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7. April 2008

Tim Weiner’s ganze Geschichte der dummen CIA

von @ 20:34. abgelegt unter Bücher, CIA

CIA Tim WeinerVor ein paar Tagen ist im S. Fischer Verlag von Holtzbrincks Tochter Monika Schoeller eine Übersetzung des Mitte 2007 in den USA veröffentlichten Buches von Tim Weiner mit Titel “Legacy of Ashes - The History of the CIA” erschienen. Die deutsche Übersetzung trägt den Titel: “CIA - die ganze Geschichte“. Ein Auszug aus dem Original findet sich hier bei der New York Times, das übersetzte Vorwort hier bei Libri.

Peter Wolter schreibt dazu heute in einem Artikel mit Titel “Unter Giftschlangen” bei der jungen Welt:

“Die Geschichte eines Geheimdienstes zu schreiben, dürfte wohl eine der vertracktesten Aufgaben sein, die sich ein Historiker stellen kann. … Über den US-Geheimdienst CIA liegt jetzt ein solcher Aufklärungsversuch vor. »CIA – Die ganze Geschichte« heißt das im S.Fischer-Verlag erschienene Buch.”

Erstaunlich unkritisch ist Peter Wolter da. Dabei ist die Behauptung, das Buch von Tim Weiner sei ein Aufklärungsversuch, lediglich eine These. An die kann man glauben. Muss man aber nicht. Man kann beispielsweise auch der These nachgehen, dass das Buch der Desinformation dienen soll. Das soll im folgenden getan werden.

Zuerst mal kann man dazu den Autor Tim Weiner betrachten. Über den schreibt Peter Wolter, er sei ein Journalist, der für die New York Times arbeitet. Pulitzerpreisträger ist Tim Weiner auch. Zu was für Leistungen Starjournalisten bei der New York Times fähig sind, hat Pulitzerpreisträgerin Judith Miller eindrucksvoll bewiesen. Die Autorenseite zur Originalausgabe findet sich bei Randomhouse, was bekanntlich eine Tochter von Bertelsmann ist. Der Chef von Bertelsmann, Reinhard Mohn, war, bevor ihm im Wege der Lizenzvergabe durch die USA zum Chefposten bei Bertelsmann verholfen wurde, von 1943 bis 1945 in einem Offizierslager in Kansas in den USA.

Im Parteibuch war im Artikel “Zur Geschichte der Mediensteuerung” gestern zu lesen, dass ein “Sterling Seagrave” in einem Forumsbeitrag schrieb, der spätere CIA-Chef Bill Casey sei (im US-Geheimdienst) eine der Schlüsselfiguren bei der Akquisition von Medien nach dem zweiten Weltkrieg gewesen und ein junger Deutscher, der nach dem Krieg nach Deutschland geschickt wurde und Bertelsmann übernommen habe, sei einer seiner Schützlinge gewesen. Ein Schelm, wer nun denkt, Bertelsmann sei eine Tarnfirma der CIA und Reinhard Mohn ein CIA-Agent.

Im Real History Blog war am 15.07.2007 in einer “Besprechung der Originalausgabe des Buches von Tim Weiner” zu lesen, dass Tim Weiner seit Jahren einer der von der CIA am meisten bevorzugten Reporter gewesen sei. Dabei wird Tim Weiner dann auch gleich vorgeworfen, Fakten zu Robert Kennedy und Mordplänen an Fidel Castro so verdreht zu haben, womit die CIA in einem günstigeren Licht erscheine. Ein Schelm, wer denkt, Tim Weiner sei CIA-Agent. Schließlich hat CIA-Chef George H. W. Bush 1976 nach dem Auffliegen der Operation Mockingbird in höchster Not verkündet, dass die CIA davon Abstand genommen habe, Journalisten zu bezahlen. Wenn der das sagt, dann wird das ja wohl stimmen, denn Geheimdienstler lügen schließlich nicht.

Da gibt es bei der These auch noch einen offenkundigen Widerspruch. Mal angenommen, Tim Weiner hätte das gut 800 Seiten starke und mit reichlich Quellenangaben belegte Buch wirklich für die Agency geschrieben, warum könnte die CIA das gewollt haben? Nun, es ist in den letzten Jahren viel vom bisher geheimen Wirken der CIA bekannt geworden. Ein Beispiel dafür ist die Webseite “Mafia, Geheimdienste und Politik der USA“, auf der unglaublich viele Namen genannt werden. Da wäre es durchaus plausibel wäre, wenn die CIA die bereits bekannten Fakten mit einem detailreichen Standardwerk zur Geschichte der CIA in einen Sinnzusammenhang stellt, der ihr genehm ist. Ein solcher möglicher Sinnzusammenhang lässt sich bereits im Vorwort ablesen:

“Geschildert wird, dass und wie das mächtigste Land in der Geschichte der westlichen Zivilisation an der Aufgabe gescheitert ist, einen erstklassigen Spionagedienst aufzubauen. … Ohne einen starken, gewitzten, aufmerksamen Nachrichtendienst können Präsidenten und Generäle blind und handlungsunfähig werden. … Das folgenreichste Vergehen der CIA bestand darin, dass sie ihren eigentlichen Auftrag nicht zu erfüllen vermochte: den Präsidenten über das zu informieren, was in der Welt geschieht. … die amerikanische Nation wird sich nur dann als
Großmacht am Leben halten, wenn sie die Augen öffnet und die Dinge in der Welt so sieht, wie sie sind.”

Die CIA ist demnach dumm und unfähig und die USA braucht als Großmacht deshalb einen stärkeren Geheimdienst. Das klingt viel besser als: “CIA-Agenten haben John F. Kennedy umgebracht und waren an den Anschlägen vom 11. September beteiligt.”

Die verwegene These, das Buch von Tim Weiner diene der Desinformation im Sinne der “Generation Doof“, muss keineswegs stimmen. Vielleicht ist Tim Weiner eben doch ein netter Kerl und sein mit viel Fleiß zusammengestelltes Buch ein Aufklärungsversuch. Lohnenswert erscheint das Buch in jedem Fall, denn dank der zahlreichen angegebenen Quellen wird die Aufklärung zur Arbeit der CIA hinter den Stand, den Tim Weiner in seinem Buch herausgearbeitet hat, wohl kaum jemals wieder zurückfallen. Und wer weiß, vielleicht legt Tim Weiner ja auch noch ein Buch nach, wo die Verzahnung der CIA mit Gladio und der Strategie der Spannung näher beleuchtet wird. Beim Lesen ist es aber sicher trotz der vielen Quellen nicht verkehrt, die These der Desinformation im Hinterkopf haben. Aber das sollte beim Umgang mit Geheimdienstmaterial eigentlich sowieso eine Selbstverständlichkeit sein.

2 Kommentare zum Beitrag “Tim Weiner’s ganze Geschichte der dummen CIA”

  1. Tim Weiner’s ganze Geschichte der dummen CIA | Radio Utopie sprach

    […] Die verwegene These, das Buch von Tim Weiner diene der Desinformation im Sinne der “Generation Doof“, muss keineswegs stimmen. Vielleicht ist Tim Weiner eben doch ein netter Kerl und sein mit viel Fleiß zusammengestelltes Buch ein Aufklärungsversuch. Lohnenswert erscheint das Buch in jedem Fall, denn dank der zahlreichen angegebenen Quellen wird die Aufklärung zur Arbeit der CIA hinter den Stand, den Tim Weiner in seinem Buch herausgearbeitet hat, wohl kaum jemals wieder zurückfallen. Und wer weiß, vielleicht legt Tim Weiner ja auch noch ein Buch nach, wo die Verzahnung der CIA mit Gladio und der Strategie der Spannung näher beleuchtet wird. Beim Lesen ist es aber sicher trotz der vielen Quellen nicht verkehrt, die These der Desinformation im Hinterkopf haben. Aber das sollte beim Umgang mit Geheimdienstmaterial eigentlich sowieso eine Selbstverständlichkeit sein. (Quelle: Mein Parteibuch) […]

  2. mein-parteibuch.com » Wolfgang Schäube redet über Blogger und Qualitätsjournalismus sprach

    […] Parodie auf die übliche Angstmache. Was soll daran schon gefährlich sein, wenn die dumme CIA ihr über Jahrzehnte sorgsam gehütetes Nachrichtenmonopol verliert? Niemand bedauert es, […]

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