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23. Juni 2008

Noch mehr Jura-Spaß an der Uni Hannover und anderswo

von @ 11:51. abgelegt unter Korruption, Recht und Unrecht, Kriminalität

Mein Parteibuch berichtete vor etwas mehr als einem halben Jahr unter dem Titel “Mit Geld und Sex zum Jura-Doktor an der Uni Hannover” über das lustige Jura-Studium an der Uni Hannover. Gerüchten zufolge war der Spaß zu Ende, als sich eine Studentin sinngemäß mit der Begründung, sie habe Angst, nachher als Schlampe zu gelten, weigerte, eine “mündliche Prüfung” bei dem Jura-Professor zu machen. Irgendwie ist dann auch die Webseite des Professors und Richters am OLG Celle, Thomas E. Abeltshauser bei der Uni Hannover verschwunden.

Aber natürlich war der Spaß ein Einzelfall, von dem niemand an der Uni auch nur im entferntesten etwas geahnt hatte. Der Spiegel berichtete am 25.02.2008 mit einem Zitat von Professor Henning Radtke:

Und auch der dort beschäftigte Professor Henning Radtke hält nichts von solchen Verbindungen: “Ich kann diese Vorwürfe nicht nachvollziehen. Es gibt überhaupt keine Anhaltspunkte dafür, dass einer der Kollegen gewusst hat, was Herr A. dort treibt”, sagt er.

So wird es dann wohl gewesen sein. Merkwürdig ist bloß, dass die haz am Freitag unter dem Titel “Geschäfte mit Doktortiteln: Ermittlungen gegen drei Jura-Professoren” davon berichtete, dass der Dekan der Juristischen Fakultät auf Empfehlung der Hochschulleitung seine Ämter ruhen lasse, nachdem die Staatsanwaltschaft Hannover gegen drei Jura-Professoren aus Hannover, Freiburg und Friedrichshafen Ermittlungen wegen Vorteilsnahme eingeleitet habe. Na sowas.

Auf der Webseite der Uni Hannover steht, Prof. Dr. Stephan Meder sei Dekan der juristischen Fakultät der Uni Hannover. Die haz berichtete weiter:

Der jetzt belastete Leiter der Juristischen Fakultät räumte Beier zufolge ein, dass er „vor zirka zehn Jahren in Randbereichen“ mit der Beratungsfirma Kontakt gehabt, diesen aber von sich aus abgebrochen habe. Weitere Angaben könne er zu diesem Zeitpunkt nicht machen.

So wird’s dann wohl gewesen sein. Am Mittwoch hatte die Haz noch berichtet:

Auch Dekan Stephan M. soll vom „Institut für Wissenschaftsberatung“ aus Bergisch Gladbach Geld für die Vermittlung erhalten haben. Im Prozess gegen den Geschäftsführer der Vermittlungsagentur vor dem Landgericht Hildesheim hat dessen Anwalt Hans Holtermann beantragt, den hannoverschen Dekan und zwei Professoren aus Friedrichtshafen und Münster als Zeugen zu vernehmen.

Der Verdacht ist sicher falsch. Das sieht man schon daran, dass sonst die Berater sicher nicht mit ihrem Geschäft weitermachen dürften. Einige andere dpa-gestützte Internet-Publikationen scheinen den Jura-Spaß irgendwie missverstanden zu haben. So ist im Spiegel seit Freitag zu lesen:

Die fragwürdigen Berater aus Bergisch Gladbach jedenfalls brüsten sich mit der Realisierung von über 1000 Promotionsprojekten. Ihr Angebot lautet noch immer: “Wir finden für Sie einen fachlich kompetenten Doktorvater (Professor oder Privatdozent), der sich bereits in der Vergangenheit als erfolgreicher und fairer Betreuer und Gutachter erwiesen hat.”

Der Satz “Wir finden für Sie einen fachlich kompetenten Doktorvater (Professor oder Privatdozent), der sich bereits in der Vergangenheit als erfolgreicher und fairer Betreuer und Gutachter erwiesen hat.” lässt sich prima Googlen. Es geht doch nichts über Studieren in Deutschland. Bei soviel Spaß wird das derzeit als unattraktiv geltende Studium in Deutschland bestimmt auch mal wieder international ein Renner. Welchen Wert und welche Aussagekraft ein Doktortitel aus Deutschland hat, ist dabei sicher zweitrangig.

Ein Kommentar zum Beitrag “Noch mehr Jura-Spaß an der Uni Hannover und anderswo”

  1. Jochen Hoff sprach

    Ich finde das unschön das hier alles Gute und Schöne so niedergemacht wird. Schließlich sollen die Menschen doch mit ihren Talenten wuchern. Wer es nicht im Kopf hat muss es eben auf der Zunge, zwischen den Beinen oder auf dem Konto haben.

    Das ist Marktwirtschaft in ihrer schönsten Form. Wir verdanken der Familie Mohn/Bertelsmann und ihrer neoliberalen Stiftung doch schon die Gebühren an der Hochschule, das worüber wir hier reden ist nur eine klassische Weiterentwicklung.

    Manch arme Studentin oder armer Student wäre froh die Studiengebühren auch in anderer Münze zahlen zu können. Das ist nur der Anfang der schönen neoliberalen Welt in der eine Schlampe mit Doktertitel auf jeden Fall mehr wert ist als Fachwissen.

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