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9. April 2008

Webnews goes Stasi 2.0

von @ 22:45. abgelegt unter Pressefreiheit, Informationszeitalter, Zensur, Medienmanipulation, Bürgerjournalismus, Blogosphäre

Als Webnews im letzten August bekannt gab, dass T-Online mit Webnews zusammenarbeitet, war die Überraschung groß. Ein reichweitenstarkes Portal kündigte an, ein Millionenpublikum mit Nachrichten zu versorgen, die abseits der gigantischen Medienmaschine von CIA und BND hergestellt werden. Das lässt die Agency zu? Wer’s glaubt, wird selig.

Als im Redblog berichtet wurde, dass Webnews Nachrichten der Jungen Welt nicht mehr akzeptiert, konnte man noch glauben, dass liege daran, dass die Nachrichten der Jungen Welt nach einiger Zeit nur noch mit einem kostenpflichtigen Zugang zu lesen sind. Mitnichten, bei dieser Zensur geht es um Politik.

Verblüffend ist die Ehrlichkeit von Webnews, mit der erklärt wird, das es bei der Zensur doch um Politik geht:

“… Wir wurden von mehreren Nutzern darauf hingewiesen, dass Beiträge der Webseite http://www.jungewelt.de als unpassend wahrgenommen werden. Solche Meldungen nehmen wir sehr ernst und kontrollieren diese entsprechend.

Die junge Welt wird z.B. im Verfassungsschutzbericht 2006 ( http://www.verfassungsschutz.de/download/SHOW/vsbericht_2006.pdf) des Bundesministeriums des Innern als „bedeutendes Printmedium im linksextremistischen Bereich“ eingestuft. …”

Ausgerechnet ein Bericht vom rechtsextremen, wegen Stasi 2.0 berüchtigten Verfassungsbrecher Wolfgang Schäuble wird von Webnews als Begründung dafür angeführt, dass die Junge Welt verfassungsfeindlich “linksextremistisch” sei und deswegen aus den Nachrichten von Webnews herausgeflogen ist. Wer sich den Bericht des VS von 2006 mal anschaut, stellt auf Seite 149 fest, dass die Vorwürfe gegen die junge Welt eigentlich nur lauten, auch mal unsinniges kommunistisches oder antikapitalistisches theoretisches Zeugs gedruckt zu haben, das im übrigen so aussieht, als hätte es die “Neue Linke” da eingeschleust.

Wer sich die Nachrichten der jungen Welt täglich anschaut, stellt schnell fest, dass das, was bei der jungen Welt derzeit tatsächlich stattfindet vor allem eines ist: mutiger und engagierter Journalismus.

Worum ging es noch gleich in dem gerade erschienen Buch “La Caccia” der ehemaligen Chefanklägerin des UN-Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien Carla Del Ponte, das international für großes Aufsehen sorgt? Die deutsche Medienmaschine schweigt. Die junge Welt berichtet hingegen detailliert über die schier unfassbaren Verbrechen, um die es in dem Buch geht.

Und Webnews? Tja, das war’s wohl. Wieder ein Beispiel dafür, wie schnell sich ein Unternehmen im Web 2.0 einen guten Ruf gründlich ruinieren kann.

Nachtrag - während dieser Beitrag geschrieben wurde, kam das hier:

liebe Webnewser,

die Verantwortlichen in Köln haben sich im Halbkreis aufgestellt, sich tief in die Augen geschaut und die Entscheidung getroffen, die Quelle jungewelt.de wieder frei zu geben. Vielleicht waren wir da etwas zu voreilig und haben uns von den Nutzerhinweisen zu sehr irritieren lassen.

Großes Sorry an euch!

Na also, geht doch. Webnews geht also doch nicht Stasi 2.0.

2 Kommentare zum Beitrag “Webnews goes Stasi 2.0”

  1. Ulrich Brosa sprach

    Die UCK hat so schwere Verbrechen begangen, dass die Behauptungen der jugoslawischen Regierungen, sie müsse dagegen vorgehen, angebracht waren.

    Serbien, das Kernland Jugoslawiens, ist seit der türkischen Besetzung mit Russland befreundet. Diejenigen Mächte, die Russland am Zeug flicken wollten, versuchten darum immer Serbien zuerst zu eliminieren. Im Marburger Juristenklo stand “Serbien muss sterbien!” Darunter “Jawoll!”

    Die Bombardierung Belgrads 1999, an der sich die bundesdeutsche Luftwaffe beteiligte, geschah gegen das Völkerrecht. Das ist um so peinlicher, als die NS-Luftwaffe Belgrad schon 1941 in einer Weise bombardierte, wie es später aliierte Bomberverbände mit Hamburg, Berlin und Dresden taten.

    Je schneller die Bundeswehr aufgelöst wird, desto besser. Die Unterschiede zur NS-Wehrmacht bestehen in der geringeren Macht der Bundeswehr. Doch die Macht, die die Bundeswehr hat, ist schädlich genug.

  2. Suchen Sie sich eine gescheite Arbeit | F!XMBR sprach

    […] Webnews goes Stasi 2.0Der vorauseilende Gehorsam von Webnews ist schon beeindruckend. Positiv ausgedrückt: opportunistisch. Man könnte nach China expandieren… […]

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