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18. März 2008

Anti-katholische Verschwörungstheorie entlarven

von @ 17:29. abgelegt unter Gedankenkontrolle, Christentum

Zum “Bericht vom Prozess gegen V-Mann Sebastian Seemann” hat sich eine durchaus interessante Diskussion um den Link zu einem Text mit Titel “Behind the Dictators” eines “Leo H. Lehmann” aus den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt, der bei Amazon.com auch als Buch gelistet ist. Obwohl bei dem Text an Struktur und Aufmachung alle Anzeichen einer üblen Ansammlung von Lügen zur infamen Verleumdung der katholischen Kirche im Allgemeinen und des Ordens der Jesuiten im Speziellen erkennbar sind, scheint es jedoch nicht ganz leicht zu sein, diese Lügen und Verleumdungen im Detail nachzuweisen.

Die in dem Heftchen enthaltenen verschwörungstheorhetischen Behauptungen, wie beispielsweise ein Herr Staempfle sei Ko-Autor von Hitler’s Propagandapamphlet “Mein Kampf”, sind im Internet recht weit verbreitet.

Auf dem kleinen Heftchen “Behind the Dictators” scheinen auch zahlreiche evangelikale Verschwörungstheorien bis hin zu Fundamenten von evangelikalen Sekten zu beruhen, die die katholische Kirche als treibende Kraft hinter den faschistischen Diktaturen des letzten Jahrhunderts sehen. Als Motiv wird der katholischen Kirche dabei unterstellt, sie habe die Faschisten Westeuropas gegen Demokratie, Liberalismus und Kommunismus und für einen Krieg gegen Russland einsetzen wollen.

Erschreckend zu sehen ist es, dass kaum jemand die notwendigen Geschichtskenntnisse zu haben scheint, um dieses Machwerk als Lüge zu entlarven. Mein Parteibuch möchte deshalb Leser mit guten Geschichtskenntnissen darum bitten, dem längst verstobenen Autor Lehmann seine Lügen möglichst im Detail nachzuweisen und so dazu beizutragen, dass diese finstere Verschwörungstheorie von historischer Tragweite öffentlich aufgeklärt wird.

Wer traut es sich zu, sich durch komplizierte Themen zu bewegen wie Jesuiten-Orden, Jansenismus und Gegenreformation, Freimaurerei, die Herz-Jesu-Verehrung von Papst Leo XIII. und seine Enzyklika “Humanum Genus“, Dreyfus-Affäre, die Geschichte der verschiedenen Versionen der frei erfundenen “Protokolle der Weisen von Zion“, Papst Pius XI. und sein Reichskonkordat, Korporatismus, Papst Pius XII. und die Rattenlinie, die die Anschuldigungen von Leo Lehmann im Nachhinein zu bestätigen scheint?

Wer ist in der Lage, die antikatholische Verschwörungstheorie von Leo H. Lehmann als Lügengespinst zu entlarven?

PS: Mein Parteibuch bittet wegen der Brisanz des Themas darum, in Kommentaren nüchtern mit sachlichen Argumenten zu argumentieren. Kraftausdrücke, Beschimpfungen und persönliche Angriffe gleich welcher Richtung werden hier ohne Kommentar gelöscht.

10 Kommentare zum Beitrag “Anti-katholische Verschwörungstheorie entlarven”

  1. der weniger Mutige sprach

    @Redaktion

    Schade, das Thema scheint auf wenig Resonanz zu stoßen. Nicht unerwähnt sollten auch sehr gute Englischkenntisse bleiben, die nötig sind den Text zu erarbeiten. Wer wie ich nur über “Straßenenglisch”, man könnte auch “Verkehrsenglisch” sagen, verfügt, der sollte ein gutes Dictionary zur Hand haben.

    Interessante Ansätze zum Thema “Antikatholizismus” gibt es natürlich auch auf http://de.wikipedia.org:
    http://de.wikip...%B6rungstheorie

  2. Redaktion sprach

    @der weniger Mutige
    Themen wie lang zurückliegende Verschwörungen und lang zurückliegende Verschwörungstheorien werden tatsächlich kaum diskutiert. Anscheinend möchte kaum jemand das Risiko eingehen, etwas zu schreiben, das zeigt, dass sein geschichtliches Weltbild auf längst widerlegten Lügen fußt. Dass in dem Text Themen wie die bis heute nicht restlos geklärte Urheberschaft der volksverhetzenden und deshalb verbotenen “Protokolle der Weisen von Zion” diskutiert wird, wird das Thema nicht gerade einfacher. Über Fragen wie die Haarfarbe des Kanzlers diskutiert es sich sicherlich unbeschwerter.

    Ein Hinweis von einem Historiker entlarvt die Verschwörungstheorie offenbar: Hitler’s Beichtvater Bernhard Stempfle starb demnach bereits in der Nacht der langen Messer. Wenn dies so stimmt - wir haben bisher keinen Grund an dieser Hintergrundinformation zu zweifeln - dann ist die ganze Geschichte des Textes von “Leo H. Lehnmann” als unschlüssig entlarvt. Beim Erkennen des “Strickmusters” hilft auch der von dir angebrachte Link zu Anti-jesuitischen Verschwörungstheorien im 17. Jahrhundert. Vielen Dank dafür.

    Motiv für die Propaganda könnte 1942 gewesen sein, frühzeitig gegen die sich ankündigende amerikanisch-katholische Allianz vozugehen, die schließlich etwa um 1944 gegen Deutschland und “die Bolschewiken” gebildet wurde.

    Dafür, dass der Text pure Propaganda ist, spricht auch, dass die frage der verschiedenen Versionen der Propaganda der Protokolle der Weisen von Zion nicht weiter erläutert wird. Dass es zahlreiche verschiedene Versionen dieser Propagandatexte gab, hätte jemandem, der so gut wie der Autor des Textes informiert ist, eigentlich auffallen müssen. Leider ist das heute alles nicht mehr so einfach nachzuvollziehen, da es nicht unbedingt einfach ist, an verschiedene authentische Versionen der verbotenen “Protokolle” zu kommen, um sie zu vergleichen und so den jeweiligen “Spin” nachzuweisen.

    Geradezu erschreckend ist für uns das leider fehlende geschichtliche Hintergrundwissen von uns selbst, um das es bei vielen anderen offenbar kaum besser bestellt ist.

    Vielen Dank auf jeden Fall für deinen Kommentar.

  3. logisch sprach

    Dann darf ich mich also unbeschwert dahingehend outen, dass auch mir bislang keine tiefer gehenden Kenntnisse zu besagten, als böswillige Fälschung zu bezeichnenden, Zion-Texten zugänglich wurden.

    Es würde wohl eines echten Sets an Historikern bedürfen um hier nicht nur dem Augenschein nach sondern vielmehr vielschichtig hieb- und stichfest ein Ergebnis zu Wege zu bringen. Man beachte auch dass der “Herausforderer” zumindest ein Zeitgenosse der referenzierten Ereignisse war und damit bereits einen wesentlichen Vorteil selbst bei willkürlichster Erfindung von großen Teilen der Inhalte für sich verbuchen konnte.

    Kurz gesagt, widerstrebt es mir dennoch ein Ergebnis bereits in der Aufgabenstellung vorweg zu nehmen, selbst wenn mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit davon aus zu gehen ist. Wenn es einem Menschen ein Anliegen ist, so wird er sich der Sache annehmen - nur für wen “zahlt sich das aus” wenn es eben auf anderer Basis erledigt werden soll? klar möchte man solch eine Thematik wohl kaum z.B. Hollywood überlassen (vgl. was etwa im Film DaVinci-Code mit dem Grals-Thema gemacht wurde) - doch die passende Engagements-Formel für eine Generation, die nun auch schon fast ein Menschenalter davon entfernt ist, zu finden ist im Moment wohl doch nicht so einfach. Somit schlechte Chancen, das angenommene Märchenbuch auch als solches zu entlarven. Den direkten und indirekten Nutzern des Gedankenguts ist das natürlich bestimmt recht. Sie würden sich um gegenteilige Aktivitäten bemühen, sofern sie hier eine “Gefahr” wähnten.

  4. Redaktion sprach

    @logisch
    Nein, es bedürfte eigentlich nicht “eines echten Sets an Historikern”, um die verschiedenen Modifikationen der “Protokolle” zu vergleichen. Ein simpler Textvergleich würde im Computerzeitalter schnell zeigen, wer die Propagandalügen wie umformuliert hat. Aus der jeweiligen Umformulierung der Lüge ließen sich dann recht einfach Rückschlüsse auf die Motivation des betreffenden Propagandisten ziehen. Leider geht das nicht, weil die Lügentexte verboten und die verschiedenen Versionen deshalb nicht so leicht verfügbar sind.

    So gut das auch ist, dass die Lügentexte nicht mehr verfügbar sind und demnach auch langsam aus den Köpfen verschwinden, so sehr schmerzt es nun, dass damit auch die Geschichte des größten Verbrechens der Menschheit hinter diesem Schleier verhüllt ist. Vielleicht wäre es doch der bessere Weg, die Propagandatexte der Nazis in der Schule als Unterrichtsstoff zu lesen und auseinanderzunehmen anstelle sie zu verbieten.

    Wie kann man aus der Geschichte lernen, wenn man sie eigentlich gar nicht wirklich kennt? Kaum taucht die eine oder andere Verschwörungstheorie auf, de simple Erklärungsmuster für komplexe Prozesse aus dieser Zeit bietet, und schon ist keienr mehr in der Lage, das zu widerlegen.

    Der hier verlinkte Text und die darin aufgestellten Behauptungen sind, soweit hier bekannt, historisches Fundament für eine ganze Reihe evangelikaler Sekten. Ohne das historische Wissen um die Fakten kommen Menschen aus den Lügengebäuden nur schwerlich raus. Das zeigt, welche unerfreulichen Folgen es hat, üble Propaganda einfach dauerhaft zu verbieten ohne sie wirklich aufzuarbeiten.

    Im Informationszeitalter funktioniert das “Mind Programming” von Menschen hin zum besseren durch Propagandaverbot immer schlechter. Mehr Überzeugungsarbeit und weniger Informationsverbote wären vermutlich ein tragfähigerer Weg.

  5. Harry Schwiebert sprach

    Wer die Vergangenheit nicht kennt, sie nicht vollständig in Frage stellen darf, wird alleine schon durch dieses Verbot zu Schlüssen verleitet, von denen ich annehme, daß die Verbieter sie herauforderten.

  6. Pater Lingen sprach

    [Editor: gelöscht.]

    Die Texte meiner Homepage sind - soweit nicht Rechte Dritter betroffen sind - frei von urheberrechtlichen Einschränkungen.

    [Editor: wir verzichten dankend.]

  7. Pater Lingen sprach

    Dass die Hinweise auf Texte z.Th. Nationalsozialismus vom Editor “dankend” (Achtung, Ironie!) gelöscht wurden, bestätigt, dass die Anfrage: “Wer ist in der Lage, die antikatholische Verschwörungstheorie von Leo H. Lehmann als Lügengespinst zu entlarven?” ebenfalls nur ironisch gemeint war.

  8. Redaktion sprach

    @Rolf Hermann Lingen
    Nein, weder das eine noch das andere war ironisch gemeint. Die Anfrage ist genauso ernst gemeint wie der Dank Dir gegenüber für Deinen Versuch, Dich an der Diskussion zu beteiligen.

    Nach Durchsucht der verlinkten Inhalte sind wir zur Überzeugung gekommen, dass diese nicht geeignet sind, diese Diskussion hier irgendwie voranzubringen. Oder deutlich: Eine Theorie, deren Qualität wir in etwa so einschätzen wie das Machwerk “Die Protokolle der Weisen von Zion” möchten wir hier nicht verlinken. Wir halten das nicht für hilfreich.

    Und noch deutlicher: Auch wenn wir uns für deinen Diskussionsbeitrag bedanken, weil wir glauben, dass er hilfreich, ehrlich und anständig gemeint war, so legen wir auf weitere Diskussionsbeiträge dieser Qualität keinen Wert.

  9. Harry Schwiebert sprach

    @Pater Lingen
    Als ich sah, daß du entlinkt wurdest begann ich mich für dich zu interessieren.
    Mein Neugier schmolz sofort dahin, als ich erkannte, daß du ´ne Sekte gründen und dich zum Gröfaz krönen lassen willst.

  10. Harry Schwiebert sprach

    @Pater Lingen
    Es ist soweit.
    “Vatikan verkündet Selbstauflösung zum 01.01.2009″
    http://www.hu-m...php?id=583#text

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