Wie Matthias Spielkamp in seinem immateriblog berichtet, wurde er für den morgigen Donnerstag zu einem nicht-öffentlichen Expertengespräch “Online-Journalismus” vom “Unterausschuss Neue Medien” in den Deutschen Bundestag eingeladen. Matthias Spielkamp hat dazu vorab einen Katalog von 22 Fragen erhalten. Da Mein Parteibuch natürlich kein Onlinejournalismus, sondern bekanntlich ein Internettagebuch mit Katzenbildern ist, erlaubt es sich die Redaktion an dieser Stelle, nicht nur ein paar belanglose Anmerkungen zu dem Fragenkatalog zu machen, sondern erst mal ein paar wilde Gerüchte über die neun wunderbaren Persönlichkeiten zu verbreiten, aus denen sich der Unterausschuss Neue Medien zusammensetzt. Richtigen Journalismus und das Verbreiten von Fakten überlässt Mein Parteibuch wie gewohnt der Mischung aus öffentlich-rechtlichem Journalismus und der stets seriösen Milliardärspresse.
Über den Ausschussvorsitzenden, den Politiker Christoph Pries der Partei SPD, also die Partei, die den kleinen Mann und kleine Online-Verlage politisch vertritt, erlaubt Mein Parteibuch es sich, das Gerücht zu streuen, er sei vor seinem Nachrücken in den Bundestag Journalist bei der “Westdeutschen Verlags- und Werbegesellschaft mbH & Co. KG”, deren Artikel bei Wikipedia komischerweise auf den Kleinverlag WAZ-Mediengruppe weiterleitet, gewesen.
Über seinen Stellvertreter Philipp Mißfelder erlaubt es sich Mein Parteibuch das üble Gerücht zu verbreiten, er sei ein typischer Vertreter der im Online-Bereich voll fitten Jungen Union. Schon im Jahr 2003 wusste er, dass Online jeder Kriegsfan für eine richtig tolle CDU-Politik wie einen vebrecherischen Angriffskrieg gegen den Irak eine richtig tolle Kampagne hinlegen kann. Und wenn die üblichen Lügen von Milliardärspresse und CDU später mal auffliegen, ist das online egal, denn Lügen der Jungen Union zu Massenvernichtungswaffen im Irak sind bis auf die bei Archive.org verbliebenen Kopien schnell gelöscht. Dass fiese Gerüchte, wie Philipp Mißfelder hätte gesagt “Ich halte nichts davon, wenn 85-jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen.“, sich online hartnäckig halten, ist ein Grund mehr für sozial eingestellte Leute wie Philipp Mißfelder, im Kampf gegen das Internet zum Schutze der Persönlichkeitsrechte endlich mehr Druck zu machen.
Ein politisches Schwergewicht im Unterausschuss neue Medien ist der Chef des übergeordneten Ausschusses, der bloggende FDP-Politiker Hans-Joachim Otto. Wichtig ist es, fiese Gerüchte im Internet zu bekämpfen, Rechtsanwalt Hans-Joachim Otto sei als strammer Antikommunist, der politisch geradewegs der Zeit von Gussie Adenauer entsprungen sein könnte, nicht nur Mitglied im sauberen transatlanitischen Superlobby-Club Atlantik-Brücke, sondern hätte noch zahlreiche weitere Posten. Der freidemokratische Politiker aus der Stadt des Hauptquartiers der US-Streitkräfte in Europa überlegt sicher ständig, wie die Meinungsfreiheit im Internet so gestärkt werden kann, dass in Katzenbildblogs zukünftig US-Operationen zur Mediensteuerung wie die CIA-Operation Mockingbird in eine Linie mit der Geschichte von Reinhard Mohn und Bertelsmann gesetzt werden dürfen. Als einflussreicher Medienpolitiker und Mitglied im Programmausschuss von Bertelsmanns RTL-Television GmbH wird Hans-Joachim Otto sicher dafür sorgen, dass die Verbreitung fieser Gerüchte wie “Die Macher hinter den Kulissen - Wie INSM, Atlantik-Brücke, Aspen-Institute und ähnliche Netzwerke Deutschland heimlich regieren” einem breiten TV-Publikum niemals bekannt werden.
Zusammen mit weiteren Rechtsanwälten im Unterausschuss Neue Medien wie Marco Wanderwitz von der CDU und Martin Dörmann von der SPD ist Rechtsanwalt Hans-Joachim Otto sicher auch genau der richtige Mann, um im Sinne einfacher Internetnutzer dafür zu sorgen, dass kriminelle Anwälte sich mit unberechtigter Abmahnerei im Internet nicht die Taschen füllen oder das Internet in Deutschland gar plattklagen.
Fies ist auch das Gerücht, die CSU-Abgeordnete Dorothee Bär hätte neben ihrer Jugend nicht nur ein hübsches Äußeres in die politische Waagschale zu werfen. Schließlich hat Dorothee Bär mit ihrer mutigen Äußerung “Ich finde, parteischädigendes Verhalten darf nicht auch noch mit einem Spitzenplatz im Präsidium belohnt werden” schon letztes Jahr gezeigt, dass sie schon wie die Großen für die richtige Stimmung gegen missliebige Personen wie Gabriele Pauli sorgen kann.
Wie gut, dass es eine schlagkräftige Opposition gegen diese Koalition gibt. Die Linkspartei hat mit ihrem Parteivorsitzenden Lothar Bisky, dessen Webseite www.lothar-bisky.de auf so modernen Unsinn wie RSS-Feeds verzichtet, ein fachkompetentes politisches Schwergewicht in den Unterausschuss Neue Medien geschickt. Soll ja keiner sagen, der Otto von der Atlantik-Brücke steckt sie alle in die Tasche.
Noch mehr Einfluss im Unterausschuss neue Medien hat sicher das grüne Bataillon der NATO. Oh, Entschuldigung, die Partei heißt ja gar nicht das grüne Bataillon der NATO und sie tritt auch für den Bau von Drei-Liter-Panzern ein, sondern Bündnis 90/Die Grünen. So entstehen fiese falsche Gerüchte, die mit allen Mitteln bekämpft werden müssen. Die Grünen haben jedenfalls mit Grietje Staffelt, die die Ehefrau des SPD-Politikers Ditmar Staffelt ist, in den Unterausschuss Neue Medien eine bedeutende Politikerin entsandt, die den Laden da richtig aufmischen kann.
Neuntes Mitglied im Unterausschuss Neue Medien ist der SPD-Politiker und Gewerkschafter Jörg Tauss, dem man es sicher nachsehen sollte, wenn er angesichts seiner Kollegen in dem wichtigen Unterausschuss Neue Medien Depressionen bekäme.
Nachdem nun genügend böse Gerüchte über die Mitglieder des Unterausschuss Neue Medien gestreut wurden, kann man sich nun auch mal den Fragen des Fragekatalogs zuwenden. Angenommen werden soll hier der Einfachheit halber mal, man würde Jörg Tauss auf die Fragen antworten und es gebe irgendein Interesse der deutschen Politik, in Deutschland irgendetwas zu verbessern.
1. Wie lässt sich Online-Journalismus definieren?
Online-Journalismus lässt sich definieren durch eine Abgrenzug von Katzenbildblogs. Während im Online-Journalismus systematisch unglaubliche Lügen verbreitet werden, versuchen Katzenbildblogs, den Dingen auf den Grund zu gehen.
2. Wie wird sich der Online-Journalismus – auch hinsichtlich seiner Nutzung – entwickeln?
Nette Frage aus dem Fachgebiet der Hellseherei. Aber bitte schön, eine Prophezeihung: der Online-Journslismus der Milliardärspresse wird sich vollständig lächerlich machen, wenn dort weiterhin soviel gelogen wird wie bisher.
3. Wie kann man seriösen Online-Journalismus und auch seriöse journalistische Blogs abgrenzen von anderen Formen der Kommunikation im Internet, beispielsweise in Blogs und in Foren?
Man schaut sich die Menschen dahinter an. Wenn die Internet-Publikation zur Milliardärspresse gehört oder von dieser gefördert wird, so ist damit zu rechnen, dass die Eigentümer dafür sorgen, dass mit der Publikation vornehmlich die Interessen von Milliardären gewahrt werden. Diese Publikationen erkennt man auch dadrch, dass sie in der Milliardärspresse als seriös bezeichnet werden.
4. Wie verändern die Blogs die „tradierte“ Medienlandschaft?
Massenmedien wie dem Spiegel gelingt es immer weniger, Operationen unter falscher Flagge mit Alleintätertheorien zu verschleiern. Die gezielte Konstruktion einer falschen Wirklichkeit mit Hilfe von systematischen Lügen funktioniert nicht mehr.
5. Was ist der Nährboden für diese Form des “grass-root journalism“?
Das Bedürfnis, der Wahrheit auf die Spur zu kommen.
6. Welche Auswirkungen gibt es für den kommunikativ vermittelten öffentlichen Raum und die klassischen Medienangebote, wenn jeder bloggt?
Massenmedien, in denen gewohnheitsmäßig gelogen und die Wirklichkeit absichtlich verzerrt wird, fliegen früher oder später auf damit. Sie verspielen damit jegliche Glaubwürdigkeit und verlieren die Möglichkeit, das Wahlverhalten der Bevölkerung nach dem Gusto ihrer Eigentümer zu manipulieren.
7. Können möglicherweise insbesondere Redaktionen, gerade im internationalen Bereich, davon profitieren, weil diese Form der Kommunikation eine Basis für eine freiere internationale Kommunikation bietet?
Auch internationale Berichte werden zukünftig viel schneller überprüfbar. Lügen fliegen auch international schneller auf.
8. Wie bewerten Sie den gegenwärtig zu beobachtenden Wandel des Journalismus – nicht zuletzt aufgrund der neuen Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten?
Die “Generation Doof”, die derzeit im Journalismus am Drücker ist, ist nur noch lächerlich.
9. Wie kann trotz der zunehmenden Beschleunigung im Online-Journalismus Qualität und Verlässlichkeit von Informationen sichergestellt werden? Inwiefern ist dies im „Wettlauf gegen die Zeit“ überhaupt noch möglich?
In Katzenbildblogs gibt es nachprüfbare Links zu den Quellen. Online-Journalismus erkennt man daran, dass auf Links zu Quellen lieber verzichtet wird. Später fliegen die Lügen dann trotzdem auf. Dieser Wettlauf gegen den Lauf der Zeit ist nicht zu gewinnen.
10. Wie kann man die seriöse und fundierte Berichterstattung schützen und möglicherweise als solche kenntlich machen?
In dem oben drüber geschrieben wird, woher der Salat kommt. Also, nehmen wir zum Beispiel die Zeit.
Herausgeber ist unter anderem der SPD-Politiker Michael Naumann, jetztiger Ehemann der Tochter von Transatlantiker Eric M. Warburg, und früherer Ehemann der Tochter des ehemligen Chefs von Hitlers Ostgeheimdienst und späteren BND-Chefs Gerhard Wessel. Michael Naumann bestreitet, beim BND “Norddorf” geweisen zu sein. Die langjährige graue Eminenz bei der Zeit, Marion Gräfin Dönhoff, wurde vom BND auch unter dem Decknamen Dorothea geführt. Das Blatt gehört der Verlagsgruppe Holtzbrinck, die wiederum den Milliardären Stefan von Holtzbrinck und Monika Schoeller gehört.
Unglaubwürdige Berichterstattung zeichnet sich dadurch aus, dass solche wichtigen, wesentlichen Informationen zum Hintergrund einer Publikation systematisch verschwiegen werden.
11. Einige Wissenschaftler sprechen von einem erneuten Strukturwandel der Öffentlichkeit. Teilen Sie die Einschätzung und, falls ja, was sind die Merkmale dieses neuen Strukturwandels der Öffentlichkeit?
Die tatsächlichen Machstrukturen der Gesellschaft werden nicht mehr verborgen bleiben, sondern einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden.
12. Falls es sich bei diesen Entwicklungen tatsächlich um einen strukturellen Wandel des Journalismus – hin zum Journalismus 2.0 – handelt, welche Folgen hat dieser strukturelle Wandel, insbesondere für den politischen Journalismus?
Lügen und Halbwahrheiten fliegen auf.
13. Wie bewerten Sie die These, dass hochwertige Onlineangebote unmöglich sind, solange journalistische Inhalte im Internet kostenfrei zur Verfügung gestellt werden?
Das ist ein Scheingefecht zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Medien. In Wirklichkeit sind die Verflechtungen zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Medien vielfältig. In Vereinen wie der Atlantik-Brücke wird gemeinsam festgelegt, was die Medien bringen und was nicht.
14. Welche Auswirkungen hat ein Angebot wie BILDblog auf die redaktionelle Gestaltung der „gedruckten“ Version?
Es lügt sich weniger unbeschwert.
15. Sehen Sie politischen und rechtlichen Handlungsbedarf, beispielsweise mit Blick auf die verfassungsrechtlich garantierten Medienfreiheiten, die Zeugnisverweigerungsrechte, die Presseausweise und die Berufsausbildung des grundsätzlich offenen Berufes eines Journalisten oder einer Journalistin?
Warum nciht gleich ein Gesetz schaffen, dass Geheimagenten, die sich in der Regel als Journalist tarnen, von der Beachtung der Gesetze freigestellt sind? Die Hoffnung ist genauso groß wie die, die Politik würde für eine vernünftige Durchsetzung der ersten zwanzg Artikel des Grundgesetzes sorgen und sie nicht systematisch sabotieren.
16. Wie weltumspannend ist das „globale Dorf“ – beispielsweise vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in Burma im vergangenen Jahr oder derzeit in China und Tibet –tatsächlich und welche Chancen bieten diese neuen Formen der journalistischen Kommunikation, Einschränkungen der Presse- und Rundfunkfreiheit auszuhebeln?
Probiert es es gar nicht, in Deutschland den Ausnahmezustand auszurufen, um die Freiheit der Berichterstattung einzuschränken, ihr kommt damit nicht durch.
17. Welche Gefahren ergeben sich – vor dem Hintergrund der vielfältigen Einschränkungen der Medien- und Pressefreiheit, welchen sich auch unabhängige Weblogs sowie Mediennutzer und Journalisten gegenüber sehen –, wenn es gelingt, den Zugang zum Internet grundsätzlich zu kontrollieren?
Probiert es lieber erst gar nicht. Ihr vertragt das Echo nicht.
18. Teilen Sie die Einschätzung, dass derjenige, der den Zugang zum Internet kontrolliert, die Inhalte gar nicht erst überprüfen muss, sondern direkt verhindern kann, dass diese erst entstehen oder wahrgenommen werden?
Nichts zu machen. Wenn ihr nun versucht, an Net Neutrality zu drehen, dann werden die Leute wirklich sauer.
19. Was sind aus Ihrer Sicht die möglichen Folgen und politischen Herausforderungen dieser Entwicklungen, beispielsweise mit Blick auf die immer wichtiger werdende Medienkompetenz?
Die Folge ist die Abwahl solcher Politiker wie sie gerade nicht nur im Unterausschuss Neue Medien sitzen.
20. Wie lassen sich Identität, Authentizität und Qualität der neuen Journalismusangebote sicherstellen?
In dem die Medien sich bemühen die Wahrheit zu sagen.
21. So genannte Total-Buyout-Verträge für Journalistinnen und Journalisten sind inzwischen bei nahezu allen Zeitungsverlagen an der Tagesordnung. … (Frage gekürzt)
Ihr selbst Schuld, wenn ihr in Eurer Gier nicht mal mehr Eure Haus- und Hofberichterstatter vernünftig bezahlt.
22. Wie bewerten Sie angesichts des Wandels im Journalismus die Situation bei den Suchmaschinenanbietern, insbesondere vor dem Hintergrund der gebotenen Unabhängigkeit?
Google ist kleinen Anbietern gegenüber erstaunlich fair, viel fairer als es korrupten Politikern in Deutschland lieb ist. Deshalb gibt es Bestrebungen, Google in Deutschland zu regulieren.
Hat’s irgendjemand gemerkt? Wirklich wichtige Fragen wie die danach, was die Politik tun kann, um kleine, unabhängige Online-Verlage vor den Bestrebungen der Milliardärspresse, ein vollständiges Orwellsches Informationsmonopol zu errichten, zu schützen, wurden erst gar nicht gestellt.
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danke für die idee mit dem drei-liter-panzer: link zum bild
Ich möchte nur zur Frage 3 antworten:
“durch regierungsfreundliche Stellungnahmen und durch Organisation von Massen an Klaqueren!”
Die Linke hat Stil. Bisky ist wahrscheinlich der mit Abstand ungeeignetste Abgeordnete der Partei für diesen Ausschuß - das sagt alles.
Genial. Ich wäre ja bei Punkt 3 für ein Gütesiegel, vergeben von einem unabhängigen Gremium, dem der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, die medienpolitischen Sprecher der Parteien und die Bertelsmann-Stiftung angehören.
Zu Punkt 15:
Die verbreitete Beschränkung von Journalisten-Privilegien auf Vollzeit-Journalisten mit Presseausweis muss aufgehoben werden. Denn sie ist ein unzulässiger und demokratiefeindlicher Angriff auf die Informationsfreiheit anderer Bürger.
Punkt 15 ist schon dämlich, weil da so getan wird, es seien alle Journalisten investigativ tätig und würden die Funktion der Medien als 4. Gewalt unterstützen. Dabei sind 99% nur Schönschreiber, Abschreiber, Content-Knechte und Speichellecker. Wenn man böse wäre, würde man behaupten, das habe zugenommen, mit dem Trend zu Journalistik/Medien-Studium.
[…] des türkischen Militärs berichte. Der Unterausschuss Neue Medien hatte jüngst gefragt, wie man die seriöse und fundierte Berichterstattung schützen und möglicherweise als […]
[…] des türkischen Militärs berichte. Der Unterausschuss Neue Medien hatte jüngst gefragt, wie man die seriöse und fundierte Berichterstattung schützen und möglicherweise als solche […]