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24. Juni 2008

“Unerfreuliche Kontakte” von John McCloy

von @ 14:16. abgelegt unter Deutschland, USA, CDU

Die US-Botschaft in Deutschland hat auf ihren Webseiten ein Essay von Garrick Utley veröffentlicht, mit dem sie den ehemaligen amerikanischen Hohen Kommissar von Deutschland und den großen Mann beim American Council on Germany, John J. McCloy, ehrt. Darin heißt es zum Beispiel:

“Die deutsch-amerikanischen Beziehungen wurden geprägt von McCloys scharfsinnigem Verständnis für die Aufgaben, die Deutschland in einer neuen Ära der Versöhnung und des Wiederaufbaus erwarteten.”

Das hört sich wirklich nett an. Solche und so ähnliche Texte zu John McCloy finden sich überall. Im deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag zu John Jay McCloy fehlen jedoch merkwürdigerweise Angaben dazu, was John McCloy zwischen 1921 und 1941 gemacht hat.

In der englisprachigen Wikipedia heißt es dazu lapidar:

He was a legal counselor to the major German chemical combine I. G. Farben … McCloy was notably supportive of the Third Reich at least until 1939 and was photographed sitting with Hitler at the 1936 Berlin Olympics.

Na sowas. Etwas verwirrend ist auch der Text, der nun im Artikel des Parteibuch Wiki zu John McCloy steht:

“Bis 1940 war John McCloy Mitglied der Anwaltsfirma Cravath, de Gersdorff, Swaine and Wood, wo er die I.G. Farben und ihre Partner vertrat. Seine Frau Ellen war nicht nur Großcousine von Konrad Adenauers Frau Gussie, sondern auch Großcousine von Peggy Zinsser Douglas, deren Mann Lew Douglas offenbar ehemaliger Vize-Präsident und Director der Firma American Cyanamid war, die einer Quelle zufolge zusammen mit einer I.G. Farben Firma Produzent und Weltvermarkter von Zyklon B war. Als stellvertretender Kriegsminister sorgte John McCloy dafür, dass Auschwitz, dessen Bombardierung vermutlich viele Insaßen hätte befreien können, was aber für die I.G. Farben von großer Wichtigkeit war, von den Alliierten nicht bombardiert wurde.”

Naja, das ist bestimmt falsch und nicht weiter relevant. Sowas würden seriöse Medien sicher nie verbreiten. Viel schöner und wahrer ist der Text, mit dem Ferdinand Oertel John McCloy in einer festlichen Schrift huldigt, die bei der Konrad-Adenauer-Stiftung veröffentlicht ist. Dort wird erklärt, wie der Sohn John McCloy II anlässlich eines Festaktes die Karrierestufe seines Vaters John McCloy beschreibt:

“Trotz ihres irischen Namens hatten die McCloys väterlicher- und mütterlicherseits deutsche Vorfahren, was ihre Affinität zu Deutschland besonders prägte. Allerdings hatte John McCloy Sen. unerfreuliche Kontakte mit Vertretern des nationalsozialistischen Regimes, als er als junger Anwalt mit der Aufklärung eines Bombenattentates auf ein Munitionslager im New Yorker Hafen befasst war. Anschließend interessierte sich das US-Kriegsministerium für seine dabei gewonnenen Kenntnisse über die Nazigrößen und übernahm ihn bald darauf in seine Dienste.”

Das ist wirklich sehr schön geschrieben. “Unerfreuliche Kontakte” sind prima Worte. So muss das sein, dann klappt’s auch mit dem Image. Zu Abschluss dieses Artikels noch ein Zitat als Quiz.

„Der Name Mussolini wird in goldenen Buchstaben in die Geschichte der katholischen Kirche eingehen!“

Von wem stammen diese Worte? Ein Hinweis sei erlaubt: Sein Schwager hatte scharfsinniges Verständnis für die Aufgaben, die Deutschland in einer neuen Ära der Versöhnung und des Wiederaufbaus erwarteten.

14 Kommentare zum Beitrag ““Unerfreuliche Kontakte” von John McCloy”

  1. “Unerfreuliche Kontakte” von John McCloy | Radio Utopie sprach

    […] Deutschland in einer neuen Ära der Versöhnung und des Wiederaufbaus erwarteten. (Quelle: Mein Parteibuch) AutorMein […]

  2. “Unerfreuliche Kontakte” von John McCloy » Beitrag » SaarBreaker sprach

    […] Von wem stammen diese Worte? Ein Hinweis sei erlaubt: Sein Schwager hatte scharfsinniges Verständnis für die Aufgaben, die Deutschland in einer neuen Ära der Versöhnung und des Wiederaufbaus erwarteten. (Quelle: Mein Parteibuch) […]

  3. Lemmy Caution sprach

    Es ist doch sehr vernünftig, dass die Amerikaner für die Einführung eines demokratischen, friedlichen und produktiven West-Deutschlands Personen ins Land schickten, die eine Affinität zur deutschen Gesellschaft hatten. Ähnlich wars doch auch mit Mc Arthur in Japan. Hat doch funktioniert.
    Schaut euch doch mal die Tatsachen an.
    Die nicht enden wollenden Progrome gegen Ausländer in Ost-Deutschland, die dort gewählten brutal-populistischen Parteien (Die LINKE, NPD), die Tatsache, dass die meisten dunkel-häutigeren Menschen Westdeutschland das Neues Deutsche Leseland zu ihrer persönlichen No-Go Ärea erklärt haben, die völkischen Tendenzen dort, uvam. zeigen doch eindeutig, dass die Entnazifizierung in Westdeutschland ein nachhaltiger Prozess darstellt, den die meisten Ostdeutschen bis heute noch nicht einmal begriffen haben.
    Schade eigentlich.

  4. Redaktion sprach

    @Lemmy
    Sicher ist das erfreulich, dass die Amerikaner Personen ins Land schickten, die eine Affinität zur deutschen Gesellschaft hatten.

    Nur hatte John McCloy, wie dieser Beitrag des WDR zeigt, keineswegs den Auftrag der “Einführung eines demokratischen, friedlichen und produktiven West-Deutschlands”. John McCloys Auftrag war in Wirklichkeit die Spaltung Deutschlands und aus Westdeutschland gegen den Willen der deutschen Bevölkerung anstelle eines friedlichen, demokratischen und geeinten Deutschlands einen militarisierten antikommunistischen Frontstaat zu machen, dessen Scheindemokratie von der CIA gesteuert wurde.

    Und zur Entscheidung, angesichts seiner Vergangenheit ausgerechnet John McCloy zur Re-Education und Entnazifizierung nach Deutschland zu schicken, dazu darf man wohl sagen, dass damit ein Bock zum Gärtner gemacht wurde. Im Braunbuch lässt sich denn auch prompt nachlesen, wie wenig erfolgreich John McCloy Westdeutschland “entnazifiziert” hat.

    Die Linke “Brutal populistisch” und dabei in einem Atemzug mit der NPD zu nennen, verdreht die Fakten auf den Kopf. Der NPD, Terror und menschenverachtendem Populismus stehen Personen wie Franz Josef Strauß und, wie der letzte Wahlkampf in Hessen zeigt, Roland Koch, nah, aber nicht die Linkspartei.

    Dass die “Entnazifizierung in Westdeutschland ein nachhaltiger Prozess darstellt”, ist frei erfunden. Die Rechtsextremismus-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung belegt das Gegenteil: Rechtsextremismus ist in Westdeutschland genauso verbreitet wie in Ostdeutschland, nur wählen Rechtsextremisten da seltener NPD, sondern stattdessen bevorzugt christdemokratisch.

    Mach Dir nichts draus, Lemmy, dass dein Weltbild auf Fehlinformationen deines eigenen Geheimdienstes beruht. Das kann jedem mal passieren, dass man der falschen Seite dient. Die CIA, die das zu verantworten hat, ist eine Verbrechertruppe, die in der Welt wohl einmalig ist.

  5. Lemmy Caution sprach

    Studie der Universität Leipzig. *Lach*
    Bei Befragungen in Ostdeutschland muß man immer in Betracht ziehen, dass die 40 Jahre in einer Diktatur lebten, in der freie Meinungsäußerungen verboten waren. Die antworten “Autoritätspersonen” einfach mit der “offiziellen” Antwort.
    Linke und NPD unterscheiden sich in dem entscheidenden Punkt wenig:
    - tiefer Haß gegen selbstständiges Denken
    - utopistische Heilslehren
    - tiefes Mißtrauen gegen Eigenmotivation
    - lebensfeindliche Grundeinstellung wg. hysterischen Gerechtigkeitsvorstellungen, die sich dann irgendwann in Lagern wie Bautzen, Archipel Gulag oder Ausschwitz entlädt

    Schwierig für Kommando-und-Kontrolle-Persönlichkeiten zu verstehen. Aber die Ausländer befinden mit den Füßen darüber, in welchem Teil Deutschlands Werte wie Toleranz und Offenheit gelebt werden. Selbst wenn universitäre Autoritäten etwas anderes sagen: Es ist nicht unbedingt so.

  6. Redaktion sprach

    @Lemmy
    Deinem Kommentar ist zu entnehmen, dass Du Dich mit der Rechtsextremismus-Studie nicht mal ansatzweise beschäftigt hast.

    Die platten Sprüche, die Du hier von Dir gibst, sind nichts weiter als ein peinliches Zeugnis der Gehirnwäsche, die Dir offenbar wiederfahren ist.

    Lies Dir den Unfug mal selbst durch, den Du hier von Dir gibst:

    “Bei Befragungen in Ostdeutschland muß man immer in Betracht ziehen, dass die 40 Jahre in einer Diktatur lebten, in der freie Meinungsäußerungen verboten waren, in der freie Meinungsäußerungen verboten waren. Die antworten “Autoritätspersonen” einfach mit der “offiziellen” Antwort.”

    Einerseits ist das zwar komisch, weil Du den in Westdeutschland herrschende Buskeismus damit völlig übersiehst. Andererseits ist das tragisch, denn Du hälst Ostdeutsche offenbar für so blöd, dass sie Meinungsforscher für “Autoritätspersonen” halten. Mehr Vorurteile als Du zu haben, geht wohl kaum.

    Wie wäre es, wenn Du es mal mit Qullenrecherche und eigenständigem Denken probierst, anstatt immer nur den Unfug wiederzukäuen, die die westliche Propaganda Dir eingetrichtert hat?

    Die Bundesrepublik Deutschland ist keine Demokratie, sondern weist alle Merkmale einer totalitären Diktatur auf. Und du agierst hier als Vertreter dieser Diktatur.

  7. Lemmy Caution sprach

    Wen interessiert, ob nach deiner Meinung die Bundesrepublik Deutschland eine Demokratie ist oder nicht?
    Ich find nur, dass wenn es in Regionen innerhalb eines Landes sehr unterschiedliche Einstellungen herrschen, eine Trennung langfristig unvermeidlich ist.
    Vermute mal, du bist in der DDR aufgewachsen. Wählt Die LINKE und gründet eine Deutsche Demokratische Republik, wenn ihr meint, es gäbe hier Demokratie-Defizite. Die westdeutschen, die diese Meinung teilen, können dann ja dorthin ziehen.

  8. Redaktion sprach

    @Lemmy
    Platter geht’s nimmer. Die Kernaussage deines Kommentars lässt sich mit dem ebenso alten wie platten Spruch der Rechten “Geh doch rüber!” zusammenfassen.

    Zu den Demokratie-Defiziten in der real existierenden deutschen Demokratie gibt es hier etwas mehr Hintergrund-Informationen: Demokratie in Deutschland - Gefälscht von der CIA.

  9. Hartmut Pilch sprach

    Stammt der Spruch über Mussolinis Verdienste um die katholische Kirche von Adenauer?

    Furchtbar skandalös finde ich ihn nicht, wenn man bedenkt, dass Mussolini tatsächlich ziemlich viel für die Stabilisierung der Position der katholischen Kirche in Italien (Lateranverträge u.a.) getan hat.

    Mussolini hat auch die Monarchie geachtet und wurde 1943 nach der Invasion Siziliens mit einer legalen Prozedur vom Staatspräsidenten abgesetzt. Das zu einer Zeit, in der sein Staatswesen schon durch das Bündnis mit Hitler negativ (z.B. in Richtung Rassengesetze) beeinflusst worden war. Die Zusammensetzung von Mussolini und Hitler unter einem Oberbegriff (”Faschismus”) kann manchmal irre führen.

    Interessant wäre auch zu wissen, wann und in welchem Zusammenhang der Spruch getätigt wurde.

  10. Lemmy Caution sprach

    Geschichte als ewiger Kampf der ach so verfolgten Linken, denen das “Genick gebrochen” wurde.
    Die Marginalisierung der 70er Jahre Linke läßt sich wohl eher mit der Enttäuschung über die letztlich hoffnungslosen linksrevolutionären Bewegungen in der Dritten Welt, dem Erfolg populärer marktorientierter Regierungen in den Industrieländern (Thatcher, Reagan) sowie vor allem auch der zunehmenden Verarmung der Länder des real existierenden Sozialismus gegenüber den westlichen Staaten erklären. Innerhalb der SPD gab es immer bis heute eine klare Ausgrenzungslinie gegenüber linksextreme Positionen. Z.B. wurde auch ein aus eigener Erfahrung eindeutig Bekehrter wie Herbert Wehner immer wieder mit seiner dunklen Vergangenheit konfrontiert. Oder vorher Noskes mutiges eingreifen gegen die von Liebknecht angeführten Anti-Demokraten. Und natürlich auch die heftigen Auseinandersetzungen des noch heute äußerst geachteten Helmut Schmidts mit dem linken Abgrund der SPD.
    Konrad Adenauer überlebte übrigens den Nationalsozialismus versteckt in kirchlichen Einrichtungen des Kölner Umlands.
    Eine tiefe Abnabelung von anti-demokratischen Traditionen ist ein komplexer Prozeß, der Jahrzehnte benötigt. Ähnliches war in Chile und Spanien zu beobachten. In der ostdeutschen Debatte sind ja in gewissen Kreisen noch heute völkische Argumentationslinien virulenter als bei uns.

  11. Redaktion sprach

    @Lemmy
    Was Du hier machst, ist nichts weiter als Dir rechten Terror, US-Angriffskriege und faschistische Diktaturen schönzureden.

    Zu deiner Argumentation gegenüber Ostdeutschen, ließ einmal dieses Zitat hier:

    “Was starrst Du auf den Splitter im Auge deines Bruders, und den Balken in Deinem eigenen Auge siehst Du nicht?”

    Hier noch einmal deutlich, damit auch Du verstehst, was gemeint ist: Dass Dir nicht das hohe Bildungsniveau zuteil wurde, das im Osten schon lange üblich gewesen ist, versuchst Du mit der Arroganz des im Siegerstaate Lebenden zu überspielen.

  12. Lemmy Caution sprach

    Vom DDR Bildungssystem hätte man sicher einige Ideen übernehmen können. Aber da war keiner, der es verteidigte (vermutlich Angst vor den neuen Autoritäten).
    In der höheren Bildung war die DDR nicht besser als die Bundesrepublik.

  13. Redaktion sprach

    Irrtum. Im Osten scheint sich das Bildungssystem langsam auszuzahlen. Deshalb sind da trotz der massiven Propaganda nicht mehr ganz so viele Leute blöd genug, CDU zu wählen.

  14. mein-parteibuch.com » Das Landgericht Nürnberg-Fürth, die Politik und der Kameradenkreis der Gebirgsjäger sprach

    […] Adenauers Schwager John McCloy, der nicht nur durch seine Tätigkeit für die IG Farben die deutsche Täterperspektive bestens kannte, Hubert Lanz und andere Kriegsverbrecher in die Freiheit entlassen. Hubert Lanz wurde denn auch […]

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