Wir sind eigentlich schon keine Menschen mehr, eher Teil der perfekten Maschine. Arbeitskräfte zwischen „Luxus“ und „Fünf-Minuten-Terrine“. Wir lesen Magazine, die verkaufen müssen, um zu ernähren. Geschrieben von „Menschen“, die sich was trauen müssten, diese Welt zu erklären.
Wir essen Dinge, die uns krank machen, statt gesund zu erhalten. Wir zeugen kaum noch Kinder, weil wir lieber das Chaos verwalten. Warten auf Aufschwung, Wachstum, Urlaub und Rente. Sind Fernzeugen von Kriegen, Gewalt und Ungerechtigkeit. Wir tun uns selbst leid, doch verharren im Stupor. Wir bezahlen den Politzirkus und finden nichts mehr dran super.
Wir klatschen für Schwachsinn, testen “neue” Produkte und Maschinen, halten den Rest der Welt für dumm, wollen an ihm kräftig verdienen. Schicken Soldaten und Bomben über Flugwege und Schienen, Flexibilität verkommt auf deutschen Autobahnen. Die meisten von uns schweigen täglich, auch wenn so viele etwas ahnen.
Unsere Kinder verdummen, werden zu Verbrauchern erzogen. Eine andere Erziehung haben wir alle natürlich schon länger erwogen, doch fühlen uns machtlos, auch nur das Kleinste zu ändern. Außerdem funktioniert das System doch auch in anderen Ländern. Unsere Kinder lernen nicht, was Freiheit wirklich bedeutet, sondern eher wie ein Volk ein anderes ausbeutet. Sie lernen nicht, ihren Geist zu erkunden. Denn als treue Kunden brauchen sie keine kritischen Fragen, sondern sollen lernen, in diesem Leben gar nichts zu wagen.
Wir haben Schuldgefühle, doch Schuld sind immer die Andern. Wir können ja noch immer auswandern, uns dem Stumpfsinn entziehen. Ja, wir können alle Maschinen abschalten, wenn wir nur wollen. Aber wenn wir das wirklich täten, hätte das dann auch nie passieren sollen. Wir suhlen uns in Abhängigkeiten und Impulsen von Außen, sind nicht mehr innengeleitet, denn unser Feind sitzt stets draußen. Wir wollen Seelen verkaufen, die Andern dafür verdammen. Unsere Gefühle sind blockiert, weil wir uns Gedanken über Leistung und Effizienz in unser Hirn rammen.
Wir werden immer schneller, doch geht uns langsam die Luft aus. Trotzdem heißt es im Alltagsleben weiter “Bauch rein und Brust raus“. Uns fehlt Solidarität, wir wollen immer nur kotzen. Kaufen uns Ablenkung in Form von BamS, Bier, Kleidern und Glotzen. Keine Zeit zum Innehalten, wir bleiben vom Herz abgeschnitten. Haben uns beim Sex den Schmerz aus der Seele geritten, danach weiter gelitten, so als führen wir Schlitten über Glatteis. Wir trudeln und rufen nach Führung.
Die verwaltete Welt, alles soll immer perfekt sein. Ein Leben aus Plastik, was soll daran noch echt sein? Politische Blogger machen immer nur Panik, so schlimm wird’s schon nicht werden. Denn am Ende gibt’s Frieden, wenn auch nicht hier auf Erden.
Oder etwa nicht?
Der Wecker klingelt. Ein neuer Tag beginnt.
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| Zumutung |
Par·tei·buch n. Heft mit persönlichen Daten und Mitgliedsnummer zum Beweis der Mitgliedschaft in einer Partei
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Schattenmann: weißt du, was “witzig” ist? Ich hatte gester Nacht Eure Seite nicht gesehen und hatte einen ähnlichen Artikel verfaßt, wobei es bei mir darum ging, dass wir uns in Deutschland immer mehr entfremden, auseinanderstreben, geteilt werden …
Moin Bernd, allen, die bisher nicht an das kollektive Unbewußte glaubten, wird das eine Lehre sein *lol
Wo finde ich Deinen Artikel?Edit: Hab ihn hier gefunden. Du hast meine volle Zustimmung.
Hallo Schattenmann,
Gegenfrage: Wer ist ‚Wir’? Dein Artikel beschreibt zwar alles Beklagenswerte, aber damit eben nur die Symptome einer aus dem Ruder gelaufenen Entwicklung, unter der alle leiden. Sind ‚Wir’ nun Täter oder Opfer? Und wie hat es soweit kommen können, worin liegen die Ursachen?
Das bleibt jedenfalls offen. Sicher kann und soll man einen Appell für ein vernünftigeres eigenes Verhalten aus dem Artikel entnehmen, aber das bieten Tausende anderer Quellen, angefangen bei der Bibel, auch.
Etwas Wesentliches kommt nach meiner Meinung zu kurz: Auch wenn es gelänge, wirklich viele Menschen mit den indirekten Ermahnungen zum Besseren zu bekehren, bleiben sie doch auch dann nur Individuen in einer richtungslosen Masse!
Ohne gesellschaftspolitische Zielstellung bleibt der dialektische Umschlag in eine neue Qualität aus. Das Gut – Sein Einzelner macht es zwar erträglicher, es schützt vor Resignation und Isolierung, wenn man gute Nachbarn und Freunde mit sich weiß, die gleich empfinden und handeln. Aber das war’s dann eben auch.
Etwas an den Verhältnissen zu ändern, das geht nicht ohne Kampf, nicht ohne Opfer und Risiken, und schon gar nicht, indem man bei der nächsten Wahl die vermeintlich richtigen Kreuze macht.
Mungo
Hallo Mungo,
mit dem Text habe ich versucht, mich in die Gedankenmuster eines beliebigen (wenngleich fiktiven) Bürgers zu versetzen, dessen Geist einige der Zusammenhänge vage erkennt, und dennoch nicht bereit ist, selbst Verantwortug zu übernehmen, sich aus den Abhängigkeiten zu lösen.
Dieser Bürger wählt das Wir, weil seine eigene Ich-Stärke ihm nicht ausreichend erscheint - er traut sich selbst nicht über den Weg, hat Schuldgefühle für das, was er bisher zugelassen hat.
Das Wir-Gefühl ist auch Teil jener Bewegungen, welche die herrschenden Verhältnisse radikal ändern wollen. Während wir hier schreiben, bleiben wir Täter. Wir treten zwar in einen Austausch, der jedoch an sich keine direkte Veränderung auslösen wird. Vielleicht aber gelingt es, im Geiste etwas zu bewegen.
Möglicherweise gehörst Du zu denen, die sich bereits umfassend informieren und daraus ein in sich geschlossenes Weltbild konstruieren, das stark vom von den Medien gezeichneten Bild abweicht. Vielleicht fühlst Du Dich in gewisser Hinsicht überlegen, weil Du zu erkennen glaubst, daß andere (welche?) Wege notwendig sind, um etwas zu bewirken.
Du schreibst von Kampf, Opfer und Risiken. Das sind starke Begriffe. Doch auch sie haben mit dem “Außen” zu tun. Dazu vier meiner Standpunkte:
1. Ich kann etwas ändern - und zwar mich selbst.
2. Niemand außer mir ist für meine Lage verantwortlich.
3. Kein anderes Lebewesen ist von höherem oder geringerem Wert als ich selbst.
4. Es gibt nur diesen Moment. (Zukunftsvisionen und Erinnerungen sind Gedanken. Gedanken entsprechen nicht der Realität, da sie nur einen Teil der Wirklichkeit abbilden.)
Gesellschaftliche Zielstellung kann in meinen Augen nur die Erlangung der Freiheit sein, insofern, als daß die Befreiung jedes Einzelnen nur von ihm selbst ausgehen und vollzogen werden kann.
Ich muss einsehen, daß ich in Wahrheit keinen Einfluss auf das Verhalten anderer habe, auf ihre Gedanken schon. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Wenn mich mein Gegenüber als wahrhaftig erlebt, dann ist es möglich, daß es eigene Schlüsse zieht, sein Verhalten zu ändern.
Die Einstellung, ich müsse Andere bekehren - gar gleich ganze Massen - halte ich für untauglich. Ein freies und denkendes Individuum (die gesellschaftspolitische Zielstellung) wird am Ende jeden Impuls ablehnen, der eine bestimmte Vorstellung von Glück aufzwingt.
Die Generationen geben Unmassen an Psychosen und Neurosen weiter, entstanden aus (Existenz)Angst. Genau diese Ängste werden von Wirtschaft und Politik geschürt, aber auch in jeder Familie gibt es Muster, wie oben beschrieben. Erlerntes Verhalten.
Ziel ist demnach der “neue Mensch”, der sich seiner Selbst sowie seiner Fähigkeit bewußt ist, Angst zu bewältigen. Im Unterschied zu bisherigen “Faschismus” oder “Realsozialismus” kann dieser neue Mensch nicht aus dem Außen geschaffen werden, er kann nicht einem vorgegebenen Ideal entsprechenden, sondern nur aus sich selbst heraus. Es mag paradox klingen, doch es gibt ein Ideal: die Liebe und die Einheit. Beides trägt jeder Mensch in sich, das muss nicht von au0en kommen.
Ein letzter Punkt: Ich bin in meinem bisherigen Leben zu der Erkenntnis gelangt, daß es tatsächlich nur zwei Arten von Entscheidungen bzw. Grundgedanken gibt: Angst oder Liebe.
Jedes mir bekannte Gefühl kann ich auf eine dieser beiden Grundformen zurückführen. Ich bin mir bewußt, daß es unterdrückende und unterdrückte Gefühle beider Art gibt. Ich weiß, daß Gefühle mein Verhalten steuern.
Wenn es mir gelingt, zunehmend Entscheidungen aus Liebe zu treffen, anstatt aus Angst, dann - so mein Gefühl - verändere ich die Welt bereits. Für mein Leben ist dies der einzige Weg. Wie Dein Weg aussieht - ob mit Kampf und Opfern - weißt nur Du allein.
Herzliche Grüße,
Schattenmann
Wie sagt man da noch so schön, der Verstand sollte dem Herzen
folgen und nicht umgekehrt.
Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass ich fühle, etwas verändern zu wollen aber durch meinen Verstand geblockt werde mit den Gedanken “Was kann ich schon verändern,es ändert sich ja sowieso nichts” aufgehalten werde.
[…] Mein Parteibuch | Via […]
Ich habe im Intenet irgendwann einen Text gefunden, an den ich mich beim Lesen der “Gedanken eines beliebigen Bürgers” erinnerte,darum zitiere ich ihn:
“Die vielgelobte Eigenschaft Fleiß bedeutet ja auch, daß man zugunsten eines Interesses auf alle anderen verzichtet. Und können nicht am ehesten die verzichten, die nichts anderes reizt? Die nicht verzichten müssen?
Gehorsam — vom Befehlenden heute “Befähigung zur Teamarbeit” genannt — bedeutet auch, daß einer imstande ist, eigene Ideen in den Hintergrund zu stellen. Und ist es nicht einfacher, wenn er gar keine hat?
Die Konsequenz, die nötig ist, um auf einem bestimmten Gebiet der Erste zu werden, bedeutet auch, daß man wiederholt, übt, trainiert, jahrelang, bis zur Erschöpfung. Und tut man sich dabei nicht leichter, wenn man sich gar nicht ausmalen kann, wie aufregend etwas Neues wäre?
Begeisterungsfähigkeit ist eine wunderbare Eigenschaft. Doch wenn einer es fertigbringt, sich nach einem Jahrzehnt noch immer für das gleiche Produkt, dieselbe Tätigkeit, den identischen Bewegungsablauf zu begeistern, sollte man da nicht besser von geistiger Anspruchslosigkeit reden?
Muß Zielstrebigkeit — die Gewißheit, dáß man dort ankommen werde, wo man hin will — nicht aus Mangel an Vorstellungsvermögen für die Bestrebungen und Talente der anderen entstehen? Natürlich, einer der tausend oder Millionen Menschen, die zur selben Zeit zur gleichen Spitze drängen, behält am Ende immer recht. Jawohl, sagt er, er habe schon als ganz junger Mensch gewußt, daß er es schaffen werde. Man müsse etwas nur wirklich wollen — das sehe man doch an ihm! Doch für seine Phantasie spricht das nicht. […]
Und Mut, Risikofreude, sind das nicht Tugenden, die einem am leichtesten fallen, wenn man sich der Gefahren einer bestimmten Unternehmung nicht bewußt wird? Wenn man nicht in der Lage ist, sich die Katastrophe auszumalen, die man mit seiner Entscheidung unter Umständen heraufbeschwört? Wenn man sich gar nicht fürchten kann?”
Ach ja, hier habe ich noch einen Internetschnipsel, den ich für den “Gedanken eines beliebigen Bürgers” halte:
“schmeisst jedem jammerlappen
der seinen staat nicht geregelt krieg t
pro einwohner DM 100.000.– in bar und
kleinen gebrauchten scheinen vor die
haustuer, besser noch, jeder der auf dieser
wunderbaren welt hungert erhaelt das koefferchen
bargeld direkt vom weihnachtsmann und krieg ist gegessen.
nicht alle narren werden sich unnuetze waffen kaufen, wenn sie dm 100.000 in bar unversteuert
erhalten.
gemessen an den kosten, die vergeltung, krieg und wiedergutmachung kosten, ist es billiger,
jedem einwohner jedes landes, und auch und vor allem diesen »schurkenstaatenbewohnern« eine echte moeglichkeit zu geben, aus ihren persoenlichen beengten verhaeltnissen herauszukommen.
zeig mir den bergbewohner in afghanistan und anderswo, der sich nicht kaufen laesst.
zum wohlstandsbauch gibt es keine vernuenftige
alternative, alles andere ist krieg und unfug.
gebt den militaristen keine chance, auf den
truemmern des wtc einen atomschlag oder einen
weltkrieg anzuzetteln.
diese welt ist tatsaechlich groesstenteils harmlos, wenn man nur will.”