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23. Juni 2008

Kritischer Jounalismus von netzwerk recherche bei Zapp

von @ 16:01. abgelegt unter Pressefreiheit, Deutschland, Medienmanipulation, Bürgerjournalismus

Zapp ist in jüngster Zeit mit einigen witzigen und treffenden Beiträgen wie dem zur Bankenkrise aufgefallen. Die gestrige Sendung von Zapp nahm sich erfreulicherweise des unerfreulichen Themas Medien an.

Diese Sendung, die sich mit den Berufskollegen beschäftigte, wirft in der Tat ein bezeichnendes Licht auf den Zustand des kritischen Journalismus in Deutschland. Wenn auch anders, als Zapp das wohl geplant hatte.

Schon der erste Beitrag der Sendung, die - freilich ohne das dem Zuschauer in irgendeiner Weise mitzuteilen - ganz im Zeichen der jüngsten Jahreskonferenz von netzwerk recherche stand, war nichts weiter als eine Streiterei unter richtigen Journalismus, die mit der Redewendung “Ein Esel schimpft den anderen Langohr” hinlänglich zu beschreiben ist.

Stefan Aust, Terrorexperte mit fragwürdigen Kenntnissen und Ex-Chef vom Spiegel, hat im Cicero ein lesenswertes Interview von sich gegeben, mit dem zwar einerseits Leser gezielt desinformiert werden, in dem die Rolle von Reinhard Mohn und der Geheimdienste in den Medien ausgeblendet werden und stattdessen der Abgang von Aust als Rache der SPD nahegelegt wird, andererseits aber eine Reihe hämischer Kommentare gemacht werden, die für jeden kritsichen Journalisten eine Fundgrube sind. In dem Zapp-Beitrag “Umstritten - Die bittere Abrechnung des Stefan Aust” wird Stefan Aust nun von Zapp unter anderem dafür kritisiert, dass er sich über Kollegen wie den engagierten Alleintätertheoretiker Hans Leyendecker, Bertelsmanns Spiegel-Geschäftsführer Mario Frank und den neuen Spiegel-Chef Georg Mascolo lustig macht. Die Macher der NDR-Sendung Zapp hielten es nicht für nötig, Zuschauer darüber aufzuklären, dass sich ganz zufällig bei der Jahreskonferenz 2008 von netzwerk recherche, ein Programmpunkt “Recherche-workshops mit Georg Mascolo, Hans Leyendecker, Markus Grill uvm. im NDR-Konferenzzentrum” findet. Vermutlich hat Zapp diese Infomation aber nur weggelassen, um Zuschauer nicht mit überflüssigen Fakten zu verwirren.

Der Titel “Ernüchternd - Das miese Image von Journalisten“, den die Zapp-Redaktion dem nächsten Beitrag verpasst hat, wirkt da gerazu unfreiwillig komisch. Und spätestens nachdem dann PR-Berater Klaus Kocks, bekannt von Maischberger und durch den zynischen Satz “Als Chef musst du ein Schwein sein“, mehrfach dazu zu Wort kam und verbreiten konnte, wie die PR gegenüber dem Journalismus aufgeholt habe, könnte man es wohl keinem Zapp-Zuschauer verübeln, wenn er zwischendurch mal kotzen müsste. Das ist schade, denn so macht auch Siegfried Weischenberg, der im Oktober 2006 auch schon bei netzwerk recherche auf dem Podium saß, eine unglückliche Figur. Immerhin werden aber beim Vorsitzenden von netzwerk recherche, Thomas Leif, der in dem Zapp-Beitrag natürlich auch zu Wort kommt, die Worte netzwerk recherche unter den Namen geschrieben. Davon, dass Journlismus seit eh und je zur psychologischen Kriegsführung eingesetzt wird, fiel bei Zapp natürlich kein Wort.

Zum nächsten Günter Wallraff lobpreisenden Beitrag von Zapp “Überraschend - Das mediale Comeback des Günter Wallraff” sei, ohne die wertvolle Arbeit von Günter Wallraff geringschätzen zu wollen, denjenigen, die wissen, was ein Zitierkartell nur soviel verraten, dass in dem Beitrag die Fahnen der Jahreskonferenz von netzwerk recherche im Hintergrund wehend zu sehen sind.

Im vierten und letzten Beitrag der Sendung mit Titel “Fragwürdig - Die plötzliche Absetzung eines kritischen Reporters” bringt Zapp dann mit dem Rauskicken des Journalisten Detlef Kolze aus Bremerhaven durch die Chefin beim Nordsee-Zeitungsverlag Roswitha Ditzen-Blanke, die gleichzeitig auch Vizepräsidentin der IHK ist, dann wenigstens noch mal eine Geschichte, die an einem unverfänglichen und gut bekannten Beispiel ein bisschen was über die Situation des Journalismus in Deutschland aufzeigt.

Von dem Alibi-Beitrag zum Schluss mal abgesehen, könnte man, wenn Zapp nun auch noch erläutert hätte, was ein Zitierkartell ist, glatt die ganze Sendung als Satire durchgehen lassen. Mein Parteibuch dankt der “Generation Doof“, Zapp und netzwerk recherche, dem “Netzwerk für investigativen Journalismus”, für den Lacher und empfiehlt Lesern, nach kritischem Journalismus weiterhin nicht in den Massenmedien, sondern in Blogs zu suchen.

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