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28. Mai 2008

“Ich hätte mir fast einmal einen Rückenschaden zugezogen.”

von @ 18:35. abgelegt unter Korruption, Wirtschaftskriminalität

Viele Menschen haben so wenig Geld, dass es nicht einmal zum Essen reicht. Armut ist auch in Deutschland weit verbreitet. Manager bei Siemens haben die Leute hingegen Probleme mit dem Schleppen des Schmiergeldes. Die Fnancial Times Deutschland zitierte den früheren Siemens-Manager Heinz Keil von Jagemann, der große Mengen von Bargeld und Überweisungsträgern in schweren Pilotenkoffern ins Nachbarland brachte, mit den Worten:

“Ich hätte mir fast einmal einen Rückenschaden zugezogen.”

Auch wem die Korruption und die bei Siemens üblichen 30% Schmiergeld bekannt sind, kann da schon mal die Spucke wegbleiben. Wenn das ein Kabarettist gebracht hätte, hätte das Publikum das wohl für viel zu dick aufgetragen gehalten.

Auch zu den “Wirtschaftsprüfern” von KPMG steht übrigens in dem Artikel der ftd etwas:

Auch den Wirtschaftsprüfern seien die dubiosen Praktiken geläufig gewesen. “Die KPMG kannte das Thema”, sagte Keil von Jagemann. Den Prüfern seien die Zahlungen auch regelmäßig aufgefallen - nichts sei geschehen. “Das hat uns natürlich sicherer gemacht.”

Das wundert wenig. Die “Expertise” von KPMG ist ja auch bei den Chefs von VW immer sehr gefragt gewesen. Spürbare Konsequenzen für KPMG wie ein deutschlandweites Tätigkeitsverbot hat das natürlich keine. Aber damit dürfte wenigstens dem letzten Deppen klar sein, dass ein Testat von KPMG nicht mehr Glaubwürdigkeit bietet als die Märchen der Gebrüder Grimm. Das bedeutet dann in etwa soviel Glaubwürdigkeit wie sie den Berichten der Wirtschaftsweisen innewohnt, die den 30%-Faktor Korruption in Deutschland üblicherweise völlig vernachlässigen.

Übrigens, eine hübsche Detailinformation zur Bedeutung von KPMG für den WIrtschaftsstandort Deutschland findet sich in der Wikipedia:

“Betrachtet man nur die Prüfer der Dax-Unternehmen, gibt es nur noch Big-Two: Unter den im Dax notierten großen deutschen Konzernen dominieren KPMG sowie PwC. Rd. 80% werden von diesen beiden Gesellschaften geprüft. Unter den Finanzkonzernen gibt es sogar nur noch eine Gesellschaft: KPMG. Nur die Commerzbank wird vom Konkurrenten PwC geprüft.”

Wer das weiß, wundert sich sicher nicht über die Bankenkrise.

9 Kommentare zum Beitrag ““Ich hätte mir fast einmal einen Rückenschaden zugezogen.””

  1. Jochen Hoff sprach

    Liebe Redaktion,

    die Märchen der Gebrüder Grimm hatten eine solide Grundlage in den Legenden aus der Vergangenheit in denen vieles unerklärliche eben passend gebogen wurde.

    Wenn die KPMG etwas prüft, betreibt sie nicht Legendenbildung sondern prüft einfach an dem vorbei was sie nicht sehen will und nicht sehen soll. Sie bestätigt eine kreative Buchführung. Vermutlich ist genau das ihre Aufgabe.

    Im übrigen verlangt die KPMG nicht das man ihr glaubt. Sie will lediglich für ihre Dienste und für das was sie nicht sieht gut bezahlt werden. Das ist doch verständlich.

    Ihre Reaktion, liebe Redaktion ist also völlig unangebracht. Wir haben es hier schließlich mit der Elite der Leistungsträger zu tun. Da kann man förmlich zusehen, wie sie die Leistung der Deutschen wegtragen.

  2. » Hach, die Arbeit ist ja so schwer und di … Nachtwächter-Blah sprach

    […] schwer und die Zustände in unserer Bimbesrepublik sind gar nicht mehr satirefähig. Hier kriegt man ja fast einen Rückenschaden, wenn man als Manager das viele Schmiergeld zu schleppen…. Soll man als Bettler oder neuer Armer unseres Asozialsystemes jetzt neidisch werden? Oder soll man […]

  3. otti sprach

    Ohne Worte

    Gut, dass wir die Armen haben
    http://www.faz....n~Scontent.html

    Was die landesweite Korruption betrifft, kann es sich da wirklich nur um vereinzelte Einezelfälle handeln. Gell!

  4. Guru sprach

    Naja, was Journalisten so schreiben…

    nicht alles glauben was man liest ist wohl das beste.

    vg

  5. Lemmy Caution sprach

    Es ist doch eher ein gutes Zeichen, dass dort Sachen aufgedeckt werden. Das lief über Jahrzehnte und nun müssen diese Herrschaften eben auch mal mit Konsequenzen rechnen. Besonders in Großunternehmen wird heute Corporate Governance sehr groß geschrieben. Selbst bei Weihnachtsgeschenken existieren inzwischen sehr strenge Regeln.
    Im übrigen entwickelt sich auch in marktwirtschaftlich organisierten Schwellenländern eine besserer Schutz gegen Korruption.

  6. My 0,02 Euro sprach

    Zur Rechenschaft ziehen? Hier in Deutschland? Wen denn bitteschön ernsthaft?

    - Peter Hartz?
    - Heinrich von Pierer?
    - Josef Ackermann?
    - Reinhold Würth?
    - oder gar unser Bimbeskanzler?

    DIE Konsequenzen, die dort “aufgebrummt” wurden, tragen unsere elitären Kriminellen doch mit einem schallenden Gelächter!!

  7. Lemmy Caution sprach

    Die Dinge werden zumindest aufgedeckt.
    Der entsprechende Image-Schaden ist für diese Leute nicht schmerzfrei.
    Wichtig sind bessere Corporate Governance Regeln für die Zukunft.
    Um in dieser Debatte eine effektive Klinge für das größere Gute zu fechten, erfordert es aber schon ein bischen mehr als dumpf nach rollenden Köpfen zu fordern.

  8. My 0,02 Euro sprach

    Imageschaden, ich brech zusammen.

    Einem Schäuble ist sein Image vollkommen egal.
    Ein Schrempp ist millionenhaft Abgefunden worden. Image juckt da wenig.
    Ein Kohl wird mit Ganovenehrenwort noch Ehrenbürger Europas!
    Josef Ackermann dürfte sein Image beim Blick auf seinen seiner aktuellen Kontoauszüge auch wurscht sein.
    Reinhold Würth erkauft sich quasi eine diskrete Strafe bei Steuerbetrug.

    Also wirklich - so ein Imageschaden muss wirklich schmerzen *lol*

  9. Journalist sprach

    Guten Tag zusammen,

    Erst kommen die unteren Etagen dran, an die oberen wagt sich niemand.

    Der gute “Heinrich von Pierer” wird wohl ungeschadet davon kommen, wo ist denn da bitte die Gerechtigkeit???

    Bluten müssen immer die Kleinen.

    Übrigens: man könnte es auch einmal von der Perspektive sehen, dass Aufträge und damit Arbeitsplätze in Deutschland gesichert wurden.

    Die Kofferträger wurden nicht willkürlich ausgesucht…
    warum wohl packen verschiedene Leute so detailliert aus? - Weil sie sich von Siemens verraten fühlen und jetzt den Kopf für das hinhalten müssen, wovon das ganze Management und der Vorstand jahrelang Bescheid wussten.

    Heinrich von Pierer gehört der Prozess gemacht!!! Diese glanzvolle deutsche Gallionsfigur!

    Alles Heuchler!

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