Markus Klöckner hat gestern in der Jungen Welt das im Riemann Verlag erschienene 542 Seiten starke Buch “Die Super-Klasse: Die Welt der internationalen Machtelite” von David Rothkopf vorgestellt. Die Redaktion von Mein Parteibuch hat sich die gut 20 Euro, die das Buch kostet, gespart, das Buch nicht gelesen, erlaubt sich aber trotzdem einige Anmerkungen dazu zu machen.
Eine wesentliche Information fehlt in der Rezension leider. Wie bei jeder Publikation lohnt es sich nämlich, mal kurz zu schauen, wo das Buch herkommt. Dass der Autor mal ehemaliger stellvertretender Staatssekretär der, wie Mein Parteibuch verrät, bemerkenswerterweise aus Arkansas kommenden Clinton-Regierung war und damit ein Insider der internationalen Machtelite ist, verrät Markus Klöckner zwar, aber weitere Hintergründe zur Herkunft des Buches fehlen leider. Ein vom Buch nicht entzückter Kommentator bei Amazon legt besonderen Wert auf den Hinweis, dass David Rothkopf früher “managing director” bei “Kissinger Associates” war. Bei Google findet man überdies das Profil von David Rothkopf bei The Rothkopf Group.
Gar nicht betrachtet wird der Verlag, in dem das Buch erschien. Das ist schade. Das Buch ist eine Übersetzung des ursprünglich in englischer Sprache bei Farrar, Straus and Giroux” erschienenen Buches “Superclass: The Global Power Elite and the World They Are Making“. Der Verlag “Farrar, Straus and Giroux” gehört, wie “ein Blick in die Wikipedia verrät, seit 1993 zur Verlagsgruppe Holtzbrinck. Die deutsche Übersetzung ist im Riemann Verlag, der, wie viele andere Verlage auch, über Random House zu Bertelsmann gehört. Das Buch des ehemaligen Direktors von Henry Kissinger über die internationale Machtelite ist also ein waschechtes Erzeugnis der Milliardärspresse.
Kann man nun erwarten, dass die Milliardärspresse die Wahrheit über die Machtelite der Milliardäre verbreitet? Bisher ist die Milliardärspresse zwar schon oft durch groß angelegte Lügen aufgefallen, aber kaum durch die Verbreitung authentischer Analysen Berichte über die Zentren der Macht in den USA. Wer die Milliardärspresse kennt, könnte auf die Idee kommen, dass das Buch höchstwahrscheinlich im Wesentlichen aus nichtssagenden oder schon bekannten Geschichten sowie Desinformation besteht. Die These der enthüllten Nebensächlichkeiten zur Verdeckung des Wesentlichen stützt ein Kommentar von Robert D. Steele, der schreibt, dass das Buch Namen nicht nennt und Netzwerke nicht illustriert.
Wenn es existiert, worin also mag das Wesentliche bestehen, dass in dem Buch verdeckt wird? Markus Klöckner berichtet in der jungen Wet über das Buch:
“Rothkopf spricht sich gegen die Annahme aus, daß diese globale Super-Klasse eine fest eingeschworene Gemeinschaft sei und durch ihren Zusammenhalt, aber auch durch eine Strategie die Welt aus dem Verborgenen lenke. Dazu, so Rothkopf, gibt es zu viele Konflikte, zu viele »Flügelkämpfe«, zu viele Kontroversen innerhalb dieser Machtelite, als daß man annehmen könne, ihre Mitglieder bildeten eine Art geheime Weltregierung. Allerdings, und darauf verweist der Autor immer wieder, dürfe man nicht den Fehler begehen, die Handlungsmacht der Super-Klasse zu unterschätzen. Obwohl die Super-Klasse fragmentiert und gespalten ist, drängen deren Angehörige in den politischen Entscheidungsrahmen. Geschickt gelingt es ihnen durch ein Netzwerk von Think Tanks und Elitenzirkel, die Rothkopf als »den sozialen Kitt« bezeichnet, der die Machtelite zusammenhält, die Politikausrichtung der nationalen Parlamente zu beeinflussen.”
David Rothkopf scheint also mit seinem Buch zu beweisen, es gäbe keine zentrale Agentur, die die internationale Machtelite zentral steuert. Mein Parteibuch wäre neugierig zu erfahren, welche Rolle die Central Intelligence Agency in dem Buch einnimmt. Falls also jemand das Buch von Bertelsmann gekauft hat, könnte mal jemand darauf achten, ob und wenn ja, wie, darin folgende Fragen beantwortet werden.
Wird die CIA vielleicht vergessen? Welche Schlußfolgerungen zieht David Rothkopf daraus, dass der mächtige Gewerkschaftsboss Jay Lovestone Agent der CIA war und mit CIA-Millionen Weltpolitik machte? Wird der Frage nachgegangen, ob auch Leute wie Bertelsmann-Boss Reinhard Mohn oder Medienzar Rupert Murdoch Agenten der CIA sind? Gibt es für die CIA eine Möglichkeit, im verborgenen Druck auf die Personen der Machtelite auszuüben, so dass die Machtelite nach der Pfeife der CIA tanzen muss? Haben Mitglieder der Machtelite besonders große Angst vor Badeunfällen oder ähnlichen Widrigkeiten des Lebens? Wird erwähnt, dass Henry Kissinger 1945-1946 beim US-Geheimdienst CIC war und auch Geheimdienstnachwuchs unterrichtete? Hält David Rothkopf eine vorübergehende geheimdienstliche Tätigkeit von einigen Mitgliedern der Machtelite für nebensächlich oder vertritt er die These, einmal Geheimdienst, immer Geheimdienst?
Interessant wäre es auch zu erfahren, ob David Rothkopf, der sich mit einer vom Namen her etwas an “Intelligence” erinnernden Firma namens “Intellibridge” am Markt positionierte, selbst eine Geheimdienstausbildung hat. Sollte David Rothkopf selbst eine Geheimdienstausbildung haben, dann könnte man das Buch in etwa so sehen, wie als ob die CIA ihre eigene Tätigkeit in der Öffentlichkeit darstellen würde.
Die Verbreitung von Desinformation ist eine klassische Tätigkeit von Geheimdiensten. Das muss natürlich nicht sein, dass hier so ein Fall vorliegt. Vielleicht sind die Anekdoten aus dem Milliardärsleben ja auch lehrreich und lesenswert. Aber angesichts dessen, dass die Milliardäre Mohn und Holtzbrinck das Buch unter die Leute bringen, sollte man beim Lesen, auch wenn man die These von der besonderen Macht der Geheimdienste nicht teilt, in jedem Fall den Spin berücksichtigen, dass dieses Buch eine Publikation von Milliardären über Milliardärskameraden ist und mit einem Whistleblowerbuch wohl nichts zu tun hat.
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| Trautes Heim |
Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
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[…] die Wahrheit über die Machtelite der Milliardäre verbreitet?” fragt sich Mein-Parteibuch, das hinter dem Buch “Die Super-Klasse. Die Welt der internationalen Machtelite” den […]
[…] zu haben. Stattdessen lästern die Leute über die offene Zensur bei Holtzbrinck. Dabei ist Meinungsmanipulation bei Holtzbrinck wahrlich nichts […]