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18. Mai 2008

Märchenstunde der Tagesschau zu Kolumbien

von @ 23:50. abgelegt unter Angela Merkel, Tagesschau.de, Medienmanipulation, Kolumbien

Stephan Ueberbach vom SWR, zur Zeit Bogota, stand gestern als transatlantischer Hofberichterstatter von Angela Merkel offenbar vor der schwierigen Aufgabe, den Besuch von Angela Merkel bei der rechtsterroristischen Regierung in Kolumbien schön zu schreiben. Kein Problem, Kolumbien ist weit weg, und so kann die Tagesschau dem gläubigen Volk dazu das Blaue vom Himmel heruntererzählen.

Der Artikel unter dem Titel “Merkel sichert Kolumbien weitere Unterstützung zu“, den Stephan Ueberbach den Lesern von tagesschau.de als Ergebnis seiner Arbeit auftischt, lässt geschickt die Hintergrundinformationen aus, die zum Verständnis des Besuches des deutschen Buschzäpfchens in Kolumbien notwendig sind.

Wichtige Grundlage, um die Politik in Südamerika zu verstehen, ist die einfache Tatsache, dass es der US-Regierung ein Dorn im Auge ist, dass Hugo Chavez im ölreichen Staat Venezuela eine von den USA unabhängige Politik betreibt. Da ein von den USA nach Kräften geförderter Putschversuch fehlgeschlagen ist und ein Mordaufruf eines religiösen Führers der US-Regierung nicht zur Wiedererlangung der Kontrolle über die Ölreserven Venezuelas führten, versucht die Regierung der USA nun über das von Terroristen der US-Army, Drogenschmugglern der CIA und Geldwäschern der DEA regierte Nachbarland Kolumbien einen Krieg gegen Venezuela anzuzetteln. Die Propagandamaschine der CIA hat nun den Auftrag, die Regierung von Venezuela zu verteufeln und die auserwählten Angreifer zu den Guten umzuschreiben, um so die Bevölkerung der westlichen Demokratien auf den Krieg einzustimmen.

Wie Angela Merkel einst nach Washington gereist ist, um George W. Bush vor seinem verbrecherischen Angriffskrieg gegen den Irak ganz zu Diensten zu sein, so hofiert Angela Merkel nun die rechtsterroristische Marionettenregierung in Kolumbien, um sie politisch aufzuwerten.

Stephan Ueberbach beschreibt das bei tagesschau.de so:

“Merkel versprach dem kolumbianischen Präsidenten Uribe einen Ausbau der Kooperation und Hilfe beim schwierigen Versöhnungsprozess.”

Aussöhnung meint vor allem Straffreiheit für die Verbrechen, die von der Familie des “kolumbianischen Präsidenten Uribe” und seinen Freunden begangen wurden. Der Cousin des Präsidenten, “Mario Uribe Escobar”, wurde, nachdem seine Flucht fehlgeschlagen ist, wegen Verstrickungen in rechtsterroristische Morde verhaftet. Die Justiz in Kolumbien ermittelt gegen die Familie des Präsidenten.

Stephan Ueberbach schreibt davon nichts. Stattdessen schreibt der Hofberichterstatter:

“Angela Merkel wurde von einer Reiterstaffel und einer goldbehelmten Ehrengarde begrüßt. Zwischen Präsidentenpalast und Rathaus, quer über den prachtvollen Plaza de Armas, hatte man einen roten Teppich verlegt.”

Angela Merkel kommt angesichts der drohenden Inhaftierung der Regierung gerade recht, um nun Hlfe beim “Versöhnungsprozess” anzubieten, und die alten Geschichten ruhen zu lassen. Hofberichterstatter Stephan Ueberbach schreibt dazu bei tagesschau.de:

“Das Kanzleramt will den Merkel-Besuch als bewusstes Signal der Unterstützung für die Politik Uribes verstanden wissen.”

Man kann das Ermorden von Oppositionellen durch “Todesschwadronen” der Regierung eben auch Politik nennen. Als Beleg dafür, wie richtig diese Politik ist, zitiert der Hofberichterstatter die deutsche Kanzlerin:

“Wenn man sich die Zahlen anschaut, dann ist das wirtschaftliche Wachstum beeindruckend. Dass sechs Millionen junge Menschen eine Ausbildung bekommen, dass die Arbeitslosigkeit massiv gesunken ist und - was vor allen Dingen aber wichtig ist - dass wieder das Vertrauen in die staatlichen Institutionen wächst”

Da hatte Angela Merkel wohl keine Zeit, sich extra für Kolumbien neue Märchen auszudenken und so hat sie einfach die in Deutschland auch immer wieder gern genommenen Märchen zum Besten gegeben. Angesichts tausender unaufgeklärter Morde an Regerungskritikern sind gute Wirtschaftszahlen, gleichgültig ob sie echt sind oder wie in Deutschland üblich, einfach gefälscht wurden, ein wirklich wichtiges Thema, über das ausgiebig berichtet werden muss.

Den Terror der nominell christdemokratischen Regierung von Kolumbien beschreibt Hofberichterstatter Stephan Ueberbach so:

“Einen jahrzehntelangen blutigen Konflikt zwischen der linken Farc-Guerilla, ultrarechten Paramilitärs und den offiziellen Sicherheitskräften, der tausende Menschen das Leben gekostet und das Vertrauen in den Staat, in die Polizei und die Justiz nachhaltig zerstört hat.”

Aus Regierungsterror wird einfach eine Art Bürgerkrieg gemacht. So geht das. Funktioniert ja im Irak auch. Da brauchte die US-Army bloß eine ganz gefährliche Al Qaeda im Irak zu erfinden, und schon konnten beliebige Terrorakte regierender US-Terroristen als Reaktion gerechtfertigt werden.

Stephan Ueberbach zitiert den Präsidenten aus der Verbrecherfamilie dann mit Werbung für sein Anestiegesetz, aus dem er zu propagandistischen Zwecken eine Art Opferentschädigungsgesetz gemacht hat:

“Das Gesetz ist wichtig nicht nur für Kolumbien, sondern für die ganze Welt, es lässt die Täter nicht straffrei ausgehen, und es sorgt für die Entschädigung der Opfer.”

Schön, wenn man als Verbrecher selbst beschließen kann, welche Strafe einen erwartet. Weiter vermischt Stephan Ueberbach Widerstand und Regierungsterrorismus der US-treuen Paramilitärs:

“48.000 Guerillas und Paramilitärs haben inzwischen die Waffen niedergelegt. Sie kommen vergleichsweise milde davon, wenn sie ihr illegal erworbenes Vermögen in eine Stiftung zugunsten der Opfer einzahlen und mit den Behörden zusammenarbeiten.”

Es ist eben doch eine Amnestie für Regierungsverbrecher. Wer als regierungstreuer Verbrecher einen Teil des mit der CIA verdienten Drogengeldes an eine von Regierungsverbrechern kontrollierte Stiftung zahlt, wird praktisch nicht bestraft. Der vor allem aus armen Leuten bestehende Widerstand gegen die Marionettenregierung der USA hat davon gar nichts, denn die können sich den Freikauf nicht leisten. Die Regierung verteilt dann die Gelder an gute Kumpels. Das ist wirklich gerecht.

Hofberichterstatter Stephan Ueberbach schreibt weiter:

“Dank der Aussagen ehemaliger Paramilitärs wird inzwischen bis in die höchsten Gesellschaftskreise Kolumbiens ermittelt. Mindestens 30 Abgeordnete sitzen in Untersuchungshaft, weil sie in das schmutzige Geschäft der Todesschwadrone verwickelt sein sollen.”

Dass die Knastbrüder ausgerechnet zu der rechten Fraktion gehören, die Angela Merkel nun hofiert, hat Stephan Ueberbach irgendwie vergessen, seinen Lesern mitzuteilen. Das macht auch nichts. Zuviel Information verwirrt ohnehin nur die Leser.

Lange schwärmt Hofberichterstatter Stephan Ueberbach dann seinen Lesern davon vor, wie schön die Regierung von Kolumbien sich für den Rechtsstaat einsetzt und wie toll ausgerechnet das für Sachsensumpf und flächendeckende Korruption berühmte Deutschland dem “Präsidenten” von Kolumbien dabei helfen will.

Und dann kommt der Knüller des Artikels. Hofberichterstatter Stephan Ueberbach schreibt:

“Der Staat dürfe sich aber keine Nachlässigkeit erlauben. Erst Anfang der Woche hatte Uribe 14 hochrangige Paramilitärs an die USA ausgeliefert. Dort soll ihnen wegen Rauschgifthandels der Prozess gemacht werden. Ihnen drohen langjährige Haftstrafen.”

So sieht der Rechtsstaat des Präsidenten also aus. Mit der rechtswidrigen Abschiebung von wichtigen Hauptbelastungszeugen für Regierungsverbrechen hat de Regierung die Prozesse gegen ihre Freunde zum Platzen gebracht.

Das hat schon Klasse. Da kann sogar Deutschland noch viel von lernen. Man stelle sich mal vor, die Hauptbelastungszeugen in den Siemens-Schiergeldprozessen werden plötzlich an die USA ausgeliefert und sind dann so unerreichbar wie Karlheinz Schreiber. Zwar erwähnt Hofberichterstatter Stephan Ueberbach, dass die Opfer damit um die Chance gebracht würden, die Verantwortlichen für ihr Leid auf der Anklagebank zu erleben, aber dass die offiziell wegen Drogendelikten abgeschobenen Verbrecher der Regierung nahestehen, die Angela Merkel in Kolumbien hofiert, ist wohl nicht weiter wichtig.

Alles in allem ein wirklich toller Artikel, den Hofberichterstatter Stephan Ueberbach da abgeliefert hat. Würde man nicht befürchten müssen, dass manche Leute die Märchenstunde bei der Tagesschau für die Wahrheit halten, so könnte die Tagesschau als deutsche Parodie der Muppet-Show höchsten Ansprüchen der Comedy genügen.

12 Kommentare zum Beitrag “Märchenstunde der Tagesschau zu Kolumbien”

  1. Daniel sprach

    Ähnliches spielte sich gestern auch beim heute-journal ab …

  2. Jakob Rosenzweig sprach

    So, jetzt reicht es, jetzt komm ich nicht mehr auf diese Seite.
    Jetzt hol ich meinen Plattenspieler vom Speicher, leg meine alten Genesis-Platten auf, zieh mir die Nuss dicht, und dann dreh ich mal so richtig auf.
    Diese ganze Scheisse ist unerträglich geworden.
    Wer noch n bisschen Grips in der Birne hat, der muss ja entweder verrückt werden oder zum “Bombenleger”, wie man bei uns die nennt, denen der Kragen platzt.
    Diese geballte Ladung unerträglicher hieb und stichfester Wahrheiten sind für mich nicht mehr verdaulich.
    Da kriegt man ja n Magengeschwür.
    Und das brauch ich nicht auch noch,
    Tschüss, und lösch das ruhig, marcello, ich kanns verstehn.

  3. ZDF heute journal frisiert sich Kolumbien schön | Revolution sprach

    […] man bei mein-parteibuch.com, zu einem ähnlichen Tagesschau-Artikel. Ich frage mich wirklich wie man allen ernstes suggerieren […]

  4. Lemmy Caution sprach

    Oh Mann.

    Also wer nach dieser “brillianten” Ferndiagnose sich wirklich einmal über die höchst komplexen Verhältnisse in Kolumbien - in die Uribe übrigens eine Menge (positiver) Bewegung bringt - informieren will: http://www.amaz...duct/0415933048
    Steven Dudley hat einige Jahre in Kolumbien gelebt. Jeder, der sich mal 2 Tage mit offenen Augen und Ohren in Lateinamerika aufgehalten hat, kann übrigens über die Lateinamerika-Beiträge von Mein-Parteibuch sehr herzlich lachen.

    hasta la próxima, payasos

    Lemmy

  5. Leser sprach

    @Jakob
    Bye bye

    @Lemmy
    Deinem Kommentar fehlen die Fakten. Mit Informationen scheinst Du nicht gerade gesegnet zu sein. Hast Du vielleicht zu viel Spiegel konsumiert?

    Steven Dudley beschreibt ein Land im Bürgerkrieg, so wie ein Land eben aussieht, wenn es jahrzehntelang von den USA kaputt gemacht wird. Im Irak sieht es seit der “Befreiung” durch die USA nicht viel anders aus. Dass Drogenhandel Politik finanziert, ist nichts neues, das geschieht in den USA genauso wie in Kolumbien.

    “Komplexe Verhältnisse” ist gut gesagt. Nur, wo ist der Kopf der Hydra Drogenmafia? Die CIA leitet die Geschäfte und die DEA hält der CIA die Konkurrenz vom Leib. Schau mal hier:

    DEA-Chef Robert Bonner erklärt, dass die CIA eine Tonne Cocaine importiert hat. Die CIA musste das tun, denn sie brauchten das Geld aus dem Drogenhandel für geheime politische Operationen wie die Finanzierung der Contras.

    Hier gibt es noch was dazu, wie die CIA die DEA “infiltiert” hat.

    Für die Drogenversorgung der USA werden neben CIA, DEA und FBI auch weitere Behörden wie zum Beispiel die Immigration and Customs Enforcement (ICE) eingespannt.

    Dass die Regierung der USA den Drogenhandel organisiert, hat Gary Webb mit der “Dark Alliance” sehr detailiert beschrieben. Kolumbien sieht so aus, wie es aussieht, damit die US-Regierung dort Schwarzgelder für ihre Verbrechen generieren kann.

  6. Lemmy Caution sprach

    Wo bitteschön tritt in Dudleys Buch die USA auf, die angeblich Kolumbien “kaputt gemacht” hat.
    Seitenangabe. Hast du es gelesen?
    Nein. Dudley hat sich - wie ich übrigens auch - in Lateinamerika tatsächlich aufgehalten und mit den Leuten wirklich geredet.
    So lernt man dann, dass Lateinamerikaner selbst Akteure ihrer Politik sind und nicht alles von Washington bestimmt wird. Dudley hat das Buch aus genau dieser Innensicht geschrieben. Es sind kolumbianische Probleme, an die die CIA nur marginal beteiligt ist.

    Ich weiss nicht, wo euer Problem ist. Vielleicht ein über-autoritärer Vater und in euch hat sich das irgendwie so gefestigt, dass es da eine Macht gibt, die alles bestimmt. Keine Ahnung. Bin kein Psychologe. Normal ist das jedenfalls nicht.

    Jede Partei ist in Kolumbien am Drogenschmuggel beteiligt.
    Dass es vereinzelt Drogenschmuggel von Seiten der CIA gibt, bedeutet nicht, dass sie das Geschäft kontrollieren, oder dass das gesamte CIA Drogenschmuggel betreibt.
    Aber manche brauchen eben eine Welt, in der es Schufte, rassige Senoritas und gute unterdrückte Bauern gibt. Wie im Western eben.

    hasta la próxima

    Lemmy

  7. Duckhome sprach

    Aufgelesen: 12…

    Schalke - Eine Cohiba, Herr Stan!

    Als ich wach werde bin ich so groggy, dass ich eine halbe Stunde auf dem Bettrand hocke und dumpf ins Nichts stiere. Der Schädel dröhnt wie ein Moped in einem langen leeren Tunnel. Das Telefon klingelt. I…

  8. Chris sprach

    @Lemmy
    Ich hab auch 5 Jahre in Bogotá gelebt und glaub mir, es gibt noch viel mehr dunkle Seiten des “sauberen” Herrn Uribe.
    Wer der span. Sprache mächtig ist möge dazu die “biografía no autorizada de Álvaro Uribe Velez” herunterladen und lesen.

    http://resistir...ografia_auv.pdf

    y hasta la victoria (de la verdad) siempre ;-)

  9. Lemmy Caution sprach

    Danke für den Link, Chris
    … und warum besitzt Uribe so viel Unterstützung in der Bevölkerung?
    Ich hab nie bestritten, dass der Mann eine sehr zweifelhafte Vergangenheit hat.
    Bestreitest Du, dass die aktuelle Verringerung der FARC, eine gute Sache ist?
    Wie oft wurden Verhandlungen mit Marulanda geführt? Der Kerl hat kein Interesse an Verhandlungen. In freien Wahlen hätte er auch keine Chancen auf die Mehrheit. Der will alles oder nichts.

  10. Harry Schwiebert sprach

    Ich habe mir auf meinem Außerhausbackup ein Bild mit Titel Kolumbianischer Friede gesichert. Den Titel habe ich selbst vergeben und ich finde das Bild im Internet nicht wieder, darum sage ich hier, was auf dem Bild zu sehen ist: Eine Leiche, von hinten Durchschossen.

  11. Chris sprach

    @Lemmy
    warum er soviel Unterstützung in der Bevölkerung hat? - diese Unterstützung wage ich zu bezweifeln

    btw: Marulanda alias “tirofijo” ist angeblich tot!!!

    http://chriswal...?p=126#more-126

  12. Lemmy Caution sprach

    Ich kenne Chile, Kolumbien eher nicht. Laut eine Gallup-Umfrage vom Januar besass Uribe eine Zustimmung von 80% der Bevölkerung (http://tinyurl.com/4jwyfh). Ich denke die Kolumbianer wollen vor allem erst einmal Sicherheit und ein Ende der ideologischen Kriege. Ausserdem sind die wirtschaftlichen Daten (Wachstum, Generierung von Jobs) in den letzten Jahren sehr positiv. Im Fall einer Wahl, ist auf jeden Fall mit einem Sieg der Konservativen Partei zu rechnen. Vor allem auch auf Grund der Erfolge in der Terrorismus/Guerrilla-Bekämpfung.

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