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29. Februar 2008

Politische Vaporware bei der Tagesschau

von @ 19:53. abgelegt unter Deutschland, Politik, SPD, Tagesschau.de, Medienmanipulation
Screenshot von Tageschau.de 29.02.2008
Patient Tagesschau
(Quelle: Tageschau.de)

Beim Verkauf von Software kennt jeder den Begriff Vaporware. Vaporware wird in der Software-Industrie gern als Kommunikationsstrategie eingesetzt, um den Absatz der Produkte von Konkurrenten zu stören, wenn man selbst außer heißer Luft nichts an Argumenten und Fakten zu bieten hat.

Das Konzept der Vaporware ist unter Technikern so bekannt und beliebt, dass jährlich Ranglisten für die beste Vaporware aufgestellt und aljährlich Preise an die Spitzenreiter der irreführenden Kommunikationsstrategien vergeben werden.

In der Wikipedia wird der Begriff Vaporware auszugsweise wie folgt erklärt:

“Vaporware ist Software oder ein technisches Gerät, deren Erscheinungsdatum weit in der Zukunft liegt, oder deren angekündigte Erscheinung ausblieb. … Deutsche Umschreibungen sind „nichts als heiße Luft“ oder „viel Lärm um nichts“. … Grund für die frühe Ankündigung von Produkten, deren Planung sich unter Umständen noch in einem unausgegorenen Zustand befindet, liegt darin, eigene oder potenzielle Kunden vom Kauf womöglich schon existierender Konkurrenzprodukte abzuhalten”

Mit dem als Top-Meldung platzierten Artikel “Patient SPD” von Corinna Emundts hat Tageschau.de nun einen Pflock bei der Verbreitung von politischer Vaporware der News-Industrie eingeschlagen.

Nachdem der Vorstand der SPD kürzlich beschlossen hat, den SPD-Landesverbänden die Entscheidung selbst freizustellen, ob und, wenn ja, wie sie mit der Linkspartei zusammenarbeiten möchten, versuchen staatstragende Medien und die Milliardärspresse mit aller Macht, die SPD wieder zu einer transatlantischen Ersatzpartei der CDU zu machen. Bei den Transatlantikern geht die Panik des Machtverlustes um, wenn Landesverbände der SPD sich entscheiden dürfen, mit sozialdemokratisch geprägten Politikern in der Linkspartei zusammenzuarbeiten und transatlantische Netzwerke womöglich zukünftig mal nicht mehr stets die Kontrolle über jedes Detail deutscher Politik haben.

Schon die Schlagzeile “Patient SPD” zeigt, wo der Hase bei den Transatlantikern lang läuft. Die Tagesschau versucht die SPD wegen des Vorstandsbeschlusses zu einer kranken Partei zu schreiben. Das propagandistische Geschwätz von Corinna Emundts bei tagesschau.de wird als Analyse getarnt. Auf harte Fakten wird bei der heißen Luft so weit wie möglich verzichtet. Und wenn doch mal ansatzweise Fakten kommen, dann liest sich das bei Corinna Emundts so: “Noch scheinen die Gegner des Tabubruchs Öffnung gegenüber der Linkspartei stärker. … In der Partei tobt unterdessen ein heftiger Richtungsstreit. … Er lässt die SPD alleine mit einem übereilt getroffenen Beschluss, der vielen Sozialdemokraten Magenschmerzen bereitet … Doch inzwischen ist der erst leise Unmut zu lautem Protest geworden.”

Um ihr Geschwätz zu untermauern führt Corinna Emundts natürlich die beiden Transatlantiker Michael Naumann und Johannes Kahrs ins Feld. Dass sich in der SPD inzwischen rumgesprochen hat, dass der ehemalige BND-Schwiegersohn und jetztige transatlantische Bankiers-Schwiegersohn Michael Naumann nur durch geklaute Wahlurnen überhaupt Spitzenkandidat in Hamburg geworden ist, unterschlägt Tagesschau.de natürlich. Auch, dass Johannes Kahrs nicht nur wegen seiner verheimlichten Spenden aus der Rüstungsindustrie seinen politischen Zenit schon längst überschritten hat, erwähnt Corinna Emundts natürlich mit keinem Wort. Ansonsten steht in der Top-Meldung der Tagesschau eigentlich nur, dass es nichts zu berichten gibt, weil keiner etwas sagt, was berichtenswert wäre. Der “laute Protest” findet nur in den von Transatlantikern kontrollierten Medien statt, die wegen des Beschlusses zur Linkspartei in Attack-Mode gegen Kurt Beck gegangen sind. So was darf man sicher Vaporware der News-Industrie nennen.

Im Focus kann man zu dem von Tagesschau.de präsentierten Faktum des “heftigen Richtungsstreites” hingegen folgendes lesen:

Die Mehrheit der Landesverbände hält es aber für sinnvoll, selbst über Links-Bündnisse zu entscheiden. … Gegen den Beschluss hat sich bislang öffentlich allein der niedersächsische SPD-Landesverband gewendet.

Davon schreibt Corinna Emundts natürlich nichts. Verständlich scheint das nicht, aber geschichtlich interessierte Leser dürfen sich gern noch einmal mit der Operation Mockingbird vertraut machen.

Schön, dass Tagesschau.de ihre Leser so gut informiert. Mit hervorragenden journalistischen Leistungen erarbeitet man sich nicht nur den Respekt von gut 500.000 Mitgliedern der SPD. Mit plattester Propaganda macht man sich als Leitdemium hingegen überall bloß lächerlich.

Nachtrag 01.03.2008: Michael Naumann zeigt nun endlich offen, was der Hintergrund für das Medienspektakel der Milliardärspresse zum SPD-Vorstandsbeschluss ist. Die SPD-Landesverbände sollen nicht frei über den Umgang mit der Linkspartei entscheiden dürfen, weil sonst die Unterstützung der SPD für die verbrecherische Kriegspolitik der USA gefährdet ist. In einem ganz zufällig in Springers Abendblatt veröffentlichten Brief “an Kurt Beck” redet Michael Naumann Klartext:

Dass unsere außenpolitische Glaubwürdigkeit, dass die neue Rolle der Bundeswehr und unsere Bündnistreue, aber auch unsere Beziehung zu dem immer noch wichtigsten Partner USA von der Linkspartei in Frage gestellt werden und dass darum eine wie auch immer geartete Kooperation auf das Gesamtbild der SPD, aber auch das der Bundesrepublik abfärben könnte, das alles steht für mich außer Frage.

Na, da lässt sich doch prima drüber abstimmen. Wer für eine Unterstützung der US-Kriege durch Deutschland ist, möge nun seine Stimme und seine Hand heben und den Transatlantiker Michael Naumann unterstützen. Die weithin unsichtbaren transatlantischen Seilschaften von CIA-Leuten in deutschen Medien werden so endlich offen sichtbar.

6 Kommentare zum Beitrag “Politische Vaporware bei der Tagesschau”

  1. otti sprach

    Dazu eine Geschicht aus dem schwäbisch-korrupten Musterland Baden-Württemberg:

    Der Minischdrpräsident Oettinger soll kürzlich der SPD einen “verräterischen Kurs” und dem SPD-Fraktionschef “Die Linke hoffähig” zu machen vorgeworfen haben, womit der SPD-Mann den “Virus” versuchsweise nach Baden-Württemberg trage.

    In einer Plenardebatte warf der SPDler daraufhin Oettinger vor, sprachlich “verdammt nahe bei den Nationalsozialisten” zu sein, worauf die Oettinger-Fraktion geschlossen den Saal des Hohen Haus unter Protest verlassen hat.

    In einem Kommentar des öffentlich-rechtlichen Hofberichterstattungsfernsehens wurde der SPDler, “Herr Schmiedel”, folgerichtig harsch - Mann oh Mann - in die Schranken verwiesen. Von einem “Virus” war natürlich dabei keine Rede. Schließlich hat Oettinger ausdrücklich klargestellt, also gell, seinen politischen Gegner keine “Bazille” genannt zu haben! Ha noo!

    Wer in unserem Land in die politische Ecke gestellt gehört, das entscheidet der Wähler! Und wenn Die Linke und ihre Wähler von einem bekannt-berüchtigten baden-württembergischen Trauerredener mit einem “Virus” in Verbindung gebracht wird, so sagt das nur etwas über das antidemokratische Verständnis dieser Person aus.

  2. Bogomil Ohbama sprach

    Ich bin dann mal weg. Immer mehr Menschen wagen sich in ein neues Leben ohne Rückfahrschein. Im vergangenen Jahr kehrten 180 000 Deutsche ihrem Heimatland den Rücken. Das ist ein Anstieg von 50 Prozent seit dem Jahr 2001. Und der größte Teil von ihnen nicht etwa, um in einer Finca auf Mallorca ihren Lebensabend zu genießen, sondern um irgendwo auf der großen weiten Welt ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

    Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden schon im Jahr 2006 155 300 Fortzüge deutscher Staatsangehöriger aus Deutschland registriert, das ist die höchste Zahl deutscher Auswanderer seit dem Jahr 1954. Dies wurde nun im Jahr 2007 nochmal überboten mit 180 000 Menschen die dem System der Volkszertreter den Rücken kehren in eine bessere Welt. Die beliebtesten Zielländer der Deutschen waren die Schweiz, die Vereinigten Staaten und Österreich.

    Selbst eine große Anzahl Russen nehmen das Angebot Putins an und gehen zurück.

  3. Dennis sprach

    Was hat denn Auswandern nun mit dem Thema zu tun? *kopfkratz*

    Letztlich ist die Tagesschau verspätet auf den Zug aufgesprungen, der beim Spiegel schon seit letzter Woche fährt. Täglich unzählige neue Überschriften mit kaum verändertem Inhalt. Aufklärungsjournalismus gehört längst der Vergangenheit an, damit läßt sich kein Geld verdienen… womöglich springen da wichtige Werbepartner ab (Industrie, Lobbyverbände, die US Regierung). Auflagenverluste sind sekundär. Dem Kampagnenjournalismus gehört die Zukunft.

  4. JBG sprach

    Ich verstehe nicht, warum sich die Medien jetzt auf Kurt Beck einschießen und alle über ihn herziehen.

    Lügen sind doch ohnehin politisches Alltagsgeschäft. Rentenlüge und Mehrwertsteuerlüge sind/waren für die Bürger in den Auswirkungen wesentlich gravierender als das, was jetzt Kurt Beck angelastet wird.

    Gabs da nicht mal die “jüdische Vermächtnissen”-Lüge von Roland Koch und der CDU sowie die “Spendenaffaire-Lüge” von Helmut Kohl?

    Ihr verdammten Pharisäer aus Politik und Medien, was regt ihr euch also künstlich auf über die Aussagen von Kurt Beck?
    Und verschont uns bitte mit dem “Kanzlerkandidat Schleiereule (Steinmeier)”!

    Steinmeier, Steinbrück, Platzek, Kahrs, Naumann = schwarzes Brechmittel!

  5. salvo sprach

    @JBG

    zur Rolle der Medien bei der Kampagne gegen Kurt Beck und den angeblichen Linksruck der SPD, siehe die nachdenkseiten

    http://www.nach...=3033#more-3033

  6. mein-parteibuch.com » Alternative zum Vorschlag von Roman Herzog sprach

    […] um das Gesamtbild der außenpolitischen Rolle der Bundeswehr, Bündnistreue und die “Beziehung zu dem immer noch wichtigsten Partner USA” […]

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