geschriebenen Artikels nach hinten losgehen. Die so gut wie nicht vohandene politische Blogosphäre in Deutschland zerpflückt auch diesen Spiegel-Artikel…” (Quelle und Originaltext: Mein-Parteibuch) […]
[…] Politische Blogs sind in Deutschland so gut wie nicht vorhanden von Meinparteibuch […]
@ Vorredner
… wenn Journalismus zu Propaganda entartet …
Propaganda heißt Menschen manipulieren.
Ich weiß ja nicht was man denen morgens in den Tee gekippt hat auf SPON, das war aber mal ganz klar unterste Kajüte!
[…] weiterlesen… […]
[…] “Politische Blogs sind in Deutschland so gut wie nicht vorhanden” (Mein Parteibuch Blogg) […]