Wie Kurt Beck, Angst, Liebe und Freiheit mit uns allen zusammenhängen.
Würden jene Lacher, die er auf seiner Seite hat, für ihn laut hörbar sein, er vernähme nur das garstige Gelächter eines desillusionierten Auditoriums: Kurt Beck versucht in diesen Tagen alles, um sich dem Publikum wieder zu empfehlen. In seinem neuesten Mittebürger-Streich reist der SPD-Vorsitzende durch das Land, um die Basis zu überzeugen, dass er kein Linker sei. Wie viele seiner Aktionismen ist auch dieser vor allem eines: vollkommen überflüssig.
Theorie der politischen Mehrheiten
Bei der vergangenen Bundestagswahl ergab sich eine „linke Mehrheit“ im Bundestag. Die sei nur „strukturell“, „rein rechnerisch“ oder gar „nicht existent“. Es soll Umfragen geben, in denen sich (natürlich rein rechnerisch, Anm.d.Verf.) die überwiegende Mehrheit der Menschen in diesem Land eine rasche Umsetzung erklärter linker Politikziele wünscht.
Oberste Priorität hat den „Menschen draußen im Land“ (Politduktus) wenig überraschend die Erfüllung der Grundbedürfnisse. Man will etwas im Magen, ein Dach über dem Kopf, Gesundheit, glückliche Kinder. Der Wunsch nach Arbeit bzw. die Angst der Arbeitslosigkeit speist sich vor allem aus der Vorstellung, durch lohnabhängige Beschäftigung einen Großteil der Bedürfnisse abdecken zu können. Alternativen sind erwünscht, Denkblockaden sind die Folge. Nachdem die sozialistischen oder gar kommunistischen Ideale durch die Geschichte auf lange Sicht diskreditiert scheinen, glauben viele, über einen Systemwechsel nicht mehr nachdenken zu müssen. Dabei würden drei Stunden Arbeit am Tag reichen, wie Daniela Dahn nach dem Besuch eines Weltsozialforums erläuterte.
Mehr Umverteilung nach oben
Kurt Beck fordert indes, „das Wir vor das Ich“ zu setzen. Was er damit eigentlich meint, erläutert er nicht. Zu nahe kommt er mit dieser Äußerung an etatistische oder kollektive Lösungen. Das Leitmedium der vermeintlich gehobenen Konzernpresse, der Spiegel, weiß indes, was Beck zu tun hat:
„In Wahrheit muss er die Basis davon überzeugen, dass er kein heimlicher Linker ist. Nach vier Wochen Streit um Rot-Rot-Grün muss er die Mitte zurückerobern.“
Gerhard Schröder und die Agenda-Seele der SPD dürften wieder einmal ihre wahre Freude haben. Nach des Altkanzlers chaospolitischem Zwischenruf in der ZEIT bleiben die Augen der Elite weiter verschlossen, nur ihre Lippen verlassen Bekenntnisse zum Menschen. Die Ideen der Agenda 2010 taugen offenkundig nicht, die Gemeinschaft zu stärken. Der Appell an mehr Eigenverantwortung ist übersetzt ein Ruf nach mehr Umverteilung nach oben.
Die SPD-Führung hat Angst vor Posten- und Bedeutungsverlust. So klammert sie sich an jene Kräfte, die ihr Geld – und somit Bedeutung und Posten – verschaffen. Sie reagiert wie eine Persönlichkeit mit Zwangs- und Angststörungen. Ihr Verhalten ist zum einen unberechenbar, andererseits klammert sie sich an bestimmte Tabus. Radikale Konzepte werden ausgeblendet, solange sie die Geldgeber verschrecken könnten.
Wem gehört die Republik?
Wenn Josef Ackermann und Peer Steinbrück in Zeiten der aktuellen Kapitalismuskrise und in vertrauter Eintracht eine „eine konzertierte Aktion von Banken, Regierungen und Notenbanken“ fordern, meinen sie eigentlich eine Verteilung der Verluste auf den Schultern der Bevölkerung. Das wäre nur gerecht, wenn diese auch an den Erträgen beteiligt würde. Stattdessen sehen „Banken, Regierungen und Notenbanken“ zu, wie multinationale Unternehmen mit über 25 Prozent Rendite Millionen Menschen weltweit in die Armut fallen lassen.
Dabei gehört uns Allen die Republik. Zumindest offiziell. Es wäre beinahe ehrlich, würden die tatsächlichen Ursachen der Krise benannt – und abgestellt. Doch es gibt keine Krise. Nur immer absurdere Versuche, noch mehr Geld aus den Taschen der Mehrheit in die Taschen einiger herrschender Familien und Konsortien zu scheffeln. Wie lange noch?
Das Wir vor das Ich setzen. Eine Illusion wird durch die andere ersetzt.
Alles, was uns umgibt, kommt von der Erde, auf der wir Menschen leben. Es hat absolut nicht mit Esoterik zu tun, einzusehen, dass alles eine Einheit bildet. Wir alle können diese Erde nicht verletzen, ohne uns selbst zu verletzen. Der Kapitalismus hingegen ist eine reine Vernunfts- und Maschinenwelt. Mit Maschinensprache, Programmierung, absoluten Wahrheiten.
Liebe statt Angst
Die historische Leistung der 68er-Bewegungen besteht in dem Nachweis, dass ein kollektives Umdenken möglich ist. Doch noch bevor die Ideen Früchte tragen konnten, haben sich die Herrscher des Gegensystems bemächtigt. Kommerzialisierung und neue Tabus haben die Bewegten in Schach gehalten. Damals wiederentdeckte Werte sind heute zu Plattitüden reduziert, die gegen herrschende Moral um so mehr verstoßen.
Denn eingebunden in ein Korsett aus Angst und Unfreiheit haben die meisten Menschen keinen Einblick in bestimmte Ebenen des Systems. Sicher, wir könnten die Maschinen jederzeit abschalten, nicht wahr?
In unseren Schulen wird der Einzelne nicht gelehrt, dass er nicht allein ist. Ihm werden Werkzeuge verweigert, mit persönlichen Krisen umzugehen. Die Illusion der Getrenntheit wird aufrecht erhalten, Egoismus durch Konkurrenzmodelle gefördert. Die Abhängigkeit von Maschinen wird vorgelebt, die Verbindung zur Erde endgültig gekappt.
Abhängige (sprich: autoritäre) Beziehungen und Familienkonstellationen werden als Norm propagiert. In einem ungeheuer aufwändigen Spektakel geben die Medien und ihre Eigentümer vor, wann wer wie was zu sprechen und zu tun hat. Die herrschenden Verhältnisse werden stets reinszeniert. Nichts wird in Frage gestellt.
Erziehung zur Freiheit
Die Erziehung zum neuen, freien Menschen ist die dringlichste Aufgabe der Zukunft. Sie ist untrennbar mit der Rückbesinnung auf die Natur verbunden. Denn alles, dass uns am Leben erhält, kommt von ihr. Es ist unabdingbar, zu erkennen, dass es Entscheidungen aus Liebe bedarf, um die Erde und somit alle ihr innenwohnenden Lebewesen vor weiterem Schaden zu bewahren. Jede Form der Kontrolle ist ein Verhalten aus Angst heraus, Liebe ist Loslassen von Kontrolle. Liebe ist Vertrauen, Gefühl. Etwas, mit dem der Verstandesmensch nichts anfangen kann, weil es ihm Angst macht.
Wenn Kurt Beck also unehrlich handelt, so wie es die gesamte etablierte Politik tut, wenn selbstgerechte Parteienforscher und Meinungsmacher konstatieren, Politik ohne Lüge würde nicht funktionieren, dann sind das Lebenseinstellungen, die innersten Ängsten entspringen. Der Illusion des Mangels an Liebe. Das sind Menschen, die glauben, sie hätten als Kind nicht genug bekommen. Sie merken nicht, dass sie nicht nur am Leben sind, sondern mit allen anderen Lebwesen gemeinsam diesen Planeten bewohnen.
So werden ihre Handlungen immer darauf ausgerichtet sein, Mangel zu erzeugen. Das Politiktheater darf dann zeigen, dass dieser Mangel trotz schier unermüdlicher Versuche nicht ausgeglichen werden.
Ein Mensch, der aus Liebe handelt,
lügt nicht
stiehlt nicht
tötet nicht
Ein Mensch, der aus Angst handelt, wird genau dies tun. Deswegen bleibt mir nur, jenen zuzurufen: Habt keine Angst. Es ist genug für alle da.
So viele haben das längst verstanden, allein sie glauben, ihnen fehle das Gefühl.
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| Im Würgegriff |
Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
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Ich glaube Kurt Beck hat zur Zeit sehr viel Angst. Und mit ihm seine gesamte Partei. Nämlich das sie in die Bedeutungs- und Machtlosigkeit versinken.
Aber mehr hat die SPD zur Zeit auch nicht verdient!
Ich vermute eher, das die SPD die Linke als potentiellen Koalitionspartner auf 18% puschen will, um dann wieder anzuziehen.
@Harry:
Selbst dieses Szenario würde aus Angst entstanden sein
Wenn es in diesem Land nur eine aufrichtige Partei gäbe, sie müßte bekennen, daß am Ende ihres Wirkens die Selbstauflösung steht.
Denn eine Organisation, die die Gesellschaft “verbessern” will, ist am Ziel, wenn alle Probleme gelöst sind.
Statt dessen scheint das eindeutige Ziel aller Parteien zu sein, Probleme zu erzeugen, um sich auf lange Sicht unentbehrlich zu machen.
Wo sind die Visionen, die Utopien?
Wo die Lösungen, die eine lebenswerte Zukunft versprechen?
Statt dessen: Krieg, Gewalt, Konkurrenz, Ausgrenzung, Vernichtung, Verletzung, Maximierung, Effizienz usw.
PS. Es wird eigentlich Zeit, daß ARTE die beeindruckende Doku “Das Netz” wiederholt.
… oder aus Kalkül;
für mich bleibt der mit der Trommel
Ein Sozialdemokrat.
Die oft beschworene „linke Mehrheit“ im Bundestag und anderen Parlamenten ergibt sich nur dann, wenn man die SPD als linke Partei einstuft. Ich halte diese Einschätzung ob der realen Politik der SPD schlicht für falsch. Es mag in den unteren Gliederungen der Partei noch linke Rituale, ggf. sogar entsprechende Überzeugungen geben. Linke Politik steht aber sicher nicht auf der Agenda der Mehrheit der gewählten Politiker, die auf dem SPD-Ticket in die Parlamente kommen. Wie sich verhält, wer dennoch eine gewisse linke Attitüde pflegt, kann man wunderbar am Abstimmungsverhalten zur Vorratsdatenspeicherung verfolgen. 26 Abgeordnete der SPD entblödeten sich nicht, dem Gesetz mit “starken Bauchschmerzen” und der Hoffnung, das BVerfG möge das Gesetz kippen, zuzustimmen. So geht das immer! man knickt ein und pariert, wenn die rechten Granden der Partei nur ein wenig mit den Daumenschraubven winken. Das soll “linke Politik” sein? Da ist mit ein verbohrter, aber letzlich konsistent handelnder und damit berechenbarer CSU-Rechter schon lieber. Nicht, dass ich den wählen würde, aber bei der “linken SPD” bekomme ich inzwischen nur noch das Würgen.
interessante tiefere Einsichten ins Zeitgeschehen.
Als sozusagen Gast-Kommentar hebt sich der Beitrag erfreulich hoch über das normale Mass vom Blog heraus. Christlich gesehen könnte man das “Fürchtet euch nicht” durchaus als darin abgebildet erkennen wollen. Auch so mancher direkte Schluss auf das Leben von Einzelnen gestattet sich problemlos.
Was jedoch das vermutlich entscheidende Element darstellt ist die Aussage: Es ist genug für alle da. IST ES. Auch wenn China die 1-Kind-Ehe propagiert und wenn tagtäglich laut anderen Meldungen in Afrika oder sonstwo alle 3 Sekunden ein Kind stirbt - dennoch wäre unsere Erdenbevölkerung zusammen(!) in der Lage so viel Nahrungsmittel zu produzieren dass mehr als genug davon da wäre und alle satt würden, egal wo sie leben. Vielleicht wäre das sogar noch sehr viel effizienter, allen zu garantieren, dass ihre Grundbedürfnisse erfüllt würden, als die Menschen heute darum kämpfen zu lassen. Werft den ganzen “Wohlstandsmüll” und die vielen Rüstungsgüter welche die Industrie permanent auswirft weg - und macht stattdessen Pflugscharen daraus. Wie man sie verwendet - das sollte dann doch wirklich das kleinste Problem unserer Welt sein.
[…] (von aussen) des von ihnen aufgebauten Selbstbildes suchen. > Der Narziss löscht aus, was ihm als > Störung seiner Selbstverherrlichung auffällt, und zwar zur Bewahrung > eines von ihm […]