| Von geheimen Agenten infiltriert |
| (Quelle: De Morgen, 08.01.2008) |
Am 08.01.2008 brachte das in Belgien von der Van Thillo Familie herausgegebene Käseblatt “De Morgen” einen reißerischen Artikel, in dem behauptet wird, die vor ein paar Jahren mit einer Milliardenpleite abgetretene Spracherkennungsfirma Lernout & Hauspie sei von ausländischen geheimen Agenten infiltriert gewesen. Zentral bei der Milliardenpleite sollen irgendwelche ‘language development companies’ (LDC) und ein deutscher Topagent des Bundesnachrichtendienstes mit Namen Stephan Bodenkamp alias Christoph Klonowski gewesen sein. Während in Belgien zahlreiche Berichte über den Betrugsprozess erscheinen, findet die juristische Aufarbeitung der Pleite - wenn man einmal vom notorisch querulatorischen R-Archiv absieht - in Deutschland keinerlei Beachtung.
Wie das Käseblatt De Morgen auf die Idee kommt, Christoph Klonowski sei ein geheimer Agent, ist schwer nachzuvollziehen. Schließlich ist die Tätigkeit von Christoph Klonowksi, wie das bei BND-Agenten so üblich ist, alles andere als geheim. Bei Google findet man zur Suchphrase “Christoph Klowowski” gleich Dutzende von Treffern, wobei darunter gleich mehrere Webseiten der Europäischen Union sind. Und auf der Webseite des nigerianischen Außenministeriums werden Mrs Karin KLONOWSKI und Mr. Christoph KLONOWSKi voll unauffällig gleich als “FIRST SECRETARY(POLITICAL AFFAIRS)” der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Wikileaks präsentiert zur Suchphrase Christoph Klonowski die Parodie eines Schlapphutfotos und im Tagesspiegel wurde obendrein unter Angabe des Aktenzeichens 812 Cs 572 Js 37025/00 bereits vor Jahren ausführlich über Schattenhaushalte des BND und das Google auch bestens bekannte “Amt für Auslandsfragen” diskutiert. Und der Verfassungsschutz oder irgendeine andere Instanz zur Erzielung möglichst großer Streisand-Effekte hat bei Indymedia gerade dafür gesorgt, dass dort ein Artikel zum Thema Amt für Auslandsfragen in den Google-Cache versteckt wurde. Von einem geheimen Agenten, wie De Morgen schreibt, kann also bei Stephan Bodenkamp alias Christoph Klonowski wirklich keine Rede sein.
Natürlich ist die Technik der Spracherkennung für staatliche Superüberwacher und die Regenten der Welt hochinteressant oder gar überlebenswichtig. Schließlich braucht man zum massenhaften Telefonabhören irgendeine Software, die die Mitschnitte auswertet und als Ascii-Text computerlesbar abspeichert, wenn man nicht den ganzen Quatsch, den das Volk den lieben langen Tag so schwätzt, mühsam wie die Stasi mit Zigtausenden von Mitarbeitern per Hand abschreiben will. Wo es um eine Schlüsseltechnologie für die Beherrschung der Welt geht, wäre es also nur logisch, wenn bei Lernout & Hauspie nicht der BND den Ton angegeben hat, sondern sich geheime Agenten von der Mafia und von russischen sowie von amerikanischen Geheimdiensten die Klinke in die Hand gegeben haben.
Aber davon schreibt “De Morgen” eher weniger und die deutsche Presse schreibt davon - natürlich - gar nichts.
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Ganz schlecht ist “De Morgen” nicht. Dieses “Käseblatt” hat zuerst die Entdeckungen des europäischen Finanzbeamten Paul van Buitenen publiziert. Ohne “De Morgen” wäre van Buitenen von den mächtigen EU-Kommissaren zerquescht worden. So aber hängten sich viele andere Medien an die Geschichten um Edithchen Cresson, ihren Zahnarzt und viele andere Fälle unfairer Auftragsvergabe. Die Santer-Kommission musste zurücktreten. van Buitenens Buch “Strijd voor Europa” oder “Unbestechlich für Europa” ist sehr lesenswert.
Hallo Katzenfreund,
ich halte den Artikel für eine gelungene Satire - Glückwunsch zur Google- Recherche.
MfG
ter
Spracherkennung ist ein Thema von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Nicht nur für Geheimdienste, die auf diese Weise ganz komfortabel Telefongespräche auf bestimmte Schlagwörter hin analysieren können, sondern auch für ganz normale öffentliche Einrichtungen - beispielsweise Verwaltungen - und natürlich auch für die Bürger.
Meiner Überzeugung nach ist Spracherkennung noch sehr viel wichtiger als Kryptografie/Anonymisierung.
Zustimmung zu Kommentar Nr. 3. Aber - ist die Wichtigkeit ein Grund - eine Entwicklung auf fremde Kosten und fremdes Risiko zu betreiben und welche Chancen hatte man in den 90-igern?
Etwa 1998 kaufte ich mir einen neuen PC. Der hatte eine Festplatte von 1,5 GB und einen Arbeitsspeicher von - ich glaube - 68 MB.
32 oder 64 Mbyte, mein Gott.
Ansonsten — Respekt, Du bist der Beste.